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Kohl vor dem Brandenburger Tor, dem Symbol der deutschen Einheit. Bild: Jand Bauer/AP/KEYSTONE

Der ehemalige deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl ist tot

16.06.17, 17:14 17.06.17, 10:33

Trauer um einen grossen Staatsmann: Helmut Kohl, der Kanzler der deutschen Wiedervereinigung und Wegbereiter der Europäischen Union, ist gestorben. Die Welt verliert eine prägende Persönlichkeit der Nachkriegszeit.

Ein Video-Nachruf:

Der langjährige CDU-Vorsitzende starb im Alter von 87 Jahren. Zuerst hatte die «Bild»-Zeitung darüber berichtet.

Den Angaben zufolge starb Kohl am Morgen in seinem Haus in Ludwigshafen. Seit einem Sturz und Schädel-Hirn-Trauma 2008 war er schwer krank, sass im Rollstuhl und konnte nur schwer sprechen. 2015 hatte sich sein Zustand deutlich verschlechtert.

Kohl mit Ronald Reagan. Bild: EPA/DPA

Nach Operationen lag er monatelang im Spital. Im Herbst kehrte Kohl aber wieder in sein Haus in Ludwigshafen-Oggersheim zurück, wo er zuletzt im April 2016 noch Ungarns Ministerpräsidenten Viktor Orban empfing.

Lob aus allen politischen Lagern

Die CSU trauert um den langjährigen Vorsitzenden ihrer Schwesterpartei CDU. «Helmut Kohl war ein grosser Staatsmann, seine Verdienste um unser Land sind unschätzbar», twitterten die Christsozialen mitsamt einem Schwarz-Weiss-Foto des früheren CDU-Parteichefs.

Der deutsche Aussenminister Sigmar Gabriel (SPD) nannte Kohl einen «grossen Staatsmann». Vor allem sei Kohl «ein grosser Europäer» gewesen.

Er habe sehr viel dafür getan, «dass nicht nur die deutsche Einheit gekommen ist, sondern auch, dass Europa zusammengewachsen ist», teilte Gabriel mit. Das sei Kohls grosses Vermächtnis. «Es ist ein wirklich grosser Deutscher gestorben.»

Ein Bild, das um die Welt ging: Kohl und Mitterand Hand in Hand. Bild: AP/POOL

Auch vom deutschen Grünen-Chef Cem Özdemir erhielt Kohl die Würdigung als «grosser Europäer». Kohls Name werde für immer in Verbindung stehen mit «einem der grossartigsten Nachkriegsprojekte – der deutschen Wiedervereinigung.»

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker liess im Gedenken an Helmut Kohl die Europaflaggen vor den europäischen Institutionen auf halbmast setzen. «Ohne Helmut Kohl gäbe es den Euro nicht», sagte Juncker. Nur drei Menschen, Jean Monnet, Jacques Delors und Helmut Kohl hätten für ihre Verdienste für die europäische Zusammenarbeit die Ehrenbürgerschaft Europas erhalten, erinnerte er.

Mann der Rekorde

Kohl hat Deutschland von 1982 bis 1998 als Bundeskanzler regiert – 16 Jahre, so lange wie bisher niemand vor und nach ihm. Er war treibende Kraft für die EU und eine gemeinsame Währung.

Als sein grösster Erfolg gilt aber die deutsche Wiedervereinigung. Kohl erkannte nach der friedlichen Revolution in der DDR 1989, dass das Fenster für die deutsche Einheit nur kurz geöffnet sein würde. Unter Hochdruck handelte er mit den Staats- und Regierungschefs der USA, der Sowjetunion, Grossbritanniens, Frankreichs sowie den Verantwortlichen der Europäischen Union die Modalitäten dafür aus.

Kohl war ein Mann der politischen Rekorde: Von 1973 bis 1998 war er CDU-Vorsitzender – eine 25-jährige Amtszeit dürfte in der Partei nur schwer noch einmal zu erreichen sein.

