Wirtschaft
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FILE - This July 16, 1945 photo, shows the mushroom cloud of the first atomic explosion at Trinity Test Site, New Mexico.  Thursday, July 16, 2015 marks the 70th anniversary of the Trinity Test in southern New Mexico comes amid renewed interest in the Manhattan Project thanks to new books, online video testimonies and the WGN America drama series “Manhattan.(AP Photo, File)

Atompilz nach einem Versuch in der Wüste von New Mexico. Bild: AP

K.-o.-Schlag gegen die Ökonomie? Ein Aufsatz sorgt für Aufruhr

Mit seiner vernichtenden Kritik hat Paul Romer der herrschenden Ökonomie und allen neoliberalen Rezepten den intellektuellen Boden unter den Füssen weggezogen.

werner vontobel



Das ist eine Sensation: Ausgerechnet der an allen prominenten Universitäten (MIT, Rochester, Berkeley, Stanford, New York) gewaschene Mathematiker und Ökonom, Nobelpreisanwärter und Chefökonom – ausgerechnet diese Koryphäe haut nun in einem Aufsatz für «The American Economist» die ganze Ökonomenclique in die Pfanne.

Eine Urknall für die Ökonomen-Szene

Und nicht nur sie. Um den Knall einordnen zu können, müssen wir etwa 150 Jahre zurückblenden. Seit jener Zeit versuchen die meisten Ökonomen die Wirtschaft als mathematisches Modell zu verstehen, das zwar von «externen Schocks» (steigende Ölpreise, Börsencrash etc.) durcheinander gebracht wird, aber nach einiger Zeit immer wieder «ins Gleichgewicht zurück fällt».

NEW YORK, NY - APRIL 26: Paul Romer of Stanford University speaks at the Disruptive Innovation Awards at The 2011 Tribeca Film Festival at Citibank Building On Greenwich on April 25, 2011 in New York City.  (Photo by Slaven Vlasic/Getty Images)

Stellt die traditionellen Methoden in Frage: Paul Romer.  Bild: Getty Images North America

Wenn dem so ist – woran echte Ökonomen nicht zweifeln dürfen – dann kann Wirtschaftspolitik nur darin bestehen, Hindernisse für das optimale Funktionieren des Marktes zu beseitigen und die Rückkehr ins Gleichgewicht durch geeignete Massnahmen (Zinssenkungen, Staatsausgaben etc.) zu beschleunigen.

Streit um das richtige Gleichgewichtsmodell

Die empirische Ökonomie hat dann die Aufgabe herauszufinden, wie gut diese Massnahmen wirken. Zu diesem Zweck sammelt sie Daten und speist diese in mathematische Gleichgewichtsmodelle ein. Moderne Ökonomie ist im Wesentlichen ein Streit um das richtige Gleichgewichtsmodell.  

So, und jetzt kommt Romer und plaudert aus der Schule. Wir erfahren etwa, dass die heute verwendeten Modelle so komplex sind, dass selbst Ökonomen, die – wie Romer – Mathematik studiert haben, auf die Hilfe von speziell geschulten Ökonometrikern angewiesen sind. Die Zusammenarbeit funktioniert in etwa so: Der Ökonom sammelt Daten und bittet die Ökonometriker, diese in das Modell einzufüttern.

Meist schaut dabei auf Anhieb kein vernünftiges Ergebnis heraus. Der Ökonometriker baut deshalb noch ein paar – scheinbar triviale – Annahmen in das Modell ein, er kalibriert es. Meist schaut der Ökonom gar nicht hin. Und wenn, versteht er bloss Bahnhof.

Romer schaute doch einmal genau hin – und verstand: Die Ökonometriker kalibrieren ihr Modell so lange, bis in etwa das erwartete Ergebnis eintritt. Für sie ist das reine Technik. Als Nicht-Ökonomen realisieren sie gar nicht, dass ihre Annahmen keineswegs trivial sind. Der Ökonom seinerseits kann nicht erkennen, dass der von ihm erbrachte Beweis nicht auf seinen Daten, sondern auf der Bastelkunst der Ökonometriker beruht.

