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VW baut Elektroauto für 20'000 Franken

Volkswagen erscheinen in einem Corso, beim Kaefer und Bullytreffen, am Sonntag, 5. Mai 2024, in Brienz. Der deutsche Volkswagen vom Typ 1, der sogenannte Kaefer, wurde in den Jahren 1938 bis 2003 prod ...
Die Zukunft von VW ist elektrisch.Bild: keystone

Elektromobilität für alle? VW bringt E-Auto für 20'000 Euro

Volkswagen gibt grünes Licht für sein Einstiegs-E-Auto. Die Weltpremiere ist für 2027 geplant. Gebaut wird der elektrische Kleinstwagen in Europa.
29.05.2024, 12:3329.05.2024, 13:03
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Volkswagen verzichtet bei seinem kommenden Elektro-Kleinstwagen auf eine Partnerschaft mit anderen Herstellern. Das Fahrzeug für rund 20'000 Euro soll im Alleingang entwickelt werden und nochmals etwas kleiner und günstiger sein als der für 2026 geplante VW ID.2, den die Deutschen bereits vor einem Jahr präsentiert haben.

Die Weltpremiere für den nun bestätigten Einstiegs-Stromer ID.1 sei für 2027 geplant, gab Europas grösster Autobauer am Dienstag nach einer Vorstandsitzung in Wolfsburg bekannt. Eine angedachte Kooperation mit Renault kam nicht zustande. Hergestellt werden soll das Fahrzeug in Europa.

«Damit verbinden wir ein klares Bekenntnis zum Industriestandort Europa», sagte Konzernchef Oliver Blume. «Es geht um elektrische Einstiegsmobilität aus Europa für Europa.»

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Das Startdatum für das Fahrzeug unter dem Projektnamen «Amsterdam» habe man bewusst ein Jahr nach dem für 2026 geplanten ID.2all für unter 25'000 Euro gelegt, sagte der Chef der Kernmarke Volkswagen, Thomas Schäfer.

Hoffnungsträger der Elektromobilität

VW setzt grosse Hoffnung auf das Modell, mit dem die Elektropalette nach unten abgerundet wird und der Vorstoss in das elektrische Einstiegssegment gelingen soll. «Damit sich die Elektromobilität in der Breite durchsetzt, braucht es attraktive Fahrzeuge, gerade im Einstiegssegment», sagte Schäfer.

«Unser Markenversprechen lautet: Elektromobilität für alle.» Dieses Versprechen werde nun eingelöst.

Der elektrische ID.3 in Golf-Grösse ist deutlich grösser und teurer als die geplanten Klein- und Kleinstwagen ID.2 und ID.1.
Der elektrische ID.3 in Golf-Grösse ist deutlich grösser und teurer als die geplanten Klein- und Kleinstwagen ID.2 und ID.1. Bild: Shutterstock

Mitte Mai hatte VW bereits bestätigt, dass der Nachfolger des aktuellen Golf-Modells ein Elektroauto wird. Die Produktion eines neuen Golf mit Verbrennungsmotor würde sich aus wirtschaftlicher Sicht nicht mehr lohnen, sagt Schäfer.

Der derzeit günstigste VW-Stromer ID.3 in Golf-Grösse startet bei knapp 39'000 Franken, der 2026 geplante ID.2all in Polo-Grösse soll rund 25'000 Franken kosten. Den noch kleineren E-Up für zuletzt unter 27'000 Franken hatte VW im vergangenen Jahr eingestellt, da er nicht rentabel war. Diese Lücke soll nun der ID.1 schliessen. Ab 2033 will die Kernmarke VW in Europa nur noch Elektro-Autos verkaufen.

Entwicklung läuft bereits

Die Arbeit am ID.1 ist laut VW bereits weit fortgeschritten. «Wir sind schon mittendrin, wissen, wie das Auto aussehen muss», sagte Markenchef Schäfer bereits im März. Trotz günstigen Preises wolle man dabei «Massstäbe im Einstiegssegment setzen».

Es gibt zwar bereits E-Autos um die 20'000 Euro, diese erreichen aber nicht die von VW angestrebte Reichweite von über 300 Kilometern: «Man kann kein Auto anbieten, das nur 150 km oder so schafft, das macht es zwar billig, aber es wird die Kunden nur verärgern», so Schäfer.

