Wirtschaft
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Protesters shout slogans after splashing red paint at the logo of Shell, one of the three big oil companies in the country, to denounce a new round of oil price increase implemented this week, the eighth consecutive week it had increased so far, Friday, Oct. 5, 2018 in suburban Makati city east of Manila, Philippines. The protesters assailed the oil companies for the apparent weekly increase of oil prices which allegedly triggers higher inflation rate and weaken the country's economy. Also on Friday, the Government announced another jump of its inflation rate to 6.7-percent as compared to last month's figure of 6.4-percent, one of the highest in years. (AP Photo/Bullit Marquez)

Demonstrationen gegen den steigenden Ölpreis in Manila. Bild: AP/AP

Ölpreis bald bei 100 Dollar? 3 Gründe, warum das gefährlich ist – und ein erfreulicher 

Rohstoffhändler reiben sich die Hände und spekulieren bereits wieder mit einem Ölpreis von 100 Dollar pro Fass. Politiker und Konsumenten hingegen haben weniger Grund zur Freude.



Im laufenden Jahr hat der Ölpreis bereits rund 20 Prozent zugelegt. Anfangs November werden die amerikanischen Sanktionen gegen den Iran in Kraft treten. Mehr als zwei Millionen Fass Öl werden dann der weltweiten Öl-Versorgung fehlen. Ob die Saudis und die Russen diese Lücke füllen können, ist fraglich.

«Der Markt fasst zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder einen Ölpreis von 100 Dollar pro Fass ins Auge.»

Chris Kettenmann

In den letzten Tagen ist der Ölpreis daher kontinuierlich gestiegen. Dieser Trend könnte zum Selbstläufer werden, die Rohstoff-Trader haben Blut gerochen. Chris Kettenmann, Chefstratege des New Yorker Rohstoff-Brokers Macro Risk Advisors, erklärt denn auch im «Wall Street Journal»: «Der Markt fasst zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder einen Ölpreis von 100 Dollar pro Fass ins Auge.»

In den 1970er Jahren hat ein steigender Ölpreis die Weltwirtschaft in eine schwere Rezession gestürzt. Weil die Abhängigkeit vom schwarzen Gold massiv abgenommen hat, wird dies kaum mehr der Fall sein. Doch auch im digitalen Zeitalter hat der Ölpreis massive Auswirkungen auf Politik und Wirtschaft. Hier sind sie:

1. Autoritäre Regimes werden gestärkt

Schon vor mehr als zehn Jahren hat Thomas Friedman eine Regel aufgestellt, die er scherzhaft «das erste Gesetz der Petropolitik» genannt hat. Es besagt: Der Ölpreis und der Weltfrieden bewegen sich in entgegengesetzte Richtungen. Je höher der Ölpreis, desto stärker werden autoritäre Regimes.

epa07066128 Saudi Arabia's Minister of Energy, Industry and Mineral Resources, Chairman of the Board of Directors of Saudi Arabian Oil Company (Saudi Aramco) Khalid A. Al-Falih (L), Russian President Vladimir Putin (2-L), Royal Dutch Shell CEO Ben van Beurden (3-L) take part in the plenary session 'Sustainable energy for a changing world' during the Russian Energy Week international forum at the Manege exhibition center in Moscow, Russia, 03 October 2018. The forum takes place from 03 to 06 October.  EPA/ALEXEI DRUZHININ / SPUTNIK / KREMLIN POOL MANDATORY CREDIT

Befinden sich im gleichen Boot: Wladimir Putin und der saudische Energieminister.  Bild: EPA/SPUTNIK POOL

Dieses Gesetz hat heute noch Gültigkeit. Die grossen Profiteure des steigenden Ölpreises heissen Wladimir Putin und Mohammed bin Salman, meist MBS genannt.

Der russische Präsident befindet sich in ernsten innenpolitischen Schwierigkeiten. Seine Kriegsabenteuer in der Ukraine und in Syrien sind sehr teuer und bei den Russen zunehmend umstritten. Seinen Vorschlag, das Rentenalter zu erhöhen, musste er wegen grossem Widerstand abblasen.

