klar
DE | FR
35
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Chinesische Touristen vor dem Uhrengeschäft Bucherer in Luzern.&nbsp;<br data-editable="remove">
Chinesische Touristen vor dem Uhrengeschäft Bucherer in Luzern. 
Bild: KEYSTONE

Peking, wir haben ein Problem: Eure Touristen sind Rüpel

Chinesische Touristen sind laut und ungehobelt – und es gibt immer mehr davon. Deshalb will die Regierung in Peking ihnen jetzt Anstand beibringen.
20.07.2016, 09:1820.07.2016, 10:05

China ist längst nicht mehr das Steinzeit-Kommunismus-Land im Mao-Einheitslook. 30 Jahre Wirtschaftswunder haben einen Mittelstand hervorgebracht, der inzwischen 225 Millionen Menschen umfasst. Das hat Konsequenzen: «Eine selbstgenügsame Nation ist kosmopolitisch geworden», stellte der «Economist» kürzlich fest. «Im letzten Jahr haben die Chinesen 120 Millionen Reisen ins Ausland durchgeführt, eine Vervierfachung innerhalb eines Jahrzehntes.»

«Chinesische Touristen sind lärmig und ungezogen, werfen mit Geld um sich und haben kaum Respekt für die lokale Kultur.»
«Financial Times»

Als Touristen haben die Chinesen einen durchzogenen Ruf. Es gibt mittlerweile nicht nur den «hässlichen Deutschen» oder den «hässlichen Amerikaner», es gibt nun auch den «hässlichen Chinesen». «Touristen, die lärmig und ungezogen sind, mit Geld um sich werfen und kaum Respekt für die lokale Kultur haben», wie es in der «Financial Times» zu lesen war.  

Nicht comme-il-faut: Chinesische Touristen in einem Restaurant in Thailand.YouTube/toyakoi2

Wegen ihrer ungehobelten Bürger im Ausland fürchtet die Regierung um ihren Ruf. China ist ja nicht irgendwer, sondern eine der ältesten Zivilisationen der Welt. Die Führer der Kommunistischen Partei machen sich deshalb öffentlich Sorgen und beklagen den Verlust von chinesischer «Softpower». Darunter versteht man die kulturelle Attraktivität eines Landes.  

Deshalb hat die Regierung nun einen Benimm-Führer für Touristen aufgelegt.

Nicht öffentlich spucken und vordrängeln

Darin werden die Chinesen aufgefordert, im Ausland nicht öffentlich zu spucken, nicht gegen das Nichtraucherverbot zu verstossen, nicht vorzudrängeln, nicht überlaut zu sprechen, die öffentlichen Toiletten nicht zu verschmutzen und auch keine Tiere zu «jagen, schlagen oder füttern».

Ein Festland-Chinese pöbelt auf einem Schiff in Hongkong.
YouTube/languagelover10

Sehr beliebt bei chinesischen Touristen ist Japan. Fünf Millionen reisten letztes Jahr nach Nippon, nicht immer zur Freude der Einheimischen. Die Hokkaido Tourism Organisation hat deshalb für sie ebenfalls eine Broschüre in Form eines Comics verfasst. Darin steht unter anderem, die chinesischen Gäste sollten doch bitte kein Besteck aus den Restaurants mitlaufen lassen und öffentlich keinen Wind lassen.  

215 Milliarden Dollar beim Ausland-Shoppen ausgegeben

Die chinesischen Touristen mögen noch zivilisatorische Rückstände aufweisen, als wirtschaftlicher Faktor sind sie inzwischen eine Grösse. In Grossbritannien geben sie durchschnittlich doppelt so viel Geld aus wie ein amerikanischer Tourist. Vor allem sind sie passionierte Shopper. Letztes Jahr haben sie insgesamt 215 Milliarden Dollar im Ausland ausgegeben. Kein Wunder, werden sie auch von der Schweizer Tourismus- und der Uhrenindustrie heiss umworben.  

Wenn sie nicht am Shoppen sind, trifft man die chinesischen Touristen in Europa an den klassischen Orten an, im Louvre, im Kolosseum oder auf dem Schwanenplatz in Luzern. Eher selten sieht man sie in einheimischen Lokalen. Nach Möglichkeit essen sie auch im Ausland chinesisch.

Hol dir jetzt die beste News-App der Schweiz!

  • watson: 4,5 von 5 Sternchen im App-Store ☺
  • Tages-Anzeiger: 3,5 von 5 Sternchen
  • Blick: 3 von 5 Sternchen
  • 20 Minuten: 3 von 5 Sternchen

Du willst nur das Beste? Voilà:

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Teaser App Campaign
Haltung zeigen. watson lesen.
Persönliche und emotionale Beiträge und Videos für unsere Generation.
Google PlayApple Store

Abonniere unseren Newsletter

35 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
DailyGuy
20.07.2016 10:04registriert Dezember 2015
Ich war gerade für einen Monat in Japan. Der Anstand der Japaner ist riesig. Da könnten sogar wir Schweizer noch etwas lernen. Somit stachen die Chinesen extrem aus der Menge. Wie oben erwähnt wird, wurde gedrängelt (was bei den Japanern höchst selten vorkommt), es waren keine Tischmanieren vorhanden und sie hatten auch keinen Respekt gegenüber der Japanischen Gepflogenheiten. Vor allem ist mir aber die Attitüde aufgefallen. Ganz nach dem Motto: Ich, der chinesische Tourist, ist jetzt hier und ihr habt alle auf mich gewartet.
1322
Melden
Zum Kommentar
avatar
Jazzmusic
20.07.2016 13:14registriert März 2016
Diese neue chinesische möchtegern Upperclass ist mir höchst unsympatisch. Kein Niveau, kein Level und kein Respekt vor Natur und anderen Kulturen. Ich glaube die verstehen nicht was Europa wirklich ist, die sehen in Europa ein riesiges Disneyland im Massstab 1:1.
1128
Melden
Zum Kommentar
avatar
EdSti
20.07.2016 10:20registriert Dezember 2015
"Nichtraucherverbot" = Pflicht zum Rauchen?

#klugscheisser :)
1052
Melden
Zum Kommentar
35
Zürcher Politiker haben (manchmal) bis 22 Uhr Sitzungen – jetzt wollen sie mehr Lohn dafür

Die Stadtzürcher Parlamentarier haben sich für eine «angemessene Entschädigung» ausgesprochen. Auch ein öV-Abo soll es für die Gemeinderäte geben. Die SVP wehrte sich vehement gegen die Forderungen.

Zur Story