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Das Boot 2018, mit August Wittgenstein und Rick Okon.

Rivalen an Bord: Der 1. WO (August Wittgenstein, links) und der Kommandant (Rick Okon). bild: © Nik Konietzny / Bavaria Fiction GmbH

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Comeback einer Legende: Warum die Neuauflage von «Das Boot» nicht absäuft

Das Weltkriegsdrama «Das Boot» war vor bald 40 Jahren ein Meilenstein des deutschen Filmschaffens. Nun hat der Pay-TV-Sender Sky den Stoff als Serie reanimiert. Das Wagnis scheint sich gelohnt zu haben.



Das deutsche Nachkriegskino, das waren Heimatkitsch, Karl May, Edgar Wallace oder der «Schulmädchen-Report». Für anspruchsvollere Gemüter gab es Rainer Werner Fassbinder und Werner Herzog. International wurde das mehr oder weniger wohlwollend zur Kenntnis genommen. Bis 1981 «Das Boot» von Wolfgang Petersen aus dem seichten Gewässer des deutschen Filmschaffens auftauchte.

Die «Feindfahrt» einer deutschen U-Boot-Besatzung im Zweiten Weltkrieg um den von Jürgen Prochnow gespielten namenlosen Kaleun (Kapitänleutnant) und den Kriegsberichterstatter Leutnant Werner (Herbert Grönemeyer) war enorm teuer. Und eine Sensation: Erstmals zeigten die Deutschen, dass sie Hollywood können. «Das Boot» wurde ein phänomenaler Erfolg.

Szene aus dem Film von 1981 mit Herbert Grönemeyer und Jürgen Prochnow (r.).

Das «echte» Hollywood honorierte es mit sechs Oscar-Nominationen, unter anderem für Petersen und die brillante Kamera von Jost Vacano. Der Film ging leer aus, dennoch wurde er für viele Beteiligte zum Karrieresprungbrett. Petersen und Prochnow zog es in die USA, und eine Riege junger Theaterschauspieler, darunter Heinz Hoenig und Uwe Ochsenknecht, etablierte sich im Film- und Fernsehgeschäft. Nur Herbert Grönemeyer ging seinen eigenen Weg.

Kein Remake

Längst ist «Das Boot» zur Legende geworden, als einer der besten Kriegsfilme überhaupt. Neben der zweieinhalbstündigen Originalversion gibt es einen mehr als dreistündigen Director's Cut. Die ARD produzierte aus dem Material eine fünfstündige Fernsehserie, die kürzlich auf Netflix zu sehen war. Es war die perfekte Einstimmung auf die Neufassung.

Denn nach fast 40 Jahren hat sich der Pay-TV-Sender Sky erneut an den Stoff gewagt. Die Idee eines Remakes wurde schnell verworfen, wie Co-Produzent Marcus Ammon erklärt. Vielmehr wird die Geschichte als achtteilige Serie fortgeschrieben, mit neuem Boot und neuer Crew. Die Basis bildeten erneut die Romane von Lothar-Günther Buchheim, in denen er seine eigenen Erfahrungen als Kriegsreporter an Bord eines U-Boots verarbeitet hatte.

Dieses Mal mit einer Frau

An das Original erinnert der Soundtrack, der die legendäre, in unzähligen Remixes verwurstete Titelmelodie von Klaus Doldinger zitiert. Ansonsten wurde die Geschichte völlig neu konzipiert und zweigeteilt. Während der Film fast ausschliesslich in der Enge des U-Boots spielt, wird in der Serie ein zweiter Erzählstrang an Land eingeführt. In dessen Zentrum steht eine Frau, ein gewichtiger Unterschied zum früheren Film, in dem Frauen nur ganz am Rand vorkommen.

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Der Trailer zur neuen Serie. Video: YouTube/Sky Österreich

Simone Strasser, eine prodeutsche Elsässerin (gespielt von der formidablen Luxemburgerin Vicky Krieps, ab Donnerstag auch im Kino in «The Girl in the Spider's Web» zu sehen), tritt eine Stelle als Übersetzerin im deutschen Flottenkommando im Atlantikhafen La Rochelle an. Dort wurde das ursprüngliche Boot bei seiner Rückkehr durch einen Luftangriff versenkt und ein grosser Teil der Besatzung getötet. Die neue Serie spielt einige Monate später.

