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epa05181758 Swiss Gianni Infantino, candidate for FIFA President, delivers a speech during the Extraordinary FIFA Congress 2016 held at the Hallenstadion in Zurich, Switzerland, 26 February 2016. The Extraordinary FIFA Congress is being held in order to vote on the proposals for amendments to the FIFA Statutes and choose the new FIFA President.  EPA/ENNIO LEANZA

Letzte Werbung: Gianni Infantino will heute FIFA-Präsident werden.
Bild: EPA/KEYSTONE

Kommentar

Jetzt haben wir also eine neue FIFA – aber was sind diese Reformen wert?

Die FIFA ist reformiert – na und? Entscheidend ist nicht diese Reform. Sondern der neue Präsident. Dessen Wahl steht noch bevor.



» Der FIFA-Kongress im Liveticker

So zügig ist in der ganzen Weltgeschichte noch nie eine Monarchie in eine Demokratie umgewandelt worden. Die Reformen sind bewilligt, die FIFA ist im 21. Jahrhundert angekommen.

Das wurde beschlossen

Amtszeitbeschränkung, Frauenquote, offene Gehälter – mit diesen Reformen will die FIFA auf den rechten Weg zurück.

Die Kulisse lässt die sporthistorischen Umwälzungen nicht erahnen. Unter einer fahlen Wintersonne wirkt das Hallenstadion nicht wie eine Kulisse für grosse Ereignisse. Eher wie eine geduckte Werkhalle. Vor jedem Qualifikationsspiel der ZSC Lions sind Gedränge und Aufregung vor dem Stadion grösser. Das wird auch morgen, wenn der HC Davos im Hallenstadion spielt, wieder so sein.

Der Fremde vermutet keinen Kongress von historischer Bedeutung eines Sportverbandes mit Milliardenumsätzen. Beinahe alles geht seinen gewohnten Gang. Ganze 17 Personen haben sich draussen versammelt, um mit dünner Stimme gegen die anstehende Wahl von Scheich Salman bin Ibrahim al-Khalifa zum neuen FIFA-Präsidenten zu protestieren. Sie prangern dessen politische Rolle im Land an und in den Sprechchören, die von der kalten, sanften Bise verweht werden, ist das Wort «Diktator» herauszuhören.

ZURICH, SWITZERLAND - FEBRUARY 26: Protesters shout slogans and brandish placards during a protest against FIFA presidential candidate Sheikh Salman Bin Ebrahim Al Khalifa on the sidelines of the Extraordinary FIFA Congress at Hallenstadion on February 26, 2016 in Zurich, Switzerland. (Photo by Philipp Schmidli/Getty Images)

Das kleine Grüppchen, das vor dem Hallenstadion gegen Scheich Salman protestiert.
Bild: Getty Images Europe

Der schäbige Umgang mit Sonnenkönig Blatter

Die Demonstranten wirken nicht bedrohlich. Eher wie eine versprengte Gruppe Zugvögel, die den grossen Zug nach Süden verpasst haben. Mehr Resignation als Zorn. Die paar Ordnungshüter wirken leicht amüsiert. Die TV-Teams und Fotografen sind froh um die Abwechslung und ein paar Bilder. Gut geschnitten und bearbeitet, dürften sie durchaus dramatisch wirken. Aufbegehren als Folklore.

Nun hat die FIFA also moderne Strukturen. Die politische und die wirtschaftliche Entscheidungsebene sind getrennt, Amtszeitbeschränkungen wurden eingeführt. Moderne Strukturen halt. Und wie so oft in der richtigen Welt ist diese Reform nicht ganz freiwillig durchgeführt worden. Sondern auf den Druck der US-Justiz. Sonst hätte man gerne weitergemacht wie bisher.

Und wie bei einer richtigen Revolution und bei Reformen gibt es gestürzte Titanen. Der bisherige König Sepp Blatter ist nicht da. 41 Jahre lang hat er der FIFA gedient und es wird ihm nicht gestattet, sich ganz offiziell zu verabschieden. Das mag juristisch korrekt und politisch erwünscht sein. Aber wie man es dreht und wendet – es ist schäbig. Stillos.

FILE - In this June 1, 2011 file photo Swiss  FIFA President Sepp Blatter makes a gesture during a press conference after the 61st FIFA Congress in Zurich, Switzerland. FIFA members convene in Zurich on Friday, Feb. 26, 2016 to elect a successor of Blatter. (AP Photo/Michael Probst, file)

Muss aus der Ferne grüssen: Bald-Ex-Präsident Blatter.
Bild: Michael Probst/AP/KEYSTONE

Wie glaubwürdig sind die Reformen?

Eine neue Staatsform, eine neue Organisationsstruktur, garantiert noch keineswegs eine Besserung auf allen Ebenen. Das lehrt uns die Geschichte. Strukturen, Organisationen und Staatsformen werden von Personen gelebt. Die Rebellen, die Reformer von heute, sind oft die Despoten von morgen. Jede Revolution, jede Reform, zieht Leute an, die mit den Ideen der Revolution und der Reformen nicht das Geringste zu tun haben. Das könnte auch bei der FIFA so sein.

Der neutrale Beobachter denkt ganz arglos: Wie glaubwürdig sind Reformen des Welt-Fussballverbandes, wenn ein «Prinz aus dem Morgenland», aus einer der unruhigsten Regionen des Planeten, aus einer Weltgegend, in welcher der Fussball keinerlei Bedeutung hat, der neue grosse Vorsitzende wird? Ein Mann, gegen den draussen im kalten Biswind vor dem Wahllokal (in diesem Falle ist es ein Wahlstadion) ein bedauernswertes Häufchen verlorener Aufrechter jetzt schon protestiert?

Das letzte Interview als Präsident

«Ich hätte immer noch Einfluss: Aber die sollen jetzt selber schauen», sagte Sepp Blatter im letzten Interview vor der Wahl, das du hier findest.

Entscheidend ist nun, wer an die Macht gelangt

Die klug durchdachten FIFA-Reformen sind in trockenen Tüchern. In bemerkenswert kurzer Zeit ist auf dem Papier eine neue FIFA entstanden. Das hat so schnell und so gründlich noch kein anderer Sportverband geschafft.

Aber wie viel diese neue Staatsform des Fussball-Weltverbandes in den nächsten Jahren tatsächlich wert ist, ob sie gelebt wird, das entscheidet sich erst am Nachmittag bei der Wahl des neuen Präsidenten. Und je nachdem wie diese Wahl ausgeht, könnten sich jene, die sich eine neue FIFA mit transparenten Geldflüssen und Entscheidungsprozessen, mit demokratischen Lichtgestalten in den entscheidenden Positionen erhoffen, in der gleichen ohnmächtigen Rolle wiederfinden wie die 17 Demonstranten vor dem Hallenstadion.

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