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Roger Federer, of Switzerland, asks to stop pushing when he signs autographs after a training session of the Swiss Davis Cup Team prior to the Davis Cup World Group Semifinal match between Switzerland and Italy, at Palexpo, in Geneva, Switzerland, Wednesday, September 10, 2014. The Davis Cup World Group Semifinal Switzerland vs Italy will take place from 12 to September 14. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Everybody's darling: Roger Federers Autogramme sind heiss begehrt.
Bild: KEYSTONE

«Mein Roger»: 11 watson-Mitarbeiter erzählen ihre ganz persönlichen Federer-Anekdoten

Es gehört sich als Journalist nicht, öffentlich von einem Sportler, Musiker oder Politiker zu schwärmen. Es gibt nur eine Ausnahme: Roger Federer. Vor dem Wimbledon-Halbfinal gegen Milos Raonic (14 Uhr) kramten wir in Erinnerungen und plaudern aus dem Nähkästchen. Und du?



Der unfassbare Wimbledon-Final 2008 gegen Rafael Nadal

Reto Fehr, Redaktor Sport: Das wohl beste Tennisspiel aller Zeiten. Ich hatte an jenem Sonntag einem Freund versprochen, ihm beim Umziehen zu helfen. Wir waren drei Jungs, alle Tennisfans natürlich. Daher wussten wir: Ab 15 Uhr ist Tennis Trumpf. Glücklicherweise gab es durch Regenunterbrüche diverse Pausen und Verzögerungen, in welchen wir jeweils ein, zwei Zügel-Fahrten absolvieren konnten. Die wichtigste Frage: Ist der TV auch immer schön an dem Ort, wo wir sind, wenn das Spiel wieder läuft? Es klappte meistens. Dumm nur: Federer holte zwar einen 0:2-Rückstand auf, verlor dann aber doch 4:6, 4:6, 7:6, 7:6, 7:9.

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28 Minuten Weltklasse-Tennis: Die Highlights von Federer – Nadal im Wimbledon-Final 2008. YouTube/Carlos Rochin

Familienfotos im Migros-Sack

Marius Egger, Mitglied Chefredaktion: Ich habe im Januar 2004 als Jung-Reporter einen Artikel über Federer geschrieben und besuchte dazu die Familie in Bottmingen. Roger war am Australian Open, aber Mutter Lynette empfing mich im Einfamilienhaus. Wir haben etwa zwei Stunden lang geplaudert und in Fotoalben gestöbert. Am Schluss gab sie mir zwei Alben mit: Die Federers beim Skifahren, Roger mit lustiger Frisur etc. Sie sagte, ich dürfe ein paar Fotos einscannen für den Artikel. Die Alben holte dann Vater Robert wieder ab: Ich übergab sie ihm in einem Migros-Sack auf einem Parkplatz in Lenzburg.

Der Schweizer Tennis-Junior Roger Federer in Aktion (aufgenommen am 12. September 1996 am World Youth Cup in Zuerich). Dem 17jaehrigen Federer aus Muenchenstein (BL) scheint das Klima in Australien besonders gut zu bekommen: In Victoria gewann er Mitte Januar ein Vorbereitungsturnier, in Melbourne erreichte er am 23. Januar die Halbfinals und am Junioren-Turnier der Australian Open in Melbourne steht er nun in der dritten Runde. Am Mittwoch, 28. Januar 1998, besiegte er im Einzel den Italiener Filippo Valandri mit 6:4 und 6:4. Zusammen mit dem Deutschen Christian Straka ist Roger Federer auch im Junioren-Doppel von Melbourne in der dritten Runde. (KEYSTONE)

Der junge Roger: Federer im Alter von 15 Jahren. Bild: KEYSTONE

«Honegger, was machst du denn überhaupt hier?»

