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James-Webb-Teleskop blickt ins Herz der Milchstrasse

James-Webb-Teleskop blickt ins Herz der Milchstrasse

24.11.2023, 20:02
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Einmal mehr bringt uns das James-Webb-Weltraumteleskop zum Staunen. Seine am 20. November veröffentlichte Aufnahme eines 50 Lichtjahre breiten Abschnitts im Herzen unserer Galaxis zeigt in unvergleichlicher Detailtreue ungefähr 500'000 Sterne – und dazu ein Phänomen, das die Astronomen derzeit noch nicht erklären können.

The full view of the NASA/ESA/CSA James Webb Space Telescope’s NIRCam (Near-Infrared Camera) instrument reveals a 50 light-years-wide portion of the Milky Way’s dense centre. An estimated 500,000 star ...
Rund eine halbe Million Sterne auf einem Bild: Ein 50 Lichtjahre breiter Abschnitt der Region Sagittarius C im Zentrum der Milchstrasse.Bild: ESA/Webb

Der kosmische Schnappschuss zeigt die Region Sagittarius C, die etwa 25'000 Lichtjahre von der Erde entfernt ist und 300 Lichtjahre von Sagittarius A*, dem supermassereichen Schwarzen Loch im Zentrum der Milchstrasse, das 4,3 Millionen Sonnenmassen aufweist. Bisher gab es noch keine Infrarotdaten über diese Region mit der Auflösung und Empfindlichkeit, wie sie jetzt das Webb-Teleskop erreicht hat.

Im linken, unteren Bereich der Aufnahme fällt eine helle türkisblaue Wolke auf, die etwa 25 Lichtjahre umfasst. Es handelt sich um Wasserstoff, der durch junge, schwere Sterne in der Umgebung ionisiert wurde. Darin befinden sich nadelförmige Strukturen, die keine einheitliche Ausrichtung aufweisen und chaotisch in alle Richtungen weisen. Dieses Phänomen erfordert weitere Untersuchungen; solche Strukturen wurden bisher noch nie so detailliert beobachtet und stellen die Astronomen vor ein Rätsel.

Der Bereich des ionisierten Wasserstoffs setzt sich auf der Aufnahme deutlich von einer infrarot-dunklen Wolke ab, die so dicht ist, dass sie das Licht von fernen Sternen dahinter blockiert. Dadurch sieht es so aus, als gäbe es dort weniger Sterne als tatsächlich vorhanden sind. In Wahrheit handelt es sich um einen der belebtesten Bereiche auf dem Bild. Diese dunkle Region ist am oberen Rand des Bilds breiter und verjüngt sich gegen unten, wo sie vom türkis leuchtenden ionisierten Wasserstoff umrahmt wird.

The full view of the NASA/ESA/CSA James Webb Space Telescope’s NIRCam (Near-Infrared Camera) instrument reveals a 50 light-years-wide portion of the Milky Way’s dense centre. An estimated 500,000 star ...
Der dunkle Bereich und der rötlich leuchtende Protosternhaufen sind in diesem Ausschnitt deutlich zu sehen. Bild: ESA/Webb

Dort ist mitten im scheinbar dunklen Bereich ein heller Fleck zu sehen. Es handelt sich um einen Haufen von Protosternen – sehr junge Sterne, die noch im Entstehen begriffen sind und an Masse zunehmen.

Sie leuchten wie ein Lagerfeuer inmitten einer dunklen Wolke, was darauf hindeutet, dass sie aus dem schützenden Kokon der Wolke heraustreten und bald genauso sein werden wie die reiferen Sterne um sie herum. Im Zentrum dieses jungen Sternhaufens befindet sich ein massereicher Protostern, der schon seit Langem bekannt ist. Er weist die 30-fache Masse der Sonne auf.

Die aussergewöhnliche Aufnahme liefert den Astronomen neue Informationen über den Prozess der Sternentstehung und darüber, wie dieser Prozess von der kosmischen Umgebung abhängen kann – besonders im Vergleich zu anderen Regionen in der Galaxie. Man denke nur an die massereicheren Sterne, die im Zentrum der Milchstrasse entstehen, im Gegensatz zu den Sternen an den Rändern der Spiralarme. (dhr)

Pan of Sagittarius C (NIRCam Image)Video: YouTube/HubbleWebbESA
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quelle: nasa, esa, hubble/william ostling
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24 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Händlmair
24.11.2023 21:43registriert Oktober 2017
Wunderbare Bilder die mich staunend zurücklassen. Bitte mehr davon.
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nöd ganz. klar #161!
24.11.2023 21:08registriert April 2019
Fuck, bei solchen Bildern komme ich mir immer so angenehm unbedeutend vor. Meine Existenz ist nicht relevant für das Universum, eine Last weniger zu tragen.
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The Twelfth
24.11.2023 21:33registriert Juni 2020
Bei solchen Fotos versage ich vollständig, mir den gigantischen leeren Raum, im Verhältnis zur Grösse der Sterne, zwischen denselben vorzustellen.

Auch krass: seit etwa 130 Jahren senden wir (unbeabsichtigt) Signale ins All. Decken also etwa einen Radius von 130 Lichtjahren ab. Damit erreichen wir vielleicht 0.00017% der “Fläche” der Milchstrasse. Was aber schon deutlich mehr sein dürfte, als was wir auf dem Foto sehen. 😍
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