Wirtschaft
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Traders work on the floor of the New York Stock Exchange in New York, Monday, Dec. 24, 2018. (AP Photo/Seth Wenig)

Das schlechte Börsenjahr wirkt sich negativ auf den AHV-Fonds aus. Bild: AP/AP

Die Börsen-Baisse vergrössert das Defizit des AHV-Fonds – 2030 ist die Kasse leer

AHV-Fonds-Präsident Manuel Leuthold rechnet für 2018 mit einer Minus-Rendite von drei bis vier Prozent. Im Interview spricht er auch über das Verwalten von 37 Milliarden Franken und leere Kassen im Jahr 2030.

Niklaus Vontobel / ch media



Herr Leuthold, dieses Jahr gingen Aktien, Obligationen und Rohstoffe gleichermassen abwärts – erstmals seit Jahrzehnten. Wie hat sich das ausgewirkt auf den Ausgleichsfonds der Altersvorsorge (AHV)?
Manuel Leuthold: Dem haben wir uns nicht entziehen können. Das Jahr ist zwar noch nicht ganz vorbei. Derzeit sieht es aber danach aus, dass wir auf das Anlagevermögen eine klar negative Rendite haben werden, leider.

In welcher Grössenordnung?
Genaues wissen wir erst, wenn das Jahr wirklich abgeschlossen ist. Es wird kein Crash, also nicht etwa minus 10 Prozent. Aber es wird auch nicht nur minus 1 Prozent sein. Etwa in der Grössenordnung von drei bis vier Prozent. Ähnlich wie bei den institutionellen Anlegern, die keine Immobilien im direkten Besitz haben.

Also wird es einen Einbruch geben nach zwei erfolgreichen Jahren?
Ja, letztes Jahr haben wir eine Rendite von knapp 7 Prozent geschafft. Im Jahr davor waren es rund 4 Prozent. Dieses Jahr wird es nun negativ.

Bild

Manuel Leuthold ist Präsident von Compenswiss, dem Ausgleichsfonds AHV/IV/EO. bild: zvg

Demzufolge wird es dieses Jahr auch nicht gelingen, wie in den Vorjahren das Defizit auszugleichen, das aus der Umlage von Erwerbstätigen auf Rentner entsteht?
Nein, das wird nicht möglich sein. Das Defizit aus der Umlage wird im Übrigen auch dieses Jahr wieder etwas grösser ausfallen als im Vorjahr. Die Alterung der Gesellschaft hat ja zur Folge: Weniger Lohnbeiträge von Erwerbstätigen müssen umgelegt werden in mehr Renteneinkommen von Pensionierten. Dieses Defizit dürfte dieses Jahr bei etwa 1.2 Milliarden zu liegen kommen.

Wie wird sich dieses Defizit bei der Umlage entwickeln?
Es wächst, und zwar immer stärker. 2015 waren es rund 550 Millionen Franken, 2016 etwa 780 Millionen, 2017 dann 1.1 Milliarden. 2018 dürfte es nun zwischen 1 und 1.5 Milliarden zu liegen kommen. Und gemäss den Prognosen des Bundesamts für Sozialversicherungen (BSV) werden es 2030 rund 7 Milliarden sein.

Was bedeutet das Anlageergebnis aus dem Jahr 2018 denn für die langfristigen Aussichten für die Finanzierung der AHV?
Wir bleiben bei der Prognose, die das BSV gemacht hat. Im Jahr 2030 wird der AHV-Ausgleichsfonds leer sein.

«Man kann theoretisch die Leistungen senken, also die Renten. Aber die sind schon recht gering, gemessen am Einkommen, das man eigentlich sichern will.»

Ein einzelnes negatives Jahr ändert an dieser Prognose also noch nichts?
Nein. Wenn sich in den nächsten zehn Jahren die Märkte sehr erfreulich entwickeln, würde sich das Datum etwas herausschieben. Dann wäre der Fonds vielleicht erst im Jahre 2031 oder 2032 leer. Helfen uns die Märkte hingegen nicht, wird es vielleicht ein halbes Jahr früher so weit sein.

Was müsste getan werden?
Das wird die Politik entscheiden müssen. Wir können lediglich erklären, welche Massnahmen zur Verfügung stehen und wie sich diese auswirken würden.

