Wissen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Sternencluster im Weltraum

Sind wir allein in den Weiten des Weltraums? Bild: Shutterstock

Leben im All könnte oft entstanden sein – aber nicht in unserer Nähe



Die Erde ist voller Leben. Doch jenseits der dünnen Lufthülle, die unseren Planeten umgibt, herrscht lauter Leblosigkeit. Es scheint, als wären wir ganz allein in den Weiten des Weltraums. Um die Frage zu beantworten, ob es da draussen noch anderes Leben gibt, unternehmen die Wissenschaftler nicht geringe Anstrengungen: Sie durchforsten riesige Datenmengen, um ungewöhnliche Radiosignale zu finden, sie scannen das All mit Radioteleskopen, sie untersuchen Meteoriten auf organische Stoffe.

Auch auf theoretischer Ebene setzen sich gescheite Köpfe mit dieser Frage auseinander. Der italienische Physiker und Nobelpreisträger Enrico Fermi formulierte beispielsweise 1950 das nach ihm benannte Paradox: Wenn es aufgrund der ungeheuren Anzahl von Planeten in der Milchstrasse nahezu sicher technisch fortgeschrittene Ziviliationen gibt, warum nehmen wir dann nichts davon wahr? Falls eine solche Zivilisation über dutzende von Millionen Jahren hinweg existiert, müsste sie die Galaxis eigentlich vollständig kolonisieren können, trotz der enormen Distanzen.

Bei der Frage, ob es extraterrestrisches Leben gibt, geht es im Kern freilich nicht nur um intelligente Lebensformen oder gar Alien-Zivilisationen, sondern darum, ob überhaupt Leben anderswo entstanden ist. Genauer gesagt: Können sich die Bausteine des Lebens spontan im Universum bilden, wie es auch auf der Erde geschehen ist (sofern das Leben nicht von anderswo hierher gelangt ist)?

Genau dies hat der japanische Astronom Tomonori Totani untersucht. Der Wissenschaftler von der Universität Tokio hat dafür biologische und kosmologische Modelle kombiniert und seine Erkenntnisse in einer Meta-Studie präsentiert, die in der Zeitschrift «Scientific Reports» erschienen ist.

Der Prozess der Entstehung von Leben aus anorganischen und organischen Stoffen – also eine chemische Evolution – wird Abiogenese genannt. Alles Leben auf der Erde beruht auf Nukleinsäuren, die als DNA oder RNA vorliegt. In ihnen sind die geordneten Informationen gespeichert, die die Erscheinungsformen des Lebens definieren. Die RNA-Welt-Hypothese geht davon aus, dass vor unseren heutigen Lebensformen Leben existierte, das auf RNA basierte. Daraus habe sich im Laufe der Evolution die DNA als chemisch stabileres Informationsspeichermedium entwickelt. Wie diese komplexen Nukleinsäuren aus abiotischen Prozessen hervorgegangen sind, ist jedoch nach wie vor nicht abschliessend geklärt.

«Da das einzige Leben, von dem wir wissen, auf der Erde existiert, beschränken sich Studien über die Ursprünge des Lebens auf die spezifischen Bedingungen, die wir hier finden», stellt Totani fest. Die meisten Forschungsarbeiten zu diesem Thema befassten sich daher mit der fundamentalsten Komponente, die allen Lebewesen gemeinsam ist, nämlich der RNA. Die Ribonukleinsäure sei ein ein weitaus einfacheres und essentielleres Molekül als die bekanntere DNA, so Totani.

RNA und DNA im Vergleich
Von Sponk (talk) - Strukturformeln der Nukleobasen von Roland1952, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9807387

RNA und DNA im Vergleich. Die vier fundamentalen Stickstoffbasen sind gleich, doch die Struktur der DNA ist komplexer. Grafik: Wikimedia/Sponk

Dennoch ist RNA immer noch um Grössenordnungen komplexer als jene organischen Stoffe, die man bereits im Weltraum– oder in auf die Erde gefallenen Meteoriten – gefunden hat. Es handelt sich um ein Polymer, das aus Nukleotiden besteht (das sind chemische Ketten, die sich aus einem Basen-, einem Zucker- und einem Phosphat­anteil zusammensetzen). Unter geeigneten chemischen Bedingungen und bei ausreichend langer Zeitdauer können sich Nukleotide spontan zu RNA verbinden.

