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Das 300-Milliarden-Business: Wenn Implantate Menschen töten oder verletzen



In weiten Teilen der Welt werden immer mehr Menschen durch Implantate verletzt oder getötet. Dies förderte eine internationale Recherche ans Tageslicht.

Implantate

Die Dunkelziffer bei Implantat-Problemen ist hoch. Bild: shutterstock.com

Allein in Deutschland seien im vergangenen Jahr 14'034 Mal Verletzungen, Todesfälle und andere Probleme im Zusammenhang mit Medizinprodukten wie künstlichen Hüft- oder Kniegelenken, Brustimplantaten oder Insulinpumpen gemeldet worden, berichteten am Sonntag die Sender NDR und WDR sowie die «Süddeutsche Zeitung».

Die drei Medien haben gemeinsam mit dem internationalen Konsortium für Investigative Journalisten (ICIJ) zahlreiche Unterlagen zu dem Thema, die sogenannten Implant Files, ausgewertet. Mehr als 250 Journalisten von 59 Medien aus 36 Ländern arbeiteten dabei zusammen. In der Schweiz seien Recherchedesk und das Datenteam von Tamedia involviert.

Produktbezogene Ursachen

Das deutsche Gesundheitsministerium bestätigte laut NDR, dass das zuständige deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) einen Anstieg von Fällen registriert habe, bei denen eine «produktbezogene Ursache» vorgelegen habe. Das Ministerium betonte dem Bericht zufolge jedoch, dass nicht bei jedem dieser Vorkommnisse der Tod oder eine schwerwiegende Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Betroffenen eingetreten sei.

Implantate

2017 mussten in deutschen Kliniken 3170 Implantate wegen schmerzhafter Vernarbungen des Gewebes herausoperiert werden. Bild: shutterstock.com

Die Dunkelziffer dürfte laut den Recherchen von NDR, WDR und SZ noch «erheblich höher» sein, da Hersteller, Ärzte und Spitäler den Behörden nur wenige Fälle meldeten, obwohl sie dazu verpflichtet seien. Als Beispiel wurden Brustimplantate genannt: So seien 2017 in deutschen Kliniken 3170 Implantate allein wegen schmerzhafter Vernarbungen des Gewebes rund um die Silikonkissen herausoperiert worden. Gemeldet worden seien aber nur 141 Fälle.

Weiter hiess es in dem Bericht, die Behörden überliessen es den Herstellern in der Regel selbst, fehlerhafte Produkte zurückzurufen oder Sicherheitswarnungen auszusprechen. Seit 2010 hätten die Hersteller dies pro Jahr rund 1000 Mal getan, die Behörden hätten im gleichen Zeitraum offenbar nur sechs Mal einen Rückruf angeordnet.

Kaum klinische Daten

Unter Berufung auf interne Unterlagen des Gesundheitsministeriums berichteten NDR, WDR und SZ, dass in Deutschland regelmässig Produkte implantiert würden, die kaum getestet worden seien. Lediglich für eines von zehn Medizinprodukten der höchsten Risikostufe gebe es nach Einschätzung des Ministeriums klinische Daten.

Schäden durch Medizinprodukte würden allerdings selten publik, da die Hersteller Entschädigungszahlungen an Verschwiegenheitsverpflichtungen der Betroffenen knüpften, heisst es in dem Bericht. In den vergangenen zehn Jahren mussten Medizinprodukthersteller demnach ausserdem mehr als 1,6 Milliarden Dollar zahlen, um Korruptions- und Betrugsvorwürfe beizulegen, wie aus Daten der US-Börsenaufsicht SEC und des US-Justizministeriums hervorgehe.

Das Geschäft mit künstlichen Gelenken, Schrittmachern, Hörgeräten oder anderen Medizinprodukten sei laut Gesundheitsministerium mittlerweile auf einen Umfang von umgerechnet rund 300 Milliarden Franken weltweit gewachsen, heisst es in dem Bericht. Allein deutsche Unternehmen setzten etwa 30 Milliarden Euro mit diesen Produkten um.

Das deutsche BfArM wisse zwar, welche Produkte in den vergangenen Jahren zu den meisten Todesfällen und Verletzungen geführt hätten. Sowohl die Aufsichtsbehörde als auch das deutsche Gesundheitsministerium verweigerten aber Auskunft darüber, weil es sich um vertrauliche Informationen handele. (sda/afp)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Kritiker 2.0 26.11.2018 15:31
    Highlight Highlight Sorry, aber wenn bei einer Insulinpumpe etwas schiefgeht, muss ich als Diabetiker auch selber reagieren können. Das heisst, Insulin notfalls per Pen oder Spritze seber verabreichen. Inklusive Berechnung der richtigen Insulinmenge. Kein seriöser Diabetologe würde seinen Patienten sagen: „Die Pumpe macht alles, sonst müssen Sie sich um nichts kümmern.“ Ich habe mehrmals im Jahr Ausfälle meiner Pumpe; das ist normal. Seit über 20 Jahren Typ 1 Diabetiker und nie ist etwas schlimmes passiert.
  • salamandre 26.11.2018 14:01
    Highlight Highlight Wenn bei meiner Hüftoperation was schief geht ist das tragisch, wenn es aber beim aufblasen meines Hintern geschieht sieht das etwas anders aus.
  • Rhabarber 26.11.2018 12:37
    Highlight Highlight Es geht um Hüftgelenke, Kniegelenke, Brustimplantate, Insulinpumpen, Schrittmacher, Hörgeräten und mehr.

    Aber auf die Frontseite müssen Frauenbrüste.
    Andere Bilder zum Thema Implantat gibt's ja sicher keine.
    • Gubbe 26.11.2018 17:50
      Highlight Highlight Ich habe nur Hüftimplantate gesehen. Brustimplantate finden sich keine. Wenn du die Hände meinst, welche die Brüste verdecken, darfst du nie mehr baden gehen.
  • Gubbe 26.11.2018 11:30
    Highlight Highlight Wenn Hüftimplantate vom Arzt für den Patienten ausgewählt werden diese dann unter sterilen Bedingungen richtig eingepflanzt werden, ist das eine gute Sache. Eine Nachbehandlung (Physio) und eine Kontrolle durch den Arzt, sollte schon sein. Schönheitsbezogene Implantate sind Schein. Das lehne ich ab. Jeder Mensch hat eine, oder mehrere Stellen, die nicht den gängigen Schönheitsidealen entsprechen.

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