Wirtschaft
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epa06388138 Director of the National Economic Council Gary Cohn attends an event before US President Donald J. Trump delivered remarks on a Republican-crafted tax plan, at the Grand Foyer of the White House in Washington, DC, USA, 13 December 2017.  EPA/MICHAEL REYNOLDS

Musste eine Kröte zu viel schlucken: Wirtschaftsberater Gary Cohn. Bild: EPA/EPA

Kommentar

Fürchtet Euch! Die Erwachsenen verlassen das Weisse Haus

Die Börsen zittern und die Republikaner rebellieren: Der Auszug von Trumps Wirtschaftsberater Gary Cohn löst ein kleines Erdbeben aus.



«Ich liebe Konflikte», sagte Donald Trump an einer Pressekonferenz vom vergangenen Dienstag. «Ich denke, das ist der beste Weg, vorwärts zu kommen.» In den nächsten Tagen wird der Präsident seine Liebe zum Chaos voll ausleben können. Kaum hatte er gesprochen, gab Gary Cohn, sein nationaler Wirtschaftsberater, seinen Rücktritt bekannt.

Rücktritte gibt es im Trump’schen Weissen Haus wie Sand am Meer. Doch Cohn ist ein spezieller Fall. Er gehörte zu der Gruppe jener, die oft als die «Erwachsenen» bezeichnet werden, zu denjenigen, denen es ab zu zu gelingt, Trump vor den schlimmsten Dummheiten zu bewahren.

Trump spricht von «liebevollen Zöllen»

Zu diesen Dummheiten gehört der Handelskrieg, den anzuzetteln der Präsident im Begriff ist. Die angekündigten Strafzölle auf Stahl und Aluminium könnten sich als Anfang einer gefährlichen Eskalation erweisen, selbst wenn Trump von «liebevollen Zöllen» spricht, was immer er damit auch meinen mag.

National Trade Council adviser Peter Navarro, right, and White House Chief of Staff Reince Priebus, center, await President Donald Trump's signing three executive orders, Monday, Jan. 23, 2017, in the Oval Office of the White House in Washington. (AP Photo/Evan Vucci)

Peter Navarro (ganz rechts) mit Reince Priebus und dem Präsidenten im Oval Office. Bild: AP/AP

Cohn ist ein vehementer Gegner dieser Zölle. Der ehemalige hochrangige Goldman-Sachs-Banker konnte bisher den Präsidenten an der Handelsfront zur Mässigung bewegen. Weder wurde der Freihandelsvertrag Nafta angetastet noch China mit Sanktionen belegt. Nun aber hat Cohn gegen Peter Navarro, Trumps Handelsberater, den Kürzeren gezogen.

Eine doppelte Niederlage: Nicht nur der Freihandel hat verloren. Im Gegensatz zum geachteten Cohn hat Navarro hat in Ökonomenkreisen im besten Fall den Ruf eines Leichtgewichts. Im schlimmeren Fall gilt er als Scharlatan. Für Cohn muss es daher eine persönliche Kränkung darstellen, wenn ausgerechnet Navarro nun das Ohr des Präsidenten hat.

Bleibt bald nur noch Jim Mattis?

Die Reihen der «Erwachsenen» werden mit dem Abgang von Cohn weiter gelichtet. Ja, streng genommen bleibt nur noch Verteidigungsminister Jim Mattis übrig. Sicherheitsberater H.R. McMaster soll ebenfalls auf dem Absprung sein, Stabschef John Kelly ist in einen endlosen Kampf mit Jared Kushner verwickelt und gilt daher ebenfalls als angeschlagen.

U.S. Secretary for Defense Jim Mattis addresses a media conference after a meeting of NATO defense ministers at NATO headquarters in Brussels on Thursday, Feb. 15, 2018. (AP Photo/Virginia Mayo)

Der letzte Mohikaner: Verteidigungsminister Jim Mattis. Bild: AP/AP

Aussenminister Rex Tillerson bewegt sich irgendwo im Niemandsland und Finanzminister Steven Mnuchin ist sowohl unpopulär als auch unberechenbar. Am WEF in Davos hat er mit einer unbedachten Äusserung den Kurssturz des Dollars verursacht.

Cohns Verdienste im Amt sind umstritten. Trotzdem wiegt sein Abgang schwer. Er könnte einen Kurssturz an den Börsen einleiten, denn den Investoren sollte nun endgültig klar geworden sein, dass Trump es Ernst meint mit seiner desaströsen Handelspolitik.

Ein verhängnisvolles Missverständnis

Nach der Ankündigung der Strafzölle haben die Börsen zunächst kaum reagiert, ja, die Kurse haben gar leicht zugelegt. Die Suppe werde wohl nicht so heiss gegessen, wie sie gekocht wurde, war die allgemeine Stimmung.

Donald Trumps Personalkarussell

In der «Financial Times» spricht John Authers von einem verhängnisvollen Missverständnis zwischen Trump und den Finanzmärkten: «Die Märkte legten zu im Glauben, dass Trump dazu überredet werden kann, auf die Strafzölle zu verzichten. Mr. Trump hat derweil die Stärke der Finanzmärkte in den letzten Tagen als Zeichen dafür gedeutet, dass sie seine Zollpläne akzeptieren.»

Mit Cohns Abgang ist diese gegenseitige Illusion endgültig zerstört worden. Die nächsten Tage dürften für Börsenhändler tendenziell hektisch sein. Es soll gar Investoren geben, die auf einen Mini-Crash hoffen, um Trump zur Vernunft zu bringen.

Senate Majority Leader Mitch McConnell, R-Ky, heads to a meeting with Treasury Secretary Steven Mnuchin, Trump's top economic adviser Gary Cohn, and members of the Senate Budget Committee as they struggle with a tax code overhaul, at the Capitol in Washington, Tuesday, Sept. 12, 2017. (AP Photo/J. Scott Applewhite)

Sogar Senatsführer Mitch McConnell muckt auf. Bild: AP/AP

Auch an der Polit-Front herrscht Aufruhr in den eigenen Reihen. Bisher haben die Republikaner Trump alles durchgelassen: Rassismus, Frauenverachtung, rüpelhaftes Verhalten und jede Menge von Lügen. Bei seiner Handelspolitik hingegen stellen sie sich nun auf die Hinterbeine.

Ein Leadership-Fiasko

Die Anführer beider Kammern, Paul Ryan im Abgeordnetenhaus und Mitch McConnell im Senat, haben sich mit scharfen Worten gegen Trumps Strafzölle ausgesprochen. Ein ganzer Chor von Abgeordneten und Senatoren hat in diese Kritik eingestimmt.

Auch das Zentralorgan des Freihandels hat deutliche Worte geschrieben: «Trumps Zollentscheidung ist ein Leadership-Fiasko», schimpft das «Wall Street Journal».

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    Alle Leser-Kommentare
  • Eye of the tiger 07.03.2018 19:57
    Highlight Highlight Trump kennt den Weg samt richtiger Ausführung. Geklaut bei Bannon welcher wiederum genau bei Blocher zugehört hatte... :-)
    Benutzer Bild
  • redeye70 07.03.2018 18:59
    Highlight Highlight Ob die Trumpfanboys diese Abgänge auch den Fakenewsmedien in die Schuhe schieben werden? Ich meine das sind doch Fakenews, oder? Die USA können doch nicht ernsthaft eine solch instabile Regierung haben!
  • Hiker 07.03.2018 16:22
    Highlight Highlight Dazu kommt mir nur eines in den Sinn: the show must go on!
    • IchSageNichts 07.03.2018 16:53
      Highlight Highlight Was von Löpfe oder Trump? Diese alten, weissen Männer. Wissen nie wann sie aufhören müssen.
      Ernsthaft Löpfe such dir ein neues Kampfgebiet. Das eurozentrische, antiamerikanische ist ausgesaugt. Der Donald ist schlimm aber immerhin nach den Regeln des Landes gewählt. Schreib doch mal über afrikanische oder asiatische oder sogar europäische Diktatoren, da kann man die Welt verbessern.
    • Vanessa_2107 07.03.2018 20:36
      Highlight Highlight Es ist leider so, dass Trump mehr interessiert als afrikanische, asiatische oder europäische Diktatoren, da gäbe es verm. je einen Bericht und dann wäre man informiert. Es ist jedem selber überlassen, ob er die täglichen News über DT liest. Ich auf jeden Fall lese Herrn Löpfes Berichte über Trump immer mit grosser Aufmerksamkeit. 🤗🤗
    • IchSageNichts 08.03.2018 06:36
      Highlight Highlight Wieso interessanter? Weil es einfacher ist? Nur ein Bericht? Zeugt von ziemlicher westeurozentristischer Arroganz... du meinst also in Weissrussland läuft alles gut ausser das sie einen Diktator haben? Oder in Simbabwe macht mind. niemand frivole frauenfeindliche Sprüche im Frühstücksfernsehen? Da gibt dann ein Bericht und gut ist?
      Meine Meinung nach ist es so: Trump und die Medien lieben sich gegenseitig und profitieren massiv davon. Sieht man auch bei den Leserzahlen in den USA. Und irgendwelche stubenhockenden Europäer haben mind. etwas zu lachen über kleine Hände, wirre tweets...
    Weitere Antworten anzeigen
  • roger.schmid 07.03.2018 16:11
    Highlight Highlight It’s worse than you can imagine,” the leaked email begins. “An idiot surrounded by clowns. Trump won’t read anything—not one-page memos, not the brief policy papers; nothing. He gets up halfway through meetings with world leaders because he is bored. And his staff is no better. Kushner is an entitled baby who knows nothing.. Trump is less a person than a collection of terrible traits.”