Bitte.
Man kann theoretisch die Leistungen senken, also die Renten. Aber die sind schon recht gering, gemessen am Einkommen, das man eigentlich sichern will. Oder man könnte jährlich zusätzliches Geld in die AHV einschiessen.

Woher würde das kommen?
Beispielsweise durch die Unternehmenssteuerreform, die mit der Finanzierung der AHV verknüpft werden soll. Das würde jährlich zwei Milliarden Franken zusätzliche Einnahmen bringen. In den ersten Jahren würde unser Defizit in der Umlage damit gar überkompensiert. Aber um 2030 herum wäre das jährliche Defizit nicht mehr 7 Milliarden gross, aber immer noch 5 Milliarden.

Das Problem wäre also nicht gelöst. Und dann könnte man das Rentenalter anpassen?
Das wäre die dritte mögliche Massnahme. Das Rentenalter würde automatisch angepasst, wenn der Ausgleichsfonds ein gewisses Vermögensniveau erreicht hat. Eine solche Massnahme hätte auch zur Folge, dass wir unsere Gelder langfristiger anlegen könnten und dadurch höhere Renditen erreichen würden. Diese Massnahme hätte daher die grösste Wirkung. In nordischen Ländern gibt es solche Mechanismen bereits.

Politisch ist dies jedoch sehr umstritten. Unter anderem, weil viele Erwerbstätige ohnehin lange vor dem Rentenalter keine Stelle mehr finden.
Das ist so. Wie gesagt muss die Politik entscheiden und dabei alle Aspekte berücksichtigen. Ich kann nur die rein technische Seite erklären, gewissermassen die Mechanik der AHV.

Um nochmals auf das Anlageergebnis von 2018 zurück zu kommen. Immerhin dürfte es nicht schlechter ausgefallen als bei den Pensionskassen? Das war zu befürchten, weil der AHV-Ausgleichsfonds mehr Restriktionen unterliegt als die Pensionskassen.
Wir unterliegen gewissen Einschränkungen, vor allem wegen des schrumpfenden AHV-Vermögens. Das wirkt sich im Vergleich mit den Pensionskassen tendenziell zu unseren Ungunsten aus, wenn sich die Märkte positiv entwickeln. Fallen die Märkte hingegen, kommen wir eher weniger schlecht weg.

Warum das?
Das liegt vor allem daran, dass wir einer höhere Liquidität und kurzfristigere Anlagen haben. Unter anderem, weil wir ja vor allem dafür da sind, jeden Monat die AHV-Renten auszuzahlen. Daher können wir weniger in die Aktien investieren. Dieser Effekt wiegt zumeist auch auf, dass wir keine direkten Immobilien haben, die in den letzten Jahren und auch 2018 durchwegs stabil positive Renditen in Schweizer Franken gebracht haben. 

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    Alle Leser-Kommentare
  • für alle 30.12.2018 17:48
    Highlight Highlight Irgendwann macht es "boom". Die AHV ist ein älteres Konstrukt mit Annahmen (z.B. Lebenserwartung oder Demographische Pyramide), welche heute nicht mehr zu treffen. Eine Reform ist dringend notwendig.

    Ich glaube eher weniger, dass ich im Alter eine AHV erhalte und werde mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht mit 65 in Rente gehen können.
    • bebby 31.12.2018 09:00
      Highlight Highlight Unsere Generation zahlt die Rente für die heutigen Pensionierten, das war bei der ahv schon immer so. Falls die folgende Generation das nicht mehr zu tun gewillt ist, dann ist das halt so und liegt auch daran, dass wir nicht zu reformen bereit sind.
    • für alle 31.12.2018 09:37
      Highlight Highlight Richtig. Das Problem ist nur wir jungen Leute sind zunehmends in der Unterzahl. Es gibt somit zu wenig Leute die genug einzahlen. Man kann das nur lösen durch:
      A) Höhere Beiträge
      B) Tiefere Auszahlungen
      C) Höheres Rentenalter
      D) Mehr Kinder pro Frau
      E) Einwanderung von jungen Erwerbstätigen
      F) weitere Lösungsansätze?

