RaiSport-Chef moderierte so katastrophal, dass die Redaktion streikt
Bei RaiSport wird es nach den Olympischen Winterspielen einen dreitägigen Streik geben. Dies kündigten die Journalistinnen und Journalisten des italienischen Fernsehsenders an, nachdem ein Treffen mit dem Unternehmen am Dienstag nicht zu konkreten Ergebnissen geführt habe. Deshalb würden sie zudem darauf verzichten, die Artikel und Beiträge mit ihren Namen zu kennzeichnen.
Der Grund für den Protest der Belegschaft ist die Berichterstattung zur Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Mailand und Cortina vom Freitagabend. Diese wurde von Paolo Petrecca moderiert, der Direktor von RaiSport teilte sich diese Aufgabe selbst zu und reihte dann Fehler an Fehler.
So hiess er die Zuschauerinnen und Zuschauer gemäss dw.com im Olympiastadion willkommen. Dieses steht aber in Rom, Petrecca befand sich im Mailänder San Siro. Kurz darauf bezeichnete er die berühmte italienische Schauspielerin Matilda de Angelis als Mariah Carey. Die Sängerin war ebenfalls Teil der Show – kam aber erst später. De Angelis teilte später auf Instagram ein Bild von sich und schrieb dazu: «Bitte nennt mich Mariah!»
Dass es mit Petreccas Sport-Expertise nicht weit her ist, zeigte sich weiterhin, als er Kirsty Coventry als Tochter des italienischen Präsidentin Sergio Mattarella, mit dem sie einlief, vorstellte. Dabei handelt es sich bei der 42-jährigen Simbabwerin um die Präsidentin des Internationalen Olympischen Komitees. Ausserdem erkannte er während des Fackellaufs gemäss Bild Weltmeister und Olympiasiegerinnen nicht.
Damit war es aber noch nicht genug mit den Faux-Pas für den 61-jährigen Moderator. Als die spanischen Athletinnen und Athleten einliefen, sagte er, dass diese «immer sehr heiss» seien. Und viele Chinesinnen und Chinesen würden «natürlich ein Handy in der Hand tragen». Aussagen, die durchaus als rassistisch bezeichnet werden dürfen.
Die Moderation führte in Italien zu massiver Kritik. Die Rai-Gewerkschaft Usigrai sprach von einer «Blamage» für den Sender. Die Sportredaktion teilte mit: «Wir wurden alle blamiert, ohne etwas falsch gemacht zu haben.» Es sei an der Zeit, die Stimmen zu erheben, da «die schlechtesten Zahlen, die RaiSport jemals bei einem der meist erwarteten Ereignisse erzielt hat», drohen würden.
Auch in der Politik wurde die Thematik diskutiert. Oppositionspolitiker warfen dem Fernsehsender zunehmende Politisierung und vor allem Nähe zu Premierministerin Georgia Meloni vor, der Partito Democratico erklärte: «Rai hat seine schlechteste Version gezeigt: das uns nur allzu bekannte ‹TeleMeloni›.» Die Pannen seien ein weiteres Symptom der mangelnden Professionalität und politischen Einflussnahme.
Eigentlich hätte der erfahrene Auro Bulbarelli die Eröffnungsfeier moderieren sollen, doch wurde er von der Aufgabe entbunden, weil er Details über einen Überraschungsauftritt von Präsident Mattarella verraten hatte. Petrecca nominierte sich dann selbst als Ersatz. Bei der Schlusszeremonie wird er aber nicht mehr zum Einsatz kommen, wie Rai-CEO Giampaolo Rossi erklärte. (nih)
