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Hans Vollenweider wird von zwei Polizisten zur Gerichtsverhandlung geführt.
https://query.staatsarchiv.ow.ch/detail.aspx?ID=258915

Hans Vollenweider wird von zwei Polizisten zur Gerichtsverhandlung geführt. Bild: Staatsarchiv Obwalden

Die letzte zivile Hinrichtung

Am 18. Oktober 1940 wurde in Sarnen das letzte zivilrechtliche Todesurteil der Schweiz vollzogen. Obwohl Hans Vollenweider drei Menschen umgebracht hatte, wurde er nur für einen Mord verurteilt.

Andrej Abplanalp / Schweizerisches Nationalmuseum



Am 18. Oktober 1940 um 2 Uhr wurde Hans Vollenweider in Sarnen durch die Guillotine hingerichtet. Der Zürcher hatte 1939 einen Obwaldner Polizisten erschossen. Zwei weitere Morde in den Kantonen Zürich und Zug, die ebenfalls von Vollenweider begangen worden sind, waren allerdings nicht Teil dieses Urteils. Das Ende von Hans Vollenweider war die letzte Vollstreckung eines zivilrechtlichen Todesurteils in der Schweiz.

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Hans Vollenweider, 1908 in Zürich geboren, verbrachte eine unaufgeregte Kindheit. Allerdings wuchs er in ärmlichen Verhältnissen auf, und als er sich nach einer kaufmännischen Ausbildung und mehreren Stellen als Angestellter selbstständig machte, verlor er nach kurzer Zeit all seine Ersparnisse. Eine geplante Entführung und ein versuchter Banküberfall waren danach der Beginn seiner kriminellen Laufbahn. Nach Ablauf seiner Gefängnisstrafe wurde Vollenweider jedoch wegen Rückfallgefahr nicht entlassen, sondern in Verwahrungshaft gesetzt. Er sollte weitere drei Jahre im Gefängnis verbringen. Von seinem ersten Urlaub im Juni 1939 kehrte der Zürcher jedoch nicht mehr zurück. In der Folge ermordet er innert kurzer Zeit drei Menschen.

Die Guillotine von Luzern

Wer ist zuständig?

Das Strafrecht fiel 1939 noch vollständig in die Zuständigkeit der Kantone. Aus diesem Grund wurde Hans Vollenweider «nur» für die Ermordung des jungen Obwaldner Polizisten Alois von Moos verurteilt und hingerichtet. Die Tötungen des Chauffeurs Hermann Zwyssig im Kanton Zug und des Postbeamten Emil Stoll in Zürich waren nicht Teil des Verfahrens, obwohl Vollenweider beide Taten gestanden hatte.

Bei der Frage, welcher Kanton für die strafrechtliche Beurteilung des Falls zuständig sei, erhitzten sich die Gemüter. In Zürich war die Todesstrafe bereits 1869 abgeschafft worden. Deshalb wurde der Fall von Obwalden an den Kanton Zug abgeschoben, welcher ebenfalls Hinrichtungen vollzog. Die Zuger befanden sich jedoch nicht für zuständig, weil Hans Vollenweider nun plötzlich behauptete, Hermann Zwyssig im Kanton Bern ermordet zu haben. Offensichtlich war ihm bewusst, dass eine Verurteilung in Zug ebenfalls den Tod bedeutet hätte. Blieben also nur die Justizsysteme von Zürich oder Obwalden.

Nur für einen Mord verurteilt

Erst mit der Einführung des Schweizerischen Strafgesetzbuchs am 1. Januar 1942 wurde die Todesstrafe für zivile Vergehen landesweit abgeschafft. Das war für Hans Vollenweider zu spät. Zwar wäre eine lebenslange Haft bei einer Verurteilung im Kanton Zürich schon vorher möglich gewesen, doch Obwalden stellte sich genau aus diesem Grund gegen eine Auslieferung. Im Gegenzug hätten die Zürcher ihren Strafanspruch wegen der Ermordung des Postbeamten Emil Stoll ebenfalls an die Zentralschweizer abtreten können. Das wollten sie jedoch nur tun, wenn diese auf die Todesstrafe verzichtet hätten. Das war jedoch nicht im Sinn der Obwaldner Justiz weshalb Hans Vollenweider letztlich alleine wegen der Tötung des Polizisten Alois von Moos enthauptet wurde. Die beiden anderen Taten wurden ihm aus verfahrenstechnischen Gründen nicht angelastet, obwohl er sie den Untersuchungsbehörden eindeutig gestanden hatte.

