Sport
Tennis

Djokovic wird in Australien als globaler Kopf der Impfskeptiker gesehen

Two women pass by a mural depicting Serbian tennis player Novak Djokovic on a wall in Belgrade, Serbia, Friday, Jan. 7, 2022. Regardless of who made an error on the visa or the vaccination waiver or w ...
Das Konterfei von Novak Djokovic an einer Wand in Belgrad.Bild: keystone

Insider verrät: «Djokovic wird in Australien als globaler Kopf der Impfskeptiker gesehen»

Kaum einer kennt den Fall des Visumkrimis um Novak Djokovic so gut wie Paul Sakkal, Politreporter der in Melbourne beheimateten Zeitung «The Age». Nun nennt er neue Details. Und wagt eine Prognose zum Ausgang.
08.01.2022, 11:58
Simon Häring / ch media
Mehr «Sport»

Er war der Erste, der davon berichtete, dass Novak Djokovic die Einreise in Australien verweigert worden ist. Und er war auch der Erste, der um 08.15 Uhr am Donnerstagmorgen Ortszeit verkündete, dass dem Tennisspieler das Visum entzogen worden ist: Paul Sakkal, Politreporter bei «The Age», einer in Melbourne beheimateten Zeitung. Er unterhält gute Beziehungen in die Amtsstuben und wird von beiden Seiten mit Informationen gefüttert. Sakkal sagt, Australiens Regierung betrachte Victoria «als sozialistischen Hafen», die beiden Regierungen bezeichnet er als «politische Feinde».

Im Podcast «No Challenges Remaining» sagt Sakkal, dass die Regierung von Präsident Scott Morrison an Djokovic ein Exempel statuieren wolle und versuche, vom eigenen Versagen in der Pandemiepolitik abzulenken. Australien erlebt derzeit die intensivste Pandemiewelle mit täglich weit über 70'000 Ansteckungen bei 25,5 Millionen Einwohnern. Vor Testcentern gebe es «gigantisch lange» Schlangen und es mangle an Schnelltests. Kurz: «Es herrscht ein absolutes Chaos und Scott Morrison ist angezählt.»

Einziger Mann mit Spezialbewilligung

Das Vorgehen gegen Novak Djokovic mag politisch instrumentalisiert werden, hat nach Einschätzung Sakkals aber seine Richtigkeit. Bisher war von 26 Gesuchen auf Befreiung von der Impfpflicht die Rede, von denen «nur eine handvoll» gutgeheissen worden seien. Gemäss Sakkal handelt es sich dabei um zwei Offizielle, eine Spielerin – eine inzwischen ebenfalls in Hotelquarantäne versetzte Tschechin – und einen einzigen Spieler.

Heisst konkret. Novak Djokovic, der beste Tennisspieler der Gegenwart, ist tatsächlich der einzige Mann, der von der Impfpflicht befreit worden ist.

Das sorge in der Bevölkerung, die mehrere strikte Lockdowns verordnet bekommen hatte und wo die Grenzen während 19 Monaten geschlossen waren, für Empörung. Paul Sakkal sagt: «Die Menschen fragen sich völlig zu Recht: Wie kann es sein, dass sich ein gesunder, junger Athlet wie Novak Djokovic aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen kann?»

epa09672117 A supporter of Serbian tennis player Novak Djokovic holds a banner during a rally in support of Djokovic, in Belgrade, Serbia, 07 January 2022. Tennis world number one Novak Djokovic, curr ...
Auch am Freitag wurde in Belgrad für Djokovic demonstriert.Bild: keystone

Eine Frage, die auch die Grenzbehörden sich stellten, nachdem Djokovic Anfang Woche in den sozialen Medien angekündigt hatte, er habe mit einer Spezialbewilligung im Gepäck die Anreise auf Australien angetreten. Kurz vor der Landung verlangte die Grenzbehörde vom Bundesstaat Victoria Einsicht in Djokovics Gesuch zur Befreiung von der Impfpflicht, doch diese konnte oder wollte keine Details zum Verfahren nennen.

Sakkal glaubt, die Behörden seien durch frühere Aussagen Djokovics zum Thema Impfung alarmiert gewesen. «Die Behörden wussten, dass hier jemand allenfalls versucht, das System zu umgehen. In Australien wird Djokovic als globaler Kopf der Impfskeptiker gesehen.» Entsprechend akribisch seien die Dokumente bei Djokovics Einreise geprüft worden.

