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Die Kroatin, die im Schatten eines zwielichtigen Gottesmannes unterging

Sie gründete Suppenküchen und liess Listen mit zu deportierenden Juden verschwinden: Terezija Skringer versuchte während des grauenvollen Krieges auf dem Balkan Menschenleben zu retten, während ihr Arbeitgeber, die katholische Kirche, sich mit den Faschisten verbrüderte.

08.07.18, 17:17 09.07.18, 12:16


Vieles an dieser Geschichte ist nicht «gesichert», wie man so schön sagt. Die Frau, um die es hier gehen wird, ist eine aus Erinnerungen geformte Gestalt – aus dem Gedächtnis ihrer Kinder und Albert T. Fischers, dem Autor ihres Lebens. Denn Terezija Skringer taucht kaum in amtlichen Dokumenten auf. Sie wurde nie Subjekt eines grösseren, kollektiven Gedächtnisses. Ganz anders als ihr ehemaliger Arbeitgeber, der Erzbischof Alois Stepinac, der von der katholischen Kirche bereits selig – und vielleicht auch bald heilig gesprochen wird. Als Märtyrer will ihn der Vatikan erinnert wissen, den einstigen Militärvikar von Zagreb, den engen Vertrauten der faschistischen Ustascha-Führer. 

In seinem mächtigen Schatten ist Terezija vergessen gegangen – bis ihr der Oltner Autor ein Denkmal gesetzt hat. Mehr als 20 Jahre lang hat er dafür die Spuren der Mutter seines Onkels verfolgt. 

Albert T. Fischer – «Die Sünderin und der Heilige»

Erst wollte Fischer nicht mitmachen beim Wettbewerb um die mörderischste Beschreibung der Kriege auf dem Balkan. Auch weil er genau weiss, wie sehr die Völker dieser Länder noch immer an den Folgen leiden und einander misstrauen. Fischer versuchte in seinem Buch über Tereijza Skringer möglichst allen Seiten gerecht zu werden – und er wurde es. Seine Zeilen sind die eines redlich bemühten Menschen, der sich mit Respekt und Feingefühl an die heikle Geschichte seiner Familie herantastet, um sie vor dem Vergessen zu bewahren.

Albert. T. Fischer – Die Sünderin und der Heilige, 2017 im Münsterverlag erschienen und hier erhältlich.


Am 23. Mai 1915 kehrt Italien seinen traditionellen Bündnispartnern den Rücken und tritt an der Seite der Entente in den Ersten Weltkrieg ein. Die Donaumonarchie hatte sich auf dem Balkan breit gemacht, Italien wollte als Kompensation dafür das Südtirol. Aber der starrsinnige Kaiser Franz Joseph mochte sich auf einen solch «abscheulichen Räuberhandel» nicht einlassen. Lieber würde er alles verlieren und in Ehren zugrunde gehen. Das tut der alte Kaiser dann auch, er wird den Untergang seines Reiches nicht mit ansehen müssen. 

Das Begräbnis von Kaiser Franz Joseph I. am 30. November 1916. bild: bildarchivaustria

Ein paar Tage vor Italiens Kriegseintritt muss Francesco seine Osteria della Birra am Bahnhof von Genua schliessen, wo er bis anhin Bier aus der Schweiz, Deutschland und dem Habsburgerreich ausschenkte. Hier tummelten sich Heimwehdeutsche und Österreicher, die nun zum Feind erklärt worden waren. 48 Stunden bekommt er Zeit, um sein Lokal zu verlassen. 

Francesco stammte aus dem Entlebuch, dieser ärmsten aller Talmulden der Innerschweiz, wo man ihn einfach Franz nannte. Ein bisschen etwas hatte er gespart, einfach weil er überhaupt nie etwas anderes tat als tagein tagaus zu arbeiten.

Mit 14 war er Liftboy im Hotel Gotthard am Bahnhof Luzern, mit 24 kellnerte er sich durch die damals noch schicken Speisewagen der Dampfzüge. Und jetzt, mit 33, sass er als unfreiwilliger Passagier in einem solchen – neben ihm seine Serviertochter, die junge Studentin Terezija. Auch sie wurde ausgewiesen, als Bürgerin des österreichisch-ungarischen Agram wollte man sie nicht mehr in Italien haben. 

Genua um 1900. bild: ceraunavoltagenova

20 Jahre alt war sie erst und voller Sehnsucht nach einem aufregenden Leben. Sie war von ihrem behüteten Zuhause weggelaufen, um der Heirat mit einem banalen Arzt zu entkommen, die ihre Eltern für sie arrangiert hatten. Terezija wollte sich nicht für irgendeinen Mann aufsparen. Sie nahm sich, was sie wollte. Und gerade wollte sie Francesco. Er schien ihr kein Spiesser zu sein, er roch nach Abenteuer. Und er war verliebt in die junge Frau, die bereits sein Kind unter dem Herzen trug. 

So fuhren die beiden ihrer gemeinsamen Zukunft entgegen, die  Terezija, einmal zur täglichen Gegenwart geworden, bald nicht mehr ertragen konnte.  

Im Hotel Münsterhof in Zürich bekamen sie zwei getrennte, unbeheizte Zimmer. Francesco begann wieder als einfacher Kellner zu arbeiten. Resa, wie sie von allen hier genannt wurde, brachte Pit zur Welt und stand nach ein paar Tagen wieder hinter dem Buffet. Sie arbeiteten und stritten viel, zwei hitzige Temperamente durch eine wilde Leidenschaft aneinander gebunden. Bald gebar Resa ihren zweiten Sohn Pepe, doch das Paar heiratete noch immer nicht. Francescos Schwestern redeten deshalb gern abfällig über Resa.

