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Stürmer Jean-Kévin Augustin will beim FCB zu alter Stärke zurückfinden.
Stürmer Jean-Kévin Augustin will beim FCB zu alter Stärke zurückfinden.bild: fcb.ch
Interview

FCB-Neuzugang Jean-Kévin Augustin: «Skandal-Geschichten wird es keine mehr geben»

Der FC Basel hat mit Jean-Kévin Augustin eine spannende Personalie verpflichtet. In seinem ersten grösseren Interview als FCB-Stürmer spricht der Franzose über sein Image, seine Krankheit und Alex Frei.
30.06.2022, 10:19
Jakob Weber / ch media

Jean-Kévin Augustin trainiert seit Montagnachmittag nicht mehr mit der ersten Mannschaft des FC Basel. Eine Blessur am Knöchel verursacht Schmerzen. Doch schon in der kommenden Woche will der 25-jährige Franzose wieder angreifen und zeigen, dass ihm der FCB zu Recht einen Vertrag bis 2025 gegeben hat.

Was ist Ihre erste Erinnerung an den FC Basel?
Jean-Kévin Augustin: Puh, das war lange her. Ich weiss nicht mehr genau, wann das war. Aber ich sass in der Champions League auf der Bank, als wir mit PSG gegen Basel gespielt haben. Sie spielten gut und haben uns das Leben schwer gemacht. Aber am Ende gewannen wir.

3:0 am 16. Oktober 2016. Knapp sechs Jahre später sind Sie ein Spieler des FC Basel. Kannten Sie vorher einen Ihrer Mitspieler?
Vom aktuellen Kader nicht. Aber ich wusste, dass es einige frankofone Spieler gibt und mir die Integration deshalb leichtfallen wird. Alle haben mich sehr gut aufgenommen. Hier im Trainingslager bin ich mit Andy Pelmard auf dem Zimmer. Das passt.

Aber Alex Frei kannten Sie schon.
Ja. Er war bei Rennes und bei Dortmund und hat viele Tore geschossen.

Haben Sie Ihn früher im TV gesehen?
Nein. Damals habe ich nicht ferngesehen, nur gespielt. Aber ich habe in letzter Zeit einige Youtube-Videos von Alex Frei angeschaut. (lacht)

Wie sind Sie in Basel gelandet? Angeblich gab es schon im Winter Kontakt.
Wenn, dann über meinen Berater, ohne dass ich schon involviert wurde. Ich habe erst am Tag vor meinen Sommerferien vom Interesse aus Basel gehört. Eigentlich hätte ich am Freitag nach New York fliegen sollen, aber am Donnerstagabend rief mein Berater an und sagte, dass ich nach Basel kommen solle, um dort Gespräche zu führen. Also habe ich die New-York-Reise abgesagt. Das Gefühl nach dem Besuch in Basel war sehr gut. Die Kommunikation vor allem mit Alex Frei hat mich überzeugt. Er war ein grosser Stürmer und ich kann von ihm lernen. Ferien gab es dann trotzdem noch. Einfach nicht in New York, sondern in Miami. (lacht) Mein Berater hat unterdessen das Vertragliche geregelt.

Sie hatten eine schwierige Zeit und in Leeds, Monaco und Nantes seit zweieinhalb Jahren kein Tor geschossen. Welche Rolle spielte dabei die Diagnose Long Covid?
Eine sehr grosse. Im Februar 2021 wurde das diagnostiziert. Ich hatte vorher Covid wie viele andere auch. Trotz Impfung. Zunächst dachte ich lange, dass diese ständige Müdigkeit und die fehlende Energie daher kommen, dass ich wegen des Lockdowns nicht viel gespielt habe. Aber irgendwann kam die Diagnose Long Covid und dann hat alles angefangen. Es war unglaublich schwer.

Sie haben fast ein Jahr keinen Fussball gespielt.
Es bringt bei Long Covid nichts, wenn du nur halb pausierst. Es ist eine ernsthafte Krankheit, die man richtig behandeln muss. Ohne Sport. Ich war zum Beispiel sofort ausser Atem, wenn ich mich angestrengt habe. Also musste ich ganz auf Sport verzichten, bis alles vorbei war. Nur wussten weder ich noch die Ärzte, wann das sein wird.

Was machte das mit der Psyche?
Es war sehr schwierig. Ich hatte Momente, wo ich sicher war, dass ich nicht mehr Fussball spielen will. Mental war ich ganz unten. Zum Glück hatte ich meine Familie und mein Umfeld, die mich aufgebaut haben. Ohne sie wäre ich heute nicht her.

Was haben Sie in diesem verlorenen Jahr gemacht? Ein neues Hobby?
Nein. Gar nichts. Ich habe viel nachgedacht und Zeit in die Behandlung investiert.

Haben Sie Angst, dass Sie sich erneut infizieren und Long Covid zurückkommt?
Angst ist das falsche Wort. Klar denke ich manchmal darüber nach. Aber ich glaube an Gott. Wenn es mich nochmal trifft, trifft es mich nochmal.