Marco Honegger, Head of Sales: 1993 spielte ich in Bellinzona an den Junioren-Schweizermeisterschaften. Roger und ich waren beide 12 Jahre alt: Er bereits die Nummer 1 des Jahrgangs, ich der verschupfte Glarner. Am zweiten Tag gab's einen Spielerabend. Ich war bereits ausgeschieden, Federer locker in der zweiten Runde. Irgendwann fragte er mich: «Honegger, was machst du denn überhaupt hier?» Niedergeschmettert ging ich zur Mutter und dann ins Hotel.

Roger Federer feilt am Freitag, 18. April 2003, zusammen mit seinem Konditionstrainer Pierre Paganini, links, in Allschwil an seiner Kondition. (KEYSTONE/Markus Stuecklin)

Federer in der Provinz: 2003 beim Training in Allschwil.
Bild: KEYSTONE

Training in der Heimat

Marco Honegger: 2013 habe ich in Rüschlikon trainiert. Nach 20 Minuten kam der Club-Präsident und bat uns höflich, den Platz zu verlassen. Mein Mitspieler und ich waren sauer und hatten kein Verständnis dafür. Zehn Minuten später fuhr ein roter Ferrari vor: Roger stieg aus und trainierte drei Stunden lang. Von so nah zuzuschauen, war das eindrücklichste, was ich im Tennis je gesehen habe.

Kein Mann muss sich für Tränen schämen

Ralf Meile, Redaktor Sport: Dass Roger Federer nach Finals weint, kommt öfters vor. Doch in Melbourne sind es 2009 Tränen nach einer bitteren Niederlage gegen Rafael Nadal. Ich bin tags zuvor in eine neue Wohnung gezügelt, die Couch fehlt noch. Also setze ich mich am Sonntagmorgen auf einen Gartenstuhl, um während des Einrichtens der Stube ein bisschen Tennis zu schauen. Aus dem bisschen Tennis wird ein dramatisches und hochklassiges Match, das mich stundenlang an den Bildschirm fesselt. Federer verliert gegen den grandiosen Nadal 5:7, 6:3, 6:7, 6:3, 2:6 – und meine Zügelkartons sind noch so unberührt wie zu Spielbeginn.

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Die Zeremonie nach dem Final: Federer schluchzt hemmungslos und die ganze Schweiz weint mit ihm. YouTube/PEG MAN

Mr. Nice Guy

Ralph Steiner, Redaktor Sport: Vor einigen Jahren tauchte King Roger an den Sports Awards wieder einmal persönlich im Leutschenbach auf, um die Trophäe für den Sportler des Jahres entgegenzunehmen. Die leicht angesäuerte Medienbeauftragte deklarierte bereits bevor Federer vor die Medien trat, dass der Maestro nur gerade drei Fragen beantworten würde. Er müsse danach direkt zurück an den Flughafen und von dort noch am gleichen Abend retour nach Dubai ins Trainingslager. Natürlich hielt sich ein vorwitziger Chronist nicht an die Regelung und stellte eine vierte Frage. Und was machte der Maestro? Er antwortete ganz ruhig und mit einem Lächeln im Gesicht weiter, bis er dann weggezerrt wurde.

14.12. 2014; Zuerich; Sport allgemein - Credit Suisse Sports Awards;
Roger Federer Sportler des Jahres
(Nick Soland/freshfocus)

Federer an den Sports Awards 2014. Bis heute wurde er sechs Mal zum Schweizer Sportler des Jahres gewählt. Bild: freshfocus

Eine einmalige Gelegenheit?

Donat Roduner, Redaktor Sport: 2003, erster Wimbledon-Final. Das aufstrebende Schweizer Talent stand dem australischen Aufschlags-Hünen Mark Philippoussis gegenüber. Ich habe als 15-Jähriger den ganzen Match vor dem Fernseher gebibbert. Die Chancen auf einen historischen Schweizer Sportmoment waren riesig. Aber gleichzeitig waren bei mir auch die Gedanken da, dass diese einmalige Gelegenheit, würde Federer verlieren, niemals wiederkehren könnte. Dass seine Karriere zu Ende sein könnte, bevor sie richtig angefangen hat.

