Brexit
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Er bringt «Order! Order!» ins Brexit-Chaos – und bezahlt dafür (wohl) einen hohen Preis

Der Speaker des britischen Unterhauses ist zum Star der Brexit-Debatte geworden. Sein energisches Auftreten verärgert seine konservativen Parteikollegen – und amüsiert die Welt.



House of Commons Speaker John Bercow reads the result of a vote on the Prime Minister's Brexit deal in the House of Commons, London, Tuesday Jan. 15, 2019.  UK Parliament rejected Prime Minister Theresa May's Brexit deal with the European Union by 432 votes to 202 . (House of Commons/PA via AP)

Keine Angst vor grossen Namen: Speaker John Bercow verliest das Resultat einer Abstimmung im britischen Unterhaus. Bild: AP/PA

Das Brexit-Drama geht diese Woche in eine weitere und bald letzte Runde. Kommt es zu einem harten Ausstieg? Oder zu einem zweiten Referendum? Oder zu einer Verlängerung der Frist? Diese Fragen müssen dringend beantwortet werden. Spätestens am 29. März müssen die Briten Farbe bekennen.

Stars der Brexit-Debatten im Unterhaus werden jedoch weder Premierministerin Theresa May noch der Oppositionsführer Jeremy Corbyn sein. Auch der eitle ehemalige Aussenminister Boris Johnson und der opportunistische Umweltminister Michael Gove werden sich mit einer Nebenrolle begnügen müssen.

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Star auf Youtube: Speaker John Bercow. Video: YouTube/spiegeltv

Die Show stehlen wird ihnen John Bercow, der Speaker des Unterhauses. Der Speaker leitet die Debatten im britischen Parlament. Das ist nicht immer ein einfaches Unterfangen, die Parlamentarier benehmen sich oft wie eine ungezogene Schülerschar. Bei Bercow sind sie dabei an der falschen Adresse. Der 56-jährige Londoner bringt sie mit seinem laut gebellten «Order! Order!» augenblicklich zur Räson.

Das Duell Bercow gegen die Abgeordneten ist zu einem TV-Hit geworden. Die Live-Übertragung der BBC aus dem Parlament erzielt eine grössere Einschaltquote als die gleichzeitig ausgestrahlten Serien. Ein Video mit Zusammenschnitten von Bercows-Sprüchen der ARD-Tagesschau wurde auf Twitter mehr als 500’000-mal angeklickt.

Britain's Chancellor of the Exchequer Philip Hammond leaves 10 Downing Street for the House of Commons to attend Prime Minister's question time, in London, Wednesday, Jan. 9, 2019. The British government was bringing its little-loved Brexit deal back to Parliament on Wednesday, a month after postponing a vote on the agreement to stave off near-certain defeat. (AP Photo/Alastair Grant)

Prominentes Bercow-Opfer: Finanzminister Philip Hammond.  Bild: AP/AP

Bercows Sprüche haben es auch in sich und er schreckt vor nichts und niemandem zurück. «Schauen Sie auf Ihren Zählrahmen, Mann!», herrschte er den Finanzminister Philip Hammond an, als der sich zu viel Zeit für seine Ausführungen nahm. «Beruhigen Sie sich, nehmen Sie Yoga-Lektionen», riet er einem Abgeordneten, der mit lauten Zwischenrufen die Sitzung störte.

2009 schrieb Bercow im «Independent»: «Das britische Unterhaus ist viel zu lange wie ein privater Club für Gentlemen und Amateure geführt worden.» Bercow ist kein Gentleman. Sein Vater war Taxifahrer in London. Er studierte weder in Cambridge noch in Oxford, sondern an der University of Essex. Er weigert sich, die traditionelle Perücke des Speakers zu tragen, selbst eine Krawatte bindet er sich nur unwillig um.

Seine politische Karriere hat Bercow am rechten Flügel der konservativen Partei begonnen. Doch mit zunehmendem Alter ist er nach links gerückt. So hat er sich für die Rechte der Schwulen eingesetzt, lange bevor seine Parteikollegen dazu bereit waren. Er ist mit einer Aktivistin der Labour-Partei verheiratet und hat mit ihr drei Kinder.

Der «Speaker des Teufels» macht weiter

Mit seinem resoluten Auftreten hat er den Zorn der konservativen Abgeordneten geweckt. Sie werfen ihm vor, er beeinflusse mit seinem Auftreten die Brexit-Abstimmung zugunsten der Remainer. Das Boulevard-Blatt «Daily Mail» bezeichnete ihn als «eitlen Geck», die «Sun» als «Speaker des Teufels».

Das Parlament will gar verhindern, dass er nach Ablauf seiner Amtszeit geadelt wird, etwas, das sonst bei abtretenden Speakern üblich ist. Bercow wird dies nicht kümmern. Auch diese Woche wird er wieder sein «Order! Order!» bellen – zur Erheiterung der Briten und der ganzen Welt.