Fakten mit unbekanntem Wahrheitsgehalt

Romer spricht zynisch von «Fakten mit unbekanntem Wahrheitsgehalt». «Nachdem ich das erkannt hatte», schreibt Romer, «habe ich angefangen, die Texte sorgfältig zu lesen, und ich habe realisiert, dass es fast immer solche Annahmen gab.» Es ist das perfekte, doppelblinde Doping: Der Athlet weiss nicht, dass er gedopt wird, der Arzt weiss nicht, dass sein Pülverchen eine leistungssteigernde Wirkung hat.  

Um dies zu illustrieren, führt uns Romer ein kleines Beispiel vor. Der Ökonom will beweisen, dass die Löhne umso tiefer fallen, je mehr Arbeitskräfte auf den Markt kommen. Er sammelt entsprechende Daten und trägt den Lohn auf der Senkrechten und die Menge der Arbeit auf der Waagrechten auf. Die Graphik lässt keinerlei Zusammenhang erkennen.

So funktioniert der Hokuspokus

Dann trifft Romer ein paar «triviale» Annahmen und schon spuckt das Programm eine Kurve aus, die – wie erwartet – von links oben nach rechts unten weist: Tiefes Arbeitsangebot, hoher Lohn – hohes Angebot, tiefer Lohn. Was zu beweisen war.

Doch Romer geht es in seinem Text weniger um die Irrtümer der modernen Ökonomie. Was ihn umtreibt ist die Frage, warum die ehrenwerte Gesellschaft der Ökonomen aufgehört hat, Wissenschaft betreiben zu wollen. Die kurze Antwort lautet: Weil man in diesem Metier nur Karriere macht, wenn man im Chor mitsingt.

Wütende Reaktion der Kollegen

Die Reaktion der Kollegen bestätigt Romers Analyse. Der Kollege, Konkurrent und Nobelpreisträger Paul Krugman lässt ausrichten, dass zumindest seine Modelle «alles» richtig vorausgesagt hätten. (Was stimmen mag, wenn man «alles» sehr eng definiert.) Der Eco-Blogger Austin Middleton stellt fest, dass Romers Text bloss in einem zweitrangigen Magazin erschienen sei und deshalb kein Gewicht habe.

epa04709982 Nobel-prize winning economist Professor Paul Krugman attends a meeting with Greek President Prokopis Pavlopoulos (not pictured) in Athens, Greece, 18 April 2015. Krugman, in a press conference said that a policy of strict austerity in Greece must end but advised against an exit from the euro , describing this prospect as 'nightmarish.'  EPA/YANNIS KOLESIDIS

Setzt sich zur Wehr: Nobelpreisträger Paul Krugman. Bild: EPA/ANA-MPA

Wolfgang Münchau von der «Financial Times» zieht Romer ins aktuelle Kampfgetöse. Sein Text zeige, dass man die Geldpolitik nicht den Ökonomen überlassen dürfe. Münchau hat Recht, aber das wäre natürlich nur ein Anfang. Romers Blattschuss gegen die Gleichgewichtsmodelle egal welcher Strickart bedeutet, dass die Ökonomie völlig neu ansetzen muss, und dass das neoliberale Instrumentarium (Zinspolitik, Deregulierung des Arbeitsmarktes etc.) keine intellektuelle Grundlage mehr hat. Das gilt auch für Krugmans keynesianische These, wonach höhere Staatsausgaben die Wirtschaft zurück ins Gleichgewicht bringen könne.

Doch besteht wirklich die Chance auf einen Neuanfang? Wie Romer in seinem Aufsatz bemerkt, haben sich seit Ende der 1970er Jahre immer wieder prominente Stimme gegen die Gleichgewichtslogik der modernen Ökonomie erhoben – und alles ging weiter wie bisher. Inzwischen ist noch deutlicher geworden, dass die Ökonomen keinen Dunst haben und mit Romer meldet sich jetzt ein besonderes Schwergewicht zu Wort.

