Arbeitswelt
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Kapitalismus (Symbolbild)

Der Kapitalismus hat eine Welle der Innovation und des Fortschritts losgetreten. Bis auf Weiteres dürfte er das sprichwörtliche Betriebssystem der Welt bleiben. Bild: Pexels/Skitterphoto

Wohin steuert der Kapitalismus?

Marko Kovic



Karl Marx hatte recht: Der Kapitalismus hat die verkrusteten Strukturen des Feudalismus und der Aristokratie aufgebrochen und eine Welle der Innovation und des Fortschritts losgetreten. Es ist kein Zufall, dass die Phase der rasanten technologischen Entwicklung und der massiven Erhöhung unserer Lebensstandards, die mit der Industriellen Revolution begann, auch die Phase des globalen Aufstiegs der kapitalistischen Gesellschaftsordnung ist.

Gleichzeitig erleben wir heute aber eine Krise des Kapitalismus'. Die Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen nimmt weltweit zu; die globale Wirtschaftsmacht ist konzentriert in den Händen relativ weniger Organisationen und Individuen; der mit der Realwirtschaft eng verbundene Industriekapitalismus wich ab den 1980er Jahren einem aggressiven Finanzkapitalismus; der Klimawandel, eine direkte Folge unseres Wirtschaftens, bedroht die Existenz der Menschheit.

Krise des Kapitalismus: Die Ungleichheit wächst. (Symbolbild)

Wir erleben eine Krise des Kapitalismus: Die Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen nimmt weltweit zu. Bild: Shutterstock

Es ist sehr unwahrscheinlich, dass der Kapitalismus, wie wir ihn heute kennen, in naher Zukunft mit einer Revolution oder dergleichen abgeschafft wird; bis auf Weiteres dürfte der Kapitalismus das sprichwörtliche Betriebssystem der Welt bleiben. Gleichzeitig befinden wir uns aber wahrscheinlich nicht, wie der Politologe Francis Fukuyama Ende der 1980-er Jahre berühmterweise postulierte, am Ende der Geschichte. Die kapitalistische Gesellschaftsordnung hat sich mit dem Fall der Sowjetunion weltweit durchgesetzt, aber Gesellschaften sind nie statisch, sondern in einem steten, wenn auch zähen Wandel begriffen.

Wohin geht die kapitalistische Reise? Wir befinden uns gegenwärtig an einem Scheideweg, und es gibt unterschiedliche Szenarien, was die Zukunft bringen könnte.

Marko Kovic

Bild: zVg

Marko Kovic denkt und schreibt zu gesellschaftlichem Wandel und Technologie-bezogenen Risiken. Er ist Mitgründer von ars cognitionis und von ZIPAR.

Szenario 1:
Alles wie gehabt (nur schlimmer)

Soziale Strukturen sind träge und pfadabhängig. So, wie die Dinge gestern waren und wie sie heute sind, bestimmt wesentlich, wie sie morgen sein werden. Das ist grundsätzlich durchaus gut, weil Trägheit in positivem Sinne Stabilität und Sicherheit bedeutet: Weil sich die Gesellschaft nur langsam und meistens nicht stark ändert, können wir für die Zukunft planen und davon ausgehen, dass über Nacht nicht alles komplett anders wird.

Die Kehrseite der gesellschaftlichen Trägheit ist aber, dass Dinge, die wir mit guten Gründen ändern sollten, manchmal nur schwer zu ändern sind. Das trifft auch auf die Nachteile des Kapitalismus zu, und zwar in einem doppelten Sinn. Einerseits, und ganz neutral, ist mit der Zeit eine gewisse Trägheit innerhalb kapitalistischer Systeme unvermeidbar – Kapital bedingt mehr Kapital. Andererseits hat die kapitalistische Pfadabhängigkeit auch eine aktive Komponente. Jene, die vom Status quo profitieren, haben nämlich einen Anreiz, in den Erhalt des Status quo zu investieren.

Dow Jones

Mit der Zeit ist eine gewisse Trägheit innerhalb kapitalistischer Systeme unvermeidbar. Bild: Unsplash/Markus Spiske

Das bedeutet konkret: Je vermögender eine Interessengruppe, desto effektiveres Lobbying kann sie betreiben, um damit die eigenen Ziele durchzusetzen und ihre Privilegien zu wahren. Dieser Mechanismus führt nicht nur zu einer Verhärtung des Status quo, sondern zu einer schleichenden Verschlechterung aus Sicht der Mittel- und Unterschicht. So gibt es beispielsweise Anzeichen, dass mehr Ungleichheit in einem Land dazu führt, dass der politische Einfluss der Vermögenden steigt, was wiederum zu noch mehr Ungleichheit führt.

Dieses Szenario ist realistischer, als uns lieb sein kann. Wenn sich nichts verändert, bleibt grundsätzlich alles beim Alten – die Tendenzen von gestern und heute werden morgen lediglich noch ausgeprägter sein.

Szenario 2:
Staatskapitalismus à la chinoise

Im Westen blicken wir bisweilen mit Bewunderung und Neid nach China. In den letzten rund 20 Jahren hat China eine explosionsartige Entwicklung durchgemacht und nicht nur Armut massiv gesenkt, sondern unter anderem auch eine Hightech-Industrie aufgebaut, die auf Augenhöhe mit westlichen Tech-Giganten ist. Es liegt nahe, sich zu fragen, ob wir uns vom chinesischen Modell eine Scheibe abschneiden können.

Der Kern der chinesischen Erfolgsgeschichte ist eine auf den ersten Blick eigentümliche Konstruktion: der Staatskapitalismus. Staatskapitalismus bedeutet, dass eine Gesellschaft grundsätzlich kapitalistisch operiert, die Zügel des Wirtschaftsgeschehens aber kategorisch und umfassend beim Staat liegen. Der Staat betreibt in unterschiedlichen Branchen starke oder quasi-monopolistische Unternehmen, und der Staat steuert stark, wie und wann private Unternehmen aktiv sein dürfen.

