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Radioteleskop

Sind wir allein im All? Und wenn nicht – ist es klug, auf uns aufmerksam zu machen? Bild: Pixabay

Kommentar

Aliens kontaktieren? Das sollten wir besser nicht tun

Marko Kovic



Sind wir alleine im Universum, oder gibt jenseits der Erde, irgendwo dort draussen in den Weiten des Weltalls, ausserirdisches Leben? Wir wissen es nicht. 

Wir wissen aber, dass Leben sehr wahrscheinlich nicht so besonders ist, wie wir das lange Zeit geglaubt hatten. Leben kann nämlich grundsätzlich aus lebloser Materie entstehen, wo es zuvor kein Leben gab. Die Bedingungen, welche für die Entstehung von Leben nötig sind, sind zudem nicht nur auf der Erde gegeben. Da das Universum ziemlich gross ist (nur schon in unserer Galaxie haben wir rund 250 Milliarden Sterne), ist es recht plausibel, anzunehmen, dass Leben oft und vielerorts entsteht. 

Dr. phil. Marko Kovic ist Präsident von ZIPAR – Zurich Institute of Public Affairs Research und von Skeptiker Schweiz – Verein für kritisches Denken. Zudem ist er CEO der Beraterfirma ars cognitionis

Wenn Leben oft entsteht, dann ist auch eine weitere Vermutung plausibel: Wo Leben ist, entstehen manchmal auch technologisch entwickelte Zivilisationen. Schliesslich ist auch unsere menschliche Zivilisation letztlich nicht mehr als ein «zufälliges» Produkt der biologischen Evolution. Die Vermutung, dass im Universum nicht nur Leben, sondern auch entwickelte Zivilisationen zahlreich sind, ist der Kern der berühmten Drake-Gleichung. Diese Gleichung besagt, dass es in unserer Galaxie zwischen 1000 und einer Million Zivilisationen geben könnte. 

Wenn es aber plausibel ist, anzunehmen, dass es viele Zivilisationen gibt, dann drängt sich eine offensichtliche Frage auf: Wo sind sie denn alle? Bisher haben wir nämlich kein einziges Anzeichen für die Existenz ausserirdischer Zivilisationen. Diese Feststellung ist der Kern des berühmten Fermi-Paradoxons. 

Es gibt zahlreiche mögliche Erklärungen für das Fermi-Paradoxon, über welche seit Jahrzehnten gestritten wird. Dieser Streit ist zumeist rein theoretischer Natur: Da wir nichts über die Existenz ausserirdischen Lebens wissen, wird in der Regel darüber gestritten, wie sich ausserirdische Zivilisationen bemerkbar gemacht hätten (oder nicht), wenn es sie gäbe (oder nicht).

Es liegt auf der Hand, dass dieser Streit zwar interessant, aber wenig erkenntnisreich ist. Es gibt aber auch Forscherinnen und Forscher, die der Frage ausserirdischer Zivilisationen ganz praktisch auf den Grund gehen wollen. Ihre Vermutung: Vielleicht gibt es von ausserirdischen Zivilisationen keine Anzeichen, weil wir bisher zu wenig intensiv Ausschau nach Aliens gehalten haben. 

Die wissenschaftliche Suche nach Anzeichen ausserirdischer Zivilisationen kennt zwei Denkschulen: SETI («Search for Extraterrestrial Intelligence», zu Deutsch «Suche nach ausserirdischer Intelligenz») und METI («Messaging Extraterrestrial Intelligence», zu Deutsch «Ausserirdische Intelligenz benachrichtigen»). Obwohl SETI und METI dasselbe Ziel verfolgen (empirische Evidenz über ausserirdische Intelligenz suchen), unterscheiden sich die zwei Ansätze ganz fundamental voneinander – nicht zuletzt bei den Risiken, die sie mit sich bringen. 