Als der Krieg 1918 zu Ende ging, hatte Francesco bereits das Hotel Grütli in Lugano übernommen. Es stand direkt am unteren Ende der Seilbahn, die zum Bahnhof führt, und sicher würden es bald mehr Touristen beehren, jetzt, wo wieder Frieden herrscht. 

Die Ausrufung des SHS-Staates unter der Herrschaft der serbischen Dynastie Karađorđević. bild: muzej-jugoslavije

Auf Resas Heimatboden entstand indes das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen. Das Habsburgerreich gab es nicht mehr, ihre Geburtsstadt Agram wird zu Zagreb – und sie zur Bürgerin des SHS-Königreichs, von dessen Namen die Österreicher verächtlich meinten, er würde von «Sie Hassen Sich» kommen. (In Wahrheit war es die serbokroatische Abkürzung für Srba, Hrvata, Slovenaca.) Was hätten sie auch anderes sagen sollen, sie, die von einer gewaltigen Monarchie mit rund 53 Millionen Menschen zu einer unbedeutenden Zwergenrepublik zusammengeschrumpft waren.

Davon abgesehen hatten die Österreicher recht: Belgrad, das Zentrum dieses neuen Staates, sah seinen Jahrhunderte alten Traum eines Grossserbiens erfüllt. Kroatien wollte von Anfang an kein Teil davon sein, doch darauf gab Serbien wenig, genauso wenig wie auf die Wünsche der Slowenen, Albaner, Makedonier, Monte-Negriner, Bosnier oder Herzegowiner. Das Schmachten in einem neuen Völkerkerker begann. 

Als Resa endlich einen Brief aus Zagreb erhielt, eröffnete dieser ihr die traurige Nachricht, dass ihre Mutter im Sterben lag. Sie wollte sofort hinfahren, doch Francesco liess sie nicht gehen. Sie zu begleiten und dafür das Hotel zu schliessen, hielt er für völlig verrückt. Überhaupt verstand er nicht, warum sie nun plötzlich nach Hause reisen wollte, wo sie dieses doch verlassen hatte. 

Eine Postkarte von Zagreb, um 1910. 

Doch Resa lässt sich nicht davon abbringen. Pit und Pepe lässt sie bei Franceso, dann macht sie sich auf nach Zürich, fährt über Buchs und Graz nach Zagreb.

Die Geliebten des Kaisers

Die Spanische Grippe hatte ihre Mutter völlig entkräftet, mit fahlem Gesicht lag sie im Bett. Unter Tränen bat sie ihre Tochter um Verzeihung für die Heirat, in die sie sie zu zwingen versucht hatte. Der Vater, der den Kindern von Offizieren der kaiserlichen Garde einst Kroatisch beigebracht hatte, war ein Greis geworden. Er schien gemeinsam mit der Donaumonarchie zusammengefallen zu sein – und der Anschluss ans orthodoxe Serbien gab ihm den Rest.

Schon immer hatten sich die Kroaten nach Budapest, Wien und Rom gerichtet und sich als Grenzvolk der westlichen Zivilisation verstanden. Dem Papst galten sie als Bollwerk der Christenheit. Die Serben hingegen waren orthodox, rund 500 Jahre unter der Knute der Osmanen schauten sie nach Konstantinopel, fühlten sich dem Morgenland zugehörig und sahen sich als Erben des byzantinischen Kulturkreises.

Der Traum eines freien Kroatiens war abermals geplatzt, und die Skringers trauerten nun dem Kaiserreich hinterher, war es doch das kleinere Übel gewesen. Und vielleicht weinte Resas Mutter auch ein wenig über den Tod Franz Josephs, der nach 68 Regierungsjahren müde geworden, noch vor dem Ende des Krieges gestorben war. Von ihm wollte sie nun ihrer Tochter erzählen. Vom Kaiser, der seine Gemahlin Sissi liebte, und sich dennoch immer wieder ein paar Liebschaften ausserhalb dieser Ehe gönnte. 

Am liebsten tat er dies bei seinen Jagdausflügen. Rund 55'000 Hirsche, Gämsen, Wildschweine und Auerhähne soll der Kaiser in seinem Leben erlegt haben – und die armen Tiere sind ihm allesamt vor die Flinte getrieben worden. Dafür zeugte er ein paar neue Lebewesen: 80 allein in Ischl, erzählten die Leute. 

Kaiser Franz Joseph bei der Jagd in Ischl, um 1900. bild: austria-forum

Im Jahre 1894 verschlug es ihn in die Steiermark, in sein Jagdschloss Mürzsteg, wo er sich die Nächte mit der jungfräulichen und wohl behüteten Tochter des Stallmeisters versüsste. Sie wurde schwanger, woraufhin der Kaiser der Familie ein paar frisch geprägte Dukaten zukommen liess. Er vermittelte dem Mädchen auch einen Mann, einen in Wien tätigen Sprachlehrer, damit sie nicht in Schande zu leben hatte. Der Kaiser sei gut zu ihr gewesen, sagte Resas Mutter.

Vielleicht hatte sie sich die Geschichte von Resas kaiserlicher Abkunft auch nur ausgedacht, Pit und Pepe jedenfalls glaubten ihr ganzes Leben lang daran, dass Franz Joseph ihr eigentlicher Grossvater gewesen war.