RNA-Moleküle müssen eine bestimmte Mindestlänge aufweisen, also eine Mindestanzahl von Nukleotiden enthalten, damit sie sich selbst replizieren können – diese selbstreplizierende Aktivität ist eine Voraussetzung für Leben. Man geht davon aus, dass RNA-Moleküle mindestens 40 bis 100 Nukleotide enthalten müssen, damit die selbstreplizierende Aktivität Leben ermöglicht.

Das Problem dabei: Astrobiologen nehmen an, dass eine solche Zahl von Nukleotiden im beobachtbaren Universum nicht möglich gewesen wäre. Das beobachtbare Universum ist im Standardmodell der Kosmologie jener Teil des Universums, der von der Erde aus für unsere Beobachtung zugänglich ist. Es enthält nach aktuellen Schätzungen rund 10 Sextillionen Sterne (eine Sextillion = 1036, also eine 1 mit 36 Nullen). Statistisch betrachtet dürfte in einem solchen Raumvolumen lediglich RNA mit etwa 20 Nukleotiden entstehen.

Allerdings umfasst das beobachtbare Universum nicht das gesamte All. «In der heutigen Kosmologie ist man sich einig, dass das Universum eine Phase rascher Inflation durchgemacht hat, die eine riesige Expansionsregion jenseits des Horizonts dessen hervorgebracht hat, was wir direkt beobachten können», stellt Totani fest. Wird dieses grössere Volumen in Abiogenese-Modellen berücksichtigt, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit enorm, dass Leben entsteht.

Das gesamte Universum inklusive des Teils hinter dem Ereignishorizont dürfte nach wissenschaftlichen Schätzungen eine ungleich höhere Anzahl von Sternen enthalten: mehr als ein Googol (ein Googol = 10100, eine 1 mit 100 Nullen). Um den Grössenunterschied etwas zu verdeutlichen: Die Anzahl der Protonen im sichtbaren Universum beträgt schätzungsweise 1080 – bedeutend weniger als ein Googol.

Trifft diese Schätzung der Anzahl Sterne zu, ist die Entstehung von RNA mit ausreichend langen Nukleotid-Ketten nicht nur wahrscheinlich, sondern statistisch geradezu unvermeidlich. Mit anderen Worten: Es muss extraterrestrisches Leben geben, aber es befindet sich mit hoher Wahrscheinlichkeit hinter dem Ereignishorizont – für alle Zeiten unerreichbar für uns.

(dhr)

Gibt es extraterrestrisches Leben?

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

So schön waren die Sci-Fi-Frauen von anno dazumal

Weltraumwanderung für den Normalsterblichen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

48
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
48Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • äti 15.03.2020 11:46
    Highlight Highlight Und Zufälle werden ausgeklammert.
  • Tekk 15.03.2020 07:57
    Highlight Highlight Irgend eine Zivilisation ist die erste... Muss ja nicht sein das es andere vor uns gab und vieleicht sind wir die die das Leben anfangen überall zu verbreiten. 🤷‍♂️
  • Ueli der Knecht 14.03.2020 23:55
    Highlight Highlight "«In der heutigen Kosmologie ist man sich einig, dass das Universum eine Phase rascher Inflation durchgemacht hat, die eine riesige Expansionsregion jenseits des Horizonts dessen hervorgebracht hat, was wir direkt beobachten können», stellt Totani fest."

    Einig sind sich die Physiker nur darin, dass Einsteins Relativitätstheorie das beobachtbare Universum nicht zu erklären vermag, wenn wir nicht diese esoterischen Elemente hinzufügen, wie Inflation, kosmologische Konstante (Einsteins grösste Eselei), dunkle Materie und dunkler Energie.

    Sprich: Die Relativitätstheorie ist zu 95% Esoterik.
    Benutzer Bild
    • blobb / antifaschistischer Terrorist 16.03.2020 00:06
      Highlight Highlight Schon wieder diese dieselbe Leier? Vielleicht solltest du dich besser über die (überwältigende) Mainstream Meinung der Experten informieren.