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81
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    Alle Leser-Kommentare
  • Mehmed 07.01.2017 16:47
    Highlight Highlight "Inzwischen ist noch deutlicher geworden, dass die Ökonomen keinen Dunst haben"
    Danke. Ich warte schon auf die Rechtfertigung vom Löpfe im Elfenbeinturm.
    • Philipp Löpfe 07.01.2017 18:38
      Highlight Highlight ??? Vielleicht ist dir entgangen, dass ich darüber ebenfalls geschrieben habe.
  • chr_bopp 07.01.2017 15:31
    Highlight Highlight Das Gleichgewichtsaxiom der Neoklassik und die wunderbare Entdeckungskraft des Marktes der Neolibs liegen halt fatal auf einer Linie. Wenn man den Dingen seinen Lauf lässt, läuft alles gut. Man kann dann Krisen erklären, dass jemand dreingepfuscht hat (meist der Staat oder etwas "Externes" - meist als "Schock" beschrieben) und Massnahmen, die der eigenen Klientel nicht passen, abwehren mit dem Argument: Das regelt sich besser von selbst. Das Unheimliche bei den gängigen Öko-Modellen ist ja, dass sie politische Initiativen befördern oder abwehren helfen. Wissenschaftlich? - Eher nicht.
  • rodolofo 07.01.2017 09:37
    Highlight Highlight An einem Grundkurs über Volkswirtschaft war ich besonders fasziniert vom "Snob-Effekt":
    Während also nach der gängigen Theorie die Nachfrager am Markt nach dem Preisgünstigsten Produkt Ausschau hielten (einer "Geiz ist geil!"-Mentalität folgend, wie unsere Alltags-Beobachtungen bestätigen), gibt es Nachfrager, die damit prahlen, für ein Luxus-Gut (z.B. ein Bild) besonders VIEL Geld angegeben zu haben!
    Der Snob stellte also die Ökonomische Theorie auf den Kopf, worauf die Ökonomen versuchten, dieses irrationale Verhalten notdürftig in die Wirtschaftstheorie zu integrieren, mit dem Snob-Effekt.
    • http://bit.ly/2mQDTjX 08.01.2017 13:39
      Highlight Highlight In der Spieltheorie nennt sich das Minderheiten-Spiel:

      https://de.wikipedia.org/wiki/Minderheiten-Spiel

      Es ist in der Ökonomie nicht unüblich, dass diejenigen gewinnen, die zur Gruppe der Wenigsten gehören. Zum Beispiel sind die Transportkosten niedriger, wenn man nicht zu den Hauptverkehrszeiten transportiert.

