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Spain's Rafael Nadal, left,  holds the trophy next to  runner-up Switzerland's Roger Federer  during the awarding ceremony of  the Men's singles final match at the Australian Open Tennis Championship  in Melbourne, Australia, Sunday, Feb. 1, 2009.  (AP Photo/Rick Stevens)

Roger Federer erlebte Hochs und Tiefs in Australien. So wie hier die Tränen bei der Finalniederlage 2009. Bild: AP

Federer und Australien: Trauma, Tränen, Tod und Titel

Mit Australien verbindet Roger Federer grosse Emotionen, Siege, die Liebe seines Lebens, aber auch eine der dunkelsten Stunden seines Lebens.

Simon Häring



Sein Palmarès ist üppig, die Rekorde sind zahlreich, die Popularität global. Auch in Melbourne. Weil mit Nick Kyrgios und Bernard Tomic die beiden derzeit Besten des Landes mit ihren Eskapaden auf sich aufmerksam machen und den Sportsgeist zuweilen mit Füssen treten, haben die Australier kurzerhand Roger Federer als einen von ihnen auserkoren.

Das ist nicht neu und hat seinen Ursprung in einer Geschichte, die der weit gereiste Baselbieter immer wieder gerne erzählt. Jene, wonach sein Vater Robert, ein technischer Kaufmann, einst ein Angebot eines Chemieunternehmens hatte und mit seiner Familie fast ausgewandert wäre. Als Federer mit 13 erfahren habe, dass sie in der Schweiz blieben, sei er in Tränen ausgebrochen.

Der Schweizer Tennis-Junior Roger Federer in Aktion (aufgenommen am 12. September 1996 am World Youth Cup in Zuerich). Dem 17jaehrigen Federer aus Muenchenstein (BL) scheint das Klima in Australien besonders gut zu bekommen: In Victoria gewann er Mitte Januar ein Vorbereitungsturnier, in Melbourne erreichte er am 23. Januar die Halbfinals und am Junioren-Turnier der Australian Open in Melbourne steht er nun in der dritten Runde. Am Mittwoch, 28. Januar 1998, besiegte er im Einzel den Italiener Filippo Valandri mit 6:4 und 6:4. Zusammen mit dem Deutschen Christian Straka ist Roger Federer auch im Junioren-Doppel von Melbourne in der dritten Runde. (KEYSTONE)

Mit 13 wären Roger Federer (Bild von 1998 mit 16) und seine Familie fast nach Australien ausgewandert. Bild: KEYSTONE

Mit dem Land verbindet der Schweizer aber nicht nur diese Episode. Sein erster Förderer im TC Old Boys Basel war mit Peter Carter ein Australier. «Er lehrte mich, vor jeder Person Respekt zu haben – egal, ob diese berühmt ist oder nicht. Er und meine Eltern haben mir Werte vermittelt», sagt Federer, der im Alter von 10 bis 14 und von 16 bis 20 mit Carter zusammenarbeitete.

Das Schweizer Daviscup Team Ivo Heuberger, Peter Carter, George Bastl, Michel Kratochvil, Roger Federer und Marc Rosset, v.l.n.r., auf dem Weg zur Olypiahalle in Moskau am Donnerstag, 7. Februar 2002, zum Training fuer die 1. Runden Davis Cup Partie gegen Russland. (KEYSTONE/Markus Stuecklin)

Peter Carter (2.v.l. war einer der ersten grossen Förderern Roger Federers. Bild: KEYSTONE

Erst in Basel, später im Leistungszentrum von Swiss Tennis in Ecublens VD. «Zwar hatte ich noch einen anderen Coach, aber Peter war es, der mich am meisten geprägt hat. Mit ihm feilte ich an Aufschlag, Vorhand, Rückhand, Netzspiel.» Trotzdem entscheidet sich Federer später für den Schweden Peter Lundgren als persönlichen Trainer.

Der Ort des ersten Kusses

Australien ist auch der Ort, an dem die Liebe zu seiner heutigen Ehefrau Mirka gedeiht. Bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney teilt er sich mit Lundgren, Emmanuelle Gagliardi, den Ringern Beat Motzer, Urs Bürgler, Rolf Scherrer und Grégory Martinetti eine Wohnung. Und mit ihr: Mirka Vavrinec, der um drei Jahre älteren Thurgauerin. «Hier umarmten und küssten wir uns erstmals. Erst da merkte ich, dass ich mehr für Mirka empfand», erzählte Federer.

Switzerland's Miroslava Vavrinec (L) talks to boyfriend and compatriot Roger Federer (R) during their doubles match against the Australian pair of Alicia Molik and Lleyton Hewitt in the Hopman Cup tennis tournament in Perth, 30 December 2001.  Australia won the doubles 6-3, 6-1. (KEYSTONE/EPA PHOTO AFPI/GREG WOOD)

Roger Federer und Mirka 2001: Ein Jahr zuvor küssten sie sich in Australien erstmals. Bild: EPA

Bis dorthin hatte Federer noch keinen einzigen Titel gewonnen, war ein Niemand. «So viel Tennis würde keine andere Frau ertragen. Sie organisiert unser Leben», sagt Federer einmal. 2009 heiraten die beiden, werden erst Eltern von Charlene und Myla, dann von Leo und Lenny.