Passiv nach Aliens Ausschau halten: SETI

SETI bedeutet, dass der Himmel nach allfälligen Signalen ausserirdischer Intelligenz durchgekämmt wird. Dies passiert meistens mit leistungsstarken Antennen, die in der Lage sind, ganz unterschiedliche Frequenzen elektromagnetischer Strahlung zu empfangen. Die Grundidee von SETI ist dabei, dass technologisch entwickelte Zivilisationen sich durch bestimmte erkennbar unnatürliche Signale zu erkennen geben könnten; egal, ob sie dies bewusst als Nachricht an uns machen, oder zufällig, etwa als Nebeneffekt ihrer eigenen Kommunikation.

SETI erschöpft sich nicht im Ablauschen des Himmels mit Antennen. Ein neuerer SETI-Ansatz zum Beispiel ist die Analyse von Atmosphären weit entfernter Planeten und Monde: Wenn andere Zivilisationen ähnliche Industrialisierungs-Schritte wie wir Menschen durchgemacht haben, könnte sich dies in der chemischen Zusammensetzung ihrer Atmosphären niederschlagen. 

Ein grosser Star auf Instagram: Der funkelnde und glitzernde Sternenhimmel #Astrophotography

Die Wahrscheinlichkeit, dass SETI erfolgreich Indizien für ausserirdische Intelligenz zutage fördert, ist eher gering. SETI ist schliesslich ein sehr langsames Abtasten im Dunkeln. SETI ist dafür aber auch grundsätzlich harmlos: SETI benötigt zwar Zeit und Geld, aber durch SETI entstehen keine unmittelbaren Risiken. SETI ist nicht ein Experiment, das nach hinten losgehen könnte. 

Aliens aktiv kontaktieren: METI

Der Umstand, dass SETI ein passiver Ansatz ist, hat zur Folge, dass er langsam sowie auch wenig aussichtsreich ist. Eine Gruppe von Forscherinnen und Forschern geht darum einen Schritt weiter: Anstatt zu warten, bis wir ein Signal oder Anzeichen einer Zivilisation erhalten, senden sie aktiv Signale zu anderen Sternensystemen, in der Hoffnung, dass allfällige Zivilisationen die Signale empfangen und darauf reagieren. Dies ist das Prinzip von METI. 

Der METI-Ansatz ist nicht grundsätzlich neu. Erste METI-Aktivitäten gab es bereits in den 1970er Jahren, etwa in Form der Arecibo-Nachricht von 1974 oder der goldenen Schallplatten auf den Voyager-Sonden von 1977. Im grossen Stil hat METI allerdings im Jahr 2017 begonnen: Die Organisation METI International, welche sich ganz dem Projekt METI widmet, hat im November 2017 eine erste METI-Nachricht zu einem fernen Sternensystem losgeschickt. 

Arecibo-Message 1974

Die Arecibo-Nachricht von 1974 (das Original enthielt keine Farben).  Bild: Wikimedia/Arne Nordmann (norro)

Auf den ersten Blick gleichen sich SETI und METI. Bei beiden Vorhaben wird spekuliert, dass es ausserirdische Intelligenz gibt, sowie, dass wir Menschen mit unserem heutigen Technologiestand in der Lage sind, von ausserirdischer Intelligenz Kenntnis zu nehmen. Auch die Effektivität der zwei Methoden dürfte ähnlich tief sein. Mit SETI tasten wir im Dunkeln herum, obwohl es vielleicht gar nichts zu ertasten gibt; mit METI schiessen wir im Dunkeln auf Milliarden vermeintlicher Zielscheiben, obwohl es vielleicht nie einen Treffer geben wird. In einer Hinsicht unterscheidet sich METI aber grundsätzlich von SETI: Durch METI entsteht ein existenzielles Risiko. Existenzielle Risiken sind Risiken, die mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit dazu führen, dass die Menschheit ausgelöscht wird. 

