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epa04995811 New England Patriots tackle Sebastian Vollmer sniffs what appears to be smelling salts on the sidelines in the second quarter of the NFL game between the New York Jets and the New England Patriots at Gillette Stadium in Foxborough, Massachusetts, USA, 25 October 2015.  EPA/JOHN CETRINO

Sebastian Vollmer, Deutschlands erfolgreichster NFL-Spieler aller Zeiten. Bild: EPA/EPA

«Die NFL gleicht derzeit einem Viehmarkt» – Sebastian Vollmer über seine Karriere

Benedikt Niessen / watson.de



«In den drei Stunden am Sonntag stecken viel Arbeit und Blut», sagt Sebastian Vollmer. Wenn am Wochenende wieder tausende deutsche Football-Fans (und Millionen auf der ganzen Welt) den ersten «verdammten Sonntag» der neuen NFL-Saison verfolgen, sollten sie an die Worte des Ex-NFL-Stars denken. Der Rheinländer weiss wohl am besten, wie hart die schillernde Liga ist. Er ist mit zwei Super-Bowl-Titeln der erfolgreichste deutsche Spieler in der Geschichte der NFL.

Pünktlich zum Saisonstart veröffentlicht der ehemalige Offensive Tackle und Bodyguard von Superstar Tom Brady seine Biographie. In dem Buch erzählt er seinen Weg von den Düsseldorf Panther bis zu seinem Karriereende nach. Das Vorwort schrieb kein geringerer als der GOAT (Greatest of all Time) und sein guter Freund Tom Brady, der besonders Vollmers Persönlichkeit in den Vordergrund stellt. 

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Vollmer bei dem, was er am besten konnte: Er schützt seinen Quarterback Tom Brady. Bild: EPA/EPA

Mit watson sprach der 34-Jährige über das härteste, was die NFL von ihm forderte, die schweren Entscheidungen gegen seinen Körper und er erklärt, wie deutsche Talente es am besten in die NFL schaffen können. Und er gab noch einen MVP-Tipp ab, der Brady nicht freuen dürfte.

Wie fühlt es sich an, wenn der Tom Brady, der GOAT der NFL, so warme Worte über einen findet?
Sebastian Vollmer: Die Beziehung zwischen mir und Tom ist eine sehr gute Freundschaft. Wir kennen uns seit zehn Jahren und ich habe ihn mehr gesehen als meine eigene Frau. Wir haben täglich zusammengearbeitet. Aber natürlich ist das schön so warme Zeilen über sich zu lesen, gerade wenn man als Footballer sonst viel über den Sport gesprochen hat. Es bedeutet mir sehr viel, dass er sich die Zeit genommen hat.  

«Ich habe Tom Brady mehr gesehen als meine eigene Frau.»

Fast alle Menschen, die Tom Brady erlebt haben, sprechen nur in den höchsten Tönen über ihn. Wieso?
Auf der einen Seite ist es sein Können auf dem Footballfeld seit 20 Jahren als Profi und die Fähigkeit, dass er andere Sportler immer besser macht. Er hat mich besser gemacht, weil er den Ball schnell weggeworfen hat, und die Receiver, weil seine Würfe so genau bei ihnen landen. 

Und persönlich?
Selbst seine Gegner finden ihn toll, weil er so schwer zu schlagen ist. Und, weil Tom nie schlecht über andere Menschen redet. Tom ist einer der wenigen Menschen, die sehr ehrlich sind und nie schlecht hinter dem Rücken anderer sprechen. Deshalb haben alle so einen unglaublichen Respekt.   