Umstrittenes Kommando

In La Rochelle stationiert ist auch Strassers Bruder Frank (Leonard Scheicher), der heimlich der französischen Résistance zudient. Als er kurzfristig als Funkmaat auf das neue Boot U 612 abkommandiert wird, zieht er Simone in diese Aktivitäten hinein und bringt sie in Teufels Küche. Denn ein Gestapo-Mann (Tom Wlaschiha aus «Game of Thrones») hat ein Auge auf sie geworfen.

Frank Strasser (Leonard Scheicher) spannt seine Schwester Simone (Vicky Krieps) für seine Résistance-Aktivitäten ein. Bild: © Nik Konietzny / Bavaria Fiction GmbH

Die Handlung auf dem Boot dreht sich um den neuen Kaleun Klaus Hoffmann (Rick Okon). Gleich zu Beginn liefert er einen Matrosen, der wegen Feigheit angeklagt ist, mit seiner Aussage einem Erschiessungskommando aus. Nicht nur deswegen plagt Hoffmann das Gewissen. Sein Kommando verdankt er der Tatsache, dass sein Vater ein U-Boot-Held im Ersten Weltkrieg war.

Die Besatzung von U 612 beäugt ihn deswegen mit Misstrauen bis unverhohlener Abneigung, allen voran der 1. WO (Erste Wachoffizier) Tennstedt (August Wittgenstein), der selber gerne Kommandant geworden wäre und bei seiner Crew beliebt ist. Kaum läuft das brandneue Boot zu seiner ersten Feindfahrt aus, entladen sich die Spannungen zwischen den beiden jungen Offizieren.

Es fehlt der «Dreck»

Die beiden ersten Folgen von «Das Boot», die watson bei einem Screening in Zürich zu sehen bekam, sind verheissungsvoll. Der österreichische Regisseur Andreas Prochaska («Das finstere Tal») hat alle acht Episoden inszeniert, was ungewöhnlich ist für eine Serie. Er baut die beiden Erzählstränge sorgfältig auf, die Figuren sind differenziert gestaltet.

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Der Original-Soundtrack von Klaus Doldinger (mit Filmausschnitten). Video: YouTube/Fillipp Tomsen

Was allenfalls fehlt, ist der «Dreck», der den Film so beeindruckend machte. Als Zuschauer wurde man in die klaustrophobische Atmosphäre an Bord regelrecht hineingezogen. Man glaubte sogar, den Gestank aus Dieselöl, menschlichen Ausscheidungen und Küchenduft riechen zu können. Hier haben die weiteren Folgen Steigerungspotenzial.

Glamour dank Gaststars

Bei den deutschen Schauspielern setzt man wie 1981 auf unverbrauchte Gesichter. Einige Gaststars sorgen dank dem US-Koproduzenten für Glamour, darunter Lizzy Caplan («Masters of Sex», «Now You See Me 2») als zwielichtige, morphiumsüchtige Amerikanerin, die im französischen Widerstand aktiv ist. Oder Vincent Kartheiser («Mad Men») als Amerikaner, der auf Befehl von Nazi-Propagandaminister Joseph Goebbels an Bord des U-Boots gebracht wird.

Zwei Folgen erlauben kein endgültiges Fazit, und doch wagt man die Behauptung, dass Sky mit der Neuauflage von «Das Boot» nicht abgesoffen ist. Sondern nach «Babylon Berlin» einen weiteren Serienhit gelandet hat. Vom Legendenstatus des Originalfilms hat der Sender ohnehin profitiert: Schon vor dem Start konnte die neue Serie in mehr als 100 Länder verkauft werden.

«Das Boot» im TV

Die beiden ersten Folgen von «Das Boot» werden am Freitag um 20.15 Uhr auf Sky 1 ausgestrahlt. Wer die volle Ladung will, kann sich alle acht Episoden auf dem Streamingportal Sky Show reinziehen. Eine Ausstrahlung im Free-TV ist noch offen. Die ARD zeigt am Freitag um 22 Uhr zum Serienstart ausserdem den Director's Cut des Originalfilms von 1981. Auf Netflix findet man die kürzere Kinoversion.