  • Der Rückbauer 30.12.2018 17:42
    Highlight Highlight Einmal ein Rückschlag, und schon sind sie alle wieder da, die Panikmacher. Und wenn dann der Chef ins gleiche Horn stösst, glaube ich, er müsste ausgetauscht werden. - Was ist mit all den Börsengewinnen der vergangenen Jahre, die die Reichen immer reicher und die Fleissigen immer ärmer gemacht haben? Was ist mit den Obligationen, welche die AHV per Gesetz kaufen musste zu Negativrenditen? Was ist mit den Negativzinsen, welche zur schleichenden Enteignung des Mittelstandes führen? - Ich glaube, die Finanzindustrie will sich auch die 1. Säule unter den Nagel reissen.
    • bebby 31.12.2018 09:03
      Highlight Highlight Die Negativzinsen haben nichts mit der ahv zu tun, sondern mit der Politik der snb, welche Arbeitsplätze höher gewichtet als Renten.
  • skofmel79 30.12.2018 17:38
    Highlight Highlight Erste massnahme: verwaltungsgebühren-quote reduzieren, also:präsidialamt bei ahv ist unnötiger posten
  • murrayB 30.12.2018 17:34
    Highlight Highlight Wir werden immer älter, daher wäre nur logisch, dass wir auch später in Rente gehen...

    Rentenalter 67 für m und w!
    • Klaus07 31.12.2018 00:32
      Highlight Highlight Wenn möglich gehe ich mit 60 in Rente. Diesen Stress muss ich mir nicht bis zu meinem ableben antun. Sie dürfen gerne bis 67 weiterarbeiten.
    • murrayB 31.12.2018 07:54
      Highlight Highlight Sehr gerne,das können Sie...

      Aber haben sie sich mal gefragt wer Ihre Rente aus der ersten Säule bezahlt? Es funktioniert nach dem Umlageverfahren, das heisst, alle Erwerbstätigen...
    • bebby 31.12.2018 09:06
      Highlight Highlight Stress bei 42 Stundenwoche? Fragen sie mal einen Koreaner, der soeben „nur“ noch 52 Stunden anstatt 67 arbeiten darf.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Daniel Martinelli 30.12.2018 16:00
    Highlight Highlight Wenn “die Kasse” leer ist, wird wohl der Staat zuschiessen müssen. Man kann sich das Geld ja auch bei der Nationalbank zu Vorzugszinsen ausleihen. Die AHV Leistungen sind dem Versicherten ja per Gesetz garantiert.
    • skofmel79 30.12.2018 17:37
      Highlight Highlight Jaja ....aber dann bei nächster gelegenheit wieder motzen, dass der bund zuviel geld ausgibt. Der klassiker: fordern, dass der staat sparen soll und die staatsquote klein soll, aber dann gleich mit der hohlen hand, wenns doch wieder geld vom bund braucht.
  • wolge 30.12.2018 15:54
    Highlight Highlight Alle Jahre wieder die grosse Panikmache. Dabei geht es dem AHV Fonds ausgezeichnet. Diverse Studien belegen gar, dass der Bund seit Jahren systematisch rote Zahlen für die AHV prognosziert, dies jedoch nie zutrifft. Ebenso lässt es sich belegen, dass der Bund mit einer zu hohen Lebenserwartung rechnet... https://www.ktipp.ch/artikel/d/fuer-die-ahv-ist-genug-geld-da-herr-berset/
  • Klaus07 30.12.2018 15:42
    Highlight Highlight Von was spricht dieser Mann?

    Weniger Lohnbeiträge von Erwerbstätigen müssen umgelegt werden in mehr Renteneinkommen von Pensionierten.

    Gemäss BFS Statistik sind die Einnahmen gegenüber den Ausgaben der AHV sogar gestiegen. Die Beschäftigung der Schweiz nahm 2018 um 1,1% zu.

    Ja 2017 war ein gutes Ankagejahr 2,1 Milliarden Einnahmen. 2016 1,2 Milliarden und 2015 gerade einmal 20 Millionen. Die Einnahmen aus den Aktienfonds macht gegenüber der Gesammteinnahmen der AHV gerade einmal 2-4% aus.