In der Retrospektive waren diese Ängste zum Glück gänzlich unberechtigt, unterdessen haben wir ja dank Stan Wawrinka sogar zwei Schweizer Grand-Slam-Sieger und Federer hat den einen oder anderen Pokal mehr in seiner Vitrine stehen. Trotzdem kam damals die Erleichterung erst, als Federer gegen Philipoussis den Matchball verwertet hatte.

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Ein Moment Sportgeschichte: Federers erster Grand-Slam-Triumph.
YouTube/AnandSundresh

Portrait des jungen Himmelsstürmers

Peter Blunschi, Redaktor Politik: Im Juli 1999 weilte ich am Swiss Open in Gstaad. Meine Mission: Einen knapp 18-jährigen Baselbieter porträtieren, der von Tennisgrössen wie Boris Becker und Andre Agassi in den Himmel gelobt wurde. Er hiess Roger Federer und scheiterte damals im Berner Oberland bereits in der ersten Runde. Tennisfans kannten sein immenses Talent, der breiten Bevölkerung aber war er noch weitgehend unbekannt.

Roger Federer pictured during a match against Younes El Aynaoui at the Swiss Open ATP Tennis Tournament in Gstaad, Switzerland, on July 6, 1999. (KEYSTONE/EDI ENGELER). === ELECTRONIC IMAGE ===

Der Schweizer Roger Federer returniert am Dienstag, 6. Juli 1999, einen Ball seines Gegners Younes El Aynaoui am Swiss Open ATP Tennis Turnier in Gstaad. Federer lag gegen den Marokkaner im Rueckstand, als das Match wegen Regens unterbrochen wurde.   (KEYSTONE/EDI ENGELER). === ELECTRONIC IMAGE ===

Federer 1999 in Gstaad beim Erstrunden-Out gegen Younes El Aynaoui. Bild: KEYSTONE

Zum Interview in seinem Hotel kam er ganz allein, ohne Betreuer oder PR-Berater, dennoch wirkte Roger im Umgang mit den Medien bereits sehr professionell. Man konnte ahnen, was aus ihm werden würde. Sein australischer Trainer Peter Carter äusserte sich mir gegenüber geradezu prophetisch: «Wenn Roger bereit ist, hart zu arbeiten, sehe ich keine Grenzen für ihn.» Den grossen Erfolg seines Schützlings erlebte Carter tragischerweise nicht mehr. Er starb bei einem Verkehrsunfall, drei Jahre nach jenem Treffen in Gstaad und ein Jahr bevor Roger Federer in Wimbledon seinen ersten Grand-Slam-Titel gewann.

Bild

Blunschis Reportage über den aufstrebenden Federer.
bild: facts

Murrays Tränen in Melbourne

Madeleine Sigrist, Redaktorin: An den Australian Open 2010 holte Roger Federer seinen 16. Grand-Slam-Titel. Im Final haute er Andy Murray 6:3, 6:4 und 7:6 weg. Der Schotte verlor auch seinen zweiten Major-Final (auch 2008 in New York unterlag er Federer) und war untröstlich: «Ich kann weinen wie Roger, bloss schade, dass ich nicht spielen kann wie er.» Drei Jahre später konnte es der Schotte, als er Federer im Wimbledon-Final schlug.