Chinesische Metropole

China hat in den letzten rund 20 Jahren eine explosionsartige Entwicklung durchgemacht. Bild: Unsplash/Li Yang

Auf den ersten Blick mag der Staatskapitalismus, wie ihn China vormacht, ein valables Modell sein, frei nach dem Motto: Wenn es funktioniert, warum nicht? Das Problem mit dem chinesischen Modell ist, dass es zutiefst anti-demokratisch und freiheitsfeindlich ist. Der chinesische Staatskapitalismus ist ein Instrument für die Regierung Chinas, ihren totalitären Machtanspruch zu zementieren und auszubauen.

So wäre beispielsweise der gigantische digitale Überwachungsstaat in China undenkbar ohne die (erzwungene) Kooperation privater chinesischer Tech-Unternehmen. Sogar westliche Tech-Unternehmen werden dank des Staatskapitalismus in den chinesischen Überwachungsapparat eingespannt. Wenn nämlich westliche Tech-Unternehmen in China aktiv sein wollen, müssen sie zuhanden der kommunistischen Partei massive Zensur- und Überwachungsmassnahmen umsetzen. Apple, Microsoft, LinkedIn und andere Unternehmen machen dabei mit.

Staatskapitalistische Tendenzen scheinen grundsätzlich inkompatibel mit Demokratie, egal ob in China, in Saudi-Arabien, in Russland, im Iran oder in Venezuela. Eine Ausnahme bildet Norwegen, ein unbestritten demokratisches und freiheitliches Land, wo der Staat dennoch überdurchschnittlich grosse Anteile an Unternehmen besitzt sowie den grössten Investmentfonds der Welt betreibt.

Kurios am norwegischen Sonderfall ist, dass der norwegische Staat massgeblich am Erdöl- und Erdgas-Giganten Equinor beteiligt ist und den staatlichen Investmentfonds unter anderem aus Profiten mit dem Erdöl- und Erdgas-Geschäft von Equinor füttert. Der Fonds hat aber ironischerweise zum Ziel, Norwegen für eine Zukunft ohne fossile Brennstoffe fit zu machen. Sogar das am wenigsten verwerfliche Beispiel für Staatskapitalismus hat also einen reichlich fahlen Beigeschmack.

Szenario 3:
Zurück zur sozialen Marktwirtschaft

Im August 2019 haben rund 200 US-amerikanische CEOs grosser Unternehmen eine erstaunliche Erklärung verabschiedet: Das «Shareholder-Value»-Paradigma, bei dem die kurzfristige Gewinnmaximierung für Investoren im Vordergrund steht, solle einer langfristigen Sichtweise weichen, bei der das Ziel ist, alle gesellschaftlichen Stakeholder zu bedienen, nicht nur die Investoren.

Diese Erklärung hat weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Wenn 200 CEOs in dem Geburtsland des Shareholder Values öffentlich eine Abkehr vom Shareholder Value fordern, birgt das eine gewisse Sprengkraft. Könnte es sein, dass wir auf dem Weg zu einem faireren, nachhaltigeren und gemeinschaftlicheren Kapitalismus sind?

Das, was die US-amerikanischen CEOs fordern, ist in Europa als «soziale Marktwirtschaft» bekannt: Eine Form des Kapitalismus, bei der kapitalistisches Wirtschaften mit sozialem Ausgleich und sozialem Fortschritt verbunden wird. Das Vorzeigebeispiel für soziale Marktwirtschaft war Deutschland in den Nachkriegsjahrzehnten, in denen wirtschaftliches Wachstum ein besseres Leben für alle bedeutete, nicht nur für Investoren.

Die Idee der Rückkehr zur sozialen Marktwirtschaft klingt verlockend, und ein öffentliches Plädoyer US-amerikanischer CEOs mag uns das Gefühl geben, auf dem richtigen Weg zu sein. Doch was sich ganz konkret verändern soll, um Kapitalismus auf den tugendhaften Pfad der sozialen Marktwirtschaft zurückzubringen, ist unklar. Zum Beispiel ist ein zentrales Standbein der sozialen Marktwirtschaft die sogenannte «Sozialpartnerschaft»; das Verhandeln von Arbeitgebern und Arbeitnehmern auf Augenhöhe, um tragfähige Lösungen zu erarbeiten. Die Interessen der Arbeitnehmenden werden dabei von Gewerkschaften vertreten.

Doch der Organisationsgrad von Gewerkschaften nimmt stetig ab (in der Schweiz sank der Anteil der gewerkschaftlich organisierten Erwerbstätigen von 1960 bis 2017 von rund 31% auf rund 17%), und in modernen, immer wichtigeren Arbeitskontexten wie etwa der Gig Economy sind Gewerkschaften inexistent und stattdessen prekäre Arbeitsverhältnisse an der Tagesordnung.

Nicht zuletzt in den USA führte der Niedergang der Gewerkschaften zu stagnierenden Löhnen für die Mittel- und Unterschicht. «Corporate-Social-Responsibility»-Kampagnen wie die Erklärung der 200 CEOs, mit denen Unternehmen ihr Image aufzupolieren versuchen, sind nett, aber ob dahinter tatsächlich mehr als bloss Hochglanz-PR steckt, darf bezweifelt werden.

Szenario 4:
Degrowth

Kapitalismus ist auf wirtschaftliches Wachstum ausgelegt. Zügelloses wirtschaftliches Wachstum verursacht aber Probleme, wie nicht zuletzt der Klimawandel erschreckend aufzeigt. Aus der Überlegung heraus, dass unbegrenztes Wirtschaftswachstum nicht unendlich weitergehen kann, postuliert die «Degrowth»-Bewegung darum, dass die beste Lösung sei, Wirtschaftssysteme gezielt schrumpfen zu lassen, um ein ökologisch nachhaltiges Niveau zu erreichen.

Degrowth ist ein Ansatz, der ganz intuitiv sinnvoll scheint: Wir müssen raus aus dem kapitalistischen Wachstums-Hamsterrad und eine nachhaltige Wirtschaftsform finden, mit der wir uns nicht selber den Teppich unserer Lebensgrundlagen unter den Füssen wegziehen. Diese Erkenntnis ist im Grunde trivial, aber gerade der Klimawandel zeigt, dass wirtschaftliche Anreizsysteme paradoxerweise Folgen haben können, die das krasse Gegenteil unserer eigentlichen Interessen sind (Die wenigsten Menschen wollen die Erde aktiv unbewohnbar für Menschen machen.). Degrowth ist die metaphorische Bremse, die entschleunigt und uns Zeit gibt, einen anderen Kurs einzuschlagen.

