International

Deutsche und Briten kalt erwischt – Italien greift in den «Welt-Handtuch-Krieg ein»

11.08.16, 16:46 12.08.16, 17:34

Die Wahrheit liegt auf der Liege: Deutsche Touristen auf Mallorca. Bild: KEYSTONE

Was wären wir bloss ohne Klischees? Wir stecken, wenn nicht gerne, dann wenigstens oft Menschen oder Dinge in Schubladen – und auch wenn es sich bestenfalls um Verallgemeinerungen und schlimmstenfalls um Vorurteile handelt, hilft uns das, in unserer Welt zurechtzukommen.

Stereotypen gibt es über jedes Völkchen – auch über unsere Nachbarn im Norden. «Typisch Deutsch» ist etwa laut «Kölner Stadt-Anzeiger»: «Wenn Handtücher auf Liegen liegen». Die These wird mit Zahlen belegt – das passt ja auch zum Thema! Jeder dritte Deutsche reserviere im Urlaub seine Liege mit einem Handtuch, soll eine Umfrage vor zwei Jahren ergeben haben.

Für die «Badische Zeitung» ist die textile Reservation des Pool-Möbels gar eine «deutsche Tradition» – und Tradition will natürlich verteidigt werden. Zum Beispiel von der «Welt», die sich von einer Sozialpsychologin erklären liess, was hinter dem Verhalten steckt. «Das finden wir schon im Tierreich, wenn die Tiere ihr Gebiet mit Urin markieren», verdeutlicht Professorin Andrea Abele-Brehm.

Gemütlich! Strand von Viareggio in der Toskana. Bild: EPA

Es liegt dem Deutschen also im Blut oder im Urin, seine Liege zu reservieren. Und diese Tradition wird auch mit Blut (oder Urin) verteidigt – gerade gegen den Engländer, der sich wegen des belegten Klischees gerne über den Germanen lustig macht. Im vergangenen Sommer titelte etwa die «Bild»: «Brite erklärt Deutschen den Handtuchkrieg!»

Diese Mallorca-Urlauber haben keinen Bock auf Krieg! Bild: EPA/DPA

Ja, so ernst ist es um das kleine Stückchen Stoff bestellt, aus dem Klischees und kriegerische Träume sind. Der Hintergrund: «Bild» hatte einen 31-jährigen Briten «als schlimmsten Liegen-Blockierer auf Malle entlarvt». Der schoss im «Sun»-Interview zurück: «Wir haben euch Deutsche mit euren eigenen Waffen geschlagen!»

Dabei sind sich die streitenden Parteien doch so ähnlich! Nicht nur mit Blick auf Boulevardblätter und markige Sprüche, sondern auch in Sachen Handtuch-Klischee. «Briten reservieren öfter Liegen als Deutsche», behauptet etwa leicht beleidigt die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» – und beruft sich dabei auf eine Umfrage eines britischen Reiseportals, das 2000 Deutsche und 2000 Inselbewohner befragt hat.

Die 40 schönsten Strände der Welt

Der «Spiegel» hat zu dem Thema sogar Reiserechtsexperten zurate gezogen und erklärt dem Leser, «Was beim Handtuch-Battle zu beachten ist». Das ist jedoch schon ein paar Jahre her – und in Italien mittlerweile Makulatur, denn dort gelten jetzt neue Spielregeln an Pool und Strand. Selbst der sonst eher friedliebende «Spiegel» kommt da nicht ohne Kampfrhetorik aus.

«Italiens Küstenwache greift in Handtuchkrieg ein», vermeldet das Hamburger Magazin. An den Stränden von den Abbruzen bis nach Sardinien kontrollieren mittlerweile Ordnungshüter frühmorgens die Liegen. «Öffentliche Strände sind in Italien Gemeingut in Besitz des Staats. Und der hat da die alleinige Reservierungsgewalt», heisst es. 

Wer dort zuvor sein Revier markiert hat, wird mit einer saftigen Busse abgestraft: Die Urlaubskasse wird um 200 Euro und damit empfindlich erleichtert. Und das beweist vor allem eines: Im (Handtuch-) Krieg gibt es nun mal keine Gewinner. Egal, ob man Deutscher oder Brite ist.

Das könnte dich auch interessieren:

Deutscher kassiert Busse in der Schweiz – und findet das wenig witzig

Was diese Frau treibt, ist so grossartig wie abstossend – und ich kann nicht wegsehen

Geheimes Chat-Protokoll aufgetaucht: Wie es wirklich zur Nordkorea-Krise kam

Guck mal, was die Russen in einem ihrer stillgelegten Hangars verstecken

Obamas geniale Antwort auf Rassisten schlägt alle Twitter-Rekorde

Was ist der hohlste Traumjob der Welt? Influencer!

Zum 40. (angeblichen) Todestag: ELVIS LEBT! 20 handfeste Beweise dafür

Warst du besoffen, Designer? 26 Kleider-Fails, die nicht mehr gut zu machen sind

Zwei «Irre» auf Kollisionskurs: Die Angst vor der Bombe ist zurück

Mit Hipsterbart und Hakenkreuz: 5 alte und neue rechtsextreme Bewegungen

Koksen und kotzen – Barbie ist im 2017 angekommen

Wie er Nazis verteidigt und über Wein schwafelt – Trumps irre Wutrede in sieben Akten

Frau findet Ex auf Tinder – und erlebt zunächst eine witzige, dann eine böse Überraschung

«Wir sind die grössten Loser – wenn das BGE mit uns klappt, dann klappt es überall»

Alle Artikel anzeigen
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
14Alle Kommentare anzeigen
14
Um mit zudiskutieren oder Bilder und Youtube-Videos zu posten, musst du eingeloggt sein.
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600
  • Gelöschter Benutzer 12.08.2016 11:42
    Highlight Man kann sich auch einen Spass erlauben. Und den deutschen Urlaubern, die kurz am Hotelpool einen Liegestuhl reservieren und dann an die Bar sitzen, ganz freundlich das Badetuch an die Bar bringen, und sagen sie hätten da was vergessen. Dann kann man sehen wie die einem anschauen, wenn gleichzeitg im Hintergrund einpaar Engländer ihre Stühle in Beschlag nehmen. ;-)
    41 2 Melden
    600
  • AnGeBer 12.08.2016 09:34
    Highlight Die grösste Frechheit finde ich, dass man nicht mal mehr am dem Strand liegen darf wenn man keinen Liegestuhl mietet. In Rimini gingen meine Freundin und ich, direkt nach Ankunft aus der CH, an den Strand und wollten einfach nur im Sand liegen und relaxen. Obwohl der Strand leer war, eine Handvoll Leute im Umkreis von ca. 1km, wollte der Hoteldirektor nicht, dass wir einfach auf dem Sand liegen. Es sei verboten und verpönt. Wir waren schockiert und enttäuscht..
    21 1 Melden
    • Gelöschter Benutzer 12.08.2016 11:21
      Highlight Zwischen Strand 94 und 95 wäre sonst der Freie Strand gewesen ohbe Liegestuhl Pflicht ;)
      16 0 Melden
    • AnGeBer 13.08.2016 10:02
      Highlight Vielen Dank für den Tip Mrs. Red! :)
      7 0 Melden
    600
  • Chili5000 12.08.2016 09:07
    Highlight Wenn man Geld für eine Liege verlangt ist das Problem schon erledigt, dann sind die Deutschen auf einmal ganz rar...
    24 7 Melden
    600
  • maru67 12.08.2016 09:04
    Highlight An Relevanz kaum zu überbieten...
    16 4 Melden
    600
  • Saul_Goodman 11.08.2016 22:03
    Highlight wenn man sich mit dem handtuch einen sitzplatz reservieren muss können es eigentlich nur graunenhafte ferien werden
    144 3 Melden
    600
  • Luca Brasi 11.08.2016 18:53
    Highlight Sehr gut, italienische Küstenwache! Dieser Krieg gehört nicht auf italienische Strände! (Und wenn man den tedeschi und inglesi noch nebst dem überteuerten Cappuccino eine saftige Busse aufbrummen kann, wieso nicht? ;))
    61 6 Melden
    600
  • Fonzie 11.08.2016 18:39
    Highlight Ihr provoziert die Sommerloch-Kommentare aber auch 😃
    104 2 Melden
    600
  • Calvin WatsNon 11.08.2016 17:11
    Highlight Was für Problems 😂 so geil, Bravo Italia 👍😂
    70 3 Melden
    600
  • Zuagroasta 11.08.2016 17:11
    Highlight Das rote Kampfblatt "Spiegel" als friedliebend zu bezeichnen, ist die grösste Ironie dieser Story. Love it! 😂
    68 14 Melden
    • Le_Urmel 13.08.2016 18:08
      Highlight Tja mal wieder keine Ahnung, der Herausgeber und ehemaliger Besitzer Augstein sass für die LIberalen im Bundestag
      1 2 Melden
    • Le_Urmel 13.08.2016 18:21
      Highlight Der Gründer des Spiegels war MdB für die Liberalen und der jetzige Chefredakteur kommt von der BILD-Zeitung. Da nennen Sie den Spiegel ein rotes Kampfblatt, dann ist Blocher-Postille BaZ ein linksliberales Aushängeschild ???
      4 2 Melden
    • Zuagroasta 13.08.2016 20:20
      Highlight LOL. Keine Ahnung?

      Das rote Kampfblatt war jahrelang
      der Spitzname des Spiegel.

      Wahrscheinlich vor deiner Zeit.
      7 0 Melden
    600

YouTuber und Reality-TV-Stars schwärmen in Sizilien für das rechte Anti-Flüchtlings-Boot 

Mit der «C-Star» gegen Bootsflüchtlinge: Die rechtsextreme «Identitäre Bewegung» will von Sizilien aus mit einem Schiff gegen NGOs vorgehen, die Flüchtlinge aus Seenot retten. Die Aktion zieht eine ganze Menge rechte Prominenz an – darunter Trump-Fans, «Infowars»-Mitarbeiter und ein skandalumwitterter früherer Reality-TV-Star.

Sie sind jung, modisch gekleidet, drücken sich gewählt aus und stehen politisch am äussersten rechten Rand: Die Mitglieder der «Identitären Bewegung» sorgen wieder einmal für Schlagzeilen. Mit Spendengeldern organisieren sie derzeit eine Bootsmission, mit der NGOs daran gehindert werden sollen, Flüchtlinge in Seenot zu retten und nach Italien zu bringen. Koordinator ist ein ehemaliger Offizier der Schweizer Armee.

Im Jahr 2017 sind im Mittelmeer bisher bereits mehr als 2300 Menschen ertrunken. …

Artikel lesen