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7 brutale Fälle von Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA, die uns im Gedächtnis bleiben

Der Fall von George Floyd hat erneut die ganze Welt aufgerüttelt: Wieder ein schwarzer Mann, der von einem weissen Polizisten getötet wird. Solche Fälle sind in den USA leider längst keine Seltenheit mehr. Wir haben sieben solcher Fälle aufgelistet.
28.05.2020, 17:5529.05.2020, 12:05

Allein 2019 wurden 1014 Personen von einem Polizisten in den USA getötet. Die Liste der Fälle ist lang, und viele davon brutal. Auffällig häufig gelangen Videos von weissen Polizisten, die schwarze Männer in umstrittenen Umständen töten, an die Öffentlichkeit. Spätestens seit dem Fall Eric Garner sind solche Videos keine Seltenheit mehr – sondern die traurige Realität.

Die sieben eindrücklichsten Fälle seit 2014 haben wir für euch zusammengestellt:

17. Juli 2014, Staten Island (New York): Eric Garner

Der 43-jährige Familienvater Eric Garner wurde von Polizisten des illegalen Zigarettenverkaufs beschuldigt. Als Garner sich gegen eine körperliche Untersuchung wehrte, reagierten die Beamten mit seiner Festnahme. Einer der Polizisten nahm Garner von hinten in den Würgegriff, was in der New Yorker Polizei seit 1993 ausdrücklich verboten ist.

Der grosse und übergewichtige Mann rief mehrmals «Ich kann nicht atmen», doch die Polizisten reagierten nicht darauf – anschliessend verlor Garner sein Bewusstsein. Die Anwesenden führten keine Wiederbelebungsversuche durch und riefen erst mehrere Minuten später die Ambulanz, mit der er in ein Krankenhaus abtransportiert wurde. Dort konnte man nur noch seinen Tod feststellen.

«Ich kann nicht atmen»: Die letzten Worte von Erid Garner.
«Ich kann nicht atmen»: Die letzten Worte von Erid Garner.
Bild: EPA

Der würgende, weisse Polizist wurde von einer Grand Jury freigesprochen, weil es keinen begründeten Anlass für die Erhebung einer Anklage gebe. Daraufhin kam es zu Demonstrationen mehrerer tausend Menschen am Times Square in New York. Erst fünf Jahre später wurde der Polizist entlassen.

9. August 2014, Ferguson (Missouri): Michael Brown

<a target="_blank" rel="follow" href="https://www.watson.ch/!979861473">Die emotionale Gedenkfeier für Michael Brown.</a>
Bild: EPA/THE NEW YORK TIMES POOL

Sechs von den zwölf abgefeuerten Schüsse trafen ihn: Und das, weil sich Michael Brown durch das offene Fenster eines Polizeiwagens gelehnt haben soll. Dabei habe sich nach Angaben des Schützen ein Schuss aus dessen Pistole gelöst und Brown sei geflüchtet. Der Polizist habe den Streifenwagen verlassen, Brown habe angehalten und sich umgedreht. Danach habe sich Brown gemäss Zeugenaussagen in bedrohlicher Haltung dem Polizisten genähert, woraufhin dieser Brown erschoss. Ein anderer Zeuge widerspricht dieser Aussage, indem er sagte, Brown näherte sich dem Polizisten nach dem Fallen mehrerer Schüsse in gekrümmter Haltung, weil ihn wahrscheinlich eine Kugel getroffen hat. Danach schoss der Beamte nochmals mehrmals.

Die Ermittler des FBI haben empfohlen, keine Bundesanklage zu erheben. Eine Grand Jury hat sich dann dafür entschieden, kein Verfahren gegen den Polizisten zu eröffnen. Danach kam es zu gewaltsamen Protesten in mehr als 170 Städten der USA.