Alles andere in deiner Footballkarriere war härter als seine Worte: abgesplitterte Knochen, Gegenspieler, die dich bewusst verletzen wollen, und die Patriots, die dich einfach fallen lassen. War es so schlimm?
Football ist wie in jedem Beruf: Es gibt Schattenseiten. Wenn ich jetzt zurückblicke, ist nicht alles so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt hätte. Aber ich habe keinen Argwohn gegen die Patriots oder gegen jemand anderes. Ich habe meinen Traum gelebt. Ich wollte mit den kritischen Passagen auch zeigen, dass die Welt der NFL mehr ist, als nur drei schöne Stunden am Sonntag. Die NFL ist nicht nur der Gewinn des Super Bowls, sondern kann richtig hart sein. In den drei Stunden stecken viel Arbeit und Blut.  

Das ist Sebastian Vollmer

Vollmer wurde 1984 in Düsseldorf geboren und machte 2003 sein Abitur in Neuss. Er kam über die Düsseldorf Panther, die deutsche Nationalmannschaft, und das Collegeteam Houston Cougars in die US-amerikanische Profiliga NFL.

In seinen sieben Jahren bei den New England Patriots wurde er zweimal Super-Bowl-Champion (2014 und 2016) und zum All Pro, einem der besten Spieler auf seiner Position. Seit seinem Karriereende 2017 ist er NFL-Experte bei «Ran». 

Was war das härteste, was dir in deiner NFL-Karriere passiert ist?
Alle Verletzungen. Dieser ständige und unausweichliche Schmerz, der dich die ganze Zeit begleitet. Ich konnte nie schlafen und bin im 30-Minuten-Takt aufgewacht, weil ich mich wieder auf die Schulter gedreht habe. Reha, Operation, aufs Feld, dann alles von vorne. Das härteste war, meine persönliche Gesundheit für den Sport ständig aufs Spiel zu setzen.    

Wirst du dein Leben lang weiterhin Schmerzen haben?
Ich hab als 150 Kilo-Mann gespielt und mittlerweile 35 Kilo verloren. Das hilft beim Treppensteigen und es ist nicht ganz so schmerzhaft in den Knien. Ich lebe auch deutlich gesünder. Ich stehe wie als Profi schon jeden Tag um fünf Uhr auf und gehe trainieren. Diese anderthalb Stunden am Morgen und diese Routine tun mir gut.

Aber ich trainiere nicht mehr so hart wie früher, sondern eher, um fit und gesund zu sein. Das hilft. Aber ja, ich werde mein Leben lang Schmerzen haben. Doch das ist in Ordnung, das war mir bewusst und die Ärzte haben mir oft genug ein Karriereende ans Herz gelegt. Und ich war damals mit dem Risiko einverstanden, also muss ich es heute auch sein.  

CHANDLER, AZ - JANUARY 28: Sebastian Vollmer #76 of the New England Patriots speaks to the media during the New England Patriots Super Bowl XLIX Media Availability on January 28, 2015 at the Sheraton Wild Horse Pass in Chandler, Arizona.   Elsa/Getty Images/AFP
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Vollmer während einer Pressekonferenz. Bild: GETTY IMAGES NORTH AMERICA

Wie schwer ist diese Entscheidung, dem Erfolg das eigene körperliche Wohl und auch die Familie unterzuordnen?
Das ist eine sehr berechtigte Frage. Das sind schwierige Entscheidungen und oft ein Zwiespalt, der nicht einfach zu lösen ist. Aber viele Dinge entscheidet man, wenn man noch jung ist. Man wächst da ja irgendwie rein mit 16 oder 17, wo man noch nicht an Familie denkt und auch körperlich fit ist. So einfach ist das nicht zu erklären und es ist eine sehr persönliche Entscheidung. Das ist mein Körper und das sind meine Spätfolgen, die ich tragen muss. Und diese Entscheidung habe ich so getroffen und würde sie immer wieder so treffen.

Du beschreibst in deinem Buch immer wieder, wie wichtig harte Arbeit ist. Vergessen das junge Talente oft?
Harte Arbeit und Verzicht können einen sehr, sehr weit tragen. Mich hat die Einstellung, jeden Tag besser werden zu wollen, bis zu meinem höchsten Ziel gebracht. Ich hatte sehr viele Dinge, die ich Football untergeordnet habe und auch musste: Alkohol, Partys, Urlaub. Das ist eine harte Entscheidung und das vergessen viele Fans oder junge Talente.