Resa blieb in Zagreb, machte eine Sprachausbildung an der Universität und pflegte ihren Vater, bis er seiner Frau hinterherstarb. Sie wollte nicht zurück in die Schweiz, nicht zurück zu Franceso und diesem engen Leben, das nichts Erfüllendes für sie bereithielt. Niemand in der Stadt wusste, dass sie zwei Buben in der fernen Schweiz hatte. Hätte man davon gewusst, so wäre sie wohl auch hier mit hässlichen Worten bedacht worden. Keine gute Katholikin verlässt einfach ihre Kinder, was für ein Verbrechen, sowas machten doch nur dreckige Huren, sagten Francesos Schwestern. 

Francesco heiratete die Deutsche Elisabeth Sacher, eine stolze Frau, die kein Interesse daran hatte, die Buben der «kroatischen Schlampe» zu adoptieren. 1921 gebar sie selbst einen Sohn – und so nahmen Francescos Schwestern Pit und Pepe für einige Jahre bei sich auf. Resa schrieb Briefe und erkundigte sich nach ihren Kindern, doch Elisabeth verbot Francesco, ihr zu antworten. 

Faschismus und christliche Nächstenliebe

1929 ruft König Aleksandar die Diktatur aus und tauft sein Königreich Jugoslawien. Der kroatische Abgeordnete Ante Pavelic flüchtet daraufhin ins Exil zu Mussolini, wo er den revolutionären kroatischen Geheimbund Ustascha gründet. Mit dem Schlachtruf «Tod allen Serben» plant er die Befreiung Kroatiens. 

Ante Pavelic, der Gründer der faschistischen Ustascha-Bewegung und Diktator des Unabhängigen Staates Kroatien (NDH). bild: i.4pcdn.org

Systematisch werden seine Landsleute unterdrückt. Bald gehen alle wichtigen Ämter in Kroatien an Serben. Resa hat Glück, sie behält ihre Stelle als Sprachlehrerin am Mädchengymnasium. Das Personal einer Bildungseinrichtung für Mädchen schien die Machthaber offenbar wenig zu interessieren.

Allmählich fand sie sich im Umfeld der frühen Ustascha wieder, denn auch sie sehnte sich nach einem unabhängigen Kroatien. Sie war überzeugt davon, dass ein friedliches Zusammenleben nur in einer völkisch reinen Nation möglich sei, hierin teilte sie die typisch rassische Ansicht ihrer Zeit. Und als Kroatin war sie gläubige Katholikin und hielt einen Menschen erst für vollwertig, wenn er der Kirche angehörte. 

Hier lernte Resa dann auch Alois Stepinac kennen, diesen intelligenten, stolzen Mann, der einst mit einem Mädchen verlobt gewesen war, doch dann von ihm verlassen wurde. Die Zurückweisung überwand er nie gänzlich. Er doktorierte in Philosophie und Theologie – und liess sich 1930 zum Priester weihen. Auch Resa hatte kein Interesse an ihm, ihre Situation mit den Kindern war schwierig genug. Sicher bewunderte sie ihn, aber von Liebe konnte keine Rede sein.

Alois Stepinac als Kardinal. bild: wikimedia

Er wurde Resas Beichtvater, allein ihm erzählte sie von ihren Kindern, die sie verlassen hatte. Er sah darin nichts Verwerfliches, schliesslich sei sie ja nach Zagreb gekommen, um das Werk Gottes zu verrichten. 

Resa wurde von Stepinac zur Fürsorgerin der Armen auserkoren, sie arbeitete bald als operative Leiterin der zu gründenden kroatischen Caritas. Stepinac handelte dabei im direkten Auftrag des Vatikans, die wohltätige Einrichtung sollte weltweit ein Beispiel für christliche Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft geben. Natürlich war das grosse Ziel dahinter, den ganzen Balkan für den richtigen Glauben zu gewinnen.

Mit dem Zusammenbruch der Donaumonarchie büsste auch die katholische Kirche an Macht ein. Die galt es nun zurückzugewinnen, sich vor allem gegen die Orthodoxie zu behaupten. Und Stepinac war ein eifriger Krieger für den rechten Glauben, ein Befürworter der oftmals erzwungenen Bekehrung von Orthodoxen, Juden, Muslimen und Protestanten – auf kroatischem Boden sollten allein Katholiken wandeln. Dies liess sich eigentlich nur in einem freien, unabhängigen Kroatien verwirklichen: Der Kampf der Ustascha war also auch der Kampf der Kirche, hunderte Priester wirkten in dieser zunehmend faschistischen Bewegung. 

Soldaten der Leibwachen-Brigade des Poglavnik, einer Eliteeinheit der Ustascha-Miliz. bild: wikimedia

Und während Stepinac als Belohnung für seine Strebsamkeit zum jüngsten Bischof geweiht wurde, rekrutierte Resa Helferinnen in allen Kirchengemeinden, sammelte Lebensmittel, trieb Spenden ein und gründete Suppenküchen. Sie kämpfte nur gegen einen Feind: den Hunger im Land. 

Vielleicht war für sie dieser Dienst an den Bedürftigen eine Art Wiedergutmachung für das Verlassen ihrer eigenen Kinder. Wie eine reuige Sünderin kehrte sie zurück in den Schoss der Kirche, diesen warmen und gnädigen Schoss, wo ihr vergeben würde, wenn sie nur genug Wiedergutmachung leistete. 

Resa war fest im Glauben. Die Kirche war für sie die unangefochtene Heilsbringerin, die Hüterin moralischer Werte. Sie sah nicht, dass diese religiöse Einrichtung genauso weltlich agierte wie alle anderen Institutionen, dass die priesterliche Lossprechung von Sünden nicht nur ein Gnadenakt, sondern vor allem ein einträgliches Geschäft war. Mit all den schlechten Gewissen ihrer Gläubigen, mit ihrer Angst vor drohenden Höllenqualen liessen sich im Laufe der Jahrhunderte prächtige Kirchen bauen. 

Sie sah auch die entsetzlichen Verbrechen der Ustascha nicht, in die sie selbst nie verwickelt gewesen war. Niemand sollte wegen seiner Herkunft verfolgt, gequält oder gar getötet werden, das war Resas feste Überzeugung. Den politischen und religiösen Führern der Ustascha musste eine so redliche Frau recht kommen: Ihre humanen Taten dienten als Deckmantel, unter dem sich all die Gräuel versteckt hielten.

Auschwitz des Balkans

1941 überfällt Hilter Jugoslawien und der König flieht ins Exil nach Grossbritannien. Pavelic übernimmt mit seiner Ustascha die Führung. Am 10. April proklamiert er den Unabhängigen Staat Kroatien, der so unabhängig gar nicht war: Ein Marionettenstaat der Nazis, in dessen Konzentrationslagern einzig die Gaskammern fehlten.

Hitler schüttelt Ante Pavelic die Hand. bild: pinterest

In Jasenovac wurden Serben, Bosnier, Herzegowiner, Juden, Roma und politische Oppostitionelle mit Beilen, Äxten und Hämmern abgeschlachtet. Manche wurden bei lebendigem Leib verbrannt, andere kochte man in siedendem Wasser. Weit über 100'000 Menschen fanden hier einen unvorstellbar grausamen Tod. 

Mord und Totschlag durchzogen das Land, auch Titos Partisanen und seine Volksbefreiungsarmee waren nicht zimperlich. 

Der «Srbosjek» (Serbenschneider), der von der Ustascha in Jasenovac benutzt wurde, um die Gefangenen zu töten. bild: wikimedia

Und mittendrin Erzbischof Stepinac, nunmehr auch Militärvikar von Zagreb, der mit den Ustascha-Führern zusammensass, Audienzen und Konferenzen mit ihnen abhielt und sich doch nicht verantwortlich fühlte für all die Gewalt, die von dieser Regierung ausging. 

Erzbischof Alois Stepinac (rechts aussen) mit anderen Prälaten und Führern der Ustascha an der Beerdigung von Marko Došen, 1944. bild: wikimedia

Seine Proteste erschöpften sich in schriftlichen Beschwerden an Pavelic. Und als 1941 die Ustascha 260 serbische Bewohner der Gemeinde Glina in ihre Kirche trieben, um danach wild in die Menge zu stechen und zu schiessen, schrieb dieser Gottesdiener dem Diktator, dass es nicht erlaubt sei, «auch nur einen Serben zu töten, solange man ihm keine Schuld nachweise, für die er den Tod verdient habe».

Wer nicht zum Katholizismus konvertieren wollte, wurde von der Ustascha umgebracht: Serbische Zivilisten in ihrer orthodoxen Kirche in Glina, die zwischen Mai und August 1941 immer wieder Schauplatz von Massakern wurde. bild: wikimedia

Bis heute ist Stepinacs Beteiligung an den Verbrechen der Ustascha umstritten. Was hat er getan oder vielmehr unterlassen, um seine göttliche Mission zu erfüllen? 

Für Resa jedenfalls war er ein Heiliger. Sie vernichtete doch in seinem Auftrag Listen mit zu deportierenden Juden. Dafür büssen musste allerdings nicht er, sondern Resa. Sie wurde verraten, von den Nazis gefangen genommen und nach Graz verschleppt, wo sie ein Schnellgericht zum Tod durch Erhängen verurteilte. Nur durch seine weitreichenden Beziehungen bekam Stepinac seine Freundin frei.

Terezija Skringer in ihrer Grazer Gefangenschaft. Es ist das einzige Bild, das von ihr noch existiert.  bild: wiener stadt- und landesarchiv

Resa war jetzt 51 Jahre alt, und der Krieg hatte an ihr genagt. Die Augen leergeräumt und an den Rändern dunkel geworden. Auch redete sie nur noch wenig. Tito, in ihren Augen ein gottloser Kommunist, regierte nun ihre Heimat. Der Mann liess die von ihr mitbegründete Caritas einfach auflösen, womit er ihre ganze Arbeit der letzten 25 zerstörte.

Und jetzt wurde auch noch Stepinac festgenommen und vor Gericht gezerrt. Man stiess ihr leuchtendes Ideal vom Sockel und sie konnte nicht einmal etwas dagegen tun – sie wurde als Zeugin nicht zugelassen. Man verurteilte Stepinac zu 16 Jahren Zwangsarbeit. Der Aufschrei unter den Katholiken war gross, dort verehrte man ihn schon jetzt als Märtyrer. 

1998 wurde der Mann von Johannes Paul II. selig gesprochen, 2016 hob ein kroatisches Gericht das alte Urteil gegen ihn wegen Formfehlern auf. Zu einer Neubeurteilung seiner Rolle während des Krieges kam es nicht. Der Vatikan, namentlich der Schweizer Kardinal Kurt Koch, bemüht sich derweil allerdings um Stepinacs Heiligsprechung. 

Alois Stepinac (links aussen) 1946 an seinem Prozess, in dem er zu 16 Jahren Zwangsarbeit verurteilt wurde. 

Nur von Resa spricht niemand. Von der Frau, deren gute Taten als Schutzschild für die Verbrechen der Ustascha herhalten mussten.

Südamerika, der Kontinent der Heimwehnazis

1950 erhält sie einen Brief ihres Sohnes Pit aus Brasilien. Er hat dort geheiratet und ist gerade Vater einer Tochter geworden. Und bevor sie sich, inzwischen eine ältere, alleinstehende Frau, völlig von Existenzängsten zerfressen lässt, fasst sie den Entschluss, ebenfalls nach Sao Paulo zu ziehen. 

Dass es nicht einfach werden würde, war Resa bewusst. Bäte sie beim Regime um eine Ausreise, würde man sie wohl wegen Verdachts auf illegale Auswanderung festnehmen. Glücklicherweise hatte sie noch immer ein gültiges Visum für die Schweiz. Also reiste sie erst nach Zürich und von dort aus nach Brasilien. 

Der jugoslawische Staatspräsident Tito in weisser Sommeruniform an einer Sportparade 1947. Als Marschall führte Tito im 2. Weltkrieg die kommunistischen Partisanen im Kampf gegen die deutschen und italienischen Besatzer Jugoslawiens, die faschistischen Ustascha und die königstreuen Tschetniks. Nach dem Krieg wurde er zunächst Ministerpräsident (1945–53) und schliesslich Staatspräsident (1953–80) seines Landes. Bild: AP NY

Dank ihrer kirchlichen Verbindungen bekam sie eine Stelle in der Diözese in Sao Paulo. Der zuständige Erzbischof meinte, sie könne an der Gründung der Caritas Brazil mitwirken. Resa war überglücklich. Allerdings lief Vieles noch chaotisch und sie tat sich schwer mit der portugiesischen Sprache. 

Stepinac wurde derweil von Papst PIus XII. zum Kardinal ernannt. Nach sechs Jahren Gefangenschaft entliess man ihn in seine Heimatgemeinde Krasic, wo er in seinem Elternhaus unter Hausarrest gestellt wurde. Als Resa von der Ernennung hörte, schrieb sie Stepinac überschwängliche Briefe, endlich, so fand sie, bekam der Geschundene und zu unrecht Beschuldigte die Anerkennung, die er verdiene. 

Wahrscheinlich wurde die jugoslawische Regierung durch diese Zeilen des Lobes überhaupt auf Resa aufmerksam. Ihr Visum sei nicht mehr gültig, hiess es aus Belgrad, sie sei dort wegen schwerwiegender Verstösse gegen das Gesetz angeklagt. Sie musste zurück in die Schweiz reisen und sich dort beim jugoslawischen Konsulat in Bern melden. Resa wurde zur Geisel des Systems – und als solche wurde sie gezwungen, einst jugoslawisches Vermögen, Fluchtgelder und Wertpapiere durch Erpressung ihrer Besitzer nach Kroatien rückzuführen.

Ein Pfeife rauchender Tito, 1950. Hier hatte er schon mit Stalin gebrochen und nahm für Jugoslawien in Anspruch, einen eigenen Weg zum Sozialismus zu gehen. bild: wikimedia

Das war der Preis dafür, dass sie fortan unbehelligt in Brasilien leben durfte. Und Resa zahlte ihn beschämt. 

Zurück in Sao Paulo wurde sie von ihrem Sohn Pit in die österreichische Firma eingeladen, wo er als Werkleiter arbeitete. Er führte sie überall herum, bis Resas Gesicht plötzlich ganz weiss wurde. Sie konnte kaum mehr atmen. Sie hatte ihren Peiniger aus Graz in der Halle gesehen. Den Nazi, der sie zu den Verhören schleppte und sie an den Haaren wieder aufrichtete, wenn sie auf dem Weg dahin zusammenklappte. Den Mann, der sie schlug, wenn sie auf die Fragen zu leise antwortete und der ihr drohte, sie in ihrer Zelle umzubringen. Einer von zahllosen Handlangern, ein kleiner Fisch nur, aber einer, der mit Grausamkeiten nicht geizte.

Resa sann nicht auf Rache, sie wollte nur ihren Sohn nicht in diesem Rattennest wissen, denn, «wo du eine Ratte siehst, leben hunderte», sagte sie. Und tatsächlich strömten sie nach dem Krieg in grosser Zahl entlang der Rattenlinien nach Südamerika, sie kamen aus Deutschland, Österreich, Italien und dem Balkan, hiessen Mengele, Eichmann oder Pavelic – und einige von ihnen waren ausgestattet worden mit Pässen aus dem Vatikan. 

Dinko Sakic, ein Kommandant des faschistischen Konzentrationslagers Jasenovac, mit seiner Frau in Argentinien. Er flüchtete gemeinsam mit dem Ustascha-Führer Pavelic. Ihm wurde 1999 der Prozess wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit gemacht, er bekam 20 Jahre Gefängnis und starb in Haft. Beerdigt wurde er in Zagreb – in seiner Ustascha-Uniform.

Pit schrieb einen Brief an die Leitung seiner Firma in Linz, seine Mutter erwähnte er darin nicht. Man mahnte ihn zur Gelassenheit. Wahrscheinlich hatte man ihn als ahnungslosen Schweizer sogar extra für die Stelle als Werkleiter auserkoren. Doch jetzt begann er Fragen zu stellen. Es ging nicht lange, und er bekam den Hass seiner Mitarbeiter zu spüren. Pit fürchtete um die Sicherheit seiner Familie. Also versuchte er Verständnis für die Heimwehnazis zu heucheln, er freundete sich mit ihnen an, und sie luden ihn zum Dank an ihre Feste ein. Dort hörte er sich an, wie sie sich brüsteten mit ihren vergangenen Heldentaten – vielleicht würde er ja Näheres über die Vorgänge in Graz erfahren. 

Resa half derweil den bedürftigen Menschen, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Sie wusste, dass einige von ihnen nicht grundlos nach Brasilien gekommen waren. Es war auch nicht allen möglich gewesen, völlig makellos aus diesem schlimmen Krieg herauszukommen. Sie verurteilte niemanden, sie hörte sich auch ihre Geschichten vom angeblichen Widerstand an. Vielleicht wusste sie manchmal selbst nicht mehr, ob sie je auf der richtigen Seite gestanden hatte.

Pavelic posiert mit Mönchen des Franziskanerordens, 1940er. bild: blessedquietness

Denn auch ihr Beichtvater in Brasilien erzählte ihr von einer korrupten Kirche, einer, die sich der Unterdrückung und der Verfolgung unzähliger Menschen schuldig gemacht hatte. Deren Geschäft nur vordergründig das der Liebe und Barmherzigkeit ist, in Wahrheit seit Jahrhunderten nur nach immer mehr Macht giert.

Doch Resa hielt sich an das, was sie täglich sah: Wie die Diener der Kirche Suppenküchen, Spitäler und Schulen gründeten – all das aufopfernde Geben – ohne das gierige Nehmen.

Selbstzweifel einer alten Frau

Das Jahr 1958 brachte viel Schmerz in Resas Leben. Franceso starb und nur kurze Zeit darauf verlor sie auch ihren erstgeborenen Sohn Pit. Er wurde in Buenos Aires erschossen. Niemand ging der Sache wirklich nach. Vielleicht war er den Heimwehnazis unbequem geworden, er hatte auch in Argentinien für einen Ableger der österreichischen Firma gearbeitet. 

Dann stirbt auch Stepinac, und Resa kann für sein Begräbnis nicht nach Hause fliegen. Sie hatte kein Geld. Sie lebte jetzt mit Pits Witwe und ihren Enkelkindern im Gemeinschaftshaus der Diözese, wo sie in der Nacht die traurigen Augen ihrer verlassenen Buben plagten. 

Sie fühlt sich schuldig an Pits Tod. Alles, wofür sie ihre Kinder verlassen hat, liegt in Trümmern. 1965 wird auch Brasilien zur Diktatur und Resa, jetzt 70-jährig, ist allmählich müde geworden. Von Selbstzweifeln zerfressen fragt sie sich, ob sie vielleicht genauer hätte hinsehen müssen. Doch am Ende hat sie doch ihr Möglichstes getan.

Resa stirbt in einem Altersheim im Sottoceneri, wo sie ihr Sohn Pepe untergebracht hat. Immerhin muss sie all das Grauen nicht mehr miterleben, das die jugoslawischen Völker einander schon bald in neuen Kriegen antun. 

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

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34
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34Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Spooky 09.07.2018 23:56
    Highlight Super Bericht! Sowieso!

    (Ich weiss zwar nicht genau,
    ob das Durcheinander im Text begründet ist,
    oder in der Realität der damaligen Zeit.)

    Haha ;-))))
    3 0 Melden
  • ivii 09.07.2018 11:30
    Highlight Liebe Redaktion

    Danke für die sehr gut erzählte Geschichte. Ich hätte mir die Veröffentlichung jedoch lieber nach der WM gewünscht. Es wirkt auf mich, als wolle man die Erfolge des jetzigen Kroatiens in den Schatten stellen mit der negativen Vergangenheit.
    Nochmals, es ist eine gute Geschichte und ja, wahrheitsgetreu, jedoch ist der Zeitpunkt nicht richtig gewählt meines Erachtens nach.
    5 27 Melden
    • Anna Rothenfluh 09.07.2018 12:34
      Highlight Liebe ivii, ich kann den Vorwurf verstehen, nur war das überhaupt nicht die Absicht des Artikels und der Zeitpunkt des Erscheinens vielmehr ein Zufall. Welche Nation hat keine dunklen Kapitel in ihrer Geschichte? Sie möge den ersten Stein werfen. Zudem geht es in der Geschichte doch um Resa, einer Kroatin, die während eines furchtbaren Krieges versucht hat, Gutes zu tun.
      30 4 Melden
  • Margherita Turdo 09.07.2018 00:14
    Highlight wow sprachlos und fasziniert wow was für e bewegendi gschicht 😢
    13 5 Melden
  • Babalu 08.07.2018 22:56
    Highlight Im Zentrum von Zagreb wird jedes Jahr eine Messe zum Gedenken an Ante Pavelic an seinem Todestag abgehalten. Demos dagegen gibt es kaum bis gar nicht.
    Die häutige kroatische Währung, kuna, wurde von 1941-45 im faschistischen Kroatien eingeführt.
    Die Nostalgie nach dem (suveränem) faschistischen Kroatien von 1941-45 war das Leitmotiv für die „Unabhängigkeitsbewegung „ unter Tudjman.
    Heute bekleiden nach wie vor einige bekennende Faschisten hohe politische Ämter in Kroatien.
    Gesellschaftlich wird dieses Gedankengut verharmlost.
    53 7 Melden
  • Hochen 08.07.2018 22:22
    Highlight Wow Danke für die Geschichte!
    13 4 Melden
  • felice 08.07.2018 21:15
    Highlight Frau Rothenfluh, ich bin Fan von Ihnen, weil sie sehr gute Geschichten sehr gut erzählen. Merci
    36 4 Melden
    • Anna Rothenfluh 10.07.2018 08:28
      Highlight <3 Danke!
      6 0 Melden
  • Maracuja 08.07.2018 20:54
    Highlight Eine sehr spannend erzählte, aber auch bedrückende Geschichte aus einer düsteren Zeit. Leider macht es momentan den Eindruck, dass viele aus dieser verfluchten Epoche nichts gelernt haben.
    60 6 Melden
  • Gummibär 08.07.2018 20:40
    Highlight Danke für diesen hervorragenden Beitrag. So viele verborgene und vergessene bewegende Lebensgeschichten finden niemanden der sich wie T.Fischer die Mühe nimmt nachzuforschen und mit Akribie aufzuschreiben.
    22 2 Melden
  • häxxebäse 08.07.2018 19:50
    Highlight Hier wird endlich klar erwähnt, dass der staat jugoslawien von sehr kurzer dauer war... man hätte so viel leid vermeiden können, wären wir nicht alle in dieses tito-konstrukt gepfercht worden.
    12 34 Melden
    • niklausb 09.07.2018 01:02
      Highlight Nicht gelesen das dieses konstrukt schon vor Tito gemacht wurde? Es steht sogar in dieser geschichte hier. Tito hat dieses konstrukt nur mit eiserner hand zusammen gehalten.
      19 3 Melden
    • häxxebäse 09.07.2018 07:46
      Highlight Eher wohl Du nicht.. 1929 - 1991 ist also lang? Gruss von einer schweizer kroatin...
      2 17 Melden
    • niklausb 09.07.2018 10:00
      Highlight Tito kam erst nach dem 2. Weltkrieg an s Ruder davor wurde von ein Königreich der Serben Kroaten und Slovenen ausgeruffen in dem aber auch dieverse andere inzwischen unabhängige Völker eingegliedert waren. Siehe oben im text was nach dem 1. Weltkrieg geschah.
      7 1 Melden
    • Babalu 09.07.2018 10:21
      Highlight Ohne das sozialistische Jugoslawien wäre Istrien heute Italienisch.
      Ohne das Königreich Jugoslawien wäre die ganze Ostküste Adrias Italienisch (gem. Londoner Vertrag 1915).
      Vermutlich wäre Dubrovnik auch nicht in Kroatien (da es bis zum 2. WK nicht zu Kroatien gehörte).
      Sind sie sicher, dass das für die Kroaten so schlecht war?
      Hätten sie das faschistische Regime auch nach 1945 bevorzugt?
      15 3 Melden
    • häxxebäse 09.07.2018 15:30
      Highlight Kannst gerne meine eltern fragen, die fliehen mussten vor dem komm. regime
      4 15 Melden
    • Babalu 09.07.2018 18:02
      Highlight Das hab ich mir eben gedacht. Wiedermal jemand der Überliefertes von den Eltern nachplappert, aber so was von überzeugt.
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    • häxxebäse 09.07.2018 19:50
      Highlight Jetzt hast Du es mir aber so richtig gezeigt... ja dann belehr ich mal meine familie... die von nichts eine ahnung haben - gut, dass es Dich gibt...
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    • Babalu 09.07.2018 23:13
      Highlight Machen sie das. Ich glaube allerdings, dass es gut wäre, wenn sie das zuerst selbst verinnerlichen. Ich finde es schwierig, das Argument: "meine Eltern haben das so gesagt, also ist es so" in einer Diskussion weiter zu verwerten. Sie wurden hier nicht nur von mir wegen der undifferenzierten Anfangsaussage mit Gegenargumenten konfrontiert. Sie möchten oder können aber offenbar auf diese nicht eingehen.
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    • häxxebäse 10.07.2018 07:07
      Highlight Die geschicjze meiner eltern, das sind nur die tatsachenberichte, alles andere kann man ja nachlesen. Meine eltern sind 1971 geflüchtet...die eltern meines partners 1961... beides wichtige geschichtliche daten und was eine handvoll leute anders sieht, ist ziemlich - egal, denn die haben offensichtlich nichts davon gelesen. Ein artikel im watson ist sehr interessant - reicht aber nicht!
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  • Adam Gretener 08.07.2018 19:30
    Highlight Also einfach um mal das vorneweg klarzustellen, bin seit 20 Jahren mit einer Serbin zusammen, die auf Hvar aufgewachsen ist, unsere Taufpaten und Trauzeugen sind weit verstreut, von Bosnien über Serbien bis nach Kroatien und in der Schweiz. Aber die Kroaten müssen endlich mal ihre Nazi-Vergangenheit aufarbeiten. Ich war selbst mittendrin, als der Balkan-Krieg vom Zaun gebrochen wurde. Und das war in der Krajna, als die ersten Nicht-Katholiken vertrieben wurden mit Flaschen und Steinen. Endlich mal in der Neuzeit ankommen, das wünsche ich mir von den Kroaten.
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    • RacKu 08.07.2018 21:05
      Highlight Orthodoxe Kroatin oder Serbin in Kroatien?
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    • VallisAurea 08.07.2018 22:21
      Highlight Erstens sollten Sie, geehrter Herr Gretener, Ihrer Frau mal sagen dass es eine „Krajina“ nie gab, gibt oder geben wird. Zweitens, wenn Sie ein bisschen nachforschen würden, dann wären Sie überrascht herauszufinden, dass die Serben selbst eine Nazi–Vergangenheit haben und zwar so, dass sie voller Stolz dem „Führer“ verkündet haben, Belgrad ist die erste Judenfreie Stadt Europas!!! Drittens, die Anti–Nazi und Anti–Faschismus Bewegung im WW2 wurde von einem Kroaten (Tito) angeführt und sin Stab und seine Soldaten bestanden zu über 60% aus Kroaten.
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    • Adam Gretener 08.07.2018 22:23
      Highlight Weder noch, sie ist als Jugoslawin aufgewachsen. Jugoslawien war damals Block-Frei und es ging dem Volk sehr gut. Man konnte unter dem Baum einschlafen mit dem Portemonnaie auf dem Bauch voller Geld, man wurde zugedeckt und nicht ausgeraubt. Seit auf allen Seiten die Nationalisten. Seither ist alles anders.
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    • häxxebäse 09.07.2018 09:47
      Highlight Es gibt kein jugoslawien... oder bist Du auch habsburger?
      Und in der schweiz musste man die türen auch nicht abschliessen, btw... doofe romantik.
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    • Fulehung1950 09.07.2018 15:10
      Highlight Ich glaube nicht, dass sich Serben und Kroaten etwas schuldig geblieben sind. Ich denke, dass im Vielvölkerstaat Jugoslawien eher die Serben das Diktat hatten und ihren Traum von Grossserbien verwirklicht sahen. Ob das für andere Ethnien, wie z.B. die Kroaten immer lustig war, bezweifle ich sehr.