23. November 2014, Cleveland (Ohio): Tamir Rice

Der Zwölfjährige Tamir Rice starb durch Schüsse aus der Waffe eines weissen Polizisten, und das, weil der Junge eine Waffenattrappe in den Händen hielt, welche die Beamten für echt hielten. Rice zielt mit der Waffe auf einen Passanten und näherte sich dem gestoppten Polizeiwagen, während er an seinem Gürtel herumspielt.

Ein Bild der Überwachungskamera zeigt den 12-Jährigen mit einer Waffenattrappe.
Ein Bild der Überwachungskamera zeigt den 12-Jährigen mit einer Waffenattrappe.
Bild: EPA/CLEVELAND OHIO POLICE DEPARTMENT

Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigten, dass der Polizist nach der Ankunft am Ort des Geschehens binnen Sekunden schoss. Die Waffenattrappe, eine Soft-air-Replika einer Colt M1911, hatte keine orangefarbene Mündung und war deshalb nicht von einer echten Waffe zu unterscheiden.

Auch in diesem Fall wurde der Schütze nicht angeklagt, obwohl der Richter dem Staatsanwalt zu einer Anklage geraten hatte. Es gebe genügend Beweise. Der Vorfall löste in den ganzen USA Proteste aus.

Eine Demonstrantin hält das Bild vom Jungen Tamir Rice hoch.
Eine Demonstrantin hält das Bild vom Jungen Tamir Rice hoch.
Bild: AP/Jose Luis Magana

12. April 2015, Baltimore, Maryland: Freddie Gray

Nach der Festnahme von Freddie Gray, weil er nach Augenkontakt mit den Polizisten floh, fiel er während des Transportes in ein Koma und verstarb sieben Tage später im Spital. Dem Polizeibericht zufolge verlangte Gray immer wieder nach medizinischer Hilfe, doch die Polizisten riefen erst 43 Minuten später die Ambulanz. Die sechs in den Vorfall verwickelten Beamten wurden entlassen.

Einige Zeugen behaupteten, die Polizisten hätten Gray grob und gewalttätig festgenommen und mit Polizeiknüppeln geschlagen. Es kam ebenfalls die Frage auf, ob der Fahrer einen sogenannten «rough ride» fuhr – eine Form der Polizeigewalt, in der der Verhaftete ohne Sicherheitsgurt in einem Auto platziert wird, das absichtlich grob gefahren wird. Der 25-Jährige fiel gemäss Autopsie mit schweren Rückenmarksverletzungen, drei gebrochenen Wirbel, Verletzungen an seinem Kehlkopf und einer zu 80 Prozent durchtrennten Wirbelsäule ins Koma – gemäss Medizinberichten wurden ihm viele diese Verletzungen im innern des Polizeiwagens zugefügt.

Die Staatsanwältin von Baltimore sagte, «der Tod von Freddie Gray war Mord».
Die Staatsanwältin von Baltimore sagte, «der Tod von Freddie Gray war Mord».
Bild: Getty Images North America

Obwohl die Polizisten selbst abstritten, an dem Tod beteiligt gewesen zu sein, wurde gegen sie Strafanzeige erhoben. Die Anklagepunkte waren unter anderem Totschlag und illegale Verhaftung. Doch zwei Jahre später entschied das US-Justizministerium, keine Anklage gegen die sechs Polizeibeamten zu erheben – jedoch wurde ein nicht strafrechtliches internes Disziplinarverfahren in die Wege geleitet.

6. Juli 2016, Minnesota: Philando Castile

Dieses Video ist schwer zu ertragen: Es zeigt, wie Philando Castile während einer Verkehrskontrolle in Minnesota erschossen wird, und das neben seiner Freundin und deren gemeinsamer Tochter. Castile informierte den Polizisten, nachdem er aufgefordert worden war, seinen Führerschein zu zeigen, dass er eine Waffe auf sich trug. Der Polizist sagte mehrmals, er dürfe sie nicht herausholen, woraufhin Castile bestätigte, dies nicht zu tun. Nur sieben Sekunden nach der Ankündigung schoss der Polizist ganze sechs Mal auf den Vater. Im Video hört man die Schreie der Frau und was Weinen des kleinen Mädchens, welches auch kurze Zeit später aus dem Auto aussteigt und zu dem anderen Polizisten rennt. Castile verstarb nach erfolglosen Reanimationsversuche der Polizei.