      Insofern verhält sich der Snob ökonimisch eben doch genau gleich wie ein Geizhals. Er maximiert seinen Nutzen. ;)
  • Posersalami 07.01.2017 00:27
    Highlight Highlight "Das gilt auch für Krugmans keynesianische These, wonach höhere Staatsausgaben die Wirtschaft zurück ins Gleichgewicht bringen könne."
    Es ist eine Weile her, dass ich Keynes gelesen habe darum sry falls das jetzt total daneben ist.. Aber ich habe das so verstanden beim Keynes, dass nicht zwingend der Staat Schulden machen muss. Es muss sich halt jemand verschulden, wenn andere sparen wollen. Ganz sinple Logik. Habe ich das falsch im Gedächtnis?
    • Big ol'joe 07.01.2017 08:37
      Highlight Highlight Hmm jein... Logisch könnti sich irgendjemand verschulden. Aber in Krisen leiht ja niemand Geld ;) deshalb ist keynesianische Ökonomie eigentlich immer durch staatliche Regulierungsmassnahmen "wirksam".
  • ElendesPack 07.01.2017 00:20
    Highlight Highlight Das Bild kann man bestens auch auf die Ökonomie anwenden.
    Benutzer Bild
    • Froggr 08.01.2017 08:30
      Highlight Highlight Dieses Bild passt auch zur heutigen politischen Situation hervorragend.
    • ElendesPack 08.01.2017 17:43
      Highlight Highlight Der Cartoon passt ganz allgemein einfach zu der heutigen Art zu denken.
    • Froggr 08.01.2017 20:49
      Highlight Highlight Eben im Sinne von "Social sience". Sozialisten/Linke haben diese Denkensart neben dem Wegschauen von der Realität perfektioniert.
  • Herbert Anneler 06.01.2017 23:00
    Highlight Highlight Weshalb ein K.o.-Schlag gegen die Ökonomen? Kritiker der utilitaristischen Wirtschaftslehre gab es schon immer - es ging nur an den Medien und der breiten Öffentlichkeit vorbei, weil sie nur Augen für die Masters of the Universe hatten. Jetzt stürzen diese Zauberlehrlinge und ihre universitären Vordenker vom
    Himmel wie Ikarus. Wenn es bloss um Theorie ginge! Sie haben Millionen von Menschen auf dem Gewissen, eine kaputte Natur und kaputte Demokratien. Ironie der Geschichte: Nun zeigt sich der Preis, aber niemand will ihn bezahlen - und man wählt Trump, um die neoliberale Illusion zu wahren...
  • Firefly 06.01.2017 21:42
    Highlight Highlight Die Ökonomie ist ein Pfau, ein Teilgebiet der geisteswissenschaftlichen Soziologie die sich mit den Federn der Mathematik schmückt um als exakte Wissenschaft zu gelten.
    • Señor Ding Dong 07.01.2017 16:18
      Highlight Highlight Danke für die schöne Bildsprache 😀
  • Raro Wetzel 06.01.2017 21:37
    Highlight Highlight Orthography, Herr Vontobel: K.-o.-Schlag nicht K.O.-Schlag.
    • CASSIO 07.01.2017 05:43
      Highlight Highlight Orthography oder Orthographie? ;-)
    • Raro Wetzel 07.01.2017 08:49
      Highlight Highlight Orthographie selbstverständlich (da ist mir mein englisches Korrekturprogramm zum Verhängnis geworden). Aber im Gegensatz zu Watson, kann ich meinen peinlichen Fehler nicht mehr korrigieren 😡
    • CASSIO 07.01.2017 09:16
      Highlight Highlight Raro, lass die Finger von Korrekturprogrammen ;-))

      Scherz beiseite: wo gehobelt wird, da fallen Spähne (dieser Verschreiber musste jetzt einfach sein), und wenn ich mir andere Newsseiten anschaue (lesen kann man da kaum noch), dann fallen mir bei diesen Onlineportalen weit mehr und dümmere Fehler auf.
    Weitere Antworten anzeigen
  • WerWillSchonStringenzUndSachkenntnis 06.01.2017 21:21
    Highlight Highlight 1. sind wir mit liberaler Ökonomie nicht sooo schlecht gefahren. Zumindest gab es noch nie soviel Wohlstand für so viel Menschen wie heute (in Liberalen Ländern).
    2. Ja, Modelle sind Modelle und daher meist nicht die exakte Resalität. Solange er aber kein besseres Modell vorschlägt, macht er es sich zu einfach und ist seine Kritik ziemlich warme Luft.
    PS: nur weil er die Modelle nicht versteht, ist es von ihm recht gewagt zu behaupten, andere würden sie nicht verstehen.
    • Plöder 06.01.2017 21:47
      Highlight Highlight Du hast es auch nicht verstanden oder?
      Es geht um Gleichgewichtsmodelle...


      Und unsere liberale Wirtschaft bauen wir auf dem Rücken von denen denen es nicht so gut geht...

