Unvergessen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Marie unterwegs zu einem denkwürdigen Erfolg. bild: instagram

Unvergessen

Thierry Marie trällert ein Liedchen und schafft über 234 km die längste Solo-Flucht

11. Juli 1991: Thierry Marie gelingt ein veritabler Coup. Der Franzose gewinnt nach der längsten Solo-Flucht in der Neuzeit der Tour de France – und hat unterwegs noch genügend Luft, um für die Fernsehkameras zu singen.



Ob Thierry Marie am Start zur 6. Etappe der Tour de France 1991 in Arras an Albert Bourlon gedacht hat? Wahrscheinlich nicht. Sein französischer Landsmann gewann 1947 das Teilstück zwischen Carcassone und Luchon, nachdem er 253 Kilometer solo unterwegs gewesen war. Das war zwar ebenfalls an einem 11. Juli, aber in einer ganz anderen Epoche des Radsports.

Marie hat 44 Jahre später nicht den Etappensieg im Kopf und auch nicht das Leadertrikot. Der Normanne will sich in seiner Heimat zeigen; das ist sein Vorhaben. Marie setzt alles daran, es in die Tat umzusetzen. 25 Kilometer sind absolviert, als ihm die Flucht gelingt. Marie nutzt den Moment, als nach einem Zwischensprint das Tempo im Feld sinkt.

abspielen

Und er ward vom Feld nie mehr gesehen: Marie setzt sich ab. Video: streamable

Die Möglichkeit nutzen, wenn sie sich anbietet

Niemand verspürt an diesem heissen Tag Lust, mit Marie zu fahren und das Feld lässt ihn gewähren. Also tritt der Fliehende in die Pedale. Und tritt und tritt und tritt. Weiter, immer weiter kurbelt Marie, bis er irgendwann fast 22 Minuten Vorsprung hat. Ehe das Feld dann doch irgendwann die Verfolgung aufnimmt, wird hinten geplaudert und gescherzt – und vorne trällert Thierry Marie mangels Fluchtgefährten alleine ein Lied.

abspielen

Irgendwie muss man sich ja beschäftigen: Marie singt lauthals «Ma Normandie», die inoffizielle Hymne der Region. Video: streamable

Dem 28-Jährigen kommt auch der Umstand zu Hilfe, dass an diesem Tag niemand im Maillot Jaune fährt. Der Gesamtführende Rolf Sorensen war tags zuvor gestürzt und musste die Tour mit einem Schlüsselbeinbruch aufgeben. Und Greg LeMond, der nachrückte, wollte das Leadertrikot unter diesen Umständen nicht annehmen. Deshalb gibt es im Peloton kein Team, das die Verfolgung organisiert. «Ich spekulierte darauf», verrät der schlaue Marie. Rückenwind begünstigt seine Flucht. Langsam wird es eng für die Sprinter, wenn sie in Le Havre noch um den Tagessieg fighten wollen.

Aber kann Thierry Marie so eine Monsterflucht durchziehen? Er weiss es selber nicht. «So etwas habe ich zuvor noch nie versucht», sagt er im Ziel, «und ich fragte mich, ob ich das draufhabe. Also habe ich es probiert, ausgerechnet bei der Tour de France, und es ist aufgegangen.» Denn das Feld kommt tatsächlich nicht mehr an ihn heran. Nach einer 234 Kilometer langen Soloflucht erreicht Marie das Ziel in Le Havre als triumphaler Sieger. Und sein Vorsprung ist sogar so gross, dass er gleich auch neuer Leader der Rundfahrt ist.

abspielen

Geschafft: Marie fährt als Sieger ins Ziel. Video: streamable

«Es war so hart!»

Marie gilt eigentlich als Spezialist für Prolog-Zeitfahren, hat wenige Tage zuvor schon zugeschlagen und am ersten Tour-Tag das Maillot Jaune erobert. Wird aus ihm nun ein anderer Typ Rennfahrer? Marie winkt im Ziel ab: «So etwas mache ich kaum wieder: Es war so hart!»

