Rüstungskonzerne – wer vom Krieg profitiert
«Wir können es als einen enormen Erfolg bezeichnen oder wir können noch weiter gehen, und wir werden noch weiter gehen», sagte Trump bei seiner ersten Pressekonferenz seit dem US-israelischen Angriff auf den Iran Ende Februar. Während der US-Präsident auf der einen Seite bereits über einen Sieg sprach, signalisierte er direkt mit dem nächsten Satz kein Ende des Krieges – denn was genau die US-Regierung als Sieg versteht, lässt Trump offen.
Seit dem Angriff sind über 1300 Menschen im Iran gestorben. Innerhalb weniger Tage hat sich der Krieg bereits auf die gesamte Region ausgebreitet und dessen Auswirkungen sind auf der ganzen Welt spürbar. Der Ölpreis ist um mehr als ein Drittel auf zwischenzeitlich 100 US-Dollar pro Fass angestiegen, was den Benzinpreis auf Rekordhöhen anschwellen lässt. Der Gaspreis hat sich in Europa fast verdoppelt. Momentan profitiert vom Krieg vor allem eine Branche: die Rüstungsindustrie.
Frieden ist schlecht fürs Geschäft
Seit Anfang des Jahres zeigen auch die Aktienkurse der US-amerikanischen Rüstungskonzerne steil nach oben. Denn seither hat sich das Kriegsklima enorm zugespitzt. Eine Eskalation im Iran war bereits absehbar und die USA konnten – ohne internationale Gegenwehr – in Venezuela einfallen. Gleichzeitig droht der US-Präsident immer wieder offen mit der gewaltsamen Übernahme Grönlands. Die Kriegsstimmung schwappte auch auf die Börsen über.
Die Aktienwerte der drei grössten US-Rüstungsfirmen Lockheed Martin, RTX (vormals Raytheon) und Northrop Grumman stiegen seit Neujahr um 40, 61 beziehungsweise 50 Prozent an. Massive Steigerungen in einem so kleinen Zeitraum. Doch das grösste Plus verzeichnete Huntington Ingalls. Die Kriegswerft baute unter anderem den grössten Flugzeugträger der Welt, die «USS Gerald R. Ford», welchen die US-Regierung vor etwas mehr als drei Wochen aus der Karibik vor die Küste Irans verschob.
Doch nicht nur die US-Firmen erleben einen Aufschwung, auch der Kriegspartner Israel hält sich trotz der hinkenden Wirtschaft seit Jahren durch gigantische Staatsausgaben in der eigenen Waffenindustrie über Wasser.
Israels Militär- und Überwachungsindustrie
Israels Wirtschaft kriselt seit Jahren. 2022 wuchs das Bruttoinlandprodukt (BIP) noch um 6,5 Prozent, 2023 waren es nur noch 1,8 Prozent. Im Vergleich wuchs das BIP der USA in diesem Zeitraum um 2,9 Prozent. Der Krieg gegen Palästina kostete Israel viel, rund 80 Milliarden US-Dollar. Das Budgetdefizit wuchs auf fast 7 Prozent. Um das Loch in der Staatskasse zu stopfen, verabschiedete die Knesset im Budget für das Jahr 2025 auch Steuererhöhungen, um die Kriegsausgaben zu decken.
Ein Sektor profitiert seit Jahren vom Krieg – Israels Rüstungs- und Überwachungsindustrie boomt. Über 300 israelische Firmen exportieren Dienstleistungen und Überwachungstechnologie im Bereich der internen Sicherheit. Sie setzen über drei Milliarden US-Dollar jährlich um. Dazu kommen Israels Waffenexporte, die 2024 mit 14,8 Milliarden US-Dollar zum vierten Mal in Folge einen neuen Rekordwert aufgestellt haben.
Der grösste Waffenkonzern Israels, Elbit Systems, hat seit Beginn der Kriegsoffensive gegen den Iran seinen Aktienwert erneut um 30 Prozent gesteigert. Und Elbits Aktienkurs befand sich bereits in einem fast astronomischen Aufstieg seit Israels Krieg in Gaza.
Elbit und seine Aktionäre gehören zu den grössten Profiteuren der israelischen Kriegskampagne in Gaza, bei der bis heute über 71'660 Palästinenserinnen und Palästinenser getötet wurden. Elbits Aktienkurs hat sich seit Oktober 2023 mehr als vervierfacht. Heute ist der Rüstungskonzern mit 40 Milliarden US-Dollar das umsatzstärkste Unternehmen Israels.
Doch noch ist ein signifikanter Teil der israelischen Rüstungsindustrie in staatlicher Hand. Noch, denn die israelische Regierung plant die Privatisierung zwei ihrer grössten Rüstungsfirmen. In den nächsten Monaten sollen die Unternehmen Israel Aerospace Industries mit einem Wert von rund 20 Milliarden US-Dollar und Rafael Advanced Defense Systems mit einem Wert von rund 10 Milliarden US-Dollar an der Börse in Tel Aviv Stück für Stück verkauft werden.