      Der Wohlstand betrifft so überschlagen gerechnet gerade 1/8 oder 1/7 der Weltbevölkerung also könnte dieses System in den Kübel

      Nur so eine Meinung
    • WerWillSchonStringenzUndSachkenntnis 06.01.2017 22:17
      Highlight Highlight &Plöder
      Danke für die emotionale Reaktion.
      Nochmals für Dich:
      Der Wohlstand mag nicht so hoch sein, wie gewünscht. Aber er ist für mehr Menschen höher als je zuvor (Fakt, auch in postfaktischer emotionaler Welt).
      Keine bessere Alternative zu präsentieren (die nicht schon an div. Orten nachweislich schlechter war), hilft nicht so richtig (bloss meine Meinung).
    • _kokolorix 06.01.2017 22:45
      Highlight Highlight Dass der freie Markt zum Gleichgewicht führt ist absoluter Blödsinn!
      Die Modelle gehen von optimalen Entscheidungen aller Beteiligten aus, wann ist eine Entscheidung schon optimal? Genau dann, wenn man das Modell wieder und wieder mit optimierten Annahmen rechnet, mit der Realität hat das nichts zu tun.
      Eine Volkswirtschaft verändert sich ständig und benötigt daher ständig angepasste Regulierungen, seit das immer weniger gemacht wird, seit den 80er Jahren, torkeln wir von Blase zu Krise und wieder zurück. Nur eines ist stabil geblieben: Die reichsten 10% werden reicher, alle anderen ärmer
    Weitere Antworten anzeigen
  • Shin Kami 06.01.2017 21:21
    Highlight Highlight Traue keiner Statistik die du nicht selbst gefälscht hast
    • Blutgrätscher 06.01.2017 21:31
      Highlight Highlight Was für ein wertvoller Beitrag, danke!
    • Walter Sahli 06.01.2017 23:31
      Highlight Highlight Wertvoll wäre dieser Beitrag tatsächlich, wenn ich jedes Mal einen Franken kriegen würde, wenn ihn ein Extraschlauer schreibt.
    • Der Zahnarzt 07.01.2017 08:38
      Highlight Highlight @Ein Spruch, den man immer wieder hört und eine Beleidigung für alle Statistiker, die sich redlich anstrengen und sorgfältig arbeiten!
  • Ökonometriker 06.01.2017 20:17
    Highlight Highlight Ich habe sowohl Ökonometrie wie auch Ökonomie (VWL) studiert. Leider muss ich sagen, dass Romer vollkommen recht hat. Es gibt wenige Modelle, die wirklich halten. Die meisten wurden so parametrisiert, dass sie den Daten entsprechen.

    Dazu gehören sämtliche modernen Zyklusmodelle. Lustigerweise wissen alle Nicht-Ökonomen, dass Staatsausgaben und Geldpolitik keine strukturellen Probleme lösen. Wir Ökonomen haben das aber leider vergessen.

    Der Langzeitarbeitslose, dessen Job automatisiert oder nach China verlagert wurde, wird nicht wieder arbeiten, wenn wir die Zinsen senken oder ihm Geld geben.
    • Crecas 06.01.2017 22:18
      Highlight Highlight Welche ökonomische Lehre sagt bitteschön, dass Geldpolitik strukturelle Probleme löst?
    • Peter Pulverschnee 06.01.2017 22:48
      Highlight Highlight Herr Ökonometriker, da haben Sie aber zünftig was falsch verstanden in ihrem Studium. Da müssen Sie mir mal einen Ökonomen zeigen, der behauptet, dass Geldpolitik strukturelle Probleme löst!

      Aber natürlich wollen wir mit Daten unsere Hypothesen bestätigen und nicht unbedingt widerlegen. Aber das ist ein grundlegendes Phänomen in allen Wissenschaften.
      Ebenfalls sind die Modelle alle sehr vereinfacht und natürlich oftmals falsch, wenn man sie empirisch testet. Meistens gibt es halt keine besseren, oder eine Erweiterung ist nicht zielführend. Ich verstehe die ganze Aufregung nicht.
    • Ökonometriker 07.01.2017 10:07
      Highlight Highlight Das Problem ist, dass die heutige ökonomische Lehre die Möglichkeit struktureller Probleme zu wenig beachtet. Die Zyklusmodelle suggerieren, dass das wirtschaftliche Problem ein temporärer Abschwung und nicht ein struktureller Wandel der Weltwirtschaft ist.