Pflanze auf Hand, Degrowth (Symbolbild)

Zügelloses wirtschaftliches Wachstum verursacht Probleme, wie nicht zuletzt der Klimawandel erschreckend aufzeigt. Bild: Unsplash/Ravi Roshan

Vom Bauchgefühl her dürfte Degrowth also auf grossen Zuspruch stossen. Ein genauerer Blick offenbart aber rasch die Probleme dieses Ansatzes. Ein wesentliches Problem mit Degrowth ist, dass es sich dabei um ein sehr unscharfes, vages Konzept handelt – mehr Motto und Forderung als philosophisch ausgeklügelter Ansatz. Wie genau eine Volkswirtschaft eine Schlankheits-Kur durchmachen könnte, um danach ein nachhaltiges Gleichgewicht zu finden, wissen auch die überzeugtesten Verfechter von Degrowth nicht.

Weiter stellt sich die Frage, ob Degrowth nicht das Kind mit dem Bade ausschüttet. Wir könnten die Schweiz beispielsweise auf einen Lebensstandard, wie ihn die Amischen haben, zurückentwickeln. Das wäre «nachhaltig» (wir würden nicht mehr Ressourcen beanspruchen, als das Ökosystem hergibt), aber damit würden wir gleichzeitig das Risiko einer zivilisatorischen Stagnation eingehen. Das Streben nach Fortschritt ist eine wesentliche Triebfeder der menschlichen Entwicklung. Uns auf ein vordefiniertes maximales Niveau der wirtschaftlichen Aktivität einzupendeln und zu beschränken, könnte entsprechend bedeuten, dass wir auch Innovation, Erfindertum und Kreativität abklemmen.

Szenario 5:
Grundeinkommen

Eine der grundlegenden Absurditäten des Lebens nehmen wir als solche nicht wahr, weil wir sie für «normal» halten: Als Mensch zu existieren, kostet.

Wir kommen unverschuldet auf die Welt (niemand von uns hat selber entschieden, existieren zu wollen), müssen aber viel Geld zahlen, um in der Welt leben zu dürfen. Wir zahlen Miete, wir zahlen für Essen, wir zahlen für Krankenversicherung, wir zahlen für Kleider, wir zahlen für elementare persönliche Hygiene. Wer Glück hat, wird in eine wohlhabende Familie hineingeboren und braucht sich ob der Kosten des blossen Existierens keine Sorgen zu machen.

Die meisten von uns haben kein derartiges Glück und müssen darum Arbeit nachgehen. Arbeit, die oft weder erfüllend noch besonders sinnvoll ist. Wir wenden so einen grossen Teil unserer begrenzten Lebenszeit auf, nur um die Kosten für das blosse Auf-der-Welt-Sein zu decken.

Bedingungsloses Grundeinkommen (Symbolbild)

Das bedingungslose Grundeinkommen könnte die Kosten für das blosse Existieren abschaffen. Bild: Unsplash/Alexander Mils

Ein Weg, um diesen krassen existenziellen Druck des Arbeitens abzuschwächen, ist das bedingungslose Grundeinkommen. Ein Grundeinkommen ist ein fixer Geldbetrag, den alle Einwohnerinnen und Einwohner eines Landes erhalten, und zwar ohne Bedingungen oder Verpflichtungen.

Ein Grundeinkommen hätte, nebst der Abschaffung der Kosten für das blosse Existieren, weitere positive Effekte. Die Arbeiterschicht hätte dank eines Grundeinkommens zum ersten Mal die Freiheit, wirklich auszuwählen, was für Jobs sie annehmen und wie viel Lohnarbeit sie verrichten will. Auch dürfte es mit einem Grundeinkommen viel weniger sogenannte «Bullshit-Jobs» geben, wie sie der Anthropologe David Graeber in seinem Buch «Bullshit Jobs: A theory» beschreibt: Jobs, die keinen Mehrwert in der Welt schaffen und Menschen keine Erfüllung oder keinen Sinn geben, sondern im Wesentlichen dazu da sind, zu beschäftigen.

Das Grundeinkommen ist also in mehrfacher Hinsicht verlockend, aber der Schuss könnte auch nach hinten losgehen. Eine zentrale Herausforderung für ein Grundeinkommen ist, das Grundeinkommen so zu gestalten, dass es wirklich ein lebenswertes Leben ermöglicht und nicht bloss den finanziellen Druck des Existierens ein wenig lindert. Wenn das Grundeinkommen nur ein «Zustupf» ist, kann das nämlich paradoxerweise mehr Menschen in Tiefstlohn-Jobs treiben und damit letztlich Kapitalbesitzer subventionieren.

Wenn wir beispielsweise ein Grundeinkommen in Höhe von 500 Franken pro Monat einführen, könnte niemand von diesem Grundeinkommen alleine leben und wäre entsprechend weiterhin auf Arbeit angewiesen. Arbeitgeber könnten diese 500 Franken aber als indirekte Subvention nutzen: Die Löhne sinken einfach um 500 Franken, und es entstehen neue Tiefstlohn-Jobs unter der Armutsgrenze.

Das Grundeinkommen könnte auch einen preistreibenden Effekt haben. Wenn wir beispielsweise ein Grundeinkommen von 2000 Franken einführen und Mietwohnungen im Durchschnitt 2000 Franken teurer werden, nützt das Grundeinkommen nicht der breiten Bevölkerung, sondern nur den Eigentümern der Mietobjekte.

Die Idee, ein lebenswertes Leben leben zu dürfen, ohne dafür einem lebenslangen Druck auf unbefriedigende, fremdbestimmte Arbeit ausgesetzt zu sein, ist moralisch richtig. Es ist aber nicht sicher, ob ein Grundeinkommen das richtige Mittel ist, um dieses Ziel zu erreichen.

