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VW-Konzernchef Blume: «Diese Lage hat es noch nie zuvor gegeben»

05.09.2024, Sachsen, Zwickau: Eine Schranke sichert die Zufahrt zum Volkswagen Werk in Zwickau. Europas größter Autobauer hatte angekündigt, angesichts der sich zuspitzenden Lage den eingeschlagenen S ...
Das Volkswagen-Werk im sächsischen Zwickau. Bild: DPA

VW-Konzernchef Blume: «Diese Lage hat es noch nie zuvor gegeben»

Volkswagen verschärft seinen Sparkurs – und denkt über Werksschliessungen nach. Jetzt spricht Vorstandschef Oliver Blume über die Lage des Konzerns.
08.09.2024, 13:54
Mauritius Kloft / t-online
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Ein Artikel von
t-online

Nach der Ankündigung des Volkswagens-Konzerns, den Sparkurs mit Arbeitsplatzabbau und möglichen Werksschliessungen bei der Kernmarke VW zu verschärfen, beschreibt Konzern-Vorstand Oliver Blume die schlechte wirtschaftliche Situation bei Volkswagen als alarmierend. Bei der Marke VW sei die Lage «so ernst, dass man nicht einfach alles weiterlaufen lassen kann wie bisher», sagte Blume der deutschen Zeitung Bild am Sonntag.

«In Europa werden weniger Fahrzeuge gekauft. Gleichzeitig drängen neue Wettbewerber aus Asien mit Wucht in den Markt. Der Kuchen ist kleiner geworden und wir haben mehr Gäste am Tisch.»
VW-Konzernchef Oliver Blume

Die gesamte europäische Autoindustrie befinde sich in einer sehr anspruchsvollen Lage, «die es zuvor noch nie gegeben hat», so Blume. «Und das wirtschaftliche Umfeld hat sich nochmals verschärft, gerade bei der Marke VW.»

10.05.2023, Berlin: Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender der Porsche AG und der Volkswagen AG, bei der Vollversammlung der Volkswagen AG - Hauptversammlung 2023. Foto: Britta Pedersen/dpa +++ dpa-Bildf ...
Oliver Blume ist Vorstandsvorsitzender des VW-Konzerns. Bild: DPA

Der Konzern habe in allen Marken und Gesellschaften Ergebnisprogramme etabliert. Gleichzeitig erhöht VW die Preise für viele Modelle mit Benzinern und Dieseln (lesen Sie hier mehr). Bei VW würden die Kostenreduzierungen aber aktuell nicht ausreichen. «Meine Kollegen, VW-Chef Thomas Schäfer und Thomas Schmall, arbeiten mit ihren Teams deshalb an weiteren Massnahmen», ergänzte Blume. Schäfer ist Chef der Marke VW, Schmall indes Technikvorstand. Welche Massnahmen das sein könnten, sagte der Volkswagen-Chef nicht.

«Wir stehen fest zum Standort Deutschland»

Einen Kahlschlag wird es laut Blume nicht geben: «Wir stehen fest zum Standort Deutschland, denn Volkswagen hat ganze Generationen geprägt. Wir haben Mitarbeiter, deren Grossväter schon bei Volkswagen gearbeitet haben. Ich will, dass auch ihre Enkel hier noch arbeiten können.»

05.09.2024, Sachsen, Zwickau: Mit lautstarken Protesten empf�ngt die Belegschaft Thomas Sch�fer (vorn), Markenvorstand Volkswagen, im Volkswagen Werk in Zwickau. Europas gr��ter Autobauer hatte angek� ...
Eine wütende Belegschaft empfängt Thomas Schäfer, Markenvorstand von VW, am Donnerstag in Zwickau, Sachsen.Bild: DPA

Die Konzernführung von Volkswagen hatte angesichts drohenden Verlusts in der Kernmarke angekündigt, betriebsbedingte Kündigungen und Werksschliessungen in Deutschland in Betracht zu ziehen, um Kosten zu senken.

Der Betriebsrat lehnt das ab und wirft dem Management schwere Fehler vor. Die Arbeitnehmervertreter brachten bereits eine Viertagewoche ins Spiel.

Subventionen oder Viertagewoche?

Die SPD-Co-Vorsitzende Saskia Esken sieht die Viertagewoche ebenfalls als «Modell», sagte sie dem «Handelsblatt». Wenn es um nachhaltige Personalkonzepte gehe, seien auch «Drehscheiben-Modelle» sinnvoll. «Damit ermöglicht man Beschäftigten einen Wechsel zu einem anderen Arbeitgeber und hält sich offen, sie wieder in den Konzern zu holen», sagte Esken weiter. Staatshilfen vom Bund für Volkswagen lehnte sie indes ab. «Der Bundeshaushalt hat keine grossen Finanzierungsspielräume.»

Mögliche Subventionen hatte Hessens Ministerpräsident Boris Rhein ins Spiel gebracht. Dem Hessischen Rundfunk sagte der CDU-Politiker: «Deshalb müssen wir wie sonst noch nie zuvor darüber reden, ob wir an der einen oder anderen Stelle unterstützen müssen.»

Linken-Chefin Janine Wissler brachte derweil in der «Rheinischen Post» eine weitere Idee ins Spiel: «Wenn VW wirklich so dringend Geld braucht, dann sollen die Grossaktionäre wie der Porsche-Piëch-Clan diese 4,5 Milliarden Euro zurückzahlen.»

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215 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Glücklich
08.09.2024 14:12registriert August 2022
Ich habe meine Lehre als Automechaniker (1990-1994) bei VW, Amag, gemacht. Schon damals waren die Autos teurer als vergleichbare Modelle. Nur waren sie auch in Sachen Qualität, Wiederverkauf und Langlebigkeit seinen Konkurrenten überlegen. Mein 1. Auto war ein Golf 1, 500‘000 km ohne grosse Probleme.

Doch diese ‚Überlegenheit‘ haben sie dann ab den 2000ender verloren aber der Preis blieb konstant höher als bei Vergleichbaren.

Die Konkurrenz hat sich stark verbessert, der VW Konzern hat sich in meinen Augen, auf dem alten Ruhm ausgeruht und verpennt.
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pontian
08.09.2024 14:09registriert Januar 2016
Die Probleme sind hausgemacht. In den 1990ern begann VW, in China zu investieren. Wie von China vorgeschrieben, mittels Joint-Ventures mit chinesischen Firmen. So lernten diese, gute Autos zu bauen. VW dachte, keine Konkurrenz zu erzeugen, da die wichtigen und komplexen Motoren nach wie vor aus Europa kamen. So erreichten sie bis 40% Marktanteil im grössten Automarkt der Welt. Dann kam der E-Antrieb, der ingenieurtechnisch einfacher ist, aber Software benötigt. Software, die die Chinesen gut können. Da VW den Wandel so verschlafen hat, kommen sie in China noch auf 4% Marktanteil bei Neuwagen.
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FrancoL
08.09.2024 14:10registriert November 2015
Ich habe da eine eigne Sicht. Der VW-Konzern hat bockstur seine Linie gefahren.
Ich war vor Jahren mit einigen Vertretern der AMAG nach Deutschland eingeladen und habe hier im Nachgang über die Elektromobilität mit den Gastgebern gesprochen. Ich wurde riesig belächelt und man prophezeite mir noch ein langes Leben der Verbrenner.
Ich war ehrlich gesagt total irritiert, ob diesen sehr undifferenzierten Aussagen zur Elektromobilität. Darum wundert mich die Schieflage überhaupt nicht. Und für mich ist es ein krass falscher Zugang zum Markt, einem Markt der sich stetig bewegt.
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