Heute besitzt der Normanne eine kleine Gärtnerei, in seiner Freizeit sitzt er immer noch im Velosattel, «weil das gesund ist». Marie hat sechs Etappen der Tour de France gewonnen, trug das Leadertrikot und auch die Maglia Rosa am Giro d'Italia. «Aber diese eine Etappe ist legendär, damit bin ich im Geschichtsbuch des Radsports», weiss Thierry Marie. «Man spricht mich bis heute auf diesen Sieg an.»

abspielen

Radsport ist brutal: Während Marie vorausfährt, quält sich Martial Gayant nach einem Sturz wieder aufs Velo, ehe er unter Tränen aufgeben muss. Video: streamable

Marie fährt nach seinem Husarenritt zwei Tage lang in Gelb, ehe er das Leadertrikot an Greg LeMond abgeben muss. Doch der Amerikaner schafft keinen vierten Gesamtsieg. Stattdessen triumphiert 1991 Miguel Indurain. Es ist der erste von fünf Tour-Siegen in Folge für den Spanier, der zudem auch zwei Mal den Giro d'Italia gewann.

Spain (Espana): A file photo dated 22 July 1996 of Spanish five-time winner of Tour de France cyclist Miguel Indurain posing after his fifth Tour de France win with five yellow jerseys he won from 1991 to 1995 in Paris. Indurain announced 02 January his resignation from professional cycling sport. Indurain plans to spend more time on his family's farm and with his son Miguel junior. EPA PHOTO     EFE/FILES/MONDELO/mda

«Big Mig» Indurain 1996 nach seinen fünf Tour-Siegen. Bild: EPA EFE

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei. 
Um nichts zu verpassen, like uns auch auf Facebook!

Der Teufel jagte alle! «El Diablo» ist der berühmteste Tour-Fan

09.04.2006: Ein Lenkerbruch und ein Albtraumsturz zerstören den grossen Traum von Armstrongs Edelhelfer

Link zum Artikel

21.07.2009: Jens Voigt stürzt fürchterlich und gibt drei Tage später ein obercooles Interview

Link zum Artikel

14.02.2004: Der Pirat geht von Bord – aber in den Herzen der Fans lebt Marco Pantani ewig

Link zum Artikel

14.07.2003: Armstrong rettet sich nach dem Horrorsturz von Beloki mit einem Höllenritt querfeldein über das Kornfeld

Link zum Artikel

22.03.1995: Du kannst im Fitness-Center strampeln wie du willst – an den durchdrehenden Nüscheler kommt keiner ran

Link zum Artikel

17.06.1981: «Dä Gottfried isch für mich gschtorbe!» – 2 Tage nach dem Zitat seines Lebens fliegt Beat Breu ins Leadertrikot

Link zum Artikel

22.07.2001: Sven Montgomery erlebt an der Tour den schönsten Moment seiner Karriere – und nur drei Tage später den schlimmsten

Link zum Artikel

24.04.1993: Järmann schlägt im Sprint Weltmeister Bugno und gewinnt das Amstel Gold Race

Link zum Artikel

30.01.2011: «Dummi huere Ruederer» und «Schiiss-Ponys» machen Reporter Hans Jucker zur Legende

Link zum Artikel

15.10.2011: Für einen Tag schlüpft Oliver Zaugg aus der Rolle als Helfer und feiert den grössten Triumph seiner Karriere

Link zum Artikel

11.10.1998: Ein halbes Jahrhundert nach Ferdy Kübler trägt mit Oscar Camenzind endlich wieder ein Schweizer das Regenbogentrikot

Link zum Artikel

13.07.1967: Tom Simpson stirbt am Mont Ventoux – und sein Name wird zu einem Mahnmal für alle Radsport-Profis

Link zum Artikel

20.07.2006: Floyd Landis begeistert die Sportwelt mit einer historischen Flucht – und wird kurz nach dem Tour-Sieg als Doper entlarvt

Link zum Artikel

17.07.1992: Der Thurgauer Rolf Järmann bodigt Ex-Gesamtsieger Pedro Delgado und gewinnt die längste Tour-Etappe

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

«Es ist absurd» – der Chef erklärt, was er vom Feminismus hält

Link zum Artikel

Vorsicht, jetzt kommt die Wohnmobil-Rezession!

Link zum Artikel

Du bist ein Schwing-Banause? Wir klären dich rechtzeitig fürs Eidgenössische auf

Link zum Artikel

Zug steckt während 3 Stunden zwischen Grenchen und Biel fest – Passagiere wurden evakuiert

Link zum Artikel

Apples Update-Schlamassel – gefährliche iOS-Lücke steht zurzeit wieder offen

Link zum Artikel

So viel verdient dein Lehrer – der grosse Schweizer Lohnreport 2019

Link zum Artikel

Prügelt Trump die amerikanische Wirtschaft in eine Rezession?

