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A model wears a creation of China's Central Academy of Fine Arts graduate students, at their 2009 graduation show, presented during China's Fashion Week in Beijing, China, Wednesday, March 25, 2009. (AP Photo/ Elizabeth Dalziel)

Ein Model präsentiert an der Fashionweek in China ein silbernes, rückenfreies Kleid.  Bild: AP

Kampf gegen den Magerwahntrend – gibt es bald auch in der Schweiz Gesetze?

Nach Frankreich will nun auch Deutschland auf gesetzlicher Ebene gegen den Magerwahn ankämpfen. Die Schweiz hinkt hinterher. Doch auch hierzulande regt sich langsam Widerstand gegen zu dünne Models und bearbeitete Werbebilder. 



«Ich habe heute leider kein Foto für dich» – ein Satz, der viele Mädchen zu Tränen rührt. Wenn sie denn gerade vor Model-Mama Heidi Klum den Laufsteg runtergeschritten sind. Derzeit läuft die 13. Staffel von «Germany’s next Topmodel» auf Pro Sieben – die Cashcow unter den deutschen Castingshows. Und wie jedesmal wird hitzig über das gezeigte Schönheitsideal diskutiert. Vor allem Jugendliche fühlen sich dadurch extrem verunsichert. Denn die Botschaft ist eindeutig: Je dünner, desto schöner. 

epa04197601 Model Stefanie Giesinger (R) reacts as she wins near German topmodel and jury member Heidi Klum (C) and second finalist Jolina (L) during the finale of the German television casting show of 2014 'Germany's Next Topmodel' in Cologne, Germany, 08 May 2014.  EPA/HENNIG KAISER

TV-Shows wie «Germany's Next Topmodel» beeinflussen vor allem junge Frauen in ihrer Selbstwahrnehmung. In Deutschland litten 2016 rund 10'000 Frauen und Männer an Essstörungen.  Bild: EPA/DPA

In die Diskussion um Magerwahn und Essstörungen schaltet sich nun auch die deutsche Politik ein. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte zum Spiegel: «Wir brauchen eine gesetzliche Regelung zum Schutz vor Magersucht.» Auch CSU-Politikerin Dorothee Bär befürchtet, dass «Aufklärung allein an ihre Grenzen zu stossen scheint.»

Seit dem 1. Oktober 2017 muss in Frankreich Werbung, die digital bearbeitet wurde, gekennzeichnet sein. Zudem müssen sich Models ihren Gesundheitszustand von einem Arzt bescheinigen lassen. Sind sie zu dünn werden sie vom Laufsteg und aus der Werbung verbannt.

Gesetze auch in der Schweiz?

Und auch in der Schweiz tut sich etwas. Im Sommer 2017 sagte SP-Nationalrätin Yvonne Feri gegenüber watson, sie überlege sich, vom Bundesrat eine Prüfung von gesetzlichen Massnahmen zu fordern. Das hat Feri nun getan. In einer Interpellation und einem Postulat fordert sie den Bundesrat dazu auf, darzulegen, ob und wo es Handlungs- und Regulierungsbedarf braucht.

«Man muss auf verschiedenen Ebenen ansetzen», erklärt Feri. Nebst einer gesetzlichen Regulierung für Werbeanzeigen befürwortet die SP-Frau auch einen medizinischen Attest für Models. Zudem fordert Feri eine Meldestelle, bei der man stossende Werbung mit zu dünnen Models, zu viel nackter Haut oder stereotypisierende Darstellungen melden kann.

«Die Firmen werden sich kaum freiwillig daran halten oder Chartas umsetzen. Deren Motivation ist klar: Sie wollen ihre Produkte so gut wie möglich an Mann und Frau bringen.»

Yvonne Feri, SP-Nationalrätin

«Wir haben zwar die Lauterkeitskommission, doch diese verfügt über zu wenig Kompetenzen», erklärt Feri. Es bräuche eine Stelle, die weitreichendere Möglichkeiten hat und dadurch auch schneller reagieren und stossende Werbeanzeigen entfernen kann. 

Frankreich als Vorreiter

Natürlich sei auch Aufklärung enorm wichtig, so Feri. Doch die rechtliche Ebene liesse sich kaum mehr umgehen. «Es wäre zwar schön, würde es ohne gesetzliche Regulierungen gehen, aber das ist extrem schwierig. Die Firmen werden sich kaum freiwillig daran halten oder Chartas umsetzen. Deren Motivation ist klar: Sie wollen ihre Produkte so gut wie möglich an Mann und Frau bringen.»

Das umstrittene Plakat eines Unterwaesche Herstellers, das zusammen mit Plakaten von Mode- und Bademode Herstellern zur Zeit in der Schweiz Werbung und Furore macht, wie hier in der Stadt Zuerich, aufgenommen am Mittwoch, 14. Mai 2003. Eines der Plakate musste auf Geheiss der Stadtpolizei Zuerich entfernt werden, und durfte nur in einer veraenderten Form, auf welcher der Schambereich eines Models nicht mehr zu sehen war, aufgehaengt werden. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Werden bearbeitete Werbeanzeigen auch in der Schweiz bald als solche ausgewiesen? Bild: KEYSTONE

Auch Urs Kiener, Kinder-und Jugendpsychologe bei Pro Juventute, unterstützt gesetzliche Regulierungen. «Frankreich ist in dieser Hinsicht viel weiter als die Schweiz. Dabei wären solche Massnahmen auch bei uns extrem wichtig.» 

«Fraglich, ob gesetzliche Massnahmen eine Lösung sind»

Dass man dem Magerwahn auch auf gesetzlicher Ebene den Kampf ansagt, sorgt jedoch nicht überall für Begeisterung. «Es ist fraglich, ob gesetzliche Massnahmen wirklich eine Lösung sind oder nur das Gewissen beruhigen», sagt Iris Cook-Müller von der Arbeitsgemeinschaft Ess-Störungen AES. Es sei wichtig, das Thema auf politischer Ebene zu diskutieren. Doch der wichtigste Ansatz seien dabei nicht Gesetze, sondern Präventions- und Beratungsangebote, so Cook-Müller. 

Auch FDP-Nationalrätin Christa Markwalder äusserