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Alexander Frei, left, and Tranquillo Barnetta, right, who scored the 2nd goal for his team, celebrate after Frei scored the 1:0 during the Group G match between Switzerland and Togo in Dortmund's World Cup stadium, on Monday, June 19, 2006,  during the FIFA 2006 Soccer World Cup in Germany. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)  === MOBILE/PDA USAGE OUT ===

Alex Frei und Tranquillo Barnetta: 2006 schossen sie an der WM Togo ab, beide spielten in der Bundesliga, beide unterschrieben wieder in der Heimat. Bild: KEYSTONE

Kommentar

Barnetta ist St.Gallens Antwort auf Beckham und der beste Transfer, den der FCSG machen konnte

Die Ausgabe 2016/17 des FC St.Gallen ist farb- und erfolglos. Ein Spieler alleine kann daran nicht viel ändern. Es sei denn, es handelt sich um den verlorenen Sohn Tranquillo Barnetta.



Rang 8 nach dem ersten Viertel der Super-League-Saison: Das ist bestimmt nicht das, was sich Klub und Fans des FC St.Gallen vorstellen. Zur sportlich ernüchternden Phase kommt hinzu, dass die aktuelle Mannschaft eine austauschbare Ansammlung von Fussballprofis ist. Goalie Daniel Lopar ist die einzige Identifikationsfigur, hinzu kommen mit den talentierten Verteidigern Roy Gelmi und Silvan Hefti zwei Spieler aus dem eigenen Nachwuchs. Der grosse Rest: Söldner samt und sonders.

In dieser tristen Zeit ist der Zuzug von Tranquillo Barnetta per 1. Januar 2017 doppelt Gold wert. Denn der Mittelfeldspieler ist in St.Gallen mehr als bloss ein 75-facher Nationalspieler. Mehr als bloss einer, der zwölf Jahre lang im Ausland spielte. Er ist der verlorene Sohn. An ihn sind Sehnsüchte verknüpft. Erinnerungen an schönere Zeiten im schönen Espenmoos. Barnetta hat in der Ostschweiz den Status eines unantastbaren Fussballgotts, nicht mehr und nicht weniger. Er füllt eine Lücke, die in St.Gallen seit dem Abgang von Marc Zellweger verwaist war.

Der St. Galler Marc Zellweger blickt auf sein Shirt am Super League Spiel FC St. Gallen gegen den AC Bellinzona am Donnerstag, 13. Mai 2010 in der AFG Arena in St. Gallen. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Zellwegers Nummer 17 kommt im Jahr 2010 unters Stadiondach. Bild: KEYSTONE

Als «Zelli» die Ostschweizer kurzzeitig verliess, um sich in Köln zu versuchen, erbte der junge NLA-Debütant Barnetta dessen Rückennummer 17. Nach Zellwegers Rückkehr wird diese beim FC St.Gallen nicht mehr vergeben. «Quillo» wird deshalb bei seiner Rückkehr mit der 85 spielen, seinem Jahrgang.

Olma, Openair, FCSG

Als junger Fussballer zog Barnetta 2004 aus, um die Welt zu erobern. Er schaffte es immerhin zum unbestrittenen Bundesliga-Spieler, spielte in der Champions League, war jahrelang eine Stammkraft in der Schweizer Nationalmannschaft. Dabei blieb Barnetta stets am Boden, er trat bescheiden auf und machte keinen Hehl aus seiner Liebe zur Olma, zum St.Galler Openair, zur Stadt, in der er aufwuchs. Geschichten von absolut glaubwürdigen Erzählern bestätigen, dass Barnetta weiss, wie man die St.Galler Feste feiert.

Premiere im Kybunpark fuer die neue Fanhymne des FC St. Gallen, aufgenommen am Samstag, 23. Juli 2016, vor dem Fussball Super-League Spiel zwischen dem FC St. Gallen gegen den BSC Young-Boys im Kybunpark in St. Gallen. (KEYSTONE/Eddy Risch)

Barnetta wird in der Ostschweiz mit offenen Armen empfangen. Bild: KEYSTONE

Stets kündigte er an, in der Schweiz nur für einen Klub spielen zu wollen: Für den FCSG. Dass Barnetta nun Wort gehalten hat, ist sehr viel wert in der heutigen Welt, in der Fussballprofis das Image von egoistischen Abzockern haben.

epa04508525 Schalke's Tranquillo Barnetta (C) celebrates his 3-1 during the Bundesliga soccer match FC Schalke 04 and FSV Mainz 05 at Veltins arena in Gelsenkirchen, Germany, 29 November 2014...(EMBARGO CONDITIONS - ATTENTION: Due to the accreditation guidelines, the DFL only permits the publication and utilisation of up to 15 pictures per match on the internet and in online media during the match.)  EPA/BERND THISSEN

Mit Super-Schnauz auf Schalke … Bild: EPA

06.08.2016; Washington; Fussball Major League Soccer - DC United - Philadelphia Union; 
Tranquillo Barnetta (Philadelphia) jubelt (Chuck Myers/Zuma Sports Wire/freshfocus)

… mit Schwänzli-Frisur in Philadelphia. Bild: Chuck Myers/freshfocus

Dass ein einzelner Spieler nicht aus einem Abstiegskandidaten einen Europacup-Teilnehmer machen kann, wissen sie auch in St.Gallen. Trotzdem werden die Erwartungen riesengross sein – und das nicht zu Unrecht. Denn Barnetta ist beileibe kein abgehalfterter Altstar. Er kehrt als 31-Jähriger in die Schweiz zurück, ist noch im Saft, spielt in der MLS eine tragende Rolle. In einer Liga, die von der Spielstärke her vergleichbar mit der Super League scheint. Ein fitter Tranquillo Barnetta hat absolut das Potenzial, ein dominierender Spieler der Schweizer Liga zu sein. So wie es Alex Frei, Marco Streller und Benjamin Huggel waren, als sie aus der Bundesliga zurück zum FC Basel wechselten.

