Sport
Leichtathletik

Alex Wilson: Rekurs noch nicht möglich – Zukunft bleibt vorerst offen

ARCHIV --- ZUR MELDUNG, DASS DER SPRINTER ALEX WILSON EINE 4-JAEHRIGE SPERRE UND EINE GELDSTRAFE WEGEN DOPING ERHAELT, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG --- Alex Wilson from Swit ...
Wurde für vier Jahre gesperrt, will aber gegen das Urteil kämpfen: Sprinter Alex Wilson.Bild: keystone

Rekurs noch nicht möglich: Wie es im Drama um Alex Wilson weitergeht, bleibt vorerst offen

Der Schweizer Sprinter wartet noch immer auf die Urteilsbegründung der Disziplinarkammer – erst mit ihr könnte er das Verdikt beim Internationalen Sportgericht in Lausanne anfechten. Aber macht das überhaupt Sinn?
12.10.2022, 07:1412.10.2022, 07:18
Rainer Sommerhalder / ch media
Mehr «Sport»

Am 22. Juni war die Verhandlung, am 28. Juni kam der Entscheid: Leichtathlet Alex Wilson wurde von der Disziplinarkammer (DK) von Swiss Olympic als Folge einer positiven Dopingprobe zur höchstmöglichen Strafe von vier Jahren Sperre verurteilt. Bei einem unangekündigten Test wurde am 15. März 2021 das anabole Steroid Trenbolon nachgewiesen.

Doch 105 Tage später wartet der sanktionierte Sportler nach wie vor auf die Urteilsbegründung. Erst danach beginnt die dreiwöchige Frist, in welcher Alex Wilson das Urteil beim Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne anfechten könnte. Der 32-Jährige hatte diesen Schritt unmittelbar nach Bekanntgabe des Verdikts bereits angekündigt, da er sich trotz Verurteilung weiterhin als «unschuldig» betrachtet.

Wilsons Anwalt Gabriel Nigon bestätigt, dass die nicht öffentlich publizierte Urteilsbegründung noch nicht eingetroffen ist. Er plädiert trotzdem für «Gelassenheit». Ob man den Fall danach tatsächlich weiterziehen werde, entscheide sich erst nach dem intensiven Studium der Begründung.

Aussergewöhnlich lange Dauer bis zur Begründung

Da Alex Wilson selbst im Fall eines Freispruchs von Rücktritt sprach, spielt es in der konkreten Streitfrage für die allfällige Fortsetzung der Sportkarriere keine Rolle, wie viel Zeit zwischen Urteil und schriftlicher Begründung verstreicht. Dennoch ist die Dauer von bereits drei Monaten aussergewöhnlich lang.

Alex Wilson donne du boulot aux instances.
Wilson wartet bereits seit drei Monaten auf die Urteilsbegründung.Bild: fxp-fr-sda-rtp

Im Gegensatz zu den Gepflogenheiten in der Schweiz, wo Urteile bei Dopingvergehen nicht öffentlich gemacht werden, würde eine spätere Entscheidung des CAS publiziert. Auf Antrag einer beteiligten Partei könnte sogar die Verhandlung für Publikum geöffnet werden. Alex Wilson wäre es auch freigestellt, bereits die Urteilsbegründung der DK – wenn sie denn endlich eintrifft – frei zugänglich zu machen.

Zugleich läuft aktuell eine weitere Doping-Untersuchung gegen Alex Wilson unter Federführung der Antidopingeinheit des Leichtathletik-Weltverbands. Der Basler war Kunde des texanischen Naturheilpraktikers Eric Lira und dieser seinerseits entlarvter Lieferant von Dopingmitteln für die nigerianische Sprinterin Blessing Okagbare. Diese wurde wegen verschiedener Delikte im Juni 2022 bereits für elf Jahre gesperrt.

Blessing Okagbare a �t� suspendue pour dopage
War Kunde beim selben Naturheilpraktiker wie Wilson: Blessing Okagbare.Bild: fxp-fr-sda-rtp

Wilsons Beziehung mit Eric Lira als weiteres Damoklesschwert

Noch offen ist der Ausgang des Strafprozesses gegen Lira in den USA sowie eine allfällige verschärfte Dopingsperre gegen Alex Wilson. Während der Athlet selbst lediglich von zwei legalen Treffen mit Lira spricht, wirft ihm die anklagende Behörde «mehrere offene Doping-Sachverhalte» vor und spricht «von vielen vorhandenen Beweismittel, die Alex Wilson stark belasten». So unter anderem SMS-Verläufe zwischen ihm und Eric Lira. Der Schweizer Sprinter soll während längerer Zeit Dopingmittel wie EPO, Wachstumshormone und Anabolika von Lira bezogen haben.

Unter die Lupe genommen wurde auch Wilsons jamaikanischer Trainer. Vor vier Monaten sprach die unabhängige Antidoping-Organisation des Weltverbandes eine vierjährige Sperre gegen die Dreispringerin Sabina Allen aus – aufgrund von Hinweisen aus den Ermittlungen gegen Eric Lira. Allen wurde ebenso wie Alex Wilson von deren Landsmann O’Neil Wright trainiert. Wright geriet bereits 2010 in die Schlagzeilen. Damals wurde die von ihm betreute jamaikanische Sprinterin Bobby-Gaye Wilkins des Gebrauchs von Dopingmitteln überführt. Ihrem Trainer jedoch konnte dannzumal kein Fehlverhalten vorgeworfen werden.

Der Sprinter Alex Wilson in Basel, am Mittwoch, 28. Juli 2021. Der Internationale Sportgerichtshof spricht fuer Wilson aufgrund eines positiven Doping-Befunds bis auf Weiteres eine provisorische Sperr ...
Wilson wehrt sich weiter gegen die Doping-Vorwürfe.Bild: keystone

Alex Wilson wechselte erst im Winter 2020/21 ins Team des neuen Trainers. Dies nachdem sein früherer Coach Lloyd Cowan als Folge einer Corona-Infektion verstarb. Ende April 2021 wurde Wilson zudem gefilmt, wie er mit dem lebenslang gesperrten Jamaikaner Raymond Stewart trainiert. Auch dies löste Ermittlungen der Dopingbehörden aus. (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die schönsten Bilder von der Weltklasse Zürich
1 / 15
Die schönsten Bilder von der Weltklasse Zürich
Das Maskottchen posiert auf der Hochsprungmatte vor dem Opernhaus.
quelle: keystone / ennio leanza
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Bär rennt mitten durch spanische Stadt und trifft auf Taxifahrer
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
3 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3
«Ich komme schneller vorwärts, als sie wohl gedacht haben» – Jan Christens Weg nach oben
Jan Christen kehrt an die Tour de Romandie zurück, an der er vor Jahresfrist sein Debüt auf Stufe World Tour gab. Der 19-jährige Aargauer geht seinen Weg, der ihn womöglich einst ganz an die Weltspitze führen wird, schneller als erwartet.

«Es läuft alles nach Plan», bilanziert Jan Christen die vergangenen Monate. Als Höhepunkt hebt er im Vorfeld der heute Dienstag beginnenend Tour de Romandie den ersten Sieg bei den Profis hervor, den er vor knapp zwei Wochen im Rahmen des Giro d'Abruzzo feierte. Noch vor seinem 20. Geburtstag setzte das Talent einen weiteren Meilenstein in seiner Karriere.

Zur Story