DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Alexander Zverev ist bei den French Open erneut unter Corona-Beschuss geraten.
Alexander Zverev ist bei den French Open erneut unter Corona-Beschuss geraten. Bild: keystone

Zverev wehrt sich gegen Vorwürfe: «Das heisst ja nicht sofort, dass man Corona hat»

Obwohl er sich krank fühlte, trat Alexander Zverev am Sonntag zu seinem French-Open-Achtelfinal gegen Jannik Sinner an. Dafür erntete der 23-jährige Deutsche wegen der angespannten Corona-Lage viel Kritik. In einem Interview hat sich Zverev nun den Vorwürfen gestellt, dabei aber wenig Einsicht gezeigt.
06.10.2020, 10:10

Mit seinen Aussagen nach dem Achtelfinal-Aus gegen den italienischen Shooting-Star Janik Sinner machte sich Alexander Zverev am Sonntag definitiv keinen Gefallen. Die deutsche Weltnummer 7 erklärte, dass er seit dem Spiel von Freitagabend gegen Marco Cecchinato «komplett krank» gewesen sei. Am Samstagabend habe er noch 38 Grad Fieber gehabt. Ausserdem erklärte Zverev: «Ich kann kaum atmen.» Corona schloss der US-Open-Finalist aus: «Das glaube ich nicht. Wir werden ja ständig getestet. Ich werde mich aber noch mal testen lassen.»

Trotzdem löste Zverev mit seinen Aussagen einen regelrechten Shitstorm aus. Denn er hätte gemäss Corona-Protokoll der French Open bei den Turnierärzten melden müssen, dass er sich krank fühle. Wie die Veranstalter aber mitteilten, habe Zverev vor dem Match gegen Sinner das medizinische Personal nicht konsultiert. Hätte er es getan, hätte er sich wohl isolieren müssen, bis ein negativer Test vorliegt.

Letztmals war der Deutsche am 29. September getestet worden, mit negativem Ergebnis. In einem Dokument, das den Spielern vor dem French Open verteilt wurde, appellierten die Turnierverantwortlichen auch an die Eigenverantwortung. Diese liess Zverev jedoch schmerzlich vermissen: «Ich habe schon beim Einspielen gemerkt, dass ich nicht spielen sollte. Ich hoffte eben auf einen schnellen Sieg», sagte er nach der Niederlage gegen Sinner.

Keiner Schuld bewusst

Bei Eurosport erhielt der 23-Jährige, der schon rund um die von Novak Djokovic organisierte Adria Tour für negative Corona-Schlagzeilen sorgte, gestern Abend nach dem Aufschrei in der Tennisszene die Chance, die Wogen zu glätten und seine Sicht der Dinge zu erläutern. Im Gespräch mit Moderator Matthias Stach und Experte Boris Becker gab sich Zverev aber wenig einsichtig und kritisierte gar die Turnierverantwortlichen.

Zunächst bestätigte Zverev, mit einer Schutzmaske im Auto sitzend, dass er am Montag erneut auf das Coronavirus getestet worden sei. «Ich habe das Ergebnis heute bekommen: Ich bin negativ. Ich habe kein Corona», erklärte der Deutsche. Er habe sich erkältet und sei «ein bisschen krank». «Aber das heisst ja nicht sofort, dass man Corona hat».

Zverev im Video-Interview mit Stach und Becker.
Zverev im Video-Interview mit Stach und Becker.bild: screenshot eurosport

Grund für seine Erkrankung sei wohl das schlechte Wetter. «Wir haben seit zwei Wochen bei acht Grad und Nieselregen gespielt. Es ist normal, dass der Körper ermüdet ist. Ich habe auch keine wirkliche Pause nach New York gehabt», so Zverev. Seine Temperatur habe am Samstagabend auch nicht 38 Grad, sondern nur 37,6 Grad betragen – was kein hohes Fieber sei. «Ich habe auch nie gesagt, dass ich mich so schlecht fühle, dass ich mich nicht bewegen kann», führte er weiter aus: «Ich habe gesagt, dass ich krank bin. Das darf ich doch wohl noch sagen, oder nicht?»