Wie Roi Kahlon, der Vorsitzende der Behörde für staatliche Unternehmen, gegenüber Reuters sagt, werde die Privatisierung die Unternehmen ausserdem von bürokratischen Hürden befreien, die Entscheidungsprozesse behindern können. Dabei verweist er auf den Erfolg von Israel Military Industries, seit das Unternehmen 2018 von Elbit übernommen wurde. IMI werde inzwischen mit dem Vierfachen seines Kaufpreises von 571 Millionen US-Dollar bewertet, sagte er. Israel ist bereits heute der siebtgrösste Waffenexporteur weltweit – mit Raum nach oben.
Die Top 100
Dass der Aufwärtstrend der Rüstungsindustrie wohl noch länger anhalten könnte, unterstreichen auch Treffen wie das vom letzten Freitag zwischen Donald Trump und den CEOs von RTX, Lockheed Martin, Boeing, Northrop Grumman, BAE Systems, L3Harris und Honeywell. Beim Treffen haben sich die Rüstungsfirmen angeblich dazu verpflichtet, ihre Produktion zu «vervierfachen» wie Trump im Anschluss bekanntgab.
Bereits heute ist das US-Militärbudget so gross, wie das der nächsten neun Nationen zusammengezählt. 37 Prozent der weltweiten Militärausgaben fallen alleine auf die USA und von den zehn umsatzstärksten Rüstungsfirmen stammen sechs aus den Staaten, wie ein Bericht des Stockholmer Friedensforschungsinstituts SIPRI zeigt.
Die USA dominieren die Liste. 39 der 100 grössten Waffenkonzerne haben ihren Sitz in den USA. Allerdings verzeichnete das relativ stärkste Wachstum in den letzten vier Jahren nicht die israelische oder die US-Waffenindustrie, sondern die europäische.
Krieg in Europa
Europas Nationen rüsten massiv auf. Zwischen 2021 und 2025 verdreifachten die europäischen Staaten ihre Waffenimporte. Seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine ist der Krieg in Europa angekommen und bleibt gemäss dem Friedensforschungsinstitut SIPRI weiterhin der grösste Treiber für die europäische Aufrüstung. Dazu kommen auch wachsende Unsicherheiten gegenüber den USA als verlässlicher NATO-Partner. Denn diese drohen immer wieder damit, das Militärbündnis zu verlassen, wenn die europäischen Mitgliedsstaaten nicht drastisch ihre Militärausgaben erhöhen.
Europa schaut daher seit einigen Jahren vermehrt auf sich selbst und investiert vor allem in die eigenen Rüstungsfirmen, was zu einer regelrechten Explosion der Aktienkurse der europäischen Rüstungskonzerne führte.
Die Gewinne der europäischen Rüstungskonzerne sind enorm. Das deutsche Unternehmen Rheinmetall steigerte den Aktienwert seit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine um über 2000 Prozent, das schwedische Saab um über 1000 Prozent und der italienische Rüstungsriese Leonardo um über 800 Prozent.
Eine zusätzlich günstige Ausgangslage für die europäischen Rüstungskonzerne ist der Rückzug der US-Unterstützung der Ukraine. Seit März 2025 schicken die USA keine Militärhilfe mehr in die Ukraine – Europa springt in die Bresche und übernimmt die wegfallende US-Unterstützung beinahe eins zu eins.
Die Zeichen stehen gut für Europas Rüstungsindustrie und ihre Aktionäre. Rheinmetall erwartet für das Jahr 2025 erneut ein Umsatzwachstum von 25 bis 30 Prozent. Deutschland exportiert seit 2025 sogar mehr Waffen als China. Doch trotz der gesteigerten Waffenproduktion in Europa verbleibt eine hohe Abhängigkeit von US-Kriegsmaterial.
Sieben europäische Nationen warten derzeit auf eine Lieferung des F35-Kampfjets des US-Rüstungsriesen Lockheed Martin. Auch die Schweiz wartet auf die F35, trotz drohenden Mehrkosten wegen der hohen Nachfrage von bis zu 1,1 Milliarden Franken.
Verdoppelung der Schweizer Waffenexporte
Im Dezember gab der Bundesrat bekannt, dass er anstatt der 36 jetzt nur noch 30 Kampfjets anschaffen will. Nebst der Verstrickung mit Lockheed Martin versucht die Schweiz seit 2008 an Aufklärungsdrohnen von Elbit Systems zu kommen – bislang ohne Erfolg und das Militär beklagt Liquiditätsprobleme bei der geplanten Aufrüstung. Aber was nicht ist, kann noch werden. Bis 2030 wird die Schweiz die Armeeausgaben auf ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts oder rund 30 Milliarden Franken erhöhen.
Doch während es bei den Importen stockt, läuft es beim Export von Schweizer Kriegsmaterial rund. 2025 lieferte die Schweiz Kriegsmaterial im Wert von 948,2 Millionen aus – fast doppelt so viel wie noch 2024.
Die Erhöhung des Militärbudgets in der Schweiz ist auf Linie mit anderen westlichen Nationen. Die NATO-Staaten haben sich dazu verpflichtet, ihre Militärausgaben bis 2035 auf fünf Prozent ihres BIP anzuheben. Das Pentagon will sein Militärbudget bis 2027 von bisher 997 Milliarden auf 1,5 Billionen Dollar aufstocken und Israel lässt weitere 13 Milliarden US-Dollar in das Militär fliessen, um den Krieg gegen den Iran zu finanzieren.
