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Das Stadion in den Regenbogenfarben? Nicht mit der UEFA.
Das Stadion in den Regenbogenfarben? Nicht mit der UEFA.
Bild: www.imago-images.de
Kommentar

Liebe UEFA, du tust mal wieder alles, damit wir dich einfach nicht mögen 🏳‍🌈

Die UEFA verbietet eine Regenbogen-Arena in München und lässt damit keine Kritik an den homophoben Entscheidungen des ungarischen Parlaments zu. Es ist ein weiteres bedenkliches Zeichen des europäischen Fussballverbandes.
22.06.2021, 14:4523.06.2021, 08:14

Die Euro 2020 ist ein tolles Turnier. Aus sportlicher Sicht macht es Spass. Grosse Spiele, viel Spannung, alles super so weit. Das ist nicht nur eine schöne Sache für die Fans, sondern auch für den Veranstalter, die UEFA. Aus der grossen Aufmerksamkeit ergeben sich auch viele Gelegenheiten, das Image aufzupolieren.

Ob das gelingt? Man darf skeptisch sein. Der europäische Fussballverband schafft es, noch während der Vorrunde mehrere fragwürdige Entscheidungen zu treffen.

  • Nach dem Kollaps von Christian Eriksen wurden die traumatisierten dänischen Spieler zu einer unmöglichen Entscheidung gedrängt: Soll das Spiel noch am gleichen oder am nächsten Tag um 12 Uhr zu Ende gespielt werden?
  • Obwohl sich in Grossbritannien die Delta-Variante des Coronavirus rasant ausbreitet, machte die UEFA Druck auf England, Corona-Ausnahmeregelungen zu beschliessen. In den Verhandlungen geht es insbesondere um die VIP-Gäste, für die nicht dieselben, strikten Corona-Regeln bei der Einreise gelten sollen. Die UEFA hat der Stadt London angedroht, ihr die Austragung der Halbfinalspiele und des Endspiels im Wembley allenfalls zu entziehen, auch bei einer Limitierung der Zuschauerzahl. England hat nachgegeben und will gemäss der «Times» ab den Halbfinals 65'000 Zuschauer zulassen.
  • In Ungarn wurden französische Spieler rassistisch beleidigt. Aus dem Block der ungarischen Fans sind immer wieder Affenlaute ertönt, wenn N'Golo Kanté oder Paul Pogba am Ball waren. Die UEFA hat eine Untersuchung eingeleitet. Noch ohne Resultat – es würde nicht erstaunen, wenn es, wie so oft bei rassistischen Vorfällen, keine Konsequenzen gibt.
Frankreichs Paul Pogba wurde im Spiel gegen Ungarn rassistisch beleidigt.
Frankreichs Paul Pogba wurde im Spiel gegen Ungarn rassistisch beleidigt.
Bild: keystone

Ungarn hat nicht nur ein Problem mit Rassismus, sondern auch eines mit Homophobie. So hat das ungarische Parlament in der vergangenen Wochen mehrere Gesetze erlassen, mit denen Informationen über Homosexualität und Transgeschlechtlichkeit verboten werden, die für Kinder und Jugendliche zugänglich sein könnten.

Als Reaktion darauf hat die Stadt München ein «sichtbares Zeichen der Solidarität mit der LGBT-Community in Ungarn» geplant. Deshalb sollte in der Partie am Mittwoch zwischen Deutschland und Ungarn die Arena in München in den Regenbogenfarben leuchten.

Doch dieses Unterfangen hat die UEFA heute Dienstag offiziell verboten – mit folgender Begründung:

«Die UEFA ist gemäss ihrer Satzung eine politisch und religiös neutrale Organisation. Angesichts des politischen Kontextes dieses speziellen Antrags – eine Botschaft, die auf eine Entscheidung des ungarischen nationalen Parlaments abzielt – muss die UEFA diesen Antrag ablehnen.»

Die Entscheidung überrascht nicht. Die UEFA spricht zwar von «Vielfalt», lässt diesem Lippenbekenntnis aber kaum Taten folgen. Als Bekenntnis der gesamten Mannschaft für Diversität, Offenheit, Toleranz und gegen Hass und Ausgrenzung trug Deutschland-Captain Manuel Neuer an der EM bisher eine Captainbinde in den Regenbogenfarben.

Prompt leitete die UEFA eine Untersuchung ein, weil «die Kapitäne an der EM zum Tragen des UEFA-Modells verpflichtet sind». Die Empörung der Öffentlichkeit und des deutschen Fussballbundes war gross, die UEFA stellte die Überprüfung schliesslich ein.

Die UEFA leitere wegen Manuel Neuers Kapitänbinde eine Untersuchung ein.
Die UEFA leitere wegen Manuel Neuers Kapitänbinde eine Untersuchung ein.
Bild: keystone

Dass die UEFA nun die Regenbogen-Arena verbietet, erstaunt aus einem weiteren Grund nicht: Der UEFA wird eine enge Verbundenheit mit dem rechtsnationalen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban nachgesagt.

Diese Beziehung soll gut bleiben, denn letztlich profitiert die UEFA davon, dass es in Budapest keine Zuschauerbeschränkung an den Spielen gibt: 61'000 Zuschauer dürfen ins Stadion – natürlich ohne Maskenpflicht. Der Rubel rollt, der UEFA gefällt's.

Ungarns Spieler lassen sich von den Fans feiern.
Ungarns Spieler lassen sich von den Fans feiern.
Bild: keystone

Noch vor der EM startete die UEFA eine Kampagne gegen Diskriminierung im Fussball und schmückte ihre Tweets mit Regenbögen:

Wie wir spätestens jetzt wissen, war es reine Heuchelei.

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