«System ein bisschen fragwürdig»

Von einer Meldepflicht bei den Turnierärzten habe er noch nie gehört. «Es bestand keine Pflicht anzugeben, ob man krank ist oder nicht», beteuerte der 23-Jährige. Zudem habe er sich über seinen Physiotherapeuten Hugo Gravil von den Turnierärzten ein Medikament gegen eine Erkältung geben lassen. «Das Turnier wusste es also.» Medikamente lasse er sich per se «lieber vom Turnierarzt» geben, um garantiert nicht gegen Anti-Doping-Regeln zu verstossen.

Dass er trotz Krankheitssymptomen gegen Sinner gespielt hat, darin sah Zverev schon am Sonntag nichts Verwerfliches. Schliesslich habe er nicht alle typischen Corona-Symptome gezeigt, wie beispielsweise Geschmacksverlust. Auch bei Europsport erklärte er noch einmal, dass er sich an alle ihm bekannten Regeln gehalten habe.

Stach und Becker im Gespräch mit dem zugeschalteten Zverev.
Stach und Becker im Gespräch mit dem zugeschalteten Zverev.bild: screenshot eurosport

Gleichzeitig kritisierte Zverev die weniger strengen Sicherheitsmassnahmen in Paris. «Im Hotel habe ganz normaler Touristenbetrieb geherrscht, auch in den umliegenden Zimmern. Im Lift, auf dem Gang und im Restaurant sei man ganz normal auch anderen Gästen begegnet. Der Unterschied: «Wir durften halt nicht raus aus dem Hotel.» Das sei allerdings «nicht so extrem kontrolliert» worden. «Ich kenne Spieler, die sind auch mal abends essen gegangen», erklärte Zverev.

Vor allem der Umgang mit den Corona-Tests sei bei den French Open komplett anders gewesen als noch bei den US Open. «Man hat uns gesagt, dass wir alle vier, fünf Tage testen müssen», sagte Zverev. Er habe aber keine konkreten Vorgaben dazu erhalten und sei auch nicht automatisch über die Testergebnisse informiert worden. Das wäre offenbar nur bei einem positiven Resultat passiert.

«Das ganze System war ein bisschen fragwürdig. Und ich bin nicht der einzige, der das so sagt», so Zverev, der die Veranstalter aber nicht explizit für die Durchführung kritisieren wollte: «Ich habe gesagt, dass es wunderschön ist, dass das Turnier stattfindet und dass sie es versuchen. Aber man kann es mit New York nicht vergleichen.» Dort habe man sich im Gegensatz zu Paris immer sicher gefühlt. « Hier waren wir nicht in einer Bubble.» (pre)

Mehr zu Zverev und Corona:

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Die One-Slam-Wonders im Herren-Tennis

1 / 28
Die One-Slam-Wonders im Herren-Tennis
quelle: keystone / justin lane
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Junge will wissen, von wo Roger den Spitznamen «The GOAT» hat

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Das Best-Case-Szenario – wie Odermatt und Feuz sich gegenseitig anspornen
Beat Feuz gewinnt die Abfahrt in Kitzbühel vor Marco Odermatt – doch der 24-jährige Nidwaldner rüttelt immer mehr am Abfahrtsthron. Vorerst hat die Hierarchie aber noch Bestand.

Beat Feuz lächelt zufrieden, als er auf die Siegerehrung wartet. Die vergangenen Wochen haben ihm zugesetzt. Doch jetzt ist er Kitzbühelsieger – zum dritten Mal. «Es ist doppelt schön, habe ich hier zurückgeschlagen», sagt Feuz. Auf der Streif, wo er vor einem Jahr beide Abfahrten gewann, wo er am Freitag auf verkürzter Strecke aber nur Achter wurde. «Natürlich kamen dann sofort Fragen, wie schlecht ich gerade bin», sagt Feuz.

Zur Story