      DM plus RT liefert eine Erklärung für alle Phänomene die wir beobachten.
      Keine MOND Theorie kann z.B. Gravitationslinsen oder so etwas wie die Bullet Cluster Galaxie erklären.
      Oder die zeitliche Veränderung im Rotationsverhalten von Galaxien.
      (Bei sehr alten Galaxien findet man solche ohne DM, die sich normal nach RT verhalten)
      Wie soll eine MOND so etwas erklären?
      Es gibt eine klare Faktenlage zugunsten DM.
      Da ist deine Position einiges esoterischer.
  • Ueli der Knecht 14.03.2020 23:43
    Highlight Highlight “Der beste Beweis dafür, dass es anderswo im Weltall intelligentes Leben gibt, ist der, dass noch niemand versucht hat, Kontakt mit uns aufzunehmen.”
    -Calvin (aus Calvin und Hobbes).
    Benutzer Bild
  • Edel_Weiss 14.03.2020 21:17
    Highlight Highlight Das ist ein sehr empfehlenswertes Video, welches darlegt, dass wir genauso gut alleine sein könnten.
    Play Icon
    • DunkelMunkel 15.03.2020 08:32
      Highlight Highlight Die meisten Leute werden das nicht mal anschauen und einfach blitzen. Die Ignoranz ist groß.
    • Edel_Weiss 15.03.2020 23:08
      Highlight Highlight Ja, das ist der Bias, von dem er spricht. Aber einige werden es anschauen und der Schluss ist wirklich schön, wie ich finde.
  • Zeit_Genosse 14.03.2020 18:53
    Highlight Highlight Es muss nicht sein, dass es woanders oder in einer relativen Zeit etwas gibt, dass wir Leben nennen können. Womöglich gibt es mehr anderes da draussen was wir nicht sehen, fühlen oder verstehen können. Und wenn wir uns auf der Suche nach dem Gleichen lösen und uns für das Andere auftun, wer weiss?
  • Octavius 14.03.2020 17:08
    Highlight Highlight Immer diese Thesen, warum geht man von dem aus das wenn es andere Lebewesen gibt die mit uns in Kontakt treten würden? Vielleicht,sind wir ihnen zu doof,zu blöb, uninteressant und vielleicht würden sie uns vernichten wenn sie wüssten da es uns gibt. Wieso ,gehen alle von dem aus das sie nett und lieb sein sollen? Ich lebe in einen grösseren Wohnbau und ein teil der Bewohner Interessiert mich nicht,der andere teil will ich nicht s zu tun haben. Vielleicht ist es bei denen auch so. Vielleicht ist es besser wenn man sich nicht kennt.
  • Bert der Geologe 14.03.2020 16:07
    Highlight Highlight Habe heute Aliens gesehen. Die haben alles Mehl weggekauft und auch den Zucker.
    • lilie 14.03.2020 16:48
      Highlight Highlight @Bert: Trugen sie Schutzmasken? Den bekommt doch unser Klima nicht! 😱😷
    • Octavius 14.03.2020 19:38
      Highlight Highlight Bin beim einkaufen,auch auf solche gestossen aber die haben sich eher wie Klingonen benommen.
    • Ueli der Knecht 15.03.2020 12:14
      Highlight Highlight Als ich so späteren Nachmittag kam, waren die alle schon wieder Weg und die Migros leergeräumt.
  • lilie 14.03.2020 15:54
    Highlight Highlight Danke für den spannenden Artikel! 👍

    Was ich nicht ganz kapiert habe: Warum soll es wahrscheinlich sein, dass irgendwo seit Millionen von Jahren eine Zvilisation besteht?

    Unsere eigene Zvilisation gibts grosszügig gerechnet gerade mal 10'000 Jahre, und wenn wir so weitermachen wie bisher, werden wir es niemals auch nur auf eine einzige Million Jahre bringen.

