«Wird sich deutlich unterscheiden» – das sagt SFV-Sprecher Arnold zur WM im Sommer
Herr Arnold, wo wird die Schweizer Nati im Sommer 2026 in den USA absteigen?
Adrian Arnold: Das kann ich leider noch nicht beantworten. Aber wir haben die 66 Hotels und Trainingsanlagen, die uns die FIFA vorgeschlagen hat, auf drei Optionen heruntergebrochen: San Diego, San José und Oakland.
Was ist bei der Auswahl der Homebase der wichtigste Punkt?
Die Reise zu den Spielen muss so kurz wie möglich sein und soll die Spieler nicht unnötig belasten, und das Trainingszentrum muss von hoher Qualität sein. Unsere Spiele finden alle an der Westküste statt, das ist ein Vorteil, so gibt es kein Durcheinander mit den Zeitzonen.
Dieses Durcheinander haben sie in den letzten Tagen wohl am eigenen Körper erlebt.
Absolut. Wir waren für sechs Tage in den USA. Die ersten zwei verbrachten wir in Washington für die Auslosung und die Bekanntgabe des Spielplans, dann ging es nach Kalifornien. Diese Reiserei und die riesigen Distanzen strapazieren den Körper. Bei den vielen Zeitzonen verliert man auch mal den Überblick über die Tageszeit.
Schauen wir auf Ihren ersten Tag: Haben Sie sich über das Los der Schweiz gefreut?
Absolut! Wenn man sich die Gruppen anschaut, hätte es durchaus auch schwierigere Lose gegeben.
Also wird die Gruppenphase ein Spaziergang?
Auf keinen Fall. Gegen Kanada muss die Nati vor Heimkulisse ran. Das kanadische Team hat an der Copa América 2024 mit dem vierten Platz bewiesen, was es kann. Die Kanadier spielen zudem einen sehr intensiven Fussball.
Und dann kommt noch ein europäischer Gegner dazu.
Genau. Wer sich in den europäischen Playoffs durchzusetzen vermag, verfügt über Qualität. Das wird also alles andere als ein Spaziergang.
Welchen europäischen Gegner würden Sie sich wünschen?
Italien, Nordirland, Wales und Bosnien sind alles keine einfachen Gegner, aber ein Spiel gegen Italien ist immer attraktiv.
Und die Schweiz konnte Italien an der EM 2024 schlagen.
Richtig.
Am Samstag folgte dann die Präsentation des Spielplans, war das für sie überhaupt noch von Belang?
Absolut. Hier wurde entschieden, zu welchen Zeiten wir spielen und fast noch wichtiger: an welchen Orten. Das Klima in Kalifornien ist im Sommer mild, aber nicht heiss, das kommt uns sehr gelegen. In anderen Landesteilen kann es doch extrem heiss werden und in Mexiko wäre noch die Höhe dazugekommen.
Also hat man sich mehr über die Orte als über die Gegner gefreut.
Das würde ich nicht sagen, aber wir sind mit dem Los sehr zufrieden. Wir haben uns auch schon entschieden, etwas früher anzureisen, etwa neun Tage vor dem Start des Turniers. In Deutschland haben wir erst fünf Tage vor dem Beginn unsere Zelte aufgeschlagen.
Sie waren an der WM in Katar bereits mit dabei. Wird es Unterschiede zum Turnier vom nächsten Jahr geben?
Die WM 2026 wird sich deutlich von jener in Katar unterscheiden.
Inwiefern?
Da wäre einerseits der geografische Unterschied. In Katar fanden alle Spiele in einer einzigen Stadt statt. Das war sehr interessant und auch attraktiv. Die WM im nächsten Sommer wird über einen ganzen Kontinent verteilt, die Distanzen sind riesig.
Und andererseits?
Die Kultur ist eine ganz andere. Die USA sind als Land der Eventisierung und der grossen Shows bekannt. Das dürfte sich auch in dieser WM zeigen.
Nun wird gerade darüber spekuliert, dass die Zuschauer während der Trinkpausen der Spieler Werbung zu sehen bekommen. Stimmt das?
Wir haben noch keine offiziellen Informationen dazu erhalten, aber ich gehe davon aus, dass das zutrifft.
Und was halten sie davon?
Wir kennen Werbepausen bei Skirennen und aus dem Eishockey. Es war eine Frage der Zeit, dass sich solche Werbeunterbrechungen auch im Fussball
durchsetzen.
Erwarten sie weitere Unterschiede zur WM in Katar?
Das Turnier wird hoffentlich weniger politisch. In Katar drehten sich viele Fragen um die Menschenrechte, das dürfte in den USA weniger der Fall sein.
Trotzdem dürfte das Turnier vom nächsten Sommer eine politische Dimension beinhalten.
Natürlich. Für den Schweizerischen Fussballverband und auch die Schweizer Nati steht aber der Sport im Vordergrund.
Ein weiterer umstrittener Unterschied ist die Grösse des Turniers. Was halten sie von 48 Teams an der WM?
Diese Erweiterung ermöglicht es Ländern, die bisher nicht an eine WM-Endrunde fahren konnten, die Euphorie eines solchen Turniers mitzuerleben. Das finde ich an sich etwas Gutes.
Das werden aber sechs lange Wochen, auch für Sie.
Das hängt natürlich auch davon ab, wie sich die Schweizer Nati schlägt. Je länger sich die Mannschaft im Turnier hält, desto mehr werde ich arbeiten.
Also hoffen Sie auf ein frühes Ausscheiden?
Auf keinen Fall. Für einen Schweizer Weltmeistertitel würde ich auch drei Monate durcharbeiten.
In Katar haben sie vier Kilo verloren, wie viele werden es in den USA?
Das werde ich dann sehen (lacht). Wir gehen aber mit sehr viel Erfahrungswerten aus Katar in diesen Wettkampf, ich hoffe also, dass es weniger sein werden.
Die Schweiz hat in der Zwischenzeit mit der Frauen-EM selbst ein grosses Fussball-Turnier veranstaltet. Haben Sie Tipps für die WM-Gastgeber?
Wichtig ist, dass das Turnier für die Fans veranstaltet wird. Es muss richtige Turnierstimmung aufkommen, wie zuletzt an der Männer-EM in Deutschland und an der Frauen-EM in der Schweiz. Das traue ich diesen Ländern absolut zu.
Obwohl Fussball in den USA – trotz Zugeständnissen durch Donald Trump – eher eine untergeordnete Rolle spielt?
Das stimmt zwar, doch hat die Fussball-Begeisterung in den Vereinigten Staaten in den letzten Jahren
zugenommen. Die Fussball-Liga MLS wurde in den letzten Jahren immer attraktiver und der Sport ist vielen nicht mehr so fremd wie auch schon. Eine WM im eigenen Land dürfte diese Entwicklung nochmals beschleunigen.
Dann lassen Sie sich von dieser Euphorie anstecken und bewerben sich bei der FIFA für eine WM in der Schweiz?
Wegen der schieren Grösse eines solchen Turniers käme eine WM für uns nur im Verbund mit Nachbarländern in Frage. Die Schweiz ist zu klein, um ein Turnier für 48 Mannschaften zu stemmen. Auch die Stadien dafür fehlen.
Also müssten wir zuerst das Hardturmstadion in Zürich bauen?
Nicht nur eines, dafür bräuchten wir gleich mehrere!