Der angepeilte Preis stelle daher eine grosse Hürde dar. «Das ist wirtschaftlich extrem herausfordernd», so Schäfer. «Diese Aufgabe ist aufgrund der steigenden Energie-, Material- und Rohstoffkosten anspruchsvoller geworden.» Aufgrund der Batteriekosten lasse sich ein Preis von 20'000 Euro nur mit sehr grossen Stückzahlen erreichen. Anscheinend ist VW nun zum Schluss gekommen, dass mutmasslich sinkende Batteriekosten ab 2027 einen profitablen E-Kleinstwagen ermöglichen werden.

Keine Partner

VW hatte eine Zusammenarbeit mit anderen Herstellern geprüft, um so auf grössere Volumen zu kommen. Eine zunächst angedachte Kooperation mit Renault kam aber nicht zustande. Der französische Hersteller hatte im Frühjahr bestätigt, dass es Gespräche über eine gemeinsame Kleinwagen-Plattform für Elektro-VW und den Renault Twingo gebe.

Vor einer Woche hatte Renault-Chef Luca de Meo der Agentur Reuters aber gesagt, dass die Gespräche gescheitert seien. Konzernkreisen zufolge soll sich vor allem VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo dagegen ausgesprochen haben, dass das Modell ausschliesslich bei der Renault-Tochter Dacia in Rumänien gebaut werden sollte.

VW selbst hat sich zu den Gesprächen mit Renault bisher nicht geäussert. Der Konzern hatte im Frühjahr nur von vier Szenarien gesprochen, die für die Produktion des Kleinstwagens geprüft würden. Konzernchef Blume hatte dabei auch eine Zusammenarbeit mit einem anderen Autobauer nicht ausgeschlossen, aber keine Namen genannt.

Um trotz der gescheiterten Partnerschaft mit Renault hohe Stückzahlen zu erreichen, ist laut Newsportal «Business Insider» ein Schwestermodell des ID.1 von Škoda geplant.

Fertigung in Deutschland unwahrscheinlich

Wo genau in Europa der ID.1 nun gebaut werden soll, liess VW noch offen. Eine Fertigung in Deutschland gilt aber als unwahrscheinlich. Bereits den ID.2all hatte VW aus Kostengründen an die Konzerntochter Seat nach Spanien vergeben, wo er ab Ende 2025 zusammen mit Schwestermodellen von Cupra und Škoda vom Band rollen soll.

Ein E-Auto für die Massen – das bietet der «ID. 2all» von VW

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Ein E-Auto für die Massen – das bietet der «ID. 2all» von VW
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quelle: volkswagen ag
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Die hohen Preise für Elektroautos gelten unter Experten als grösstes Hindernis für einen weiteren Ausbau der Elektromobilität. Bundeskanzler Olaf Scholz hatte auf der Münchener Automesse IAA Mobility im vergangenen September an die Hersteller appelliert, günstigere Modelle ins Programm zu nehmen.

Der Hochlauf der E-Mobilität «wird nicht funktionieren, wenn es nicht auch Angebote gibt, die für ganz viele Bürger bezahlbar sind», sagte Scholz. Und daran hätten die Hersteller «über den Preis natürlich einen wichtigen Anteil».

Elf neue E-Modelle bis 2027

Der ID.1 ist eines von elf neuen Elektromodellen, die die Kernmarke Volkswagen seit dem Verkaufsstart des ID.7 im vergangenen Jahr bis 2027 auf den Markt bringen will.

Auch die bisherigen Verbrennermodelle Golf, Tiguan und T-Roc werde man «in die elektrische Zukunft bringen». Damit halte VW trotz der gegenwärtigen Nachfrageschwäche an seinem Elektro-Kurs fest. «Die Zukunft von Volkswagen ist elektrisch», sagte Schäfer. «Wir stehen zu unserer Planung.»

(oli/sda/awp/dpa)

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78 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Tante Karla
29.05.2024 12:52registriert März 2024
Dass viele europäische Hersteller E-Mobilität lange für etwas für das Luxussegment hielten, zeugt nicht gerade von strategischer Weitsicht.
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Copyright
29.05.2024 12:38registriert März 2017
„ Volkswagen gibt grünes Licht für sein Einstiegs-E-Auto. Die Weltpremiere ist für 2027 geplant. Gebaut wird der elektrische Kleinstwagen in Europa.“

2027 ? Bis dann ist das Rennen um preiswerte Elektroautos gelaufen… 🤷🏻‍♂️

VW, Weltmeister im Ankündigen…
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Overton Window
29.05.2024 13:35registriert August 2022
Aha. Wenn die Chinesen mit Kleinwagen drohen, geht es dann plötzlich doch. Wie schon damals mit Tesla. Null lernfähig dieser Konzern.
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