    https://www.theringer.com/2018/1/8/16864824/fire-and-fury-michael-wolff-trump-white-house
  • Duscholux 07.03.2018 16:09
    Highlight Highlight Kann ich hier irgendwo einen Filterknopf drücken damit ich auf der Watson Seite alles sehen kann ausser USA-Politik?
    • Randy Orton 07.03.2018 17:13
      Highlight Highlight Ja, der heisst Schweizerillustrierte.ch, Bunte.de oder ähnliche Seiten. Wobei du da eventuell an Melania und Ivanka Trump gelangen dürftest.
    • mein Lieber 07.03.2018 17:22
      Highlight Highlight Bin dabei, wo kann ich unterschreiben?
  • Sir Affe 07.03.2018 16:02
    Highlight Highlight Erstaunlich, wie Trump es hinkriegt, dass sogar ich als liksliberaler plötzlich Pro Freihandelsabkommen bin.. Komische Welt...
  • PVJ 07.03.2018 14:53
    Highlight Highlight Erstaunlich wie schnell sich die Dinge relativieren. Bei der Steuerreform war Cohn noch der Bösewicht, nach seinem Abgang ist er rückblickend ein Anker der Vernunft. Ich hoffe nur dass wir nicht eines Tages noch Bannon in dieser Weise nachtrauern müssen...
    • Philipp Löpfe 07.03.2018 15:09
      Highlight Highlight Es steht im Text: Seine Verdienste im Amt sind umstritten. So gesehen wäre es verfrüht, Bannon nachzutrauern.
    • Hayek1902 07.03.2018 16:08
      Highlight Highlight Diese katastrophalen Zölle sind ja genau auf Bannons Mist gewachsen. Der Unterschied ist, dass Bannon weiss, was die Konsequenzen sind, aber es trotzdem aus Ideologiegründen unterstützt.
    • redeye70 07.03.2018 19:03
      Highlight Highlight Bannon wollte ja die alte Elite zerstören und auf der Asche des ehemals demokratischen Staats USA seine neue Version aufbauen. Wie diese dann aussehen würde ist unschwer erkennbar. Sehr weiss auf alle Fälle.
  • Wilhelm Dingo 07.03.2018 14:07
    Highlight Highlight Wo ist eigentlich das Problem wenn die USA Zölle erheben? Dann gibt es halt Gegenmassnahmen, im schlimmsten Fall verliert die USA an Wirtschaftkraft. Die anderen Freihandelswilligen Länder können ja weitermachen mit Freihandel, halt weniger mit den USA. Der 'Freihandel' ist übrigens auch in Europa nicht so frei wie man denkt. Der Agrarbereich ist ein einziger Molloch von Zöllen, Protektionismen und Subventionen. Auch China hat seit Jahrzehnten und bis heute diverse Zölle installiert.
    • Randy Orton 07.03.2018 17:12
      Highlight Highlight Das Problem ist, dass solche Massnahmen der Wirtschaft schaden und sowohl in Europa, Asien und den USA Jobs vernichten würden. Wenn du dann als Fliessbandarbeiter bei BMW plötzlich keinen Job mehr hast, weil BMW aufgrund der Importzölle weniger Gewinn macht und deshalb Sparmassnahmen trifft (die CEOs müssen ja schliesslich weiterhin gut bezahlt werden und Boni kassieren), dann ist es halt eben schon ein Problem.
  • Joe Smith 07.03.2018 12:23
    Highlight Highlight Löpfe schreibt: «Bisher haben die Republikaner Trump alles durchgelassen: Rassismus, Frauenverachtung, rüpelhaftes Verhalten und jede Menge von Lügen. Bei seiner Handelspolitik hingegen stellen sie sich nun auf die Hinterbeine.»

    Mit anderen Worten: Rassismus, Frauenverachtung und Lügen sind für die Republikaner voll ok, solange es ihnen einfach nicht ans Portemonnaie geht.
    • Philipp Löpfe 07.03.2018 13:04
      Highlight Highlight Der Kandidat hat 100 Punkte.
    • N. Y. P. D. 07.03.2018 13:46
      Highlight Highlight Auch die Aussage, dass Neonazis feine Leute sind, liessen die Reps ihm durchgehen.
      Solange der Geldsäckel stimmt, nehmen die Republikaner alles hin.

      Damit die Unternehmenssteuern weiter gesenkt werden können, haben sie sogar die Essensmarken für arme Kinder zusammengestrichen.

      Trump findest das voll ok. Bannon findet es ok. Und sein Bruder im Geiste Köppel findest es auch ok.
    • Fruchtzwerg 07.03.2018 13:53
      Highlight Highlight @Joe Smith
      Das ist ja nun keine bahnbrechend neue Erkenntnis und kennzeichnet fast alle stark konservativen Parteien - egal in welchem Land...
    Weitere Antworten anzeigen
  • roger.schmid 07.03.2018 12:18
    Highlight Highlight Die Steuersenkungen für die Reichen hat er durchgebracht - das war das Hauptziel von Cohen. Nun geht es nur noch darum nicht mehr allzusehr mit dem Hochstapler Trump in Verbindung gebracht zu werden.

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