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Andy Murray: «I can cry like Roger, it's just a shame I can't play like him.» streamable

Auf Kollisionskurs

Philipp Reich, Redaktor Sport: Es war 2010 oder 2011 an den Swiss Indoors in Basel. Während der Pressekonferenz nach einem Federer-Sieg musste ich dringend auf die Toilette. Ich harrte aus, bis die Radios und das Fernsehen dran waren und verschwand dann kurz aufs stille Örtchen. Als ich zurück zu meinem Arbeitsplatz wollte, kam mir ein Schrank von einem Mann entgegen. Ich dachte mir nichts dabei, wich in der engen Gasse kurz aus, reihte mich wieder ein. Dann passierte es. Ich prallte mit Roger Federer zusammen, der vom Presseraum zurück in die Garderobe wollte. Mir war das schrecklich peinlich, natürlich entschuldigte ich mich sofort. Roger nahm's gelassen. Was er genau gesagt hat, ist mir leider entfallen.

Sieger Roger Federer nach dem Final mit den Ballmaedchen und Balljungen beim gemeinsamen Pizza essen bei den Swiss Indoors 2011 in der St. Jakobhalle in Basel am Sonntag, 6. November 2011...(PHOTOPRESS/Alexandra Wey)

Federer überstand Reichs Check gut und feierte 2011 den Turniersieg mit Basler Ballkindern.
Bild: PHOTOPRESS

Ein Sommerabend in New York

Janick Wetterwald, Redaktor Sport: New York, Brooklyn Bridge Park, September 2014. Viertelfinal-Tag an den US Open, das Wetter hochsommerlich, perfekt! Mit ein paar Freunden bin ich beim Public-Viewing: Eine Wiese, eine grosse Leinwand, im Hintergrund die Skyline von Manhattan, malerischer Sonnenuntergang inklusive. Alles ist bereit für Federer gegen Monfils.

Der Schweizer MUSS gewinnen, denn als Geburtstags-Überraschung für eine mitgereiste Freundin haben wir Tickets für den Halbfinal-Tag. Es wird eines dieser epischen Spiele: Nach 0:2-Satzrückstand wehrt Federer zwei Matchbälle ab und dreht die Partie noch. Als bereits die Sterne am Himmel von New York leuchten, verwertet «RF» nach über 3 Stunden den Matchball! Unsere Nerven am Ende – die Erleichterung und die Vorfreude riesig: Wir sehen Federer live! Die Freude müssen wir allerdings unserer Kollegin gegenüber ein wenig drosseln, es sollte ja eine Überraschung bleiben bis zum Stadioneingang.

Der Hass auf den Schotten Murray

Laurent Aeberli, Social Media: «Ich tingelte während der Olympischen Spiele 2012 mit einem Freund durch einen Markt in London. Mit einem der Verkäufer kamen wir ins Gespräch, bald war auch Fedi das Thema, der am nächsten Tag seine nächste Partie austragen würde. Leicht überrascht ob seiner Euphorie über Rogi fragten wir, ob er denn nicht für Murray sei. Seine Antwort: «Oh no! This fuckin' Scottish cunt!» Zum Glück trug mein Freund noch einen Pullover über dem Schottland-Trikot.

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Murray wird Olympiasieger 2012, schlägt Federer im Final. YouTube/Basketball677

» Schon gesehen? Kollege Baroni bringt uns englische Fluchwörter bei

Bonus

Reto Fehr: Unser erstes gemeinsames Bild in Wimbledon 😊

Bild

Unser Reto im Publikum: Für Federer eine der schönsten Erinnerungen. bild: keystone

Und du?

Hast du auch einen Federer-Moment, den du nie mehr vergessen wirst? Hast du deinem Schatz nach einem Wimbledon-Triumph den Hochzeitsantrag gemacht? Warst du im hintersten Krachen in Asien und als du «Switzerland» sagtest, strahlte dein Gegenüber dich an und rief «Logel Fedelel!»? Oder musstest in der RS Wache schieben, während der Maestro gegen Nadal spielte? 
Teile deine Erinnerungen im Kommentarfeld unten!

Die vielen Gesichter des Maestros: So hat sich Roger Federer über die Jahre verändert

1 / 102
Die vielen Gesichter des «Maestros»
quelle: x90003 / issei kato
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