DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Die Messer sind gezückt. Donald Trump wird von allen Seiten angegriffen.
Die Messer sind gezückt. Donald Trump wird von allen Seiten angegriffen.Bild: EPA/EPA
Analyse

Ihr glaubt gar nicht, an wie vielen Fronten Trump kämpfen muss

Russland-Affäre und Stormy Daniels sind nur zwei der vielen Schlachtfelder des US-Präsidenten. Er ist in einen wahren Vielfronten-Krieg verwickelt.
27.08.2018, 14:2327.08.2018, 21:52

Nach der Schlacht von Waterloo wusste man zuerst gar nicht, wer gewonnen hatte. Der Pulverdampf vernebelte die Sicht auf die Schlachtfelder. Nach der schlimmsten Woche von Trumps Amtszeit sieht es ähnlich aus. Was haben die Schuldsprüche und Immunitäts-Versprechen ausgelöst? Wer kämpft auf welcher Seite? Und was sind die Folgen? Hier ein Versuch, die Fronten zu klären.

Russland-Front

Trumps zeitweiliger Wahlkampf-Manager Paul Manafort ist von einem Geschworenengericht verurteilt worden und muss mit einer langen Gefängnisstrafe rechnen. Ein herber Rückschlag für den Präsidenten, der nun gar mit dem Gedanken spielen soll, Manafort zu begnadigen.

Ein Demonstrant vor dem Gerichtsgebäude in Alexandria. Dort wurde Paul Manafort für schuldig befunden.
Ein Demonstrant vor dem Gerichtsgebäude in Alexandria. Dort wurde Paul Manafort für schuldig befunden.Bild: AP/AP

Er sollte auf jeden Fall zuwarten: Manafort muss bald vor einem zweiten Gericht antraben und hat dabei sehr schlechte Karten. Für Trump muss es äusserst beunruhigend sein, dass der Sonderermittler Robert Mueller diesen Prozess fest in seinen Händen behält und ihn nicht an andere Strafverfolgungsbehörden abgegeben hat, wie er dies in anderen Fällen getan hat.  

Sollte Manafort die Fronten wechseln und einen Deal mit dem Sonderermittler eingehen, dann könnte dies katastrophale Folgen für Trump haben. Der Präsident scheint dies zu ahnen. In einem Interview mit Fox & Friends hat er dafür plädiert, das sogenannte «Flippen» zu verbieten. Will heissen: Es soll Angeklagten nicht mehr erlaubt sein, auszupacken, um so eine mildere Strafe einzuhandeln.

Ansonsten war es an der Russlandfront in der vergangenen Woche eher ruhig. Wahrscheinlich eine trügerische Ruhe. Allgemein wird ein Grossangriff Muellers erwartet, möglicherweise noch vor den Zwischenwahlen.

Stormy-Daniels-Front

Trumps Anwalt Michael Cohen hat sich schuldig bekannt, dem Pornostar Stormy Daniels Schweigegeld bezahlt zu haben. Für Trump unschön ist dabei die Tatsache, dass er unter Eid ausgesagt hat, dies im Wissen und im Auftrag Trumps getan zu haben. Im Moment herrscht ein Juristenstreit darüber, ob diese Zahlungen ein Verbrechen darstellen oder nicht. Sollte dies der Fall sein, wäre Trump ab sofort ein «nicht angeklagter Mitverschwörer» in einer Straftat, ein einmaliges Ereignis in der US-Geschichte.

Hat einen Safe voller Trump-Skandal-Geschichten: David Pecker.
Hat einen Safe voller Trump-Skandal-Geschichten: David Pecker.Bild: AP/AP

Gleichzeitig wurde bekannt, dass David Pecker von der Strafverfolgungsbehörde Immunität gewährt wurde. Das bedeutet, dass er für seine Aussagen nicht strafrechtlich belangt werden kann. Pecker ist Herausgeber des «National Enquirer», dem wohl schlimmsten Skandalblatt der USA.

Pecker ist auch seit Jahren ein enger Freund von Donald Trump. In der Schweigegeld-Affäre mit dem Playboy-Model Karen McDougal hat er eine tragende Rolle gespielt. Er hat ihr ihre Geschichte abgekauft, in der Absicht, sie niemals zu veröffentlichen. Vor allem aber soll Pecker einen ganzen Safe voll mit Skandalgeschichten über Trump haben. Stormy Daniels war vielleicht erst der Anfang.

Finanz-Front

Ebenfalls wurde letzte Woche bekannt, dass die Strafbehörden einem gewissen Allen Weisselberg Immunität gewährt haben. Weisselberg gehört seit Jahrzehnten zur Familie Trump. Er war schon der Buchhalter des Vaters von Donald und weiss über alle Finanztransaktionen Bescheid.

Im Wahlkampf hat sich Trump geweigert, seine Steuererklärung offenzulegen. Das ist sonst bei Präsidentschaftskandidaten üblich. Es ist zu erwarten, dass Weisselberg den Strafverfolgungsbehörden darüber Auskunft gegeben hat – oder geben wird –, wie es um die Finanzen im Trump-Imperium steht und woher die Einnahmen stammen.

Immer wieder wird der Verdacht geäussert, Trump habe Gelder der russischen Mafia gewaschen. Dank der Kooperation von Weisselberg dürfte es sich zeigen, ob das zutrifft oder nicht.

Trump hat mehrere Strafverfahren am Hals, die sein Finanzgebaren betreffen. So ermittelt beispielsweise der Justizminister des Bundesstaates Maryland gegen ihn, weil er gegen die Vergütungs-Klausel verstossen haben soll. Will heissen: Trump hat sein Präsidentenamt für persönliche Bereicherung missbraucht.

Mit ihr will man keinen Streit haben: Barbara Underwood, die Justizministerin des Bundesstaates New York.
Mit ihr will man keinen Streit haben: Barbara Underwood, die Justizministerin des Bundesstaates New York.Bild: AP/FR58980 AP

Die Justizministerin des Bundesstaates New York, Barbara Underwood, hat derweil ein Verfahren gegen Trumps Wohltätigkeitsorganisation eingeleitet. Sie soll Stiftungsgelder missbraucht haben. Diese Klage kann Trump sehr gefährlich werden. Underwood gilt als eine der besten Juristinnen des Landes; und sie hat nicht nur Trump, sondern auch seine drei erwachsenen Kinder im Visier. Sie alle sitzen im Stiftungsrat.

Polit-Front

Der Streit zwischen dem Präsidenten und seinem Justizminister ist wieder voll entbrannt. Trump tobt, weil Jeff Sessions in der Russland-Frage in den Ausstand getreten ist und ihn nicht gegen den Sonderermittler verteidigen kann. In wütenden Tweets fordert Trump ihn auf, endlich auch gegen die angeblichen Verbrechen von Hillary Clinton zu ermitteln.

Sessions ist bisher nicht nur standhaft geblieben. Er hat sogar zurückgeschossen und seinerseits in einem Tweet darauf hingewiesen, dass sich das Justizdepartement nicht für politische Zwecke missbrauche lasse. Er denkt offensichtlich nicht daran, freiwillig zurückzutreten. Wenn Trump ihn loshaben will, muss er ihn feuern. Das ist politisch riskant. Sessions hat viele Freunde im Senat, vor allem unter den Republikanern.

Schlägt zurück: Justizminister Jeff Sessions.
Schlägt zurück: Justizminister Jeff Sessions.Bild: AP/AP

Sessions war der erste namhafte Politiker, der Trump unterstützt hat. Zwei weitere Trump-Fans der ersten Stunde stecken in ernsten Schwierigkeiten. Die beiden Abgeordneten Christopher Collins (New York) und Duncan Hunter (Kalifornien) werden wegen schwerer Finanzvergehen angeklagt. Collins hat mittlerweile seinen Wahlkampf abgebrochen.

An der Politfront gibt es auch mehrere Geplänkel. So wurde bekannt, dass Donald McGahn, der Anwalt des Weissen Hauses, über 30 Stunden lang dem Sonderermittler Auskunft erteilt hat. Und dann gibt es noch das Skandalbuch von Omarosa Mingault Newman. Sie war einst Star in Trumps TV-Sendung «The Apprentice» und eine glühende Verehrerin. Seit ihrem Rausschmiss aus dem Weissen Haus wirft sie ihm vor, er sei ein Rassist und leide unter mentaler Schwäche.

Wichtige Freunde (Pecker, Weisselberg) fallen von ihm ab, die besten Juristen des Landes untersuchen sein Finanzgebaren: Trumps Lage verschlimmert sich täglich. Sein Schicksal wird sich jedoch erst mit den Zwischenwahlen im November entscheiden. Eine «blaue Welle», ein grosser Sieg der Demokraten, würde wohl zu einem Impeachment führen.

Schaden hat Trump bereits angerichtet, und zwar auf breiter Front: Die ehemals stolze Grand Old Party ist zu einem korrupten Haufen verkommen. So klagt Peter Wehner, ein Republikaner alter Schule, in der «New York Times»: «Die meisten Republikaner werden bis zum bitteren Ende mit Trump ausharren. Eine Steuerreform, Deregulation und ein paar Richter – waren die das wirklich wert?»

Noch grösser wird der Schaden für das ganze Land werden. Edward Luce zeigt in der «Financial Times» auf, wie Trump die Vereinigten Staaten de facto an die Meistbietenden verhökert hat: «Studenten werden noch grössere Mühe haben, ihre Schulden zu bezahlen. Finanzinstitute werden es leichter haben, versteckte Klauseln in ihre Verträge zu schmuggeln. Die Gesundheit der Menschen wird durch Gifte und dreckige Luft gefährdet sein. Trump hinterlässt ein Washington, das noch korrupter ist, und vergessene Amerikaner, die noch enttäuschter sein werden.»

«Schuldig» – Mit Licht und Worten gegen Trump

Video: srf
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

41 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
lilie ❤ Bambusbjörn
27.08.2018 15:29registriert Juli 2016
Tja, Trump hat ja versprochen, den Sumpf in Washington trockenzulegen.

Was er nicht erwähnte war, dass er dort stattdessen eine Giftmülldeponie einrichten will.

Aber welcher Politiker legt schon von Anfang seine Karten offen? 🤷‍♀️
21312
Melden
Zum Kommentar
avatar
D(r)ummer
27.08.2018 15:20registriert Mai 2016
Der Sumpf wird ausgetrocknet.
Blöd nur, dass es sein eigener ist.
1277
Melden
Zum Kommentar
avatar
olmabrotwurschtmitbürli #wurstkäseszenario
27.08.2018 19:32registriert Juni 2017
So richtig erledigt ist Trump erst, wenn ich über unsere Affäre auspacke!
353
Melden
Zum Kommentar
41
Wollte Donald Trump Benito Mussolini imitieren?
An der Spitze seiner Schwarzhemden putschte sich der faschistische Diktator einst an die Macht. Mit einer ähnlichen Machtdemonstration wollte der amerikanische Ex-Präsident den Kongress zwingen, ihn im Amt zu lassen.

Wie fast überall in Europa herrschte nach dem Ersten Weltkrieg auch in Italien ein politisches Chaos. Das nutzte ein Mann aus: Im Oktober 1922 marschierte Benito Mussolini an der Spitze seiner Schwarzhemden in Rom ein und setzte die bürgerlichen Parlamentarier derart unter Druck, dass sie ihn zum Ministerpräsidenten ernannten. Später setzte er die Demokratie ausser Kraft und regierte als faschistischer Diktator bis zu seinem Sturz 1943.

Zur Story