METI stellt ein existenzielles Risiko dar, weil wir dadurch die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass wir andere Zivilisationen (oder auch ausserirdische künstliche Intelligenzen) auf uns aufmerksam machen. In einem spieltheoretischen Sinn ist das eine schlechte Taktik: Wenn wir unilateral aus unserem Versteck kommen und unsere Existenz bekannt geben, haben die Zivilisationen, die noch versteckt sind, einen grossen strategischen Vorteil.

Wenn wir Glück haben, sind die Zivilisationen, die von uns Kenntnis nehmen, entweder wohlwollend (so, wie wir Menschen es sind) oder apathisch (unsere Existenz ist ihnen egal). Wenn wir Pech haben, nimmt eine feindselige Zivilisation von uns Kenntnis. Feindselig bedeutet nicht, dass es sich um böse Aliens handelt, wie wir sie aus Filmen und Videospielen kennen. Eine feindselige ausserirdische Intelligenz ist schlicht eine, welche die eigenen Interessen kategorisch höher gewichtet als unsere Interessen – und unser primäres Interesse ist Selbsterhaltung. 

Die grosse Ironie beim METI-Spiel ist, dass die beste Strategie für METI-Empfänger immer Schweigen ist. Das bedeutet, dass wir auch dann keine Antwort erhalten, wenn die ausserirdische Intelligenz, die unsere Nachricht erhält, wohlwollend eingestellt wäre – zu antworten würde nämlich bedeuten, die eigene Existenz bekannt zu geben und damit existenzielle Risiken einzugehen. 

METI muss reguliert werden

Existenzielle Risiken werden zunehmend zur wichtigsten Herausforderung für die Menschheit. Je weiter wir uns technologisch entwickeln, desto zahlreicher und potenziell grösser werden menschengemachte existenzielle Risiken. Darum ist es unabdingbar, unser Risikomanagement zu verbessern, um existenzielle Risiken möglichst gering zu halten. Wenn wir als Zivilisation ein ernsthaftes Interesse an Selbsterhaltung haben, dann ist das sogar unser höchstes kollektives Ziel überhaupt. 

Nachts, wenn die Milchstrasse aufgeht

METI ist ein Paradebeispiel für die Korrelation zwischen technologischer Entwicklung und existenziellen Risiken. Dank unserer aktuellen technologischen Reife kann eine Handvoll Forscherinnen und Forscher unter Einsatz vernachlässigbar weniger Ressourcen ein existenzielles Risiko für die gesamte Menschheit kreieren.

Das Risiko ist in diesem Fall zum Glück sehr klein: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Menschheit in den kommenden 50 Jahren wegen METI ausgelöscht wird, dürfte klar unter 1% liegen (unter der Annahme, dass die METI-Aktivität qualitativ nicht drastisch effektiver wird, etwa infolge neuer Erkenntnisse in der Physik). Dennoch stellt sich die Frage, wie wir damit umgehen, dass METI-Verfechter mit ihren Aktivitäten ein Risiko für die ganze Menschheit schaffen. 

Wenn Menschen etwas machen und wenn das, was sie machen, direkt oder indirekt andere Menschen negativ beeinflussen kann, ist es üblich, dass wir die Aktivität, um die es geht, gesellschaftlich regulieren. Genau das sollte auch mit METI geschehen, und zwar am besten im Rahmen eines international koordinierten Programms zur Identifikation und Minimierung existenzieller Risiken.

Im Moment gibt es aber leider kaum Anzeichen, dass die Regierungen der Welt ein solches Vorhaben realisieren wollen (man bedenke beispielsweise nur, wie schwer wir uns international im Kampf gegen den Klimawandel tun, obwohl jedes Land ein Interesse daran haben sollte, den Klimawandel unter Kontrolle zu bringen). Bis METI also reguliert ist, dürften noch einige Jahre vergehen. In der Zwischenzeit müssen wir darum wohl oder übel hoffen, dass wir alleine sind. 

Radioteleskope

Aliens und wir: Die beste Strategie ist Schweigen. Bild: Shutterstock

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