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Daniel Teklehaimanot (2.v.r.) zusammen mit seinem Landsmann Merhawi Kudus (r.) und einigen begeisterten eritreischen Fans bei der Tour 2015.
Daniel Teklehaimanot (2.v.r.) zusammen mit seinem Landsmann Merhawi Kudus (r.) und einigen begeisterten eritreischen Fans bei der Tour 2015.Bild: BENOIT TESSIER/REUTERS

Die famose Geschichte des Mannes aus dem Bergdorf in Eritrea, der eine Tour-Etappe gewinnen will

Der Radsport wird dominiert von Grossmächten wie Grossbritannien, Belgien, Spanien, Frankreich und Holland. Doch an der Tour de France schreiben manchmal auch «Exoten» schöne Geschichten, so wie der Eritreer Daniel Teklehaimanot.
15.07.2016, 16:4915.07.2016, 17:42
Donat Roduner
Donat Roduner
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Eritrea, der kleine afrikanische Staat zwischen Äthiopien und dem Sudan am Roten Meer, wird nur selten mit Sport in Verbindung gebracht. Und wenn, dann nur mit Leichtathleten respektive Langstreckenläufern, die sich stets mit Äthiopiern um Siege streiten.

Darum erstaunt es, das an der diesjährigen Tour de France gleich zwei Eritreer mitfahren. Einer von ihnen ist Daniel Teklehaimanot, der auch in der gestrigen Chaos-Etappe lange vorne mitmischte. (Der andere ist Natnael Berhane, der in dieser Geschichte Nebendarsteller bleibt.)

Daniel Teklehaimanot (vorne) fährt die diesjährige Tour de France im Leibchen des eritreischen Meisters.<br data-editable="remove">
Daniel Teklehaimanot (vorne) fährt die diesjährige Tour de France im Leibchen des eritreischen Meisters.
Bild: YOAN VALAT/EPA/KEYSTONE

Dass Teklehaimanot einmal Radprofi werden würde, war nicht in Stein gemeisselt. Er wuchs zusammen mit elf Geschwistern in Debarwa im eritreischen Hochland auf und fuhr jeden Tag Velo – auf unwegsamen Strassen, versteht sich. So entwickelte er offenbar Talent auf dem Zweirad, das ihm die Karriere ermöglichte.

Autokorsos in der Hauptstadt

2009 wurde bei dem heute 27-Jährigen Herzrasen festgestellt, was in Lausanne erfolgreich operativ behandelt wurde. So war es Tekleheimanot möglich, vom Velo-Stagiaire in den Profi-Zirkus aufzusteigen. 2012, in dem Jahr er auch als erster Eritreer ausserhalb der Leichtathletik an Olympischen Spielen teilnahm, unterschrieb er beim Team GreenEdge den ersten Vertrag mit einem grossen Team und fuhr auch die Vuelta.

Die ersten Erfolge feierte der Schlacks (1,88 m/70 kg) letztes Jahr. Er gewann beim Critérium du Dauphiné die Bergpreiswertung (was er 2016 wiederholte) und schlüpfte auch bei seiner ersten Teilnahme an der Tour de France gleich in das gepunktete Leibchen des Führenden im Bergpreis-Klassement. Teklehaimanot und Landsmann Merhawi Kudus waren 2015 übrigens die ersten Teilnehmer der grössten Rad-Rundfahrt aus Schwarzafrika.

So eroberte Teklehaimanot das gepunktete Leibchen.
YouTube/TesfaNews Tubes
Team Dimension Data
Daniel Teklehaimanot fährt aktuell für das südafrikanische Team Dimension Data, das letztes Jahr noch MTN-Qhubeka hiess und damals das erste afrikanische Team an der Tour de France war. Das Team engagiert sich auch stark für den World Bicycle Relief, der sich für den verbesserten (Velo-)Transport in Afrika einsetzt.
Dimension Data hat dank dem Sprinter Mark Cavendish an der diesjährigen Tour bereits drei Etappensiege feiern können. Der Brite sieht eine goldene Zukunft: «Ich glaube wirklich, dass dies in fünf Jahren das beste Team sein wird», sagte er in der «Sports Illustrated».

Dass Daniel Teklehaimanot so für Furore sorgte, blieb auch in der Heimat nicht unbemerkt – im Gegenteil. In Eritreas Hauptstadt Asmara brach regelrechtes Rad-Fieber aus, die Leistungen des Nationalstolzes wurden mit Autokorsos gewürdigt und um sich die Etappen anzusehen, trafen sich die Eritreer in Kinosälen.

So triumphal wurde Teklehaimanot nach der Tour de France 2015 in der Heimat empfangen.YouTube/[DiasporAm]

Glück in den Alpen?

Für dieses Jahr hat sich Teklehaimanot viel vorgenommen: «Ich hoffe, stärker zurückzukehren und Mitte Saison gute Rennen zu fahren. Ich muss überall gut sein, aber ich würde schon gerne eine Etappe der Tour oder der Vuelta gewinnen», sagte der Fahrer des Teams Dimension Data im Winter.

Daniel Teklehaimanot (lachend im Vordergrund) ist ein spezieller Tour-de-France-Fahrer, nicht nur wenn er gerade seinem Teamkollegen und Etappensieger Stephen Cummings die Show stiehlt.
Daniel Teklehaimanot (lachend im Vordergrund) ist ein spezieller Tour-de-France-Fahrer, nicht nur wenn er gerade seinem Teamkollegen und Etappensieger Stephen Cummings die Show stiehlt.Bild: Christophe Ena/AP/KEYSTONE

Noch ist der Tour-Etappensieg nicht Tatsache geworden. Aber Der 7. Schlussrang der gestrigen Etappe hat Teklehaimanot im Gesamtklassement aber immerhin in die vordere Hälfte gebracht, er belegt nach zwölf absolvierten Teilstücken den 88. Rang, 1:37:13 Stunden hinter Leader Chris Froome. Vielleicht schlägt ja die Stunde des Afrikaners in den kommenden Alpen-Etappen?

Eritreer rennen gern, Chris Froome auch:

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Drama am Mont Ventoux: Chris Froome rennt den Berg hoch
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