«Ich glaube, mein Vater ist im Himmel stolz auf mich»: Ragettli wird schon wieder Vierter
Nach den Rängen 7 und 4 in Südkorea und China hatte der Flimser Ragettli an seinen gefühlten Heimspielen in Norditalien gegen den norwegischen Ausnahmekönner Birk Ruud, den Amerikaner Alex Hall und den Neuseeländer Luca Harrington das Nachsehen. Bronze verpasste der 27-Jährige um 6,5 Punkte.
Bei schwierigen Sichtverhältnissen startete Ragettli ordentlich in den Final der besten zwölf. Während er sich nach dem ersten von drei Runs aber nicht mehr steigern konnte, wurde er noch von den Podesträngen verdrängt. Nach dem ersten Durchgang lag er an zweiter Stelle, nach dem zweiten auf Platz 3.
Kim Gubser, der zweite Schweizer Finalist, klassierte sich nach zwei missglückten Runs und einem verpassten Grab im letzten Sprung des dritten im 10. Rang. Fabian Bösch (22.) und Nils Rhyner (25.) waren am Samstag in der Qualifikation hängengeblieben.
Ragettli hatte den Olympischen Spielen in Livigno in den letzten vier Jahren alles untergeordnet. Mit dem Fokus auf den Slopestyle, seine Paradedisziplin, verzichtete er in dieser Saison auf Starts im Big Air. Zwar waren die Resultate in den letzten Wochen nicht die allerbesten, der Weltmeister von 2021 und WM-Dritte von 2023 wähnte sich aber gewappnet, um sein letztes grosses Karriereziel in Norditalien zu erreichen - zumal er seine grösste Schwäche an den Rails ausgemerzt hat. Er sei in seiner «Prime», auf seinem besten Level überhaupt, sagte er im Januar. Nationalcoach Dominik Furrer schwärmte von Ragettlis beeindruckendem Grundniveau und dessen Zielstrebigkeit und Professionalität.
Ein enttäuschter Ragettli sagte nach dem Wettkampf gegenüber SRF: «Meine Leistung war sehr gut. Ich hatte einen sehr coolen ersten Lauf. Aber ich muss nicht lügen, der vierte Platz ist nicht das, was ich wollte.»
Ein wenig später brach Ragettli während des Interviews in Tränen aus und dachte dabei an seinen verstorbenen Vater: «Ich ging heute da raus und wollte meinen Vater stolz machen, ich glaube, er ist im Himmel trotzdem stolz auf mich.» Der Bündner stellt klar, dass er trotzdem weiterkämpfen wird.
Birk Ruud ist gleichwohl ein logischer Sieger. Der 25-jährige Norweger gehört zu den Ausnahme-Athleten in der Freestyle-Szene. Vor vier Jahren gewann er in Peking bereits Gold im Big Air, im Weltcup steht er bei 16 Siegen und sieben Kristallkugeln.
Nach dem Spielen 2022 traute sich Ruud zwischenzeitlich sogar zu, in Livigno als Skifahrer und als Snowboarder um Medaillen zu springen. Das waghalsige Unternehmen brach er jedoch nach anfänglich vielversprechenden Ansätzen wieder ab. (riz/sda)