    Hier genaue Zahlen:
    https://www.bsv.admin.ch/bsv/de/home/sozialversicherungen/ahv/statistik.html

    • murrayB 31.12.2018 08:00
      Highlight Highlight Haben Sie zuunterst in der Statistik auch gelesen, dass das Umlageergebnis von Jahr zu Jahr schlechter wird?
  • Fairness 30.12.2018 15:37
    Highlight Highlight Vielleicht müsste die Politik mal die Sozialversicherungsabkommen überprüfen, wenn all die vielen CEOs, CFOs usw. aus einigen Drittländern NULL AHV-Beiträge zahlen, weil sie sie zurückfordern können. Da gab es u.a. zB mal jemand, der hat in einem Jahr allein Bonus von 72 Mio. erhalten.
    Auch das vom Ständerat vor zehn Jahren gestohlene sogenannte Demografie-Prozent sind mittlerweile gegen 10 Mia., die per Abstimmung (Mehrwertsteuer-Erhöhung für AHV) für die AHV bestimmt waren, jedoch im Bundeshaushalt landeten und in der AHV fehlen.
    • Hoppla! 30.12.2018 17:58
      Highlight Highlight Erhalten die Damen und Herren dann auch eine AHV oder nicht? Falls sie sie nicht erhalten, ist eine Rückforderung ja auch korrekt.

      Und: Wie viel macht diese Rückforderung jährlich aus? Schiessen wir hier nicht mit Kanonen auf Spatzen?

      Sind ernstgemeinte Fragen da ich den Sachverhalt nicht im Detail kenne.
    • Juliet Bravo 30.12.2018 19:32
      Highlight Highlight Spatzen?
  • banda69 30.12.2018 15:37
    Highlight Highlight Und die SVP so: Oh jaaa, lasst uns senken!

    1. Die AHV für Rentner
    2. Die Steuern für Reiche und Abzocker
  • Todesstern 30.12.2018 15:32
    Highlight Highlight Bis ich in das Alter komme, 2050 gibt es die Rente schon lang nicht mehr. Dann kann ich mich gerade in den Sarg arbeiten. #sarkasmus
    • Hoppla! 30.12.2018 17:54
      Highlight Highlight Ich hoffe doch sehr, dass du sowohl eine Pensionskasse vom Arbeitgeber als auch eine gut gefüllt dritte Säule hast. Die AHV ist da nur ein schöner Zustupf.
    • Arthur Dent (a.k.a. Geralt) 30.12.2018 18:07
      Highlight Highlight BGE *pfeif*
    • Juliet Bravo 30.12.2018 19:36
      Highlight Highlight Seich, die AHV wird gesichert bis du alt bist. Müssen nur ein paar über ihren Schatten springen. Lohngleichheit Frau/Mann würde einiges zusätzlich einbringen und ab dann kann man auch über gleiches Rentenalter sprechen. Das gibt wiederum einige Milliarden.
    Weitere Antworten anzeigen
  • raues Endoplasmatisches Retikulum 30.12.2018 15:29
    Highlight Highlight Nun man kann es nur wieder sagen, die eleganteste Lösung ist die Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung.
  • TheGoon 30.12.2018 15:20
    Highlight Highlight Die expansive Geldpolitik (Zinswüste) enteignet die Sparer im weit grösseren Rahmen als der Aktiendump.
    • Klaus07 30.12.2018 20:27
      Highlight Highlight Können Sie mir Laie erklären, wie die Enteignung stattfindet?
    • TheGoon 30.12.2018 23:50
      Highlight Highlight Lukas Haessig hat da neulich ein Gespräch aufgezeichnet.
      Play Icon
    • Klaus07 31.12.2018 10:28
      Highlight Highlight TheGoon
      Toller Film, der sehr wenig Wahrheit beinhaltet.

      Zu ihrer Enteignung passt folgender Text:
      17.12.2018 - Die Pensionskassen blicken auf ein positives Anlagejahr zurück: Das Nettoergebnis aus Vermögensanlagen hat sich im Jahr 2017 verdoppelt. Damit konnten die Reserven gestärkt und allfällige Unterdeckungen reduziert werden. Dies geht aus den definitiven Pensionskassenstatistik 2017 des Bundesamts für Statistik (BFS) hervor. Ok 2018 wird ein schlechtes Börsenjahr werden.
      Der Mindeszins bei Vorsorgegelder liegt unabhängig von der Nationalbank bei 1%. Es findet keine Enteignung statt.

  • Güsäheini 30.12.2018 15:17
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