Szenario 6:
Die Post-Knappheits-Gesellschaft

Die alten Staffeln der Science-Fiction-Serie «Star Trek» gehören zum Besten, was das Fernsehen hervorgebracht hat. Praktisch jede Folge wirft ein philosophisches Problem oder ein moralisches Dilemma auf, und wir als Zuschauerinnen und Zuschauer denken und fiebern mit. Aber auch die Prämisse der Star-Trek-Welt regt zum Denken an: Es gibt kein klassisches Geld und keine kapitalistische Wirtschaft mehr, denn dank moralischem und technologischem Fortschritt wurde es möglich, allen Menschen ein lebenswertes Leben zu ermöglichen. Die Welt von Star Trek ist eine Welt, in der Knappheit faktisch überwunden wurde. Ist so eine Welt in der Realität möglich?

Publicity photo of Leonard Nimoy and William Shatner as Mr. Spock and Captain Kirk from the television program Star Trek.

Leonard Nimoy und William Shatner als Mr. Spock und Captain Kirk in der Serie «Star Trek» (1968) Bild: Wikimedia.

Die Post-Knappheits-Gesellschaft von Star Trek wird durch futuristische Technologien wie zum Beispiel dem Replikator, der Energie zu Materie wandelt und auf Knopfdruck alles Erdenkliche quasi aus dem Nichts herstellen kann, ermöglicht. Von solcher Technologie sind wir heute noch weit entfernt. Wir brauchen aber gar keine futuristische Science-Fiction-Technologie, denn Knappheit zu überwinden bedeutet nicht, unendlich viel von etwas zu haben, sondern lediglich, so viel eines Gutes erschaffen zu können, dass alle, die das Gut in Anspruch nehmen müssen, es auch in Anspruch nehmen können.

Das Gut ist nicht zwingend gratis, aber die Herstellungskosten sind so gering, dass wir davon eine genügend grosse Fülle haben, um alle Bedürfnisse abzudecken. In bestimmten Bereichen ist das bereits heute Realität. Zum Beispiel beim Trinkwasser: Alle Menschen in unserer Gesellschaft benötigen Trinkwasser, und wir sind in der Lage, allen Menschen nachhaltig genug Trinkwasser so gut wie kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Der grosse Schritt, der uns in eine veritable Post-Knappheits-Ära katapultieren könnte, ist die heute beginnende Automatisierungs-Revolution, wie Nick Srnicek und Alex Williams in ihrem Buch «Inventing the Future» beschreiben. Automatisierung gibt es mindestens seit dem frühen 20. Jahrhundert, aber die heutige Automatisierung basiert auf einer Intelligenz-Explosion, wie es sie bisher noch nie gab.

Künstliche Intelligenz kann immer mehr immer besser – und erkämpft sich Sieg um Sieg in Domänen, die wir ehemals als nur von uns Menschen beherrschbar glaubten. Geht dieser Trend weiter, wird ein Grossteil der heute notwendigen manuellen, menschlichen Arbeit obsolet, aber Wohlstand und technologische Entwicklung werden weiterhin steigen und voranschreiten.

Automatisierung, Roboterisierung (Symbolbild)

Bild: Unsplash/DXK

Es ist allerdings nicht garantiert, dass es wirklich so kommt. Zum einen wissen wir nicht, ob Automatisierung das Potenzial, das wir ihr zuschreiben, wirklich hat; es könnte sein, dass wir bald an harte technologische Grenzen stossen und KI-getriebene Automatisierung nicht so revolutionär wird, wie wir uns erhoffen. Zum anderen bedeutet erfolgreiche und flächendeckende Automatisierung nicht zwingend einen positiven Wandel des Kapitalismus. Die Treiber der Automatisierung sind nämlich private Unternehmen, deren Investoren nicht ein Ende der Knappheit wollen, sondern gigantische Profite.

Es ist darum denkbar, dass die Automatisierungs-Revolution nicht etwa eine Post-Knappheits-Gesellschaft einläutet, sondern stattdessen eine neue Schicht der Billionäre entstehen lässt, die unvorstellbar viel Macht haben und die Geschicke der Wirtschaft und Politik noch viel stärker zu ihrem eigenen Vorteil steuern, als Investoren es heute tun.

Mut zu grossen Ideen

Die Zukunft unserer kapitalistischen Gesellschaftsordnung ist ungewiss. Vielleicht kommt alles gut, vielleicht werden die Dinge unvorstellbar schlecht. Fest steht nur eines: Wenn wir passiv bleiben und die Gestaltung der Zukunft ausschliesslich jenen überlassen, die bereits heute die Zügel der politischen und kapitalistischen Macht in den Händen haben, riskieren wir, dass die Mehrheit der Bevölkerung (weiterhin) auf der Strecke bleibt.

Was ist zu tun? Der erste und wichtigste Schritt, den wir machen müssen: Uns als Gesellschaft wieder trauen, grosse Ideen zu haben. Uns trauen, den Status quo zu hinterfragen und zu skizzieren, wie die Zukunft, die wir mit guten Gründen wollen, auszusehen hat.

Dass wir das können, zeigt die Geschichte. Rechte für Arbeitnehmende, sozialstaatliche Massnahmen wie Alters- und Invalidenrente, oder nicht zuletzt Demokratie an und für sich waren einst grosse, fast unerreichbar scheinende Ideen – bis sie eines Tages Realität wurden, weil genug viele Menschen daran geglaubt haben.

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103Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Fairness 14.10.2019 19:50
    Highlight Highlight Irgendwann bleibt infolge Unvernunft der Neoliberalen an der Macht nur noch Szenario 7:

    https://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/standardstaroekonom-fordert-90prozentsteuer-auf-milliardenvermoegen/story/29649023
  • LeChef 14.10.2019 18:16
    Highlight Highlight Der Kapitalismus hat für alle (!) Menschen auf diesem Planeten einen unvorstellbaren Wohlstand geschaffen. Selbst den Bewohnern des hinterletzten Kaffs in Ghana oder Vietnam geht es heute besser als vor 150 Jahren. Dass nicht alle im selben Mass profitieren in systeminhärent, wobei die Staaten dem sicherlich ein Stück weit Gegensteuer geben können und auch tun. Aber selbst wenn sie das nicht tun würden wäre der Kapitalismus immer noch eine Erfolgsgeschichte.
  • Eliaz54 14.10.2019 13:16
    Highlight Highlight Die ganzen linken schneeflöckchen die sich den Kommunismus wünschen sollen sich mal informieren, die Welt war nie Fair. Habt Ihr wirklich das Gefühl das die Welt dann Fair wäre? Denkt drüber nach.
  • Phlipps 14.10.2019 11:23
    Highlight Highlight Ich finde es schade, wenn vermeintlich informative Beiträge offensichtlich jede Neutralität missen.
    So wird zB ein Zusammenhang zwischen Umweltschädigung und Kapitalismus als selbstverständlich dargestellt, obwohl in kommunistischen Systemen (Stichwort: DDR, China) weitaus grössere Umweltschäden verursacht wurden.
    Richtig realitätsfremd wird es jedoch bei Szenario 5: Woraus leitet der Einzelne denn sein Recht ab - ohne "Handicap" - von der gesamten Gesellschaft "durchgefüttert" zu werden? Die Sicherheit und der Wohlstand, in welchem wir uns heute befinden, ist keine Selbstverständlichkeit...
    • Marko Kovic 14.10.2019 15:00
      Highlight Highlight Hallo Phlipps