Die Freundin streamte den Vorfall Live auf Facebook, um ein Beweisvideo zu haben. Im Video hört man das Mädchen, wie sie der Mutter sagt, «es sei alles okay». Herzzerreissende Szenen.

Der Polizist wurde wegen Totschlags und gefährlicher Entladung einer Schusswaffe angeklagt, aber ein Jahr später von allen Anklagen wieder freigesprochen. Die hinterlassene Familie erhält drei Millionen US-Dollar Schmerzensgeld.

18. März 2018, Sacramento, Kalifornien: Stephon Clark

Der 22-jährige Stephon Clark wurde in seinem eigenen Garten von Hinten durch die Hand von zwei weissen Polizisten erschossen. Der zweifache Vater wurde des Autodiebstahles verdächtigt und die Beamten verfolgten ihn bis zu seinem Haus. Videoaufnahmen der Bodycams der Beamten und die eines Helikopters zeigen, wie die Polizisten das Grundstück stürmten und den Verdächtigen auffordern, seine Hände zu zeigen. Kurz danach rufen sie «Waffe! Waffe! Waffe!» und beginnen zu schiessen. Bei der Leiche wurde anschliessend allerdings bloss ein Smartphone gefunden.

Acht von ganzen 20 Schüssen haben Clark in den Rücken und die Seite getroffen. Clark sei nach Autopsiebericht noch etwa drei bis zehn Minuten am Leben gewesen, ehe er verblutete. Die Polizisten hatten Angst, dass er bewaffnet sei und leiteten nicht unmittelbar medizinische Massnahmen ein – sie fragten den am Boden liegenden Clark drei Minuten, nachdem die Schüsse fielen, ob er «ok» sei.

Während den Ermittlungen wurden die Polizisten freigestellt. Auch in diesem Fall wurde keine Anklage gegen die Polizisten erhoben. Sie hätten wahrscheinlich Gründe gehabt, Clark mittels tödlicher Gewalt zu stoppen.

25. Mai 2020, Minneapolis, Minnesota: George Floyd

Der jüngste Fall betrifft den Afroamerikaner Greoge Floyd: Bei dessen Verhaftung drückte der weisse Polizist sein Knie auf Floyds Hals – und das so lange, bis dieser das Bewusstsein verlor (watson berichtete). Ähnlich wie in Garners Fall flehte der Verhaftete nach Luft, doch die Polizisten hörten nicht auf ihn. Kurze Zeit später wurde im Spital sein Tod festgestellt.

Screenshot der Video-Aufnahme der Verhaftung George Floyds.
Screenshot der Video-Aufnahme der Verhaftung George Floyds.

Die in den Fall involvierten Polizisten wurden nach Veröffentlichung dieses Videos entlassen. Trump versicherte der Bevölkerung am Mittwoch auf Twitter, «der Gerechtigkeit werde genüge getan» – und ordnete eine Untersuchung des Justizministeriums und der Bundespolizei FBI an.

Nach der Veröffentlichung des Beweisvideos protestierten tausende Menschen gegen «Police Brutality» und für «Black Lives Matter».

Aufgrund der bisherigen Erfahrungen mit dem Umgang der Polizisten ist der Blick in die Zukunft nicht vielversprechend: Auch in diesem Fall wird der Polizist eher nicht angeklagt werden.

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Gewalt an Schwarzen-Protesten in Minneapolis

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Gewalt an Schwarzen-Protesten in Minneapolis
quelle: x00628 / craig lassig
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