      Die dadurch implizierte Lösung ist also ein bekämpfen des temporären Abschwungs (z.B. durch Konjunkturpakete oder tiefere Zinsen), nicht aber eine Anpassung an die neuen Realitäten.

      Dies ist ja auch gerade der springende Punkt von Romers Kritik: man fittet ein Modell so lange, bis es zu den Daten passt. Die Realität ist aber ganz anders.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Der Belehrende 06.01.2017 20:07
    Highlight Highlight Wie heisst den der Titel dieses Aufsatzes bzw. ist er irgendwo frei verfügbar? Würde mich gerne mal in ihn "hineinlesen". Danke!😃
  • fiodra 06.01.2017 19:56
    Highlight Highlight Ich denke, in der Statistik sind solche Manipulationen bis das Ergebnis "stimmt" gang und gäbe. Viele Wissenschaften benutzen statistische Methoden, wie z.B. die Medizin, die Pharmazie und die Sozialwissenschaften. Die Ökonomie ist diesbezüglich kein Sonderfall. Die gesammte Wissenschaft gehört auf den Prüfstand!
    • Knut Atteslander 06.01.2017 22:41
      Highlight Highlight Mit der Stochastik ist alles in Ordnung. Die Fehler passieren bei der Auswahl des Inputs und der Interpretation des Outputs.
  • fiodra 06.01.2017 19:52
    Highlight Highlight Ich denke, diese Manipulationen sind in der Statistik gang und gäbe. Statistik wird auch in vielen anderen Wissenschaften angewandt, z.B in der Medizin, der Pharmazie und in den Sozialwissenschaften.
  • Big ol'joe 06.01.2017 19:49
    Highlight Highlight Übrigens Herr Vontobel, schreiben sie mehr auf Watson und lassen sie den Blick...
    Mit Ihnen und Herrn Löpfe kann hier spannendes entstehen
  • Big ol'joe 06.01.2017 19:47
    Highlight Highlight Der akademische Determinismus. Ein Problem, welches nicht nur die Ökonomen haben...