      1) Zu Umweltschäden: Die UdSSR und China vor Deng Xiaoping waren durchaus auch Umweltsünder. Ich verstehe das Argument aber nicht - es entkräftet rein logisch den Zusammenhang zwischen Kapitalismus und Umweltschäden ja nicht?

      2) Zu "Durchfüttern": Es gibt eben mindestens zwei wichtige moralische Fragen: Muss eine aufgeklärte Gesellschaft nicht darum besorgt sein, Leid zu minimieren? Muss eine liberale Gesellschaft nicht darum besorgt sein, allen die Freiheit zu ermöglichen, ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu leben? (vgl. auch "Why surfers should be fed", van Parijs, 1991)
    • Marko Kovic 14.10.2019 15:01
      Highlight Highlight 2.1) Die Vorstellung, Grundeinkommen = Durchfüttern, dürfte aber grundsätzlich falsch bzw. realitätsfern sein. Oder würdest du, gäbe es ein Grundeinkommen, *nichts* Produktives mehr in deinem Leben machen wollen? Natürlich nicht: Das Grundeinkommen würde dir im Gegenteil erlauben, zu experimentieren und Risiken einzugehen (z.B. ein Jungunternehmen gründen, etc.).
  • Turicum04 14.10.2019 10:52
    Highlight Highlight Der Kapitalismus hat versagt und muss schleunigst durch die Marktwirtschaft ersetzt werden: Wir brauchen keine Multis. Zudem hat der Kapitalismus unsere Welt zerstört (Klimawandel!). Banken und privater Wohneigentum gehören enteignet. Das Kapital kann man sinnvoller einsetzen: Umverteilung, Migration, Klimawandel! Dann würden auch die Bonzen an der Goldküste verschwinden! Unser Leben muss sinnvoller gestaltet werden: Nicht Zwangsarbeit, sondern Sozialrente, Gratisdrogen an alle etc. Nehmt die Kohle auf den Banken, sie gehört uns! Der 20.10. ist der Anfang...
    • neoliberaler Raubtierkapitalist 14.10.2019 15:25
      Highlight Highlight Wie soll Marktwirtschaft ohne Kapitalismus funktionieren? Was du hier forderst, ist Planwirtschaft. Du möchtest gerade nicht, dass der Preis (Markt) und die individuellen Bedürfnisse unsere Wirtschaft frei lenken.
  • Schneider Alex 14.10.2019 05:47
    Highlight Highlight "Nichts ist alternativlos, weder der Kapitalismus als solcher noch seine neoliberale Variante. Wer politisch agiert, sollte sich jedoch bemühen, genau zu sein. Die Masse der Menschen mit Systemüberwindung vor den Kopf zu stossen, ist gefährlich, wenn man eigentlich nur die Überwindung des Neoliberalismus anstrebt. Ich fürchte, bei vielen, die leichtfertig über den Kapitalismus reden, fehlt es einfach an Wissen über die enorme Flexibilität eines Systems, das man sowohl Kapitalismus wie auch Marktwirtschaft nennen kann.“ (H. Flassbeck in Infosperber vom 24.7.19)
  • Der Rückbauer 14.10.2019 00:46
    Highlight Highlight Naja, da ist ziemlich viel hineingedichtet, ein Wirrwarr sondergleichen. Und das, was rein sollte, ist nicht drin.
    Die Wörter "Neo-kapitalismus" und "Neo-Feudalismus" kommen gar nicht vor. Dabei liegt gerade hier die Sprengkraft. Oft wird heute von "sozialen Verwerfungen" gesprochen, was nichts anderes als Unruhe, Revolution, Krieg heissen kann (zur Zeit Ecuador, Gelbe Westen). Auch dieses Szenario vermisse ich.
    Nebenbei: Die Ausführungen über den Norwegischen Pensionsfonds sind grundfalsch.
    (https://orange.handelsblatt.com/artikel/48608)
  • Dominik Treier 14.10.2019 00:37
    Highlight Highlight Der Kapitalismus muss sterben, was aber nicht heisst, dass auf unserem Weg zum zweifellosen Ziel Überschussgesellschaft auf Geld und die freie Marktwirtschaft verzichten müssen, denn vielfach werden, wie hier leider auch, Kapitalismus und freie Marktwirtschaft gleichgesetzt. Ein Trugschluss, denn Kapitalismus ist zuerst mal einfach ein Ziel als Wirtschaftsteilnehemer möglichst viel Gewinn zu erzielen, zu wachsen und Kapital anzuhäufen. Mit der heute ungesicherten Existenz muss das das Ziel sein um sicher Leben zu können. Ein Grundeinkommen könnte dieses grundlegende Problem lösen.
    • Dominik Treier 14.10.2019 01:12
      Highlight Highlight Denn der Kapitalismus schafft ein grundlegendes Paradox. Auch wenn in unserer Welt genug da wäre um jedem ein anständiges Leben zu ermöglichen, so sind wir durch das System, dass in jedem eine Unsicherheit über seine Existenz errschafft gezwungen, so auf die Angst um darum fokussiert zu sein, dass wir alle höheren Lebenssziele unsere Leidenschaften, unsere Entwicklung und zu oft auch das Moralische dadurch hinten anstellen. Warum muss ein Milliardär noch reicher weden, noch ausbeuterischer handeln, noch mehr Lobbyieren für Steuerschlupflöcher? Weil er schlecht ist? Nein! Weil er Angst hat!
    • Dominik Treier 14.10.2019 01:17
      Highlight Highlight Die Angst nicht existieren zu können! Kein gutes Leben führen zu können! In wie vielen Kindern wurde sie Kultiviert? Wer hat nicht Sätze gehört wie; "Du willst Sänger werden, du bist ja gut aber mach erst mal was richtiges!" Oder ähnliches heute teils schon für Lehrberufe wie Coiffeur oder Tierpflegerin.
      Viele meinen etwas sein und beweisen zu müssen und der gelernte Druck zu existieren befeuert diese Spirale und macht nicht halt nur weil man Milliarden hat, man hat dann nur eben Angst vom vielleicht skrupelloseren Konkurrenten gefressen zu werden. Da ist unser Problem!
  • 45rpm 13.10.2019 23:39
    Highlight Highlight Frage an Radio Eriwan: Stimmt es, dass der Kapitalismus am Abgrund steht?
    Antwort: Im Prinzip ja, aber wir (die Sowjetunion) sind bereits einen Schritt weiter.