Angespanntes Verhältnis zu Merkel

Bundeskanzlerin Angela Merkel führt die Christdemokraten seit 17 Jahren. Kohl war Anfang der 90er Jahre ihr Ziehvater in Bundesregierung und Partei gewesen.

Aber sie war es, die Ende der 90er Jahre als damalige CDU-Generalsekretärin die Partei wegen der Spendenaffäre, in die Kohl massgeblich verwickelt war, zur Loslösung vom Übervater aufforderte. Das Verhältnis der beiden blieb bis zuletzt erschüttert.

Mehr als 40 Jahre war der geborene Ludwigshafener Parlamentarier zuerst im Mainzer Landtag und von 1976 an im Bundestag. Sieben Jahre – von 1969 bis 1976 – war Kohl Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz.

1960 heiratete er die Dolmetscherin Hannelore Renner. Das Ehepaar bekam zwei Söhne – Walter und Peter. 2001 nahm sich Hannelore Kohl, die an einer schmerzhaften Lichtallergie litt, das Leben. Sieben Jahre später schloss Kohl seine zweite Ehe mit der 34 Jahre jüngeren Regierungsdirektorin Maike Richter. (sda/dpa/afp)

Weltweite Betroffenheit: 

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  • Lönabärga 19.06.2017 12:42
    Highlight Ein Mensch, der sich für fehlerlos hielt, und andere Meinungen nur mit Zähneknirschen akzeptierte...

    Kanzler der deutschen Einheit? Dass ich nicht lache, damit hat er Westdeutschland die grösste Sch..... eingebrockt.... Blühende Landschaften... Spako...
    1 0 Melden
    600
  • Tanuki 16.06.2017 23:11
    Highlight Ich war in vielen politischen Meinungen nicht seiner Meinung aber er war der Gründer der Deutschen Einheit und ein echter Europäer. Ich verneige mich vor Ihm und wünsche ihm ewigen Frieden.
    6 2 Melden
    600
  • Siebenstein 16.06.2017 20:43
    Highlight Ich hoffe er ist in Frieden mit sich selbst gestorben. Für mich war er einer der letzten grossen Staatsmänner und der Schulterschluss mit Francois Mitterrand bleibt unvergessen.
    Ruhen Sie in Frieden, Herr Dr. Kohl...
    26 4 Melden
    600
  • P. Swiss 16.06.2017 20:15
    Highlight Kohl war gewiss ein grosser Staatsmann. Aber! Er war auch der Architekt des griechischen Euros. Das war einfach nur ganz grosser Mist! R.I.P. Helmi.
    20 31 Melden
    600
  • derEchteElch 16.06.2017 19:26
    Highlight Kohl zählt zu den grössten Politikern aller Zeiten! Unter ihm hatten Europa und Deutschland noch Visionen und Hoffnung, Ziele und Erfolge! Mit der neuen Generation von Politikern in Brüssel, Berlin aber auch in Paris ist die EU nicht mehr tragbar. Eine Vision eines grossen Mannes wird durch Bürokratie und endlose Überregulierung zu Grabe getragen. Politiker zu sein heisst, die Bedürfnisse des eigenen Volkes zu verstehen und zu leben, und nicht blind der eigenen Ideologie zu folgen. Eigenschaften, die Kohl sein Yleben lang gelebt hatte. Er möge in Frieden ruhen.
    35 25 Melden
    600
  • Oberon 16.06.2017 19:10
    Highlight R.I.P