Bild der Gerichtsverhandlung von Hans Vollenweider.
https://query.staatsarchiv.ow.ch/detail.aspx?ID=258916

Bild der Gerichtsverhandlung von Hans Vollenweider. Bild: Staatsarchiv Obwalden

>>> Weitere historische Artikel auf: blog.nationalmuseum.ch

watson übernimmt in loser Folge ausgesuchte Perlen aus dem Blog des Nationalmuseums. Der Beitrag «Die letzte zivile Hinrichtung» erschien am 14. Oktober.
blog.nationalmuseum.ch/2020/10/letzte-schweizer-hinrichtung

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69Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Antichrist 19.10.2020 00:56
    Highlight Highlight Quid pro quo. Was ist schlecht an der Todesstrafe? Es ist allgemein akzeptiert, dass man bestraft wird, wenn man ein Rotlicht überfährt, ohne dass irgend jemand Schaden erfährt. Wer Jemanden tötet, sollte das auch bei sich selber akzeptieren.
    • Telomerase 19.10.2020 07:22
      Highlight Highlight Als Anzichrist hättest du solche alttestamentarischen Ansichten nicht nötig.
    • loquito 19.10.2020 07:38
      Highlight Highlight Und die X unschuldig Verurteilten. Eigentlich ist 1 Unschuldiger bereits Argument dagegen. Fragen Sie Mal die USA, wieviele aus der Todeszelle entlassen wurden seit es DNS-Tests gibt...
    • stimpy13 19.10.2020 10:42
      Highlight Highlight Ich finde es schön dass wir als Gesellschaft so weit gekommen sind, dass wir uns zugestehen, nicht entscheiden zu dürfen, ob jemand leben darf oder nicht - egal was er getan hat.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Hans Jürg 19.10.2020 00:54
    Highlight Highlight Der Titel ist falsch: eine Vollstreckung eines Todesurteils ist alles andere als zivil.

    Und es war auch kein zivilrechtliches Urteil. Für Gewaltverbrechen gilt das Strafrecht.
    • Telomerase 19.10.2020 07:23
      Highlight Highlight Im Vergleich zum militärstrafrechtlichen. Da gabs nämlich 1944 noch eine.
    • schoso 19.10.2020 07:40
      Highlight Highlight Ich nehmen an zivilrechtlich im Unterschied zu militärrechtlich.
    • insert_brain_here 19.10.2020 07:43
      Highlight Highlight Ich denke der Titel will damit die Todesstrafe in der MilitärJustiz ausgrenzen, die gabs noch bis 1992
    Weitere Antworten anzeigen
  • Learn 18.10.2020 23:43
    Highlight Highlight Die Todesstrafe hatte nur einen Sinn: angebliche Genugtuung der Hinterbliebenen des/der Opfer.

    25 Jahre (lebenslänglich) Gefängnis ist eine viel härtere Strafe und dann kommt noch Verwahrung auf unbestimmte Zeit dazu.

    Damit wird dem Volkswillen viel eher gerecht.
  • Notabik 18.10.2020 21:48
    Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte bleibe beim Thema und beachte die Kommentarregeln.
  • Klirrfactor 18.10.2020 21:30
    Highlight Highlight Und die letzte Hinrichtung mit der Guillotine war am 10. September 1977. Stars Wars erschien im selbem Jahr in den Kinos
    • PaLve! 18.10.2020 23:33
      Highlight Highlight Ich finde die Guillotine mit Abstand die "humanste" Hinrichtungsmethode.
    • Joe Smith 19.10.2020 00:48
      Highlight Highlight Es gibt keine humane Hinrichtungsmethode.
    • Booker 19.10.2020 05:25
      Highlight Highlight Mit der Guillotine geht es kurz und schmerzlos, das ist durchaus nicht so schlecht wie andere Methoden.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Dave1974 18.10.2020 21:29
    Highlight Highlight Ist das nicht die Guillotine, die da noch herumgeschoben wurde und niemand wollte sie?

    Sorry. Zuviele Infos momentan für mich. Ist halt eben kein reines Forum.
    • Grubinski 19.10.2020 08:10
      Highlight Highlight Dann bleib doch auf deinem Forum.
    • Dave1974 19.10.2020 09:48
      Highlight Highlight War eben doch diese, welche da ausgeliehen und rumgeschoben wurde für 9 Hinrichtungen.

      Man sieht, wieviel man hier noch "wissen" möchte.

      https://de.wikipedia.org/wiki/Guillotine_von_Luzern
    • Knacker 19.10.2020 16:42
      Highlight Highlight rumschieben war wohl halt einfacher, schneller und günstiger als wenn jeder Kanton eine eigene Guillotine baut.
  • CalibriLight 18.10.2020 20:36
    Highlight Highlight Gottseidank gibt es bei uns die Todesstrafe nicht mehr!
    • CalibriLight 18.10.2020 20:46
      Highlight Highlight Nachtrag: in Friedenszeiten....... (siehe Kommentar von kruk)
    • Samurai Gra 18.10.2020 22:14
      Highlight Highlight Uch 33 wünschen sich wohl die Todesstrafe zurück.

      Schaut mal in die USA wie viele dort Unschuldig in der Todeszelle sassen oder ermordet wurden
    • Aglaya 18.10.2020 22:16
      Highlight Highlight Im Militärstrafrecht wurde sie auch abgeschafft, allerdings erst 1992.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Kruk 18.10.2020 19:01
    Highlight Highlight Die Abschaffung der Todesstrafe in Friedenszeiten 1942 sowie die Einführung der Demokratie mit dem Frauenstimmrecht 1971 gehören wohl zu den grösseren Schritten der Schweiz im letzten Jahrhundert.

    Wir haben 2020, ein nächster grosser Schritt ist längst überfällig..
    • Simplicissimus 18.10.2020 19:27
      Highlight Highlight An was denkst du?

      Stimm- und Wahlrecht ab 16J. oder allen in der Schweiz wohnhaften Personen?

      Generelle Wehrpflicht oder gar dessen Abschaffung?
    • Herr Schneebeli 18.10.2020 20:20
      Highlight Highlight Friedenszeiten? 1942?
      Siehe auch: „Die Erschiessung des Landesverräters Ernst S.“ Am 11. November 1942.
    • Froggr 18.10.2020 20:29
      Highlight Highlight Und der wäre? Man muss keine Schritte erzwingen, weils mal wieder an der Zeit wäre. Bei guten Ideen, klar. Aber da muss man nicht dannach suchen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Olmabrotwurscht 18.10.2020 18:57
    Highlight Highlight Bei uns im Nachbarsdorf wurde 1938 glaube ich noch einer an die Wand gestellt weil er den Nazis pläne verkauft hatte. Fällt soviel es mir ist unter das Strafgesetz des Militärs.
    • Gin&Tonic 19.10.2020 07:33
      Highlight Highlight Ich mag Kommentare mit "glaube ich" und "soviel mir ist" nicht.

      Fakten wären interessanter.
    • Vecchia 19.10.2020 09:35
      Highlight Highlight Militärisch wurde auch danach noch hingerichtet. z.B. wurden im Dezember 1944 zwei Landesverräter im Wald zwischen Steinmaur und Bachs ZH erschossen.
    • SemperFi 19.10.2020 13:20
      Highlight Highlight Jaja, vom Hörensagen lernt man Lügen, sagte meine Grossmutter.
  • Joe Smith 18.10.2020 18:55
    Highlight Highlight Man sollte noch erwähnen, dass das Schweizer Volk am 3. Juli 1938 das neue eidgenössische Strafgesetzbuch angenommen hatte, das die kantonalen Strafrechte ersetzte und mit dem die zivile Todesstrafe angeschafft wurde. Dieses trat am 1. Januar 1942 in Kraft. Da Obwalden aber unbedingt noch die Todesstrafe vollziehen wollte, trennte es die beiden anderen Fälle ab und beeilte sich mit der Verurteilung.
    • Joe Smith 19.10.2020 00:37
      Highlight Highlight Ups, das sollte natürlich «abgeschafft» heissen.
  • Hierundjetzt 18.10.2020 18:26
    Highlight Highlight Damals, als ein geständiger Mordverdächtiger ohne Handschellen und nur von 2 Landjägern mit Schlagstock begleitet (!) wurde.

    Ha, häts jetzt nicht gedacht.
    • Max Dick 18.10.2020 18:40
      Highlight Highlight Sind das nicht Säbeln?
    • Schildlaus 18.10.2020 18:47
      Highlight Highlight Sieht mir mehr nach einem Polizei Säbeln aus was die da tragen. Schlagstock wäre wohl nicht so hübsch verpackt gewesen.
    • Joe Smith 18.10.2020 18:48
      Highlight Highlight Er ist mit einer Handschelle an einen der Polizisten gekettet. Und das sind auch keine Schlagstöcke, sondern Säbel.
    Weitere Antworten anzeigen

Kommentar

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