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Berner Forscher lösen dank Mückenlarven ein Klimarätsel 



Vor 9000 bis 5000 Jahren war es im Mittelmeerraum wärmer als teils angenommen. Das zeigen Berner Forschende, die anhand von fossilen Mückenlarven vergangene Temperaturen rekonstruiert haben. Damit lösen sie einen Widerspruch zwischen früheren Studien auf.

Aedes aegypti mosquitoes larvae are seen through a stereoscopic microscope as part of a research on preventing the spread of the Zika virus and other mosquito-borne diseases at a control and prevention center in Guadalupe, neighbouring Monterrey, Mexico, March 8, 2016. REUTERS/Daniel Becerril

Neumodisch: Diese Mückenlarven sind keine Tausende Jahre alt. Bild: DANIEL BECERRIL/REUTERS

Verlässliche Temperatur-Messreihen gibt es erst seit rund 150 Jahren. Um künftige Entwicklungen des Klimas besser abschätzen zu können, möchten Forschende jedoch auch das Klima der Vergangenheit über eine möglichst lange Zeitspanne kennen. Temperaturen werden dabei beispielsweise anhand von Pflanzenpollen in Seesedimenten rekonstruiert, weil die Vegetation die Klimabedingungen widerspiegelt.

Für den nördlichen Mittelmeerraum ergaben solchen Pollen-Analysen für die Zeit von vor 9000 bis vor 5000 Jahren jedoch kühlere Sommertemperaturen, als mit Klimasimulationen berechnet wurde. Diesen bisher ungeklärten Widerspruch konnten Forschende um Oliver Heiri vom Oeschger-Zentrum der Uni Bern nun lösen: Sie analysierten die Artengemeinschaft von Zuckmückenlarven in den Sedimenten von zwei Bergseen im Apennin, wie die Hochschule am Dienstag mitteilte.

Aufschlussreiche Mückengesellschaft

In einem See können bis zu 100 verschiedene Zuckmückenarten vorkommen. Da verschiedene Arten unterschiedliche Umweltbedingungen bevorzugen, lässt sich anhand der Mengenverteilung der verschiedenen Mückengruppen im Sediment auf die damalige Temperatur zurück schliessen.

Die grössten Klimasünder

Diese Methode ergab Sommertemperaturen für Norditalien, die sehr gut mit den Klimamodellen übereinstimmten, berichten die Forschenden im Fachblatt Nature Geoscience.

Dass die Pollen-Analyse abweicht, liege daran, dass nicht nur die Temperatur, sondern beispielsweise auch Feuchtigkeit, frühe Landwirtschaft und Feuer die Vegetation prägten, schrieb die Uni Bern. «Pollen werden auch vom Wind transportiert und stammen von einer grossen Fläche, auf der diese zusätzlichen Faktoren die Vegetation prägen können», erklärte Heiri im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA.

Klimamodelle mit neuen Daten bestätigt

«Unser Indikator - die Mückenlarvengemeinschaft - ist viel lokaler», so Heiri weiter. Dadurch seien bedeutende menschliche Einflüsse in den entlegenen Bergseen unwahrscheinlich, was auch durch die gefunden Mückengruppen untermauert wurde. Und auch die Feuchtigkeit dürfte keinen grösseren Einfluss gehabt haben.

«Wir sagen nicht, dass Pollen-Analysen generell schlecht sind», betonte der Berner Forscher gegenüber der SDA. «Aber in Fällen wie diesem, wo wir eine Diskrepanz zwischen den Pollen-Daten und den Klimamodellen haben, sind neue Daten nötig, um zu testen, welche Temperatur-Rekonstruktion stimmt. Und dafür hat sich die Mückenlarvengemeinschaft im Seesediment zumindest für diese Region als guter Indikator erwiesen.»

(sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Döst 08.02.2017 08:23
    Highlight Highlight Schon abenteuerlich! Modelle die auf Daten von 150 Jahren basieren (de sind teils schon mager), sollen Temperaturen simulieren, die 9000 bis 5000 Tausend Jahre zurückliegen. Stimmt Modell und Messdaten (Pollen) nicht überein, wird die Messmethode "angepasst". Somit stimmt das Klimamodell (=Klimakatastrophe) wieder.
    Könnte der Fehler nicht eher im Modell liegen, weil man dieses auf relativ kleiner Datenbasis aufbaut?
    Was hat das mit Wissenschaft zu tun?

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