Der bescheidene Wohlstand, den sich die Russen dank dem hohen Ölpreis in den Nullerjahren leisten konnten, ist in Gefahr. Das sorgt für Proteste in den Städten. Selbst die Oligarchen werden unruhig, weil sie wegen den Sanktionen nicht mehr in den Westen reisen können. Der steigende Ölpreis ist für Putin daher ein Geschenk des Himmels. Er könnte so seine «gelenkte Demokratie» zumindest vorübergehend wieder stabilisieren.

Saudis setzen wieder auf harten Kurs

Das gilt auch für MBS. Der starke Mann in Saudi-Arabien ist im Begriff, seine zarten Reformbemühungen ad acta zu legen und den Wüstenstaat mit harter Hand zu regieren. Jüngstes Beispiel ist das rätselhafte Verschwinden des renommierten Journalisten Jamal Khashoggi. Er ist höchstwahrscheinlich von saudischen Schergen in Istanbul umgebracht worden.

Der Mord an Khashoggi wird bereits als Zeichen dafür gewertet, dass die Saudis wieder auf einen harten Kurs setzen und ihre Ziele um jeden Preis durchsetzen wollen, selbst wenn dabei die Freundschaft mit den USA getrübt wird.

2. Trump wird nervös

Der Ölpreis hat nicht nur geo-, sondern auch innenpolitische Konsequenzen. Das gilt ganz speziell für die Vereinigten Staaten. Ein steigender Benzinpreis ist der Albtraum für jeden Präsidenten, besonders in Wahlkampfzeiten.

epa05798255 A coal miner identified as Kevin shakes hands with US President Donald J. Trump prior to the President signing H.J. Res. 38, disapproving the rule submitted by the US Department of the Interior known as the Stream Protection Rule in the Roosevelt Room of the White House in Washington, DC, USA, 16 February 2017. The Department of Interior's Stream Protection Rule, which was signed during the final month of the Obama administration, 'addresses the impacts of surface coal mining operations on surface water, groundwater, and the productivity of mining operation sites' according to the Congress.gov summary of the resolution.  EPA/Ron Sachs / POOL

Steht auf fossile Brennstoffe: Donald Trump. Bild: EPA/Consolidated News Photos POOL

Donald Trump hat zwar mit seiner Iran-Politik die Ölpreisspirale in Bewegung gesetzt. Doch der US-Präsident ist bekanntlich kein Mann der Selbstkritik. Der hohe Ölpreis sei «inakzeptabel», tweetete er deshalb und erklärte, die Opec würde «den Rest der Welt abzocken».

Die Saudis sind die bestimmende Kraft in der Opec. Mit den Angriffen auf die Vereinigung der Erdöl produzierenden Länder setzt Trump auch die Achse USA-Israel-Saudi-Arabien aufs Spiel.

3. Weltwirtschaft gerät in Schwierigkeiten

In den beiden letzten Jahren hat sich die Weltwirtschaft erholt. Zusammen mit dem zunehmenden Protektionismus ist ein steigender Ölpreis eine Gefahr für diese erfreuliche Entwicklung. Weil das Geld für den Konsum fehlt, droht die Nachfrage in den Industrieländern einzubrechen.

Richtig dramatisch könnte es jedoch in einzelnen Schwellenländern werden. Diese müssen einen doppelten Haken verdauen: steigender Dollar und steigender Ölpreis. Ob dies bereits angeschlagene Volkswirtschaften verkraften können, ist fraglich. Besonders gefährdet sind etwa die Türkei und Pakistan.

4. Nachhaltigkeit wird belohnt

Die SUV-Welle, welche die westliche Welt derzeit überschwemmt, wäre ohne billiges Öl nicht möglich gewesen. Auch viele andere Bemühungen, den CO2-Ausstoss zu verringern, wurden so unterlaufen. Erdöl ist unter anderem ein wichtiger Faktor in der Landwirtschaft und der Fleischproduktion.

An e-car is connected with a public charge base in Berlin, Germany, Wednesday, April 27, 2016. Germany plans to subsidize electric cars in a bid to help the country's auto industry compete in the global market for the growingly-popular and environmentally friendly vehicles. (AP Photo/Michael Sohn)

Werden E-Autos die Profiteure des hohen Ölpreises?  Bild: AP/AP

Der Anstieg des Ölpreises bis zu 150 Dollar pro Fass vor rund zehn Jahren hat einen Ökoschub bei Autoproduzenten und Konsumenten ausgelöst. Inzwischen ist er weitgehend verpufft. Sollte Benzin wieder längere Zeit teuer bleiben, dann besteht für die Konsumenten ein grosser Anreiz, auf Elektroautos umzusteigen. Ebenso werden sich Investitionen in energetisch hochwertige Immobilien lohnen. Wie für Putin ist daher für unsere Umwelt der steigende Ölpreis ein Geschenk des Himmels.

