Ausraster, Überraschungs-Opa und Favoritensterben: 7 besondere Highlights der Darts-WM
Ausraster in der ersten Runde
Cameron Menzies und WM-Debütant Charlie Manby lieferten sich in der ersten Runde einen langen und harten Kampf. Im letzten Satz konnte sich Manby schliesslich durchsetzen und den an Nummer 26 gesetzten Menzies aus dem Turnier werfen.
Dies war zu viel für den 36-Jährigen – Menzies verlor komplett die Nerven. Zunächst wollte er mit seiner Hand die Funken-Fontänen stoppen und schlug danach mehrmals auf das Tischchen, auf dem die Wasserflaschen und das Equipment der Spieler standen. Schiedsrichter Kirk Bevins verwies den Engländer danach von der Bühne, welcher sich auch direkt bei den Fans und seinem Gegner entschuldigte.
Some generational headloss by Cameron Menzies this mind 🤣🤣🤣 #PDCWorldChampionship pic.twitter.com/pTq4wElUyA
— Vinlad (@Vinlad84) December 15, 2025
Einen Tag nach seinem Ausraster entschuldigte sich der Schotte mit einem Statement und erklärte: «Mein Onkel Gary ist kürzlich verstorben. Hätte ich gegen Charlie gewonnen, wäre mein zweites Match am Tag seiner Beerdigung gewesen. Das ist nicht spurlos an mir vorbeigegangen.»
Sein Gegner Manby wollte nach dem Eklat nichts dazu sagen und spielte danach eine erfolgreiche Weltmeisterschaft. Erst im Achtelfinal scheiterte «Champagne» am späteren Finalisten Gian van Veen.
Hood wird zum Publikumsliebling
Der Ally Pally hat nach dieser WM einen neuen Publikumsliebling und dies ist Justin Hood. Der Engländer begeisterte die Fans mit seinem Spiel und verzückte die Darts-Welt mit seinem lockeren Auftreten.
Bei seiner ersten WM stiess Hood sensationell in den Viertelfinal vor und schlug unter anderem die Weltnummer 6, Danny Noppert, und den an Nummer 10 gesetzten Josh Rock. Während die Partie gegen Noppert in der zweiten Runde ein regelrechter Krimi war und erst im Entscheidungsleg endete, war der Achtelfinal-Erfolg eine Gala. Mit einer hervorragenden Doppelquote liess Hood seinem Kontrahenten keine Chance und gewann mit 4:0.
Im Viertelfinal endete die fantastische Reise nach der Niederlage gegen den zweifachen Weltmeister Gary Anderson. Insgesamt erspielte sich Hood ein Preisgeld von 100'000 britischen Pfund und möchte dieses Geld nutzen, um ein eigenes China-Restaurant zu eröffnen.
Kenianer verzählt sich und schlägt die Weltnummer 18 trotzdem
David Munyua schrieb wohl eine der schönsten Geschichten der WM. Der Kenianer siegte trotz 0:2-Rückstand gegen Mike De Decker, welcher als Nummer 18 in das Turnier startete. Erst drei Jahre zuvor hatte Munyua zum ersten Mal Darts gespielt, wie er nach der Sensation erzählte: «Es stimmt, ich spiele erst seit drei Jahren. Früher habe ich hauptsächlich Pool gespielt, aber eines Tages trank ich ein Bier mit einem Freund, und der sagte mir, dass er früher Darts gespielt hat. Er zeigte mir, wie es funktioniert. Ich warf meine ersten Pfeile und dachte: ‹Wow, das macht Spass.›»
Der 30-Jährige verrechnete sich sogar zweimal im Spiel. Einmal, als er 135 übrig hatte und zehn Punkte zu wenig skorte und sich feiern liess, und ein weiteres Mal, als er statt auf die Doppel-20 auf das Doppel-16-Feld zielte und dies auch traf. Dazu sagte der studierte Tierarzt: «Ich bin glücklich, dass es nicht entscheidend war, dass ich mich verrechnet habe.»