    Ein grosser Staatsmann, der mein halbes Leben begleitet hat.
    28 7 Melden
    600
  • Kristjan Markaj ["Papierlischwiizer" / Exilshipi] 16.06.2017 19:02
    Highlight Es ist einfach ein Land zu trennen. Es ist schwer es wieder zurück zu erhalten von den Siegermächten, um es wieder zu vereinen. - Ein grosser Mann. Mögen Sie in Frieden ruhen Helmut Kohl.
    58 11 Melden
    600
  • sp3nc3r92 16.06.2017 18:52
    Highlight Satzfehler
    6 9 Melden
    • Lukas Blatter 16.06.2017 19:40
      Highlight @sp3nc3r92: Ist bereits korrigiert, dennoch danke für den Hinweis.
      5 8 Melden
    600
  • Fischra 16.06.2017 18:49
    Highlight Für mich war er der Inbegriff des deutschen Kanzlers. Er war für mich auch der Vater des friedens und der Vereinigung. Ruhe in Frieden.
    33 10 Melden
    600
  • Don Alejandro 16.06.2017 18:39
    Highlight Er war mit Genscher zusammen ( auch dank Gorbatschow/Schewardnadse/Bush Sr) ein Hauptarchitekt des friedlichen Zusammenschlusses beider Deutschland. Klar, hätte man es vielleicht besser machen können, aber dennoch muss man im hier grossen Dank und Respekt zollen. R.I.P.
    44 7 Melden
    600
  • Baba 16.06.2017 18:39
    Highlight Ich werde das Bild Kohls, Hand in Hand mit Président Mitterrand nie vergessen. Es war 1984 in Verdun. Ein historisches Bild, vergleichbar mit Willi Brandts Kniefall in Warschau...
    53 7 Melden
    600
  • Daniel Caduff 16.06.2017 18:28
    Highlight Ohne Zweifel der wichtigste europäische Politiker seit dem zweiten Weltkrieg.
    42 16 Melden
    600
  • dmark 16.06.2017 17:54
    Highlight Ob man ihn mochte oder nicht - er war einer der letzten Politiker mit Charisma.
    Ruhe in Frieden.
    65 10 Melden
    600
  • Fulehung1950 16.06.2017 17:26
    Highlight Ich mochte ihn nicht als Politiker. Möge er in Frieden ruhen.
    64 35 Melden
    • FrancoL 16.06.2017 20:15
      Highlight Lässt die Gesinnung vieler Kommentatoren in schiefem Licht stehen, wenn ein ehrlicher Post mit Blitzen bedacht wird.
      Dachte immer dass Ehrlichkeit auch beim Tod eine wichtige Rolle spielt.
      26 7 Melden
    • Capoditutticapi 16.06.2017 21:23
      Highlight Schon FrancoL. Aber muss man bei Todesmeldungen sagen: "Ich mochte ihn nicht..."?. Es ist eine Kunst zu wissen, wann man etwas sagen sollte und wann man auch mal schweigen kann.
      16 13 Melden
    • FrancoL 16.06.2017 23:50
      Highlight @capoditutticapi; Sehen Sie darum ist es wichtig dass man das richtige Lesen in den Vordergrund stellt, gerade im vorliegenden Fall:

      Er mochte ihn nicht als POLITIKER und nicht er mochte ihn nicht!

      Solche Unterscheide sollte man schon bemerken, wenn nicht wer dann eher tatsächlich Schweigen angesagt.
      4 2 Melden
    • Capoditutticapi 17.06.2017 11:58
      Highlight Sehen sie, Signore L, deswegen sollte man den Unterricht besuchen.
      Stehen (...) doch seit eh und je als Platzhalter.
      2 1 Melden
    600
  • Chiefrocka88 16.06.2017 17:16
    Highlight R. I. P
    33 9 Melden
    600

In Deutschland waren die Flüchtlinge nicht mal willkommen, als es Deutsche waren

Wer glaubt, für Fremdenfeindlichkeit brauche es Menschen aus fremden Ländern, irrt. Nach dem verlorenen Krieg drängten sich Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten in Rest-Deutschland. Heute gilt ihre Aufnahme als vorbildlich – doch in Wahrheit schlugen ihnen damals Hass und Verachtung entgegen und der offen ausgesprochene Gedanke, nicht nach Westdeutschland, sondern nach Auschwitz zu gehören.

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