Basel soll für Sie zum Neustart werden. Was brauchen Sie, damit das gelingt?
(überlegt) Spielzeit natürlich. Aber Spielzeit, die ich aufgrund meiner Leistungen auch verdient habe. Aber ich bin hier nicht als Retter nach Basel gekommen. Ich werde hart arbeiten und hoffe, dass ich dann mit Toren dem Klub helfen kann.

Wenn man Ihren Namen googelt, ploppen einige Skandal-Schlagzeilen auf. Handyspiele auf der Ersatzbank, Stress mit der U-Nati Frankreichs oder RB-Trainer Ralf Rangnick. Wird da ein falsches Bild vermittelt?
Wissen Sie, ich war jung und habe Dummheiten begangen. Dummheiten, wie wir sie alle gemacht haben. Vielleicht die eine oder andere zu viel. Heute sage ich: Das ist passé. Dass im Internet jetzt teilweise dieses Bild von mir gezeichnet wird? Damit muss und kann ich leben.

Dieses Thema haben Sie auch mit Alex Frei diskutiert.
Ja. Ich bin zwar immer noch kein Heiliger. Aber ich bin definitiv reifer geworden, habe durch meine Tochter jetzt auch Verantwortung als Vater und überlege mehr, bevor ich handle. Früher habe ich direkt gehandelt, ohne zu überlegen, und das dann ab und an später bereut. Gewisse Dinge sind passiert, als ich emotional überreagiert habe.

Waren Sie schon immer ein Enfant terrible?
(lacht) Ich bin impulsiv. Wenn mich etwas nervt, reagiere ich und sage auch Dinge, die nicht jedem gefallen. Aber heute glaube ich, dass diese Zeiten hinter mir liegen. Ich glaube nicht, dass ihr in Basel irgendwelche Skandalgeschichten über mich lesen werdet.

Eine gewisse Extravaganz ist Augustin durchaus zu attestieren.
Eine gewisse Extravaganz ist Augustin durchaus zu attestieren.bild: imago-images.de

Sie sagten zu Ihrer Leipziger Zeit, dass sie nur funktionieren, wenn Sie Freiheiten geniessen. Ist das immer noch so?
(lacht) Nicht unbedingt. Am Ende hängt das Funktionieren der Beziehung Trainer-Spieler davon ab, wie sehr sich ihre Visionen vom Spiel unterscheiden und wie die Ansichten kommuniziert werden. Es ist mir aber klar, dass der Trainer keine Rücksicht auf Sentimentalitäten einzelner Spieler nehmen kann und im besten Gewissen für den sportlichen Erfolg aufstellt. Auf dem Feld geniesse ich aber immer noch gerne Freiheiten. Zum Beispiel als Stürmer, der um den Stossstürmer herum relativ frei agiert.

Ist das Ihre Lieblingsposition?
Die oder die des Stossstürmers. Auf dem Flügel war ich früher auch, aber heute nicht mehr so gerne. Da musst du zu viel laufen. (lacht)

Stimmt es, dass «zurück» Ihr erstes Wort auf Deutsch war, das Sie gelernt haben?
(lacht) Ja, das hat mir der damalige Leipzig-Trainer Ralf Rangnick ständig zugerufen.

Wie gut ist Ihr Deutsch jetzt?
Ich habe sicher wieder einige Wörter vergessen. Aber auf dem Fussballfeld und auch etwas darum herum verstehe ich alles.

Das Verhältnis mit Ralf Rangnick in Leipzig war nicht das allerbeste.
Das Verhältnis mit Ralf Rangnick in Leipzig war nicht das allerbeste.bild: imago-images.de

Sie haben mit vielen grossen Stars wie Ibrahimovic, Mbappé oder Dembélé zusammengespielt. Hat da der Kontakt gehalten?
Teilweise. Mit Nkunku, Rabiot oder Mbappé und den anderen PSG-Jugendspielern gibt es immer mal wieder SMS-Austausch und, wenn wir zufällig zusammen in Paris sind, auch ein Treffen. Aber zum FCB-Transfer hat mir von den grossen Namen bislang noch keiner gratuliert. Alle haben unterdessen ihr eigenes Leben.

Augustin und Nkunku zu ihrer PSG-Zeit.
Augustin und Nkunku zu ihrer PSG-Zeit.bild: imago-images.de

Alex Frei sagte, Sie seien aktuell bei 30 Prozent Ihres Leistungsvermögens. Einverstanden?
Sicher bin ich deutlich von 100 Prozent entfernt. Aber ich fühle mich gut. Auch die kleine Fussblessur, die mich die letzten Tage vom Mannschaftstraining abgehalten hat, wird nächste Woche verheilt sein. Lange wird es nicht dauern, bis ich wieder bei 100 Prozent bin. Mit jedem Training und jedem Spiel kommt der alte Augustin zurück.

Haben Sie ein Ziel, was die Saisontore angeht?
Das habe ich. Aber es bleibt geheim. (lacht)

Können Sie uns immerhin verraten, was Sie zum Einstand gesungen haben?
«92i Veyron» von Booba.

Das gleiche Lied wie Ihr Sturmkonkurrent Zeki Amdouni?
Ja. Aber ich war zuerst. Er hat mich kopiert. (lacht)

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