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Olympia-Sperre für Sha'Carri Richardson: Das steckt hinter der Rassismus-Debatte



Sie hat eine Freundin, sie färbt ihre Haare gerne in Neon-Farben, ist tätowiert und auch nachdem sie 100 Meter in unter 11 Sekunden gerannt ist, blitzen ihre überlangen Nägel noch perfekt im Sonnenlicht. Eigentlich hätte Sha'Carri Richardson an den Olympischen Spielen 2020 in Tokio ein grosses Spektakel hinlegen sollen, nun darf sie nicht einmal hinfahren. Stattdessen findet sie sich im Mittelpunkt einer handfesten Rassismus-Debatte. Aber von Anfang an:

Der Start einer Karriere

Sha'Carri Richardson hat Jahrgang 2000 und startete ihre professionelle Sprinterkarriere bereits mit 19 Jahren. Dafür verliess sie ihr College und setzte alles auf die Karte Sport. Dann kam die Corona-Pandemie und sportliche Wettkämpfe wurden ausgesetzt. Auch die Olympischen Spiele 2020 in Tokio wurden ins Jahr 2021 versetzt.

Die Qualifikation für Olympia

An den U.S. Olympic Team Trials im Juni 2021 qualifizierte sich Richardson in einer Zeit von 10,86 Sekunden über 100 Meter souverän für die Olympischen Spiele im Juli. Nach ihrem Sieg im Qualifikations-Rennen stürmte die Sprinterin die Tribüne und umarmte dort ihre Grossmutter. Die Bilder gingen um die Welt.

In einem Interview nach dem Rennen meinte Richardson, dass nur eine Woche vor dem Rennen ihre Mutter gestorben war. «Gewöhnt euch an das Neon-Haar, den perfekten Gang, die eleganten Wimpern und ihr kühnes Auftreten», schrieb die «Washington Post» nach ihrer Qualifikation. Die USA hoffte auf die erste Gold-Medaille im 100-Meter-Sprint seit 1996.

Der positive Drogentest

Kurz nach ihrer überragenden Leistung an den Trials wurde Richardson allerdings positiv auf THC getestet. Cannabis ist laut den geltenden Doping-Regeln verboten. In einem Interview sagte die Sprinterin, sie habe vor der Qualifikation etwas Gras geraucht, um besser mit dem Stress umgehen zu können, den der Tod ihrer Mutter und die sportlichen Anforderungen in ihr ausgelöst hatten.

Sie akzeptiere die Entscheidung jedoch: «Ich übernehme die volle Verantwortung. Ich wusste, was ich nicht durfte und habe es trotzdem getan.» Zwar wird sie durch die 30-tägige-Sperre den 100-Meter-Sprint bei Olympia verpassen, zu diesem Zeitpunkt wäre jedoch eine Teilnahme mit der Staffel noch möglich gewesen.

Der Kader-Ausschluss

Doch der amerikanische Leichtathletik-Verband hatte andere Pläne. Sha’Carri Richardson ist nach dem positiven Test nicht in den olympischen Kader aufgenommen worden, wie am Mittwoch bekannt wurde. Man wolle gegenüber den anderen Athletinnen fair bleiben und habe deshalb auf ein Aufgebot verzichtet.

Richardson trug die Entscheidung – zumindest öffentlich – mit Fassung und fokussierte sich bereits auf die Weltmeisterschaften im kommenden Jahr:

Die Debatte

Viele ihrer Fans und Mitsportler empfanden den Entscheid des Leichtathletik-Verbandes jedoch als ungerecht. Sogar US-Präsident Joe Biden mischte sich in die Debatte ein. Dieser räumte zwar gegenüber Reportern ein, dass man das Cannabis-Verbot im Sport diskutieren müsse, aber er hielt fest: «Regeln sind Regeln.»

Und weil Richardson schwarz ist, wird durch die Kontroverse auch die laufende Rassismus-Debatte in den USA befeuert. Das Cannabis-Verbot sei von Beginn weg eine rassistische Regel gewesen und werde nun weiterhin benutzt, um schwarze Sportler von grossen Wettbewerben auszuschliessen, so der Grundtenor.

Die Mehrheit der republikanischen Abgeordneten spricht sich hingegen für die Nicht-Nomination von Richardson aus. Die Regeln können nicht von heute auf morgen geändert werden, um einer Athletin eine Teilnahme zu ermöglichen, so die Stimmen aus der Gegenrichtung. (leo)

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