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Warum 2018 an der Börse nichts zu verdienen war

Anleger konnten 2018 weder mit Aktien, Obligationen, Gold noch mit Immobilien Geld verdienen. Dies liegt an einer Verkettung politischer und wirtschaftlicher Ereignisse.

Daniel Zulauf / ch media



Seit dem Jahr 2009 gab es an den Börsen fast immer etwas zu verdienen. Nicht so in diesem Jahr. Egal ob mit Aktien, Obligationen, Gold, Bitcoins oder Rohstoffen, egal ob in Europa, Amerika oder Asien: In diesem Jahr war auf den Märkten schlicht nichts zu gewinnen. Eine Flaute in dieser Breite hat es gemäss einer Analyse der Deutschen Bank seit 1901 nie gegeben.

FILE- In this Dec. 6, 2018, file photo trader Tommy Kalikas works on the floor of the New York Stock Exchange. The U.S. stock market opens at 9:30 a.m. EST on Tuesday, Dec. 11. (AP Photo/Richard Drew, File)

Die Börse hat ein ernüchterndes Jahr hinter sich. Bild: AP/AP

Für einmal war auch die Schweiz keine Insel der Glückseligen. Mit einem Korb voller Schweizer Blue-Chip-Aktien hat ein Investor in den vergangenen zwölf Monaten rund 11 Prozent verloren. Dies zeigt die Entwicklung des Swiss Market Index (SMI). Ein gemischtes Portefeuille aus Anleihen staatlicher und privater Frankenschuldner ergab 2018 eine negative Rendite von 0.4 Prozent. Auch ein Kilogramm Gold ist zum aktuellen Preis von etwas über 40'000 Franken ein halbes Prozent billiger als vor einem Jahr. Selbst Immobilienfonds, die in der Schweiz seit bald zwei Jahrzehnten als Garant für stabile und Renditen gelten, erlitten 2018 Werteinbussen von durchschnittlich fast fünf Prozent.

Dabei begann das Jahr vielversprechend. Am 5. Januar erklomm der SMI mit 9557 Zählern ein neues Allzeithoch (siehe Grafik oben). Der alte Rekord aus dem Jahr 2007 wurde damit übertroffen und die tiefe Zäsur der Finanzkrise schien überwunden. Doch die gute Stimmung hielt nicht lange an. Nur einen Monat später zogen über der Wall Street Gewitterwolken auf und sorgten für eine erste scharfe Kurskorrektur an den US-Börsen. Im Gegensatz zu heute befürchteten die Investoren damals noch, dass die Konjunktur unter dem Eindruck der US-Unternehmenssteuerreform überhitzen könnte. Die Anleger erwarteten deshalb, dass sich der frisch eingesetzte US-Notenbankchef Jerome Powell gezwungen sehen könnte, die Geldschleuse schneller als geplant zu schliessen, um einer übermässigen Teuerung vorzubeugen.

Bild

In der Folge setzte ein Anstieg der Zinsen ein. Diese Aussicht erwies sich für die überteuerten Aktienmärkte aber nur kurzfristig als bedrohliche Konkurrenz. Am 23. März machte Trump Ernst mit seinen handelspolitischen Drohgebärden und säte mit der Einführung hoher Importzölle auf Stahl und Aluminium jene Unsicherheit, welche die Weltwirtschaft bis heute im Bann hält.

Euro schwächte sich ab

Gleichzeitig verdüsterten sich in Europa die Perspektiven. Mit ein Auslöser war die italienische Parlamentswahl Anfang März, aus der die EU-kritische Fünf-Sterne-Bewegung und die Lega als klare Sieger hervorgingen. Die neue Regierung in Rom machte schnell klar, dass sie sich nicht an die Haushaltsvorgaben der EU zu halten gedenke. Damit war es auch mit der zwischenzeitlichen Abschwächung des Frankens vorbei. Anfang Mai kostete ein Euro fast 1.20 Franken, was die Aufhebung des Euro-Mindestkurses Anfang 2015 kurzzeitig vergessen machte. Inzwischen notiert die Gemeinschaftswährung mehr als drei Prozent tiefer als zu Beginn des Jahres und der Hoffnungsfunke, dass die Europäische Zentralbank ihre Politik des ultrabilligen Geldes etwas früher als geplant aufgeben könnte, ist erloschen.

Das wenig erbauliche Bild der Weltwirtschaft, das gegen Ende der ersten Jahreshälfte Konturen erhielt, hat sich weiter verfestigt. Während Trump die harte Gangart gegenüber seinen Handelspartnern mit immer weiteren Drohungen gegen Europa als auch gegen China bekräftigte, spitzte sich im November auch in Frankreich die Lage zu.

Aus einer von der Regierung Macron angekündigten Erhöhung der Benzinsteuern entstand scheinbar aus dem Nichts die Protestbewegung der Gelbwesten. Diese zwang den französischen Präsidenten zu Konzessionen bei den Renten. Frankreich steuert nun ein Haushaltsdefizit von 3.2 Prozent an und übertrifft damit die Vorgabe aus Brüssel. Das hochverschuldete Italien, das sich ursprünglich zu einer Defizitbegrenzung auf 0.8 Prozent verpflichtet hatte, darf das Defizit mit dem Einverständnis aus Brüssel ebenfalls auf zwei Prozent erhöhen.

TV screens show French President Emmanuel Macron during a televised address to the nation, at an electrical appliance store in Marseille, southern France, Monday, Dec. 10, 2018. President Emmanuel Macron has acknowledged he's partially responsible for the anger that has fueled weeks of protests in France, an unusual admission for the leader elected last year. (AP Photo/Claude Paris)

Frankreichs Macron hat derzeit einige Probleme. Bild: AP/AP

Vor diesem Hintergrund haben sich auch in der Schweiz die Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Negativzinspolitik zerschlagen. Eine wachsende Zahl von Ökonomen geht nun davon aus, dass dieser Zustand noch auf Jahre hinaus andauern wird.

Derweil nehmen die Bemühungen Grossbritanniens und Brüssels um einen geordneten Austritt des Königreiches aus der EU zunehmend dramatische Züge an. Um Zeit für allfällige Nachbesserungen zu gewinnen, hat die britische Premierministerin die Abstimmung über den Brexit-Vertrag verschoben. An den Börsen wächst die Angst vor einem chaotischen Brexit, der die Wirtschaft des grossen Landes erheblich bremsen und die EU in Mitleidenschaft ziehen könnte.

Markante Korrektur

Die Finanzmärkte nehmen die verdüsterten Perspektiven seit Mitte Oktober vorweg. Am 10. Oktober hat die US-Leitbörse mit dem zweiten grossen Kurstaucher im Jahr den weltweiten Abwärtstrend eingeläutet. Die Korrektur folgte keine zwei Wochen, nachdem das US-Börsenbarometer Dow Jones zum 15. Mal im Jahr ein Allzeithoch erreicht hatte. Zwar haben US-Aktien seither rund 15 Prozent an Wert verloren, doch im Vergleich zu Europa und zur Schweiz stehen sie immer noch deutlich besser da. Das ist auch nicht verwunderlich, denn die Gewinne der US-Firmen wachsen im Durchschnitt immer noch mit 25 Prozent, gegenüber rund 10 Prozent in Europa. 

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