Nur die wenigsten Experten hatten Stephanie Venier vor dem heutigen Rennen als Favoritin auf dem Zettel. Mit einem überraschend starken Lauf setzte sich die Tirolerin mit einem Zehntel Vorsprung auf Federica Brignone an die Spitze und blieb bis zum Schluss vorne.
Zwar fuhr Venier bereits im Januar beim Super-G von St. Anton auf den zweiten Platz, aber sie erlebte bisher in dieser Saison ein Auf und Ab. Im Super-G fuhr sie bisher nur noch in Garmisch-Partenkirchen in die Top 10.
Besonders beim Saisonauftakt in den USA hatte die Österreicherin viele Probleme, wie sie im Interview mit der Kleinen Zeitung verriet: «Da hatte ich richtig mit mir zu kämpfen. Ich war überhaupt nicht bereit, Rennen zu fahren, ich wollte auch nicht.» Die Zeitverschiebung und die fehlende Familie belasteten sie zusätzlich: «Ich bin ein Mensch, der die Familie braucht, und das war in dieser Zeit nicht leicht.»
Die 31-Jährige leidet schon längere Zeit an chronischen Knieschmerzen und gab erst vor kurzem bekannt, dass es bereits letztes Jahr sehr schwierig gewesen sei, die Saison bis zum Schluss zu fahren: «Ich schaute, dass ich sie irgendwie fertigbringe.»
Ihr Arzt Dr. Christian Fink empfahl ihr im Sommer eine Operation, doch Venier verzichtete darauf. Wie sie erzählte, wäre sie dadurch an der Heim-WM ausgefallen und auch eine Olympia-Teilnahme im nächsten Jahr wäre in Gefahr gewesen: «Ich werde nicht mehr ewig lange fahren. Hätte ich die OP gemacht, wäre ich ein Jahr ausgefallen und hätte vermutlich zwei Jahre gebraucht, um wieder Anschluss zu finden.»
Venier, die ursprünglich aus Oberperfuss kommt, dem Tiroler Dorf, in dem der Schweizer Abfahrts-Champ Beat Feuz mit seiner Familie lebt, muss den Fokus in dieser Saison nun auch mehr auf Therapien legen. Dazu gehören Stosswellen, Akupunktur und auch manuelle Behandlungen.
Nun wurde Stephanie Venier für das Risiko und die zusätzlichen Belastungen belohnt. Sie lancierte die WM für die gebeutelten Österreicher so richtig. Mit ihrem Erfolg wird somit auch viel Druck von ihren Teamkollegen genommen.
Die dreifache Weltcupsiegerin gewann bereits vor acht Jahren in der Abfahrt eine WM-Silbermedaille und krönt nun ihre Karriere mit einer goldenen. Nach ihrem Lauf sagte sie im Interview mit ORF: «Ich war am Start extrem nervös und wusste nicht, wie ich damit umgehen sollte.» Scheinbar war es genau das, was die Freundin von Skirennfahrer Christian Walder brauchte, um an ihrer Heim-Weltmeisterschaft die Sensation zu schaffen.
Beim Interview mit SRF verriet Venier, dass sie nicht sonderlich erholsam geschlafen hatte. Aber sie hatte positive Erinnerungen an die Startnummernauslosung: «Bei meinem Weltcupsieg damals in Crans-Montana startete ich auch mit der Nummer sieben und Brignone mit der sechs und ich wusste, wenn unten im Ziel bei mir die eins aufleuchtet, ist das schon mal sehr gut.» Das war es tatsächlich.