In der zweiten Runde endete das Turnier dann für den Kenianer. Der Niederländer Kevin Doets setzte sich problemlos mit 3:0 durch.
71-Jähriger gewinnt ein Spiel und denkt nicht ans Aufhören
Paul Lim ist eine echte Ikone im Darts-Sport. Als erster Spieler überhaupt warf der Singapurer an einer Weltmeisterschaft einen 9-Darter. Dies ist allerdings schon über 35 Jahre her und Lim ist mittlerweile 71 Jahre alt. Trotzdem kehrte «The Singapore Slinger» nach vier Jahren auf die WM-Bühne zurück. Und wie!
Nach dem fantastischen Sieg gegen den Schweden Jeffrey de Graaf wurde Lim mit 71 Jahren, 10 Monaten und 18 Tagen zum ältesten Spieler, welcher in der Geschichte der Darts-WM eine Partie gewinnen konnte.
Mit Luke Humphries traf Lim in der zweiten Runde auf die Weltnummer 2 und blieb chancenlos. Trotzdem kam es für den Darts-Opa nochmals zu einem schönen Moment, als er ein Leg gewinnen konnte und vom Publikum im Alexander Palace gebührend gefeiert wurde.
Bereits nach seinem Sieg in der ersten Runde stellte Lim klar, dass er nicht an das Karriereende denkt: «Ich werde noch lange nicht aufhören. Im Januar werde ich 72. Mal schauen, wie viele Jahre ich noch spielen werde.»
Zweimal knapp am 9-Darter vorbei
Nachdem es an der WM vor einem Jahr gleich zwei 9-Darter gab, wurde dieses Mal kein perfektes Leg gespielt. Am nächsten dran waren Gary Anderson in der dritten Runde und Luke Woodhouse im Achtelfinal. Beide vergaben den neunten Pfeil auf das Doppelfeld.
Besonders bitter war dies für Woodhouse, welcher danach tatsächlich noch das Leg gegen Krzysztof Ratajski verlor, danach nicht mehr sein bestes Spiel zeigen konnte und die Segel streichen musste.
Die «Ally-Pally-Wespe» war auch wieder dabei
Immer wieder in den letzten Jahren tauchte bei der Darts-WM die «Ally-Pally-Wespe» auf. Sie wird vom Publikum jeweils auch gefeiert, wenn sie auf dem Bildschirm zu sehen ist. So liess es sich die Wespe auch nicht nehmen, in diesem Jahr mehrmals vorbeizuschauen und griff im Final sogar den späteren Sieger Luke Littler an. Daraufhin sangen die Fans sogar noch ein Lied für das Insekt.
The crowd is singing
— Francis Keogh (@HonestFrank) January 3, 2026
‘Nananananananananna Ally Pally Wasp, Pally Wasp, Ally Pally Wasp’
What a sport #Darts 🐝 #PDCWorldDartsChampionship
pic.twitter.com/7CYV49rNCC
Für einen ganz kuriosen Moment sorgte WM-Debütant Jurjen van der Velde, welcher extra einen Anti-Insektenspray auf die Bühne mitnahm. Dies brachte der Weltnummer 104 kein Glück und der Niederländer verlor gegen seinen Landsmann Danny Noppert mit 1:3.
Favoritensterben in den ersten zwei Runden
Erstmals nahmen an der WM 128 Spieler am grössten Darts-Turnier der Welt teil. Dadurch fiel das Freilos für die Top-32 weg. Dies führte zu einem riesigen Favoritensterben in den ersten zwei Runden.
Für 17 von 32 gesetzten Spielern endete das Turnier bereits vor Weihnachten, darunter auch die Top-10-Spieler Danny Noppert (Weltnummer 6), James Wade (7), Chris Dobey (8) und Gerwyn Price (9).
Mit Justin Hood und Krzysztof Ratajski schafften es schliesslich zwei ungesetzte Spieler in den Viertelfinal.