St.Gallens Signal an die Konkurrenz

Aber der FCSG profitiert nicht nur sportlich von Barnetta. Der Transfer verspricht noch mehr Zuschauer. Das erste Heimspiel wird wohl ausverkauft sein; jeder Fan ist heiss darauf, den Liebling wieder in Grün-Weiss zu sehen. Zudem bedeutet der Zuzug auch, dass einige Trikots mehr verkauft werden.

Le Saint-Gallois Tranquillo Barnetta exulte apres avoir marque le premier but pour son team,  lors de la rencontre de football comptant pour le tour de promotion-relegation LNA-LNB entre les SR Delemont et le FC St. Gallen,  ce dimanche 4 mai 2003, a Delemont. La victoire a ete remportee 4-1 par les Saint-Gallois. (KEYSTONE/BIST/Roger Meier)

Jubel in Grün-Weiss: So wollen die Fans ihren «Quillo» wieder sehen. Bild: KEYSTONE

Dass Nägel mit Köpfen gemacht wurden, ist aber vor allem auch als ein Zeichen von Klubboss Dölf Früh zu sehen. Er will nicht nur verwalten. Er macht klar: St.Gallen will etwas erreichen. St.Gallen will zu den besten vier, fünf Klubs im Land gehören und nicht mehr primär gegen den Abstieg spielen müssen.

abspielen

Barnettas Botschaft an die FCSG-Fans. Video: streamable

Tranquillo Barnetta bringt neuen Schwung ins St.Galler Spiel. Aber er sorgt in allererster Linie dafür, dass ein farbloses Team endlich wieder ein Gesicht erhält. Er ist die Ostschweizer Antwort auf David Beckham: Der Popstar des englischen Fussballs zog einst aus, um die amerikanische Major League Soccer besser und bekannter zu machen. Tranquillo Barnetta kehrt dieser MLS nun den Rücken, um den FC St.Gallen wieder grösser zu machen. Einen besseren Transfer hätte der Klub nicht tätigen können.

Los Angeles Galaxy's David Beckham, of England, acknowledges the fans as he leaves the field after the team's 3-1 win in the MLS Cup championship soccer match against the Houston Dynamo in Carson, Calif., Saturday, Dec. 1, 2012. (AP Photo/Jae C. Hong)

Beckham hievte den Fussball in den USA auf ein neues Niveau. Bild: AP

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    Alle Leser-Kommentare
  • Papa la Papp 27.09.2016 20:00
    Highlight Highlight Hey super! Die Gurkenliga wird dank: "Hey Moscht-Witz" Quillo um 0,000125 % besser. Da lacht doch das Fussballherz 😇 und die Führungsetage vom FCB plant unzählige Krisensitzungen. Ganz bestimmt, jetzt wirds ganz eng für den MEISTER - der nächsten hundert Jahre 😀😀👻
  • Luca Brasi 27.09.2016 19:16
    Highlight Highlight Ich habe so das Gefühl, dass sich Herr Meile merchandisetechnisch auch noch aufrüsten wird. ;)
  • plaga versus 27.09.2016 18:50
    Highlight Highlight Klingt ja wie Klaus Zaugg!
  • pun 27.09.2016 17:29
    Highlight Highlight Zeit, sich in der gesamten Region unsterblich zu machen, Tranquillo!
  • leu84 27.09.2016 16:45
    Highlight Highlight Finanziell gesehen hätte er zu Basel oder Sion gehen können. Schön geht er zu seinem Verein zurück. Egal ob der FCSG absteigt oder die Klasse hält. Mit seiner Erfahrung und Technik kann er St.Gallen helfen, aber man darf ihn nicht als Heilsbringer verehren.
  • Olmabrotwurst vs. Schüblig 27.09.2016 15:59
    Highlight Highlight Barnetta ist gut, aber sg wird trotzdem erst 2098 Meister. ist doch tradition
  • c-bra 27.09.2016 15:52
    Highlight Highlight Unglaublich was in diesen Stunden in den sozialen Medien los ist in der Ostschweiz, man könnte meinen St.Gallen sei Meister geworden. :-) Heute ist ein schöner Tag

    Willkomme dähei, Quillo!

  • Angelo C. 27.09.2016 15:44
    Highlight Highlight Prognose: Obwohl, oder gerade weil der FCSG derzeit ein Kellerkind der SL ist, wird ihm der Zuzug Barnettas gut tun, ihm neue Impulse vermitteln und auch moralisch viel Auftrieb geben, sodass es in absehbarer Zeit wieder vermehrt aufwärts gehen wird.

    Jedenfalls den bestmöglichen Transfer den SG derzeit machen konnte, das scheint eine gesicherte Erkenntnis...
  • Senji 27.09.2016 15:10
    Highlight Highlight Ich mag es nicht, wenn wir selber unsere Liga als Gurken-Liga schlechter machen als sie ist. Wenn aber Barnetta die Antwort auf Beckham sein soll, zeigt das doch in etwa die Relationen auf. Nichts für ungut...
    • Jol Bear 27.09.2016 19:14
      Highlight Highlight Wir backen in der Schweiz nun mal etwas kleinere Brötchen als anderswo. Aber sollte Barnetta im Januar im St. Galler Trikot mit einer Bratwurst in der Hand und, so hoffe ich mit Schnauz, vor den TV- Kameras posieren, so werde ich auch als Zürcher vor Neid erblassen und den Style von Beckham nicht vermissen.
  • Beckham 27.09.2016 14:43
    Highlight Highlight 100% Word! Vielen Dank für diesen Text!

Kommentar

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