Mirka und Roger Federer, links, halten ihre Zwillingstoechter Myla und Charlene im Arm, Ort und Datum der Aufnahme unbekannt. Der Schweizer Tennisspieler Federer nutzte das halboeffentliche Medium Facebook und veroeffentlichte dort am Dienstag, 22. Dezember 2009 ein von seinem Vater Robert geschossenes Bild seiner beiden Toechter. (KEYSTONE/www.facebook.com/Robert Federer) *** NO SALES, DARF NUR MIT VOLLSTAENDIGER QUELLENANGABE VERWENDET WERDEN ***

Familienglück: 2009 mit den beiden Töchtern Charlene und Myla. Bild: www.facebook.com

«Alle sagen, ich sei der Beste. Aber ich bin nur der Beste mit dir an meiner Seite», sagt er einmal in China. «Allein sein heisst für mich, mit Mirka zu sammen zu sein. Ich kann 20 Minuten im Auto allein sein. Aber ich bin lieber mit ihr zusammen», sagt er ein anderes Mal. Sie ist es auch, die ihm in den dunkelsten Stunden beisteht. Im August 2002 stirbt Peter Carter eine Woche vor seinem 38. Geburtstag bei einem Autounfall in seinen Flitterwochen in Südafrika, der Heimat von Rogers Mutter Lynette. Als ihn die Nachricht in Toronto ereilt, ist er am Boden zerstört. Federer hatte Carter und seiner Frau Silvia Südafrika als Reiseziel empfohlen. Carters Unfalltod ist einer der einschneidendsten Momente in Federers Leben.

Australien ist bis heute Schauplatz grosser Emotionen. 2004 gewinnt er dort sein zweites Grand-Slam-Turnier und wird danach erstmals die Nummer 1 der Welt. 2006 gelingt ihm als erster Spieler seit Björn Borg 1980 bei den French Open der Turniersieg ohne Satzverlust. 2007 bricht er bei der Siegerehrung in Tränen aus, als Rod Laver ihm die Trophäe überreicht. Dass der im Herbst erstmals ausgetragene Teamwettbewerb aus der Ideenküche von Federers Manager Tony Godsick den Namen Rod Laver Cup trägt, ist eine Hommage an den 78-Jährigen. Zwei Jahre später versagt ihm nach einer bitteren Finalniederlage gegen Rafael Nadal die Stimme und im Jahr darauf gewinnt er erstmals als Vater ein Grand-Slam-Turnier.

Roger Federer (left) and his girlfriend Miroslava 'Mirka' Vavrinec, take a break during Federer's first practice session of the year at the Rod Laver Arena in Melbourne, Wednesday, 03 January 2007. Federer has arrived early in Melbourne in preperation for the upcoming 2007 Australian Open which commences on January 15.  (KEYSTONE/EPA/ALISON CHURCH) === AUSTRALIA AND NEW ZEALAND OUT ===

Roger Federer am Australian Open 2007 mit seiner Mirka. Bild: EPA

Federers Schwäche für Cricket

Die überraschendste Verbindung findet sich beim Durchforsten von Federers Ahnengalerie. Sein Grossvater amtete in Südafrika offenbar einst als Sekretär der «Northern Transvaal Cricket Union». «Für Cricket hatte ich immer schon eine Schwäche. Meine Trainer haben mir auch viel von Australiens Nationalsport erzählt.»

Switzerland's Roger Federer, left, sits in a courtside chair as his coach Australian Tony Roche looks on during a practice session on Rod Laver Arena at the Australian Open at Melbourne Park, Melbourne, Australia, Sunday, Jan. 23, 2005. Federer is the defending champion here and plays Marcos Baghdatis of Cyprus in a fourth round match later in the day. (KEYSTONE/AP Photo/Steve Holland)

Einer von vielen Australischen Trainern Roger Federers: Tony Roche 2005. Bild: AP

Zu seinen Trainern zählt auch Tony Roche, mit dem Federer von 2005 bis 2007, im Zenit seiner Schaffenskraft, arbeitet. «Tony hatte einen grossen Einfluss auf meinen Arbeitsethos und den Respekt vor der Geschichte des Sports», erinnert sich Federer, der nun erzählt, dass Ken Rosewall, eine andere australische Legende, ihm einen Brief geschrieben hat, um ihm Glück zu wünschen. «Das macht er immer.»

Er, der mehr weiss über die Geschichte des Tennis als manch anderer, liebe die Spieler jener Generation. «Tony Roche, Rod Laver, Ken Rosewall, Roy Emerson. Mit ihm habe ich in Gstaad sogar mal eine Kuh gemolken», sagt Federer. «Australien ist für mich ein Lebensgefühl. Darum wird dieses Land für mich auch immer so etwas wie ein zweites Zuhause sein.»

Roger Federers Major-Titel – ALLE Grand-Slam-Titel des Schweizer Tennisstars

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