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Schweizer Athleten, hier Frauen an der nationalen Meisterschaft 2021 in Hittnau, könnten einen Vorteil haben auf Schnee.
Schweizer Athleten, hier Frauen an der nationalen Meisterschaft 2021 in Hittnau, könnten einen Vorteil haben auf Schnee.Bild: keystone

Radquer will olympisch werden – mit einem Rennen im Schnee

Sich im Winter trotz Kälte und miesem Wetter aufs Velo zu schwingen und Rennen zu fahren, hat eine lange Tradition. Die Rede ist nicht von Wettkämpfen auf dem Smarttrainer in der Stube, sondern von Cyclocross, dem früheren Radquer. Diese Wintersportart träumt davon, olympisch zu werden und trägt deshalb ein Weltcup-Rennen komplett auf Schnee aus.
09.12.2021, 14:39

Die italienische Destination Val di Sole ist Radsportbegeisterten bislang vor allem als Austragungsort von Mountainbike-Rennen ein Begriff. Der Bündner Nino Schurter wurde hier im August zum neunten Mal Weltmeister.

Nun stehen am gleichen Ort in der Provinz Trentino seine Berufskollegen im Einsatz, die auf etwas schmaleren Stollenpneus unterwegs sind. Val di Sole ist am Wochenende der Austragungsort eines ganz besonderen Cyclocross-Weltcups: Er findet gänzlich auf Schnee statt.

Wer an Radquer denkt, denkt wohl vor allem an Dreck. An Gesichter, die von einer Schlammschicht überzogen sind. An Velos, bei denen es ein Wunder ist, dass die Schaltung noch ihren Dienst zu leisten vermag. Und an Wiesen, die aussehen wie ein Sumpfloch im schottischen Hochmoor oder der Bereich vor der Bühne am Openair St.Gallen.

«Cyclocross ist ein Wintersport»

Verschneite Passagen kommen gelegentlich hinzu, weil die Rennen bei jeder Witterung ausgetragen werden. Doch dass auf 1261 Metern über Meer extra eine Skipiste Velopiste angelegt wird, ist neu.

Der Grund: «Cyclocross will ein Teil der Olympischen Winterspiele werden», sagt Tomas van den Spiegel. Der frühere Basketballprofi ist CEO der belgischen Firma Flanders Classics, welche nicht nur die Flandern-Rundfahrt auf der Strasse organisiert, sondern auch den Cyclocross-Weltcup. Die Rennserie findet in der kalten Jahreszeit statt, entsprechend sagt van den Spiegel: «Cyclocross ist ein Wintersport. Die Verbindung mit dem Schnee ist daher ein spannendes Experiment.»

Topstars auf ungewohntem Terrain

Mit dem Belgier Wout van Aert und dem Briten Tom Pidcock sind zwei der drei Superstars der Szene am Start (der dritte ist der Niederländer Mathieu van der Poel). Wie sie mit der ungewöhnlichen Unterlage zurecht kommen werden, ist noch offen. Die Prognose lautet: vermutlich so gut wie mit allen anderen Unterlagen. Obwohl Van Aert nach seinem Sieg am letzten Wochenende in Boom sagte: «Ich bin gespannt darauf, was mich erwartet. Ein Schneekönig war ich noch nie.»

Der Alleskönner Van Aert ist dreifacher Cross-Weltmeister, gewann in diesem Jahr an der Tour de France die Bergetappe über den Mont Ventoux, ein Zeitfahren und den Sprint auf der letzten Etappe auf den Champs-Élysées. Pidcock, ebenfalls ein erfolgreicher Strassenprofi, wurde in Tokio Mountainbike-Olympiasieger und sagte, für ihn werde das Rennen im Val di Sole definitiv eine Premiere. «Als ich 2017 in Luxemburg Junioren-Weltmeister wurde, war es dort eisig. Aber auf Schnee bin ich noch nie gefahren.»

«Ehrlich gesagt, wissen wir nicht genau, welche Auswirkungen der Schnee auf die technischen Fähigkeiten haben wird», gibt Organisator van den Spiegel zu. «Was ich aber bereits jetzt sagen kann, ist, dass die Athleten ebenfalls neugierig darauf sind, eine neue Erfahrung zu machen.» Er sei überzeugt davon, dass der Anlass ein grosser Erfolg werde. Angeführt vom Zürcher Kevin Kuhn, der Nummer 17 der Welt, wird auch ein Schweizer Quartett am Start stehen; bei den Frauen die Bernerin Zina Barhoumi.

2020 in Dübendorf gewann Kuhn WM-Silber in der U23-Kategorie:

Ein weiter Weg zur Olympia-Teilnahme

Die Aufmerksamkeit ist ausserhalb der Szene wohl grösser als als für die restlichen 15 Weltcup-Rennen zusammen. Das Herz des Cross-Sports schlägt in Belgien, wo sechs Weltcups stattfinden. Hinzu kommen drei in den Niederlanden, jeweils kaum mehr als einen Steinwurf von der Grenze entfernt.

Dass der Event im Val di Sole aber alleine aufgrund seiner Beachtung dafür sorgen kann, dass Cyclocross olympisch wird, ist fraglich. Brian Cookson, früherer Präsident des Rad-Weltverbands UCI, macht seinen Nachfolgern wenig Hoffnung. «Wir versuchten schon 2014, das Internationale Olympische Komitee davon zu überzeugen», schrieb der Brite auf Twitter. «Das IOC bestätigte damals, dass die Winterspiele ausschliesslich für Sportarten reserviert sind, bei denen Schnee und Eis ein notwendiges Element sind. Ich fürchte, das wird sich nicht ändern.»

Beim Cyclocross wird das Velo auch mal geschultert – nicht nur auf Schnee, sondern auch wenn es im Matsch nicht mehr voran geht.
Beim Cyclocross wird das Velo auch mal geschultert – nicht nur auf Schnee, sondern auch wenn es im Matsch nicht mehr voran geht.Bild: keystone

Organisator Tomas van den Spiegel gab sich auf der Website des Weltcups zurückhaltend. «Es gibt beim IOC Diskussionen über die Möglichkeit, Cyclocross an die Olympischen Spiele zu bringen. Der Weltcup im Val di Sole ist für uns deshalb ein wichtiger Test. Wir haben ein klares Ziel vor Augen, aber es ist noch ein weiter Weg, um dieses zu erreichen.»

Eine erste Begegnung mit der Piste machen Van Aert, Pidcock, Kuhn und Co. am Samstag im Training. Die Rennen sind am Sonntagnachmittag, um 13.30 Uhr jenes der Frauen, um 14.55 Uhr jenes der Männer.

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