Emily und Oliver – unsere zwei Briten erklären den Brexit

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Video: watson/Oliver Baroni, Emily Engkent

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19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • TheDoctor 29.01.2019 07:08
    Highlight Highlight Ich mochte John Bercow schon immer. Ich schaue schon seit Jahren gerne Debatten des House of Commons. Nicht nur, aber vor allem wegen John Bercow 😀
  • Fräulein Sarahs Gespür für den ISLAM 28.01.2019 15:41
    Highlight Highlight Wann wird Watson damit aufhören, den Mutigen Entscheid der Engländer, aus der EU auszutreten, despektierlich zu kommentieren?
    • phreko 28.01.2019 15:55
      Highlight Highlight Mut und Dummheit sehen sich manchmal zum verwechseln ähnlich!
    • Fräulein Sarahs Gespür für den ISLAM 28.01.2019 16:34
      Highlight Highlight Sich freiwillig in den antidemokratischen Komplex EU zu begeben, ist allerdings sehr dumm.
      🤦‍♂️
    • pun 28.01.2019 17:13
      Highlight Highlight Schätze mal in dem Moment wo die britische Politik einen realistischen Plan zur Umsetzung vorlegt, der dem Land nicht eine massive Rezession und an allen Ecken und Enden Eigentore bringt.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Calvin Whatison 28.01.2019 14:37
    Highlight Highlight Den muss man einfach mögen.😊
  • El Pepedente 28.01.2019 14:35
    Highlight Highlight Ich mag ihn und hoffe das er den verklemmten spiesser noch mehr auf den zahn fühlt xD
  • Perwoll 28.01.2019 14:25
    Highlight Highlight Mit 56 Jahren ist der Preis nicht mehr so hoch.
  • swisskiss 28.01.2019 14:07
    Highlight Highlight Es ist NICHT sein resolutes Auftreten, dass seine konservativen Kollegen massiv verärgert, sondern aus ihrer Sicht, der Missbrauch des Rechts, dass der Speaker entscheiden kann, welche parlamentarischen Vorstösse behandelt werden.

    So wurde der Vorschlag eines Labour- Abgeordneten von Bercow auf die Traktandenliste gesetzt, die forderte, dass bei einer Ablehnung des Brexit Plans von May, innert 3 Tage ein Plan B vorgelegt werden muss.

    Ganz schwacher Artikel Philipp!
    • Gurgelhals 28.01.2019 16:25
      Highlight Highlight Bercows eher - sagen wir mal - interventionistische Amtsausübung ist aber auch in dem Kontext zu verstehen, dass die aktuelle Regierung gegenüber dem Parlament gelinde gesagt eher autoritär auftritt. May macht seit zwei Jahren kaum einen Hehl daraus, dass sie ihre Brexit-Politik möglichst ohne Einbezug des Parlaments durchdrücken will, so dass dieses am Ende nur noch abnicken darf, was am Kabinettstisch bereits beschlossen wurde.

      Dass Bercow da Gegensteuer gibt und dezidiert auf der Souveränität des Parlaments beharrt, ist da nicht nur logisch, sondern gehört zu seinen Amtspflichten.
    • swisskiss 28.01.2019 21:30
      Highlight Highlight Gurgelhals: Genau das sollte der Inhalt dieses Artikels sein, statt Bercow als lauten Pöbler zu beschreiben. Beispiel:"Sie werfen ihm vor, er beeinflusse mit seinem Auftreten die Brexit-Abstimmung zugunsten der Remainer."(sic) Falsch! Es ist nicht das Aufreten, sondern seine Priorisierung von Anträgen der Opposition, die seine Parteigenossen so erzürnen.

      Weder wird im Artikel seine Bemühung um Unabhängigkeit des Parlaments beleuchtet, noch seine Haltung, sich nicht in Parteipolitik einbinden zu lassen. Aber so simple Beschreibungen wie "Bercow ist kein Gentleman." ist nur schlechte Schreibe.
    • Jacques #23 29.01.2019 12:44
      Highlight Highlight Order!
  • Neruda 28.01.2019 13:53
    Highlight Highlight Bevor man so lobhudelt, sollte man sich vielleicht richtig informieren! Er hat zwar gute Reformen durchgeführt, trotzdem ~>
    Aus dem Echo der Zeit vom 18. Okt. 18:
    "beklagte sich ein ehemaliger Sekretär über das einschüchternde, demütigende Verhalten des Speakers hinter den Kulissen. Diese Woche hat ein Untersuchungsbericht festgestellt, derartiges Verhalten sei im Parlamentsbetrieb alltäglich"

    So von wegen Team Bercow etc.

    https://m.srf.ch/sendungen/echo-der-zeit/fall-kashoggi-i-zoegerliche-reaktionen-der-usa
  • obi 28.01.2019 12:06
    Highlight Highlight Team Bercow.
  • Herr Ole 28.01.2019 11:59
    Highlight Highlight Ebenfalls grossartig: der ehemalige Bundestagspräsident Norbert Lammert, der, trotz seiner Zugehörigkeit zur eher humorlosen CDU, das Parlament stets mit einer Prise trockenen Humors geleitet hat. Besonders sehenswert sind seine „Duelle“ mit dem ebenfalls sehr eloquenten Linken Gregor Gysi, als Zusammenschnitt auf Youtube zu finden.

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