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14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • arni99 22.11.2018 22:09
    Highlight Highlight Wiso nur Wiso 😡😡😡😡
  • Cédric Wermutstropfen 22.11.2018 21:47
    Highlight Highlight War es wirklich nötig noch eine Frau da reinzuwürgen. Eifach unnötig. Ich würde mir das Remake anschauen, wenn sie nicht diesen Genderquatsch gemacht hätten, niemand will langweilige Übersetzeraction schauen. Nächstes mal nehmt doch einen schwarzen jüdischen Kaleun. Vielleicht noch einen Indianer, damit sich diese auch repräsentiert fühlen. Und natürlich noch ein bis zwei Asiaten ☝🏻 Lasst uns nicht unsere Kontinentalplattengefährten vergessen.
    • who cares? 23.11.2018 07:44
      Highlight Highlight Es hat eine Frau drin, also muss es schlecht sein? Love it.
      Frauen übernahmen auch wichtige Rollen im Krieg oder hatten viel Einfluss. Das wird leider gerne runtergespielt, und in Kriegsfilmen werden sie nur als das Weib zuhause dargestellt.
    • Tomoko 23.11.2018 09:25
      Highlight Highlight "Genderquatsch" wäre es, wenn plötzlich die ganze Besatzung weiblich ist.
      Aber EINE Frau, das ist unrealistisch für den Herrn Cédric. Eine Frau in einer Arbeit, die Frauen damals im Krieg gemacht haben.
      Unerhört. http://ü
    • Cédric Wermutstropfen 23.11.2018 12:42
      Highlight Highlight @Tomoko: Sie wollen nicht verstehen: Im ursprünglichen Film geht es nur um die U-Boot Besatzung, der Film ist fesselnd, weil er sehr authentisch und düster wirkt. Jetzt musste aber, der Immersion zu Leide, noch eine Frauenrolle rein. Die Handlung sollte sich rein auf die U-Boot-Besatzung konzentrieren, sonst finde ich es eine Frechheit, das ganze als Remake rauszugeben. Von mir aus können sie eine Serie machen, in der es nur um diese langweilige Übersetzerin geht. Also ja Genderquatsch.. die Rolle ist völlig unnötig und hat mit dem ursprünglichen Film nichts zu tun.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Raphael Stein 22.11.2018 21:07
    Highlight Highlight Das Boot gibts nur einmal. Alles andere sind einfach andere Filme. Vermutlich auch gut, aber mehr nicht.
  • who cares? 22.11.2018 17:49
    Highlight Highlight "Dort wurde das ursprüngliche Boot bei seiner Rückkehr durch einen Luftangriff versenkt und ein grosser Teil der Besatzung getötet."

    Demfall muss ich das Original ja nicht mehr schauen... Eine Spoilerwarnung wäre angebracht gewesen.
    • Triple 22.11.2018 20:07
      Highlight Highlight Doch, macht durchaus Sinn das Original zu schauen. Dieses bezieht sich, im Gegensatz zum „Remake“, auf eine Wahre Begebenheit.
    • Rectangular Circle 23.11.2018 06:28
      Highlight Highlight Wenn du den Film noch immer nicht geschaut hast, bist du selber Schuld.
    • Hüendli 23.11.2018 19:05
      Highlight Highlight Auch ich habe den Film noch nicht gesehen. Schade, dass ich von der sechsteiligen Fassung erst jetzt erfahre, wo Netflix nur noch die Kinoversion im Angebot hat 😕
  • Triple 22.11.2018 15:41
    Highlight Highlight Bin mal gespannt, die Messlatte ist extrem hoch.

In Deutschland waren die Flüchtlinge nicht mal willkommen, als es Deutsche waren

Wer glaubt, für Fremdenfeindlichkeit brauche es Menschen aus fremden Ländern, irrt. Nach dem verlorenen Krieg drängten sich Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten in Rest-Deutschland. Heute gilt ihre Aufnahme als vorbildlich – doch in Wahrheit schlugen ihnen damals Hass und Verachtung entgegen und der offen ausgesprochene Gedanke, nicht nach Westdeutschland, sondern nach Auschwitz zu gehören.

Der Volkszorn kocht, und der Redner weiss genau, was die Leute hören wollen: «Die Flücht­lin­ge müs­sen hin­aus­ge­wor­fen wer­den, und die Bau­ern müs­sen da­bei tat­kräf­tig mit­hel­fen», ruft Josef Fischbacher. Der Kreisdirektor des bayerischen Bauernverbandes giesst kräftig Öl ins Feuer und nimmt sogar das Nazi-Wort «Blutschande» in den Mund.

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