    Nun, die Sowjetunion, der Ostblock und der realexistierender Sozialismus gibts schon längst nicht mehr, aber der Kapitalismus ist spätestens seit der Finanzkrise 2008 dem Abgrund noch näher gekommen.
  • amore 13.10.2019 23:28
    Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte beachte die Kommentarregeln.
    • neoliberaler Raubtierkapitalist 14.10.2019 15:33
      Highlight Highlight Der Kommentar, auf den du Bezug nimmst, wurde bereits entfernt.
  • salamandino 13.10.2019 23:15
    Highlight Highlight Eine mögliche lösung wäre natürlich dass der staat einspringt, mit sozialhilfe oder einem bedingungslosen grundeinkommen, eine andere, in meinen augen bessere, lösung ist dass wir alle menschen an dem enormen datenmarkt teilnehmen lassen. Daten sind mittlerweile mehr wert als öl und mit einem dezentralen open source projekt schaffen wir die möglichkeit dass jeder seine daten selbst besitzt und daher an der wertschöpfung eben dieser mitverdienen kann.
    Schaut China an -> Paradigmen wechsel von daten kommunismus zu daten kapitalismus
    • Fritz N 14.10.2019 10:42
      Highlight Highlight was würde denn aus deiner Sicht dieser "Datenkapitalismus" von einer Planwirtschaft unterscheiden?
  • salamandino 13.10.2019 23:13
    Highlight Highlight Immer mehr manuelle arbeit wird von maschinen übernommen und vor allem für nicht hochqualifizierte arbeitskräfte wird es immer schwieriger arbeit zu finden. Unsere gesellschaft braucht für dieses problem eine lösung, denn ohne geld kann heutzutage nur eine sehr kleine minderheit leben (selbstversorger).
    • neoliberaler Raubtierkapitalist 14.10.2019 15:40
      Highlight Highlight Tatsächlich brauchen wir Kapital um unsere Güter zu produzieren. Menschen werden aber immer noch gebraucht, wenn auch für andere Tätigkeiten. Insbesondere durch unser grossartiges Bildungssystem sind wir im Durchschnitt viel gebildeter als noch Generationen vor uns. Wir können spannendere Tätigkeiten machen und verdienen mehr.
  • hämpii 13.10.2019 23:06
    Highlight Highlight "Wohin steuert der Kapitalismus?"... In den Abgrund...
  • Antinatalist 13.10.2019 22:38
    Highlight Highlight Wenn man z.B. die Jarawa auf den Andamanen fragt, dann sind die nicht der Meinung, dass wir einen hohen Lebensstandard geniessen.

    Nur weil der weisse Mann glaubt, es wäre so, heisst das noch lange nicht, es ist auch so.
  • Altweibersommer 13.10.2019 22:26
    Highlight Highlight Im neoliberalen Kapitalismus werden sehr viele Verlierer produziert. Die Generationen unter 35 konnten nie von diesem System profitieren und sind darum auch sehr kapitalismuskritisch. Tja, in 10 Jahren sind das die Generationen unter 45. Dazu kommt dann noch der Klimawandel. Das heisst, doe Zeit die dem Kapitalismus zu einer tiefgreifenden Reformation bleibt, ist knapp und wenn sie nicht genutzt word, dann wars das...
    • Samzilla 13.10.2019 23:00
      Highlight Highlight Woher kommt denn diese Annahme?

      Bin unter 35 und konnte, wie ein Grossteil der Gesellschaft auch, sehr stark von diesem System profitieren.

      Kenne auch kaum Personen welche besonders kapitalismuskritisch eingestellt wären....
    • Altweibersommer 14.10.2019 08:26
      Highlight Highlight Dann erzähl mir doch mal wie sich dein Lohn in den letzten 10 Jahren entwickelt hat und ob du dir z.B. ein Haus leisten kannst/könntest.
    • Samzilla 14.10.2019 11:45
      Highlight Highlight Mein Lohn hat sich in den letzten 10 Jahren mehr als verdoppelt und ja, ich könnte mir ein Haus leisten.

      Und vorweg: Weder komme ich aus einer reichen Familie noch wurde ich sonst wie fremdfinanziert.
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  • Nino F. 13.10.2019 22:23
    Highlight Highlight Wie eine Gesellschaft aussehen könnte, die den Kapitalismus hinter sich lässt, kann man beispielsweise hier nachlesen:

    https://kosmoprolet.org/de/umrisse-der-weltcommune
  • [CH-Bürger] 13.10.2019 22:05
    Highlight Highlight 2)
    ein grosses Problem am jetzigen "Entwicklungsstadium" des Kapitalismus' sind die lächerlich tiefen Unternehmenssteuern, resp. die Steuerschlupflöcher, die es internationalen Konzernen ermöglicht, ihre Gewinne - auf die normalerweise die Volkswirtschaften Anrecht hätten - zu einem grossen Teil am Fiskus vorbeizuschleusen!
    Dieser Mechanismus hebelt die Rückverteilung des Geldes an die Allgemeinheit aus und führt dazu, dass zT 1 einziger Grosskonzern mehr Gewinn einfährt und über mehr Kapital verfügt, als die ganze Volkswirtschaft eines mitteleuropäischen Landes... 😳
    • Dominik Treier 14.10.2019 00:43
      Highlight Highlight Und wieso gibt es diesen Mechanismus? Es ist das Paradox des Kapitalismus! Wenn das Ziel des eigenen Lebens darin bestehen muss Geld und möglichst viel davon zu verdienen, statt ein gutes und sinnvolles Leben zu führen und dabei Erfahrung zu sammeln und sich selbst und die Welt zu verbessern, ist es klar, dass einige wider jeder Moral handeln werden und alles tun um für sich einen Vorteil herauszuholen, sei dies durch grenzwetige Geschäftspraktiken oder Lobbying um Steuerschlupflöcher zu generieren und das grösste Problem ist dann, dass wer Moral hat und nicht mitzieht bankrott geht...
    • Dominik Treier 14.10.2019 00:45
      Highlight Highlight Die notwendigkeit Geld für ein anständiges Leben verdienen zu müssen, muss weg. Nur so kann ein grossteil der Menschen ihre Moral wieder übers Überleben stellen und so die anderen überstimmen!
    • Antinatalist 14.10.2019 01:27
      Highlight Highlight @Dominik Treier: Die Erde wäre doch eigentlich perfekt, so ganz ohne Mensch. Oder was genau würde nicht funktionieren, wenn der Mensch da nicht permanent reinpfuschen würde?! Der Mensch verbessert gar nichts, sondern bewirkt überall das Gegenteil. Im Rausch des Konsums merken das die meisten Zeitgenossen ganz einfach überhaupt nicht mehr. Weggetschüsst vom Geld und Besitztum: Reich, aber doch so arm.
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  • [CH-Bürger] 13.10.2019 22:00
    Highlight Highlight 1)
    "... und wir sind in der Lage, allen Menschen nachhaltig genug Trinkwasser so gut wie kostenlos zur Verfügung zu stellen."
    Die Menschheit WÄRE in der Lage - ja. Allerdings befindet sich ein erschreckend grosser Anteil der Quellen im Besitz von privaten Unternehmen!
    zBsp Afrika: Grossunternehmen X sichert sich die Rechte an einem Brunnen und zapft Wasser ab. Dieses wird gereinigt, abgefüllt und im lokalen Supermarkt für viel Geld angeboten.
    wohl eher Geldmacherei als ein "Guter Dienst"...?
    • Antinatalist 14.10.2019 21:06
      Highlight Highlight Die Grossunternehmen Nestlé, Danone, CocaCola et al. bedienen sich nicht an einem Brunnen. Die sind auf Grund- oder Quellwasser aus. Dieses muss nicht mehr gereinigt werden, sondern nur abgepumpt. Statt in den Brunnen fliesst dann das Wasser in Tanks und von dort über Umwege in PET-Flaschen.
      Das Wasser im Brunnen ist nur verunreinigt, wenn es nicht aus der Tiefe oder an der Quelle direkt entnommen wird. Je nach Deal überlassen die Firmen den Menschen noch ein wenig Brackwasser für den Brunnen. Alternativ gibt's für Geld dieses saubere "Bottled Water".

      Eine Pumpe für die Leute wäre zu sozial.
  • wolge 13.10.2019 21:53
    Highlight Highlight Darum solltet ihr Frederic Laloux Buch Reinventing Organizations lesen. Eines der wichtigsten und meistbeachteten Werke über modernes Management und innovative Führung der letzten Jahrzehnte.

    Viele der grossen Unternehmen betreiben ein Business, das eigentlich der Welt schadet und das im Grunde verschwinden müsste...

    https://www.spiegel.de/karriere/new-work-experte-frederic-laloux-was-chefs-von-oben-entscheiden-bewirkt-oft-wenig-a-1256965-amp.html
  • Der müde Joe 13.10.2019 21:30
    Highlight Highlight Kurz, aber auf den Punkt gebracht...

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  • dommen 13.10.2019 21:25
    Highlight Highlight Ins Verderben steuert er.
  • Gary Zemp 13.10.2019 21:09
    Highlight Highlight Und wie sähe ein Szenario aus, in dem nicht mehr materielle Werte angehäuft werden, sondern geistige, wenn anstelle von Geld zunehmende Bewusstheit treten würde?
    • Selbst-Verantwortin 14.10.2019 00:01
      Highlight Highlight Jeder der will, kann und darf das schon heute (in CH).
      Warum tust du es nicht?
      Warum forderst du es von anderen?
    • Dominik Treier 14.10.2019 00:48
      Highlight Highlight Dieses Szenario kann es nur mit einer bedingungslosen Existenz geben! Nur wenn das Sicherheitsbedürfnis des Menschen befriedigt wurde, können wir uns aus der Gefangenschaft des Existenzdrucks lösen und werden andere Lebensmotivationen in zukünftigen Generationen überhand nehmen!
  • Fandall 13.10.2019 21:00
    Highlight Highlight Der Kapitalismus darf bleiben, aber das Krebsgeschwür Neoliberalismus muss verschwinden.
  • Toerpe Zwerg 13.10.2019 20:51
    Highlight Highlight Wir leben nach wie vor im System der soziale Marktwirtschaft.
    • _kokolorix 13.10.2019 22:46
      Highlight Highlight Nur dass das Soziale mehr und mehr dem Profit geopfert wird. Heute bezahlt die untere Hälfte der Einkommen den grössten Teil der Sozialkosten, während die obersten 10% den Grossteil der Gewinne einfahren.
      Als die Marktwirtschaft noch wirklich sozial war, bezahlten die obersten 10% den Sozialstaat und nahmen dafür etwa 30% der Wertschöpfung.
    • Dominik Treier 14.10.2019 00:55
      Highlight Highlight Das ist lächerlich und stimmt jeden Tag weniger! Die Steuern zeigen das klar. In den Hochzeiten der sozialen Marktwirtschaft waren die Spitzensteuersätze viel höher, in den Mutterstaaten des Kapitalismus den USA und England 87-89%! und die Vermögenssteuern auch. Nur mit der weltweiten Öffnung für Kapital mussten neue Lösungen für Steuerflucht gesucht werden und viele Länder entschieden sich für den Witz 3. Weg, senkten all diese Steuern um konkurenzfähig zu bleiben, gegen den möchtegerndeal von angeblicher Arbeit dafür. Die Schere wächst seitdem ständig und die Machtspirale tut ihr Übriges...
  • Eipa 13.10.2019 20:47
    Highlight Highlight Was es braucht ist eine Demokratisierung der Wirtschaft. Wir müssen unsere Chefs und Projekte selber wählen können, sowie es in der Politik gang und gäbe ist.
    Gewerkschaften waren immer ein Trostpflaster in einem Wirtschaftssystem das immer noch mit feudalen oder militaristischen Strukturen operiert. Nicht umsonst haben sich die amerikanischen Bezeichnungen von Kaderfunktionen mit Offziersgraden durchgesetzt (z.B. CEO: 'Chief Executive Officer'). Das muss sich ändern.
  • imposselbee 13.10.2019 20:45
    Highlight Highlight Ich prophezeite, dass wir die wahre Natur des Lebens erkennen werden, unser Potential voll entfalten und ‚Magie‘ wieder entdecken, doch diesmal wird es wissenschaftlich erklärt werden können (Bewusstsein/Quantenmechanik) und es wird mit der Zeit so normal, wie sich einen O-Saft aus dem Kühlschrank zu holen. Dies wird allerdings technologisch nicht repliziert werden können, dadurch wird der Mensch wieder an Bedeutung gewinnen und die Technologie tritt wieder in den Hintergrund. Es gibt bereits grosse Yoga-Wellen in Indien, jedoch wird es der Westen sein, der den grossen Durchbruch schafft.
  • der Denker 13.10.2019 20:20
    Highlight Highlight Ich sage schon lange. Den Kapitalismus abschaffen bringt gar nichts. Es benötigt keine Revolution sondern eine Evolution. Soziale Aspekte wie in der Schweiz und den Firmen auch Raum geben. Hingegen sollte es eine grenze nur für den Gewinn geben. Gewinn schön und gut, aber auch di Mitarbeiter müssen unbedingt profitieren und nicht nur die Aktionäre.
    • wolge 13.10.2019 22:19
      Highlight Highlight Wenn du von Evolution sprichst solltest du dir unbedingt das Buch Reinventing Organizations von Frederic Laloux reinziehen.

