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Im Bundesstaat New York ist künftig die Religionszugehörigkeit kein Grund mehr, die Impfpflicht zu verweigern. (Symbolbild)

Der Impfstoof der MMR-Impfung könnte schwere Verläufe von Covid-19 eindämmen, glauben US-Forscher. Bild: AP

Kann der Masernimpfstoff Covid-19 eindämmen?



Gegen die hochansteckenden Infektionskrankheiten Mumps, Masern und Röteln gibt es einen Kombinationsimpfstoff (MMR), der es ermöglicht, mit einer Impfung einen Schutz gegen alle drei Krankheiten aufzubauen. Eine amerikanische Studie postuliert nun, dass diese Impfung das Immunsystem auch gegen andere Erreger «trainieren» könnte – darunter auch SARS-CoV-2, das Coronavirus, das Covid-19 verursacht.

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Die Mumps-Masern-Röteln-Impfung verwendet einen abgeschwächten Lebendimpfstoff, das heisst, der Impfstoff enthält geringe Mengen vermehrungsfähiger Erreger, die aber so abgeschwächt wurden, dass sie die Krankheit selber nicht auslösen. In seltenen Fällen kann es zwar zu einer leichten «Impfkrankheit» kommen, beispielsweise den sogenannten Impfmasern, die nicht ansteckend sind.

Der abgeschwächte Lebendimpfstoff könnte, so nehmen die Forscher an, als Nebeneffekt Vorläuferzellen von Leukozyten im Knochenmark erzeugen. Diese «trainierten» unspezifischen Immunzellen seien «breiter aufgestellt», wenn sie auf Infektionserreger treffen. Im Fall von Covid-19 könnte die MMR-Impfung überschiessende Immunreaktionen des Körpers eindämmen, die oft tödlich enden. Das Team um den Mikrobiologen Paul Fidel, das seine Studie in der Fachzeitschrift «mBio» veröffentlichte, gewann diese Erkenntnis durch Laboruntersuchungen. Die Forscher schlagen nun vor, klinische Studien durchzuführen, in denen untersucht wird, ob der Impfstoff tatsächlich vor schweren Verläufen von Covid-19 schützen kann.

Als Hinweis auf diese möglicherweise schützenden Nebeneffekte der MMR-Impfung verweisen die Forscher auf den Fall des US-Flugzeugträgers «Theodore Roosevelt». Auf dem Schiff hatte sich das Coronavirus ausgebreitet, 995 Matrosen wurden positiv getestet. Von ihnen starb lediglich einer, ein weiterer musste hospitalisiert werden. Die Wissenschaftler glauben, dass dies eine Folge der routinemässig allen Rekruten der US-Marine verabreichten MMR-Impfung sein könnte. Ein weiterer Hinweis, so die Forscher, sei die Tatsache, dass die Sterblichkeit in Gebieten, in denen regelmässig MMR-Impfungen stattfänden, niedriger liege.

In this photo provided by the U.S. Marine Corps, the aircraft carrier USS Theodore Roosevelt (CVN 71) departs Apra Harbor at Naval Base Guam on Thursday, May 21, 2020, following an extended visit to Guam in the midst of the COVID-19 pandemic. The ship left Guam on Thursday and went out to sea for training after nearly two months sidelined at the pier with a coronavirus outbreak. (Staff Sgt. Jordan E. Gilbert/U.S. Marine Corps via AP)

Auf dem US-Flugzeugträger «Theodore Roosevelt» wurden Hunderte von Seeleuten infiziert. Bild: AP

Bei Versuchen mit einem abgeschwächten Pilzstamm hatten die Wissenschaftler einen ähnlichen Effekt beobachtet. Das Immunsystem war dabei gegen eine tödliche polymikrobielle Blutvergiftung trainiert worden. Das Resultat: Der Schutzeffekt durch die unspezifischen Immunzellen – myeloide Suppressorzellen (MDSC) – schien sich zu verstärken. Diese Zellen hemmen septische Entzündungen und senken die Mortalität. Bei der Mortalität von Covid-19 spielen fortschreitende Lungenentzündungen und Sepsis eine wichtige Rolle.

Studienautor Fidel weist darauf hin, dass Erwachsene, die den MMR-Impfstoff als Kind erhalten haben, wahrscheinlich immer noch eine gewisse Menge an Antikörpern gegen Mumps, Masern und Röteln besitzen, aber wohl nicht an myeloiden Suppressorzellen. Diese seien zwar langlebig, würden aber nicht lebenslang bestehen. Eine Booster-MMR-Impfung (also eine zusätzliche Impfdosis nach einer früher erfolgten Impfung) würde Antikörper gegen Mumps, Masern und Röteln verstärken, so Fidel, und zugleich die Produktion von MDSC neu ankurbeln.

(dhr)

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