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2016 Rio Olympics  Weightlifting - Final - Men's 105kg - Riocentro - Pavilion 2 - Rio de Janeiro, Brazil - 15/08/2016. David Katoatau (KIR) of Kiribati celebrates a successful lift. REUTERS/Stoyan Nenov FOR EDITORIAL USE ONLY. NOT FOR SALE FOR MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS.

Die TV-Sendung «Dancing Star in Rio» würde er gewinnen: David Katoatau. Bild: STOYAN NENOV/REUTERS

Der Gewichtheber aus Kiribati tanzt nicht vor Freude, sondern weil sein Land im Meer versinkt

David Katoatau macht nicht Stimmung, weil er eine Medaille gewonnen hat. Hat er nämlich nicht. Der Gewichtheber kommt aus Kiribati und mit dem Tanzen will er auf eine Auswirkung der Klimaerwärmung aufmerksam machen: Dass nämlich seine Heimat im Meer untergeht.



Wir haben geschmunzelt, als wir Aufnahmen des Gewichthebers David Katoatau gesehen haben. Der 94-Kilo-Brocken kommt aus Kiribati, einem kleinen Inselstaat im Pazifik, und er sorgte bei seinem Einsatz in Rio mit wunderbaren Tanzeinlagen für Aufsehen.

Mit passender Musik: David Katoataus Tänze in Rio.

Doch die Tanzeinlagen haben einen ernsten Hintergrund. Für Katoatau sind sie das Mittel zum Zweck, dass über ihn geredet wird und damit verbunden auch über seine Heimat, die kaum je wahrgenommen wird. Denn um Kiribati steht es schlecht. Der Meeresspiegel steigt, irgendwann wird es Kiribati nicht mehr geben. Dieses irgendwann könnte schon bald sein, vielleicht bereits in einigen Jahrzehnten.

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Zuhause ist Katoatau ein Held und auf Briefmarken. bild: wikipedia

«Ich rufe die Welt auf, hinzuschauen»

Katoatau verfasste bereits vor zwei Jahren einen Aufruf, der auf die Problematik aufmerksam machen sollte. Doch keine Bühne ist für einen Sportler grösser als Olympia, zumal in einer Randsportart wie dem Gewichtheben. «Jeden Tag müssen Landsleute um ihr Leben fürchten, weil ihr Haus im Meer zu versinken droht», schrieb Katoatau, der an den Commonwealth Games 2014 Gold gewonnen hatte und es in Rio de Janeiro auf Rang 6 schaffte.

Der 32-Jährige wurde auch schon selber Opfer des steigenden Meeresspiegels. Er habe sich ein traditionelles Haus gebaut, das einige Monate nach der Fertigstellung vom Wasser zerstört wurde. «Ich rufe die Welt dazu auf, hinzuschauen, was in Kiribati passiert», so Katoatau, dessen Konterfei in der Heimat Briefmarken ziert. «Die Wahrheit ist doch einfach die, dass die Menschheit sich selber zerstört. Wir werden die ersten sein, die untergehen. Aber wenn wir so weitermachen, dauert es nicht mehr lange, und wir gehen alle unter.»

2016 Rio Olympics  Weightlifting - Final - Men's 105kg - Riocentro - Pavilion 2 - Rio de Janeiro, Brazil - 15/08/2016. David Katoatau (KIR) of Kiribati dances as he celebrates a successful lift. REUTERS/Stoyan Nenov     TPX IMAGES OF THE DAY    FOR EDITORIAL USE ONLY. NOT FOR SALE FOR MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS.

Rang 6 generiert mehr Aufmerksamkeit als Gold, solange man coole Moves draufhat. Bild: STOYAN NENOV/REUTERS

Ein ganzes Land muss umziehen

Noch leben rund 100'000 Menschen auf den vielen Inseln des Landes, dessen Staatsgebiet eine Grösse von mehr als 5 Millionen Quadratkilometern hat (Australien: 7,7 Millionen km2), wobei aber fast alles Wasser ist und nur 811 Quadratkilometer aus Inselland besteht. Zum Vergleich: Die Fläche des Kantons Thurgau ist grösser.

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Kleine Punkte im Nirgendwo: Die Inseln, die zu Kiribati gehören. bild: wikipedia

Doch diese 100'000 Einwohner Kiribatis verlassen ihre Heimat; sie müssen sie verlassen. Präsident Anote Tang bereitet das Land auf den Untergang vor. Er bat Nachbar Neuseeland darum, vermehrt Menschen aus Kiribati aufzunehmen. Und er verhandelte mit den Fidschi-Inseln, um Land für eine Umsiedlung der Bevölkerung zu kaufen. Der tanzende Gewichtheber David Katoatau sorgt dafür, dass auch in anderen Teilen der Welt über die Problematik geschrieben wird. Haben wir gerne gemacht.

KIRIBATI - MARCH 13:  In this handout image provided by Plan International Australia, flood waters surround a house March 13, 2015 on the island of Kiribati. Cyclone Pam is pounding South Pacific islands with hurricane force winds, huge ocean swells and flash flooding. (Photo by Plan International Australia via Getty Images)

Bedrohtes Inselparadies: 2015 sorgte Zyklon Pam für Tod und Verwüstung im Pazifik. Bild: Getty Images AsiaPac

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