    (Übrigens ich bin Akademiker, schiesse hier also nicht gegen eine vermeintliche "Elite" oder so... Aber es braucht ein anderes Denken vor allem bei Universitäten)
    • daenu 07.01.2017 13:24
      Highlight Highlight Anders Denken ist wohl seit Einzug von Bologna im Hochschulsystem gestorben ;-(
  • wiisi 06.01.2017 18:59
    Highlight Highlight Sehr guter Artikel, Danke!
  • saukaibli 06.01.2017 18:29
    Highlight Highlight Ökonomie nach mathematischen Modellen könnte nur funktionieren, wenn man sie komplett einem gefühllosen Computer anvertrauen würde. Sobald man menschliche Schwächen wie Gier oder Egoismus "hinzufügt", kann man jedes dieser Modelle in die Tonne treten.
    • oliversum 06.01.2017 19:48
      Highlight Highlight Stimmt nicht. Die (mikro-)ökonomischen Modelle beruhen ja auf der Annahme des Egoismus. Nur verhält sich der Mensch nicht immer egoistisch...
      aber eben, das ist Mikroökonomie - im Artikel gehts um Makroökonomie.
    • FrancoL 06.01.2017 20:02
      Highlight Highlight So etwa hätte ich es auch geschrieben. Modelle können unmöglich die menschlichen Schwächen gebührend berücksichtigen und bleiben darum mehr als nur künstlich, also mehrheitlich unbrauchbar.
    • Firefly 06.01.2017 21:40
      Highlight Highlight Dann wäre die Ökonomie ein Teilgebiet der Soziologie. Oder ist sie das eh schon und tut nur so als sei sie eine exakte Wissenschaft.
    Weitere Antworten anzeigen
  • walsi 06.01.2017 18:27
    Highlight Highlight Alle Experten sagen, dass X nicht funktioniert. Dann kommt der Laie, der nicht weiss, dass X nicht funktioniert, macht X und es funktioniert. Dieses Spruch kommt mir immer wieder in den Sinn wen ich Ökonomen und Politikern zuhöre.
    • smoenybfan 06.01.2017 20:33
      Highlight Highlight Weil du besser Bescheid weisst als ein anerkannter Experte, natürlich.
      Netter Spruch, aber in 999/1000 Fällen ist es wohl eher so: Die Experten sagen, X funktioniert nicht. Dann kommt ein Laie, macht X und es funktioniert nicht.
    • remeto 06.01.2017 21:07
      Highlight Highlight Und... viele Startups werden gehründet weil jemand sagt - es geht nicht! Und am Schluss geht's dann schon.
    • smoenybfan 06.01.2017 21:55
      Highlight Highlight Weil es so gut geht scheitern dann wohl auch (nach Statistiken) nur 9/10 Start-ups...
    Weitere Antworten anzeigen
  • Majoras Maske 06.01.2017 18:25
    Highlight Highlight Kann er nicht einfach eine eigene Ökonomie gründen? Wenn sich die Kirche nicht reformieren lässt, kommt's eben zur Spaltung.
  • Denk nach 06.01.2017 18:23
    Highlight Highlight Man hat ja ursprünglich auch mal gedacht die Welt ist eine Scheibe... irren ist menschlich, blöd aber wenn man fanatisch an seinen falschen Thesen festhalten will!
    • FrancoL 06.01.2017 20:03
      Highlight Highlight Das genau tun wir, fanatisch Festhalten und nicht hinschauen was wir fest halten.
  • Crecas 06.01.2017 18:10
    Highlight Highlight Ein K.O. Schlag gegen die Ökonomie? Nee, eher nicht. Gegen alle Rezepte? Nee schon gar nicht. Gegen Teile der heutigen Forschung, eventuell gegen grosse Teile der heutigen Forschung - mag sein.
  • Der Zahnarzt 06.01.2017 17:56
    Highlight Highlight Für einen Naturwissenschaftler, der aus beruflichen Gründen immer wieder mit Ökonomen zu tun hat (gemeinsame Forschungsprojekte auf Niveau Universität) ist das alles nichts neues.
    • trio 06.01.2017 21:09
      Highlight Highlight Das ist doch überall so. Ich bin zum erstaunt, wie lange es immer noch dauert, bis etwas in den Medien erscheint. Heute sind Infos praktisch überall "real time" verfügbar, daran kann es nicht liegen. Bei einem Teil der Politik ist die globale Erderwärmung z.B. immer noch nicht angekommen, während es bei den Wissenschaftler keinen Zweifel mehr gibt.
  • atomschlaf 06.01.2017 17:54
    Highlight Highlight Dass man nur Karriere machen kann, wenn man mit dem Chor singt, trifft leider nicht nur auf die Ökonomie, sondern auch auf viele andere Fachgebiete der Wissenschaft zu, was der Gewinnung neuer Erkenntnisse nicht eben zuträglich ist.
    • FrancoL 06.01.2017 20:08
      Highlight Highlight Völlig richtig dargestellt, doch die die im Chor singen sehen meistens nur die anderen Chöre.
  • 90er 06.01.2017 17:39
    Highlight Highlight "woran echte Ökonomen nicht zweifeln dürfen " wer sagt das?
    • Cash 06.01.2017 18:20
      Highlight Highlight Die Lehre der Ökonomie? Und hierfür muss man sich in den Chor einstimmen ;) Danke Watson für den Artikel
    • Majoras Maske 06.01.2017 18:27
      Highlight Highlight Echte Ökonomen definiern was echte Ökonomen sind, steht zumindest im Artikel zwischen den Zeilen.

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