Djokovic hatte nur ein Attest von einem Arzt

Während die anderen drei von der Impfpflicht befreiten Personen ihren Fall lückenlos und umfangreich dokumentiert hätten mit PCR-Abstrichen, Antikörpermessungen und Bescheinigungen von drei oder vier Ärzten, habe Djokovic neben zahlreichen Schreiben von Tennis Australia nur ein einziges ärztliches Zeugnis mitgeführt. Das überzeugte die Behörden nicht, sie annullierten das Visum und wiesen Djokovic an, Australien innerhalb von 24 Stunden wieder zu verlassen. Zudem habe sich Djokovic in der Anhörung nicht kooperativ gezeigt. Mit einer einstweiligen Verfügung haben seine Anwälte und er aufschiebende Wirkung erreicht.

Serbia's Novak Djokovic, the Australian Open defending champion, waits at an Australian Border Force desk on his arrival at Melbourne Airport, Wednesday, Jan. 5, 2022. Locked in a dispute over hi ...
Novak Djokovic bei der letztlich verhinderten Einreise nach Australien.Bild: keystone

Am Montag, 10.00 Uhr Ortszeit findet die finale Anhörung statt, nach der entschieden wird, ob der Entzug des Visums widerrufen wird, oder ob Djokovic Australien verlassen muss.

Paul Sakkal glaubt, dass es für die Anwälte von Novak Djokovic schwierig werden dürfte, die Einreise noch auf juristischem Weg zu erzwingen. Er sagt: «Ich kann mir kein Szenario vorstellen, in dem es gelingen soll, zu beweisen, dass die Entscheidung der Grenzkontrolle falsch gewesen ist.» (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Alle Grand-Slam-Titel von Novak Djokovic
1 / 26
Alle Grand-Slam-Titel von Novak Djokovic
US Open 2023: Djokovic – Medwedew 6:3, 7:6, 6:3.
quelle: keystone / justin lane
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Federer Und Nadal Lachen Über Djokovic (***Satire - kein Wort ist echt)
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
25 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Sitzplätzler
08.01.2022 12:38registriert April 2017
Immerhin bei der Einreise die Maske richtig an. Ein Fortschritt!👍
997
Melden
Zum Kommentar
avatar
Vanessa_2107
08.01.2022 13:03registriert Februar 2017
Liest man nun noch diesen Artikel und Djokovic darf am Montag einreisen und dann teilnehmen , würde ich die Welt nicht mehr verstehen. Es wäre ungerecht und würde zum Himmel schreien. Und seien wir realistisch, er würde von Anfang bis Ende ausgebuht werden, er der doch so gerne geliebt werden möchte.. Dass der Typ das nicht selber einsieht und begreifft, dass ihn nun ganz ganz ganz Viele zusätzlich noch weniger lieben....realitätsfremd
959
Melden
Zum Kommentar
avatar
Liebu
08.01.2022 14:04registriert Oktober 2020
Tja. Wer sich auf sein Ego verlässt anstatt auf Dokumente, wer meint sein Name wird’s schon richten, muss sich nicht wundern, wenn jemand halt nein sagt. Die Regeln gelten eben auch für grosse Namen.
Ich hoffe doch, es bleibt dabei, sonst geht in Australien das Theater bei Einreisen erst richtig los.
433
Melden
Zum Kommentar
25
Yakin vor dem Deutschland-Spiel schelmisch: «Freue mich auf den taktischen Vergleich»
Morgen Sonntag bestreitet die Schweiz ihr letztes Gruppenspiel gegen EM-Gastgeber Deutschland. Gelbe Karten, der Rasen in Frankfurt und der mögliche Gruppensieg sind die Themen vor dem Spiel.

Mit vier Punkten hat das Schweizer Nationalteam vor dem dritten Gruppenspiel eine gute Ausgangslage. Mit einem Sieg gegen Deutschland wäre der Gruppensieg perfekt. Im Achtelfinal (Samstag, 21.00 Uhr, in Dortmund) würden sie dann auf den Zweiten der Gruppe C treffen (England, Serbien, Dänemark oder Slowenien). Bei einem Unentschieden wäre die Schweiz Gruppenzweiter. Sie würde im Achtelfinal (Samstag, 18.00 Uhr, in Berlin) auf den Zweiten der Gruppe B treffen (Italien, Kroatien oder Albanien).

Zur Story