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So sieht das ab kommender Woche erhältliche Buch aus. bild: riva

Du wurdest in den USA entdeckt, als du mit der deutschen Jugendnationalmannschaft unterwegs warst und bist dann aufs College gekommen. Haben es deutsche Talente heute leichter als du damals?
Vielleicht. Ich glaube, Talent setzt sich immer durch, egal woher man kommt. Die Deutschen stehen den Amerikanern in nichts nach im Physischen. Das Einzige ist die Footballausbildung. Bei uns fangen viele erst als Teenager an, in den USA schon als Kinder. Deswegen ist die Footballausbildung auf einem College sehr wichtig. Ich war damals noch einer der einzigen, heute gibt es viele Deutsche, die den Sprung wagen. 

Der NFL-Saison-Ausblick von Sebastian Vollmer

Wer wird MVP?
Aaron Rodgers.  

Welche fünf Teams sollten wir auf dem Zettel haben?

Die Eagles, die Patriots, die Jaguars, die Rams und die Packers.

Welchen deutschen Spielern traust du den Schritt in die NFL zu?
Ich glaube, dass Kasim Edebali es wieder packen kann, auch wenn er gerade noch nach einem Team sucht. Derzeit wurden sehr viele Spieler entlassen und die NFL gleicht einem Viehmarkt. Er ist gut und wird bestimmt noch was finden. Aber ich gönne es allen und will, dass alle unterkommen und ihren Traum leben können.

Was muss passieren, damit wir einen neuen Vollmer in der NFL sehen?
Es ist wichtig, dass die NFL noch grösser wird in Deutschland, damit noch mehr junge Menschen den Sport kennenlernen. Aber in den letzten zehn Jahren ist die Popularität schon gewachsen. Aber die müsste sich noch mehr steigern, damit es in Deutschland bald schon eine Football-Grundausbildung gibt.  

Was sollten deutsche Talente tun, um in der NFL zu landen?
Ich hatte viel Hilfe von Trainern, Scouts, Eltern und so. Da hatte ich Glück und das braucht man auch unbedingt. Mein Freund Markus Kuhn, der als Deutscher vier Jahre bei den New York Giants spielte, ist einen anderen Weg gegangen: Er hat Highlight-Videos von sich geschnitten und die an Colleges geschickt. Das hat auch geklappt und ist ein guter Weg. Deutsche Spieler dürfen von sich selbst überzeugt sein und sollten einfach dafür kämpfen.

Die 13 geilsten NFL-Stadien

Kein Empfang für Eagles im Weissen Haus

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Video: srf

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5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Dan Rifter 09.09.2018 18:15
    Highlight Highlight Ist mir wurstegal wie nett und toll dee olle Brady zu seinen Jungs ist:

    Auf dem Feld ein Betrüger (inflate gate)

    Neben dem Feld ein Buddy der orangen Pest von NYC/DC.

    Inakzeptabel.
    • nomoney_ nohoney 09.09.2018 22:09
      Highlight Highlight Hast du eine Quelle bezüglich der Buddy Aussage? Würde mich echt interessieren, habe das noch nie gehört.

      Übrigens heisst es glaubs "deflate gate", das aber nur am Rande ;)
  • SJ_California 09.09.2018 10:11
    Highlight Highlight Junge schweizer Schwinger-Talente könnten sich auch mal als O-Liner versuchen...
    • Oban 09.09.2018 10:28
      Highlight Highlight Einfach schnell abgewöhnen das man den Gegner unklammert.
    • Hayek1902 09.09.2018 11:43
      Highlight Highlight Ein 10 Jahre jüngerer Stucki wäre sicher begehrte Ware

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