    Oder anders gesagt: Die Zivilisationen könnten sich nicht nur räumlich, sondern auch zeitlich verpassen. 💁‍♀️
    • Cirrum 14.03.2020 16:07
      Highlight Highlight 10‘000 Jahre ist ein bisschen zu grosszügig;)
    • lilie 14.03.2020 16:14
      Highlight Highlight @Cirrum: Schon klar, aber ich wollte nicht, dass jemand kommt und sagt, ja aber, es ist nachgewiesen, dass schon vor 10'000 Jahren...

      Und wenn schon 10'000 Jahre zu grosszügig sind, aber immer noch ein Faktor 100 von einer Million entfernt ist...

      Es würde mich aber ja mal interessieren, was die Blitzer an meinem Kommentar zu meckern haben. Die Kernaussage ist mMn nicht zu bestreiten. 🤔
    • Cirrum 14.03.2020 16:28
      Highlight Highlight Vielleicht sind diese Lebewesen auf anderen Planeten nich so dumm und zerstören sich in so kurzer Zeit selber..
    Weitere Antworten anzeigen
  • Don Harrison 14.03.2020 15:34
    Highlight Highlight Das wir nicht die einzigen sind ist klar.
    Die Frage kommt mir auf, wieso wir nicht bereits weiter sind ? Technologie etc. Elektrizität, bereits vor über einem Jahrhundert schon, die komplette Materie entdeckt. Z.B.; Tesla's entwurf für strom für alle... 🤔
    • lilie 14.03.2020 16:47
      Highlight Highlight @Don: Weil es schon eine Million Jahre ging, bis der Mensch sesshaft wurde? Und er etwa 300'000 Jahre lang kaum ein anderes Werkzeug entwickelte als den Faustkeil?

      Aus entwicklungsgeschichtlicher Sicht waren wir erst gestern noch Urzeitmenschen und haben erst vor 5 min den Ackerbau erfunden.

      Wir sind wie ein Hund, der schon Männchen machen kann. Bis zum Uniabschluss ist es aber noch weit!
    • Don Harrison 14.03.2020 20:43
      Highlight Highlight @Lilie. Merci für das Beispiel. Musste leicht schmunzeln als ich mir ein Hund mit Uniabschluss vorstellte.😅

    • lilie 14.03.2020 23:39
      Highlight Highlight @Don: 😅

      Tja, es ist ja logisch, dass zuerst die Tiere hier auf der Erde die Herrschaft übernehmen müssen, bevor wir den Weltraum erobern können. 💁‍♀️

      #sowaslerntmantänksanderuni 😆
    Weitere Antworten anzeigen
  • Cirrum 14.03.2020 15:25
    Highlight Highlight Das zeigt uns vielleicht, das wir uns nicht so Wichtig nehmen dürfen und das Leben gelassener angehen sollten. :) wir sind ein Nichts in diesem riesigen Universum.
    • Ueli der Knecht 14.03.2020 23:46
      Highlight Highlight Das riesige Universum wäre aber ohne uns Bewunderer (Beobachter) auch nichts.
    • blobb / antifaschistischer Terrorist 16.03.2020 00:12
      Highlight Highlight Solange wir nicht wissen ob es noch anderes intelligentes Leben gibt, müssen wir davon ausgehen, das wir die einzigen sind die dem Wort "wichtig" überhaupt einen "Sinn" geben.

      Was bringt das Universum wenn es niemand gibt der es wahrnimmt?

Interview

Was ein Statistik-Professor über lügnerische Zahlen und falsche Ängste zu sagen hat

Walter Krämer erzählt, wie mit fragwürdigen Studien Panik gemacht wird, während wir uns eigentlich vor ganz anderen Dingen fürchten sollten.

Herr Krämer, Sie sind Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik und entlarven als solcher gern zwielichtige Datenanalysen. Haben Sie derzeit eine Lieblingsstatistik? Walter Krämer: Ja. Das ist die Tabelle der Fussball-Bundesliga. Ich wohne direkt neben dem BVB-Stadion und bin seit mehr als einem Dutzend Jahren BVB-Aktionär.

Sie haben die Deutschen mal als «Volk von Innummeraten» (Zahlen-Analphabeten) bezeichnet und ihre bedauerliche Schwäche Goethe, dem dichtenden …

Artikel lesen
Link zum Artikel