      Frei von Fadchismus waren auch die Serben nicht.
      Faschistenführer Dimitrije Ljotić und ein Großteil der ZBOR-Anhänger waren die aktivsten Kollaborateure der deutschen Besatzer während des Zweiten Weltkriegs auf serbischem Staatsgebiet.

      Wie gesagt, Serben und Kroaten blieben sich nichts schuldig
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    • häxxebäse 09.07.2018 15:28
      Highlight Damals floss das ganze geld aus kroatien/slowenien direkt nach belgrad..
      Es heisst in der schweiz oft: aber es war doch damals alles so gut.. nein, war es ganz und gar nicht, doch darüber wurde wegen der UDBA nicht geredet... man hatte angst vor repression, ähnlich wie i der DDR...
      man kann gerne mal googeln: kroatischer frühling...
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    • Adam Gretener 09.07.2018 15:37
      Highlight Lieber Fulehung1950, das ist natürlich wahr, ich möchte da auch nichts beschönigen. Aber die Geschichte ist nicht so einfach, wie sie oft dargestellt wird. Der Balkan hat eine sehr bewegte Geschichte, von den Osmanen über Österreich-Ungarn bis zum Faschismus. Davon wurde Belgrad z.B. mehrmals bis auf die Grundmauern niedergebrannt und geplündert. Viele verletzte Seelen. Ich hoffe nur, dass irgendeine Generation diesen Rucksack endlich mal ablegt und wieder von Vorne anfängt. Gemeinsam mit den Nachbarn, nicht gegeneinander.
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    • Fulehung1950 09.07.2018 17:10
      Highlight Adam Gretener: einfach war die Geschichte des Balkans nicht, das ist richtig. Tito hielt zwar den jugoslawischen Vielvölkerstaat zusammen, aber wohl eher mit diktatorischen Mitteln.

      Das wird wohl auch dazu geführt haben, dass Aufarbeitung gar nicht zulässig war und vielleicht teilweise zu Identitätskrisen führte. Denn „den/die Jugoslawen/Jugoslawin“ gab es eben nicht.

      Ich glaube, dass man ein ähnliches Phänomen auch bei den Staaten des ehemalaigen russ. Zarenreiches bzw. der UdSSR beobachten kann. Georgier, Ukrainer etc. sind eben auch keine Russen.
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    • Babalu 09.07.2018 23:24
      Highlight Fulehung1950: Ich bin mit ihnen nicht einverstanden. Erstens werden Begriffe Religion und Ethnie in Ex-Jugoslawien vermischt. Was ist eine Person, welche orthodoxen Glaubens ist und dessen Familie seit 8 Generationen in Kroatien gelebt hat? Denken sie mal über Analogien in anderen Teilen der Welt nach. Was ist ein Atheist dessen Vater Moslem war und Mutter Katholikin? In Jugoslawien gab es bei der städtischen Bevölkerung einen hohen Grad an interreligiösen Ehen (vor dem Krieg bis 70% zBsp. in Tuzla, Bosnien). Wo gehört diese Bevölkerung hin? Viele von denen waren und wären heute Jugoslawen.
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    • Fulehung1950 10.07.2018 09:05
      Highlight Babalu: Sie irren sich. Die Kroaten haben ihre ursprüngliche Wurzeln im Iran, während die Serben slawischer Abstammung sind, und daher wird ihre „Urheimat“ im Gebiet in einem Raum nördlich der Karpaten zwischen oberer Weichsel, mittlerem Dnepr und Desna vermutet.

      Daher kommt es auch, dass die Serben der christlich orthodoxen, die eher gegen Rom ausgerichteten Kroaten der römisch-katholischen Glaubensrichtung angehören.

      Interreligiöse Ehen sind kein Beleg dafür, dass deren Anhänger der gleichen Ethnie angehören.
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    • Ozi 11.07.2018 17:33
      Highlight So ein Schrott. Sorry

      Laut einer Theorie kamen die Kroaten aus dem Gebiet des alten Persien.

      Alles was anfängt mit Vermutung, möglich, könnte, ist nichts
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  • lilie 08.07.2018 18:47
    Highlight Eine unglaubliche und bewegende Geschichte.

    Und sehr gut erzählt, so eingebettet in die doch sehr komplexe Geschichte der Zeit. 👍

    Danke dafür!
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    • freakykratos 08.07.2018 19:52
      Highlight Eine Frau die nur frei sein wollte und von einer Diktatur in die nächste stolperte.
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