      Er fand Unternehmen die sich als lebendiges System sehen, die darauf hören und „fühlen“ was der Markt von ihnen will, entsprechend reagieren und sich evolutionär weiterentwickeln. Die den Menschen ermöglichen sich in ihrer ganzen Fülle bei der Arbeit mitzuwirken, Dinge auszuprobieren und zu erkennen wohin es sie zieht.

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  • Ueli der Knecht 13.10.2019 19:21
    Highlight Highlight In meiner einzigartigen und grossartigen Weisheit ist nur Szenario 5 Grundeinkommen realistisch.
    • der Denker 13.10.2019 20:36
      Highlight Highlight Und wie sollte das finanziert werden? Höhere Steuern bringen uns dann auch nicht weiter.
    • FrancoL 13.10.2019 20:50
      Highlight Highlight Schlecht finanziert, also nicht sozialvertraglich, ist das Grundeinkommen nichts wert.
      Und ehrlich gesagt bis heute habe ich von denen die da etwas zu entscheiden hätten nur nicht sozialverträgliche Lösungen gehört.
    • Ueli der Knecht 13.10.2019 21:49
      Highlight Highlight der Denker: Die Finanzierung ist relativ einfach und folgt dem Gedanken, dass alle Primär-Ressourcen auf der Erde und im Universum allen gehören. Alles gehört allen. Keiner hat Vorrechte.

      Das heisst konkret: Die Wirtschaft finanziert das Grundeinkommen, indem sie zum Wirtschaften benötigten Primär-Ressourcen (Land, Schürfrechte, Emissionsrechte, Fischereirechte, Funklizenzen, etc.) der Bevölkerung abkaufen, bzw. auf ein Auktionen ersteigern muss. Die so erwirtschafteten Erträge werden gleichmässig allen Menschen auf dem Planeten verteilt.

      Voilà: So lässt sich das Grundeinkommen finanzieren.
    Weitere Antworten anzeigen
  • PC Principal 13.10.2019 19:20
    Highlight Highlight Dank dem Kapitalismus befinden wir uns jetzt im besten Moment der Geschichte und die Zukunft wird sogar noch besser. Vor nicht mal 100 Jahren hatten wir in Europa noch massives soziales Elend und Massenarmut. Heute leben die Menschen länger und gesünder, haben mehr Freizeit und sind glücklicher. Die Anzahl der Kriegstoten hat massiv abgenommen und es gibt mehr Freiheit und Demokratie. Immer weniger Menschen leiden an Hunger und die Kindersterblichkeit nimmt überall ab.

    Natürlich gibt es weiterhin Probleme, aber diese lassen sich nur mit dem Kapitalismus lösen.
    • Evan 13.10.2019 19:39
      Highlight Highlight Eine sehr einseitige Analyse
    • Ueli der Knecht 13.10.2019 19:39
      Highlight Highlight "Heute leben die Menschen länger und gesünder, haben mehr Freizeit und sind glücklicher."

      Mehr als die Hälfte der Menschheit lebt in Armut und muss hungern. Fast 400 Millionen Kinder leben in extremer Armut.

      "Natürlich gibt es weiterhin Probleme, aber diese lassen sich nur mit dem Kapitalismus lösen."

      You Dreamer du!

      Der Kapitalismus wird zu noch grösseren Ungleichheiten und zu noch mehr Umweltzerstörung führen. Der Kapitalismus wird noch mehr Arme produzieren und noch mehr Unrecht. Und den Reichtum der Erde auf immer weniger Menschen verteilen.

      Wach auch, PC Principal!
    • xHascox 13.10.2019 19:41
      Highlight Highlight Hast du mal das Buch Sapiens von Yuval Harari gelesen? (Der teil über die sesshaftigkeit/agrikulturelle revolution) Das hat mich ein bisschen zum nachdenken gebracht... wir arbeiten viel für sachen die man eigentlich nicht braucht.

      Det kapitalismus ist gut, aber nicht unbedingt das beste. Er hat vorallem verbesserungspotential gegenüber dem umweltschutz und der verteilung des geldes.
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