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31Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • TRL 11.10.2018 07:22
    Highlight Highlight Dieses Jahr wurden oder werden (hoffentlich) noch Wasserstoff-Brennstoffzellen-Stromer von Toyota und Hyundai eingeführt.
    Play Icon

    Fände ich eigentlich um einiges cooler als ein Tesla - leider nicht meine Preisklasse.
  • infomann 10.10.2018 22:49
    Highlight Highlight Der Herr Rösti von der SVB sagt doch immer, wir können uns keine hohen Energien Preise leisten.
    Und was unternimmt er jetzt???
    Vielleicht geht ihm ja ein Licht auf und merkt endlich, dass kein Weg an Wind und Solar Strom vorbei führt.
  • Julian Roechelt 10.10.2018 13:59
    Highlight Highlight SUV-Fahren gegen Putin.
    Ich bin dabei!
  • erikomasy 10.10.2018 11:38
    Highlight Highlight Ein hoher Ölpreis macht Francking-Öl wieder rentabel – ein grosses Plus für die US&A und Trump.
  • Nelson Muntz 10.10.2018 10:17
    Highlight Highlight Elektroauto mit Braunkohle-Strom ist sicherlich umweltfreundlicher als ein sparsamer Benziner....not.
    • Triumvir 10.10.2018 11:22
      Highlight Highlight Strom kann auch problemlos ohne Braunkohle und Uran produziert werden! Bitte zuerst Gehirn einschalten und dann erst pseudosarkastisch kommentieren...Danke...
    • m. benedetti 10.10.2018 11:47
      Highlight Highlight Ist tatsächlich so. Ein Kohlekraftwerk hat einen Wirkungsgrad von über 40% und eine hohe Effizienz bei der Filterung von Abgasen und Partikel, wogegen ein durchschnittlicher Diesel auf ca. 16% und ein Benziner auf ca. 14% Wirkungsgrade kommen. Soweit zur Technik, trotzdem sollten Kohlekraftwerke mittelfristig durch regenerative Technologien ersetzt werden.
    • DerHans 10.10.2018 12:04
      Highlight Highlight Klar Raffinerien werden mit Feenstaub betrieben. Ha! Ha!
  • Oigen 10.10.2018 09:53
    Highlight Highlight ich dachte trump möchte einen hohen ölpreis. ist der ölpreis zu niedrig lohnt sich für die amis kein fracking...
    was will er jetzt?
    • Sarkasmusdetektor 10.10.2018 14:48
      Highlight Highlight Die Fracking-Industrie wird sich sicher freuen. Aber es gibt halt noch ein paar andere Industrien in den USA, die Erdöl nicht verkaufen, sondern kaufen müssen. Die werden sich wohl weniger freuen. Allen kann man es in der Politik eben nie recht machen, falls dir das noch nicht aufgefallen ist.
  • Hardy18 10.10.2018 09:10
    Highlight Highlight Auf der einen Seite finde ich es gut das der Preis steigt. Der Umwelt zuliebe.
    Auf der anderen ist es für Geringverdiener ein Alptraum, die darauf angewiesen sind. (Und nein, der ÖV fährt früh morgen um 4 Uhr nicht)
    Somal ich nicht das Gefühl hatte der Benzinpreis sei heute günstiger gewesen durch den tiefen Ölpreis. 🤔 schauen wir mal...
    • Triumvir 10.10.2018 11:17
      Highlight Highlight Wer auf ein Auto angewiesen ist. Kann auch ein E-Auto und/oder eine andere sparsame Kiste kaufen. Eine SUV-Benzinschleuder braucht niemand! Die Aussage "Alptraum" ist zudem einfach lächerlich. Zumal man in diesem Fall einen grossen Teil der Kosten von den Steuern abziehen kann!
    • walsi 10.10.2018 11:26
      Highlight Highlight @Hardy: Wenn du täglich 50 Km pendelst, hin und zurück, dein Auto 9 Liter/100 Km verbraucht, dann steigen die Benzinkosten, bei einem Anstieg von 20 Rp/Liter, um CHF 19.53/Monat. Das wirst du verkraften.

    • EvilBetty 10.10.2018 16:30
      Highlight Highlight Triumvir: es hat nicht jeder den Geldscheisser so wie du und können sich mal einfach so ein anderes Auto kaufen.
  • Repplyfire 10.10.2018 09:00
    Highlight Highlight Wenn der hohe Ölpreis zu einem Umdenken in der Mobilität führt ist dies absolut begrüssenswert. Ich hoffe dass ab 2020 mit dem Verfügbar werden des Tesla M3, VW ID. etc. kombiniert mit einem hoen Ölpreis, viele auf E-Mobile umsteigen können. Wer dann noch sein SUV braucht soll ruhig teuer dafür bezahlen.
    • Triumvir 10.10.2018 09:19
      Highlight Highlight Stimmt. Auch Ölheizungen gehören - nebst SUV - schon lange verschrottet. Und Fliegen sollte endlich auch wieder massiv teurer werden etc. Leider lohnt sich bei einem hohen Ölpreis aber auch Fracking wieder. Und das ist ebenfalls eine riesige Umweltsauerei...
    • Bündn0r 10.10.2018 09:30
      Highlight Highlight Das SUV Problem sehe ich ein wenig ambivalent: wer einen BRAUCHT, soll nicht teuer dafür bezahlen. Wer hingegen einen WILL, hat einen Dachschaden und soll dafür teuer bezahlen.
      Förster und Gemeindearbeiter z.B. haben einen Grund so etwas zu fahren, Hausfrauen und Stadtmenschen nicht.
    • andrew1 10.10.2018 10:01
      Highlight Highlight Mir gefällt der m3 von bmw besser 😈
    Weitere Antworten anzeigen
  • aligator2 10.10.2018 08:59
    Highlight Highlight "Rohstoffhändler reiben sich die Hände und spekulieren bereits wieder mit einem Ölpreis von 100 Dollar pro Fass." Händler bleiben Händler, die profitieren normalerweise nicht von Trends. Und wenn, dann haben sie spekuliert, was grosses Risiko bedeutet und darum oft schief geht. Die Hersteller jedoch reiben sich die Hände, da die wieder mehr verdienen pro Barrel.
  • Bynaus @final-frontier.ch 10.10.2018 08:56
    Highlight Highlight Für die Wirtschaft und die Umwelt wäre es besser, wenn der Ölpreis konstant auf einem hohen Niveau gehalten würde, etwa durch eine flexible Steuer, die auf alle Ölimporte erhoben wird und an die Bevölkerung verteilt wird (je höher der Weltmarkt-Preis für Öl, desto geringer fällt sie aus). Dadurch entsteht nicht nur Planungssicherheit, und die nachhaltige Mobilität würde gefördert. Der konstant hohe Preis würde aber auch die Nachfrage schwächen und so langfristig den autoritären Regimes diese Mittel entziehen.
  • Skeptischer Optimist 10.10.2018 08:33
    Highlight Highlight Hier zeigen sich die Grenzen der Weisheit der NYT im allgemeinen und ihres Starschwätzers Tom Friedmann in speziellen.

    Löpfe scheint zu glauben, dass die Sanktionen gegen wirksam könnten, obwohl wichtige Abnehmerländer wie China, Indien und die Türkei bereits unmissverständlich erklärt haben diese zu ignorieren. Die zwei Millionen Fass Öl werden dem Weltmarkt kaum fehlen. OPEC und die Russen werden den Oelpreis wahrscheinlich volatil gestalten um die amerikanische Frackingindustrie in Schach zu halten. Die NYT will ihre Leser natürlich nicht mit derart unangenehmen Aussichten verängstigen.
  • Clife 10.10.2018 08:32
    Highlight Highlight Wenn man schnell in Nachhaltigkeit investiert hätte, dann wäre man auch nicht mehr Abhängig von Öl Anbietenden Geiern. Und wieder passt der Zitat: „Solange ich noch mein Geld scheffeln kann, bleibe ich beim Alten. Soll sich die nächste Generation drum kümmern.“ Wie lange es wohl dauert, bis nicht nur der einfache Arbeiter sondern auch die Teppichetage aufwächt und anständige Investitionen macht? Denen gehts nicht um den Erfolg des Unternehmens sondern um den eigenen Erfolg...

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