Link zum Artikel

Schweizer Firmen wollen keine Raucher einstellen – weil sie (angeblich) stinken

Link zum Artikel

Liam und Emma sind die beliebtesten Namen der Schweiz – wie sieht es in deinem Kanton aus?

Link zum Artikel

AfD-Politikerin Alice Weidel ist heimlich wieder in die Schweiz gezogen

Link zum Artikel

Mein Horror-Erlebnis im Militär – und was ich daraus lernte

Link zum Artikel

2 mal 3 macht 4! – Das wurde aus den Darstellern von «Pippi Langstrumpf»

Link zum Artikel

Greta Thunberg wollte Panik säen, erntet nun aber Wut

Link zum Artikel

Pasta mit Tomatensauce? OK, wir müssen kurz reden.

Link zum Artikel

«Es war die Hölle» – dieser Schweizer war am ersten Woodstock dabei

Link zum Artikel

Oppos Reno 5G ist ein spektakuläres Smartphone – das seiner Zeit voraus ist

Link zum Artikel

MEI, Minarett und Güsel: Das musst du zum Polit-Röstigraben wissen

Link zum Artikel

Ich hab die 3 neuen Huawei-Handys 2 Monate im Alltag getestet – es gab einen klaren Sieger

Link zum Artikel

Keine Hoffnung auf Überlebende nach Unwetter im Wallis ++ Gesperrte Pässe in Graubünden

Link zum Artikel

Immer wieder Djokovic – oder Federers Kampf gegen die Dämonen der Vergangenheit

Link zum Artikel

QDH: Huber ist in den Ferien. Wir haben ihn vorher noch ein bisschen gequält

Link zum Artikel

YB-Fan lehnt sich im Extrazug aus dem Fenster – und wird von Schild getroffen

Link zum Artikel

10 Tweets, die zeigen, dass in Grönland gerade etwas komplett schief läuft

Link zum Artikel

Wahlvorschau: Die Zentralschweiz ist diesmal nicht nur für Rot-Grün ein hartes Pflaster

Link zum Artikel

Sogar Taschenrechner verwirrt: Dieses Mathe-Rätsel macht gerade alle verrückt

Link zum Artikel

Die bizarre Geschichte der Skinwalker-Ranch, Teil 4: Die Zweifel des Insiders

Link zum Artikel

Uli, der Unsportliche – warum GC-Trainer Forte in Aarau unten durch ist

Link zum Artikel

Die Bloggerin, die 22 Holocaust-Opfer erfand, ist tot, ihre Fantasie war grenzenlos

Link zum Artikel

Google enthüllt sechs Sicherheitslücken in iOS – das solltest du wissen

Link zum Artikel

Der neue Tarantino? Ist Mist. Aber vielleicht seht ihr das ganz anders

Link zum Artikel

Wohin ist denn eigentlich die Hitzewelle verschwunden? Nun, die Antwort ist beunruhigend

Link zum Artikel

Gewalt und Krankheiten – die Bewohner der ersten Steinzeit-Stadt lebten gefährlich

Link zum Artikel

Ab heute lebt die Welt auf Ökopump – und diese Länder sind die grössten Umweltsünder

Link zum Artikel

ARD-Moderatorin lästert über «Fortnite»-Spieler und erntet Shitstorm – nun wehrt sie sich

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Der Letzte, der auch ein Erster ist: Lawson Craddock erreicht Paris

Seit dem ersten Tag der Tour de France ist Lawson Craddock der Letztklassierte im Gesamtklassement. Aber während viele Konkurrenten das Rennen aufgeben müssen, kämpft sich der Amerikaner trotz gebrochener Schulter bis ins Ziel auf den Champs-Élysées.

Die Tour de France ist das berühmteste Velorennen der Welt. Wohl jeder aufstrebende Fahrer träumt davon, sie eines Tages gewinnen oder zumindest teilnehmen und nach drei Wochen in Paris einfahren zu können. Der Amerikaner Lawson Craddock wird letzteres bei seiner zweiten Teilnahme zum zweiten Mal schaffen – weil der 26-Jährige Tag für Tag auf die Zähne gebissen hat.

Denn dass Craddock die Champs-Élysées erreichen wird, schien nach dem Auftakt der Frankreich-Rundfahrt unwahrscheinlich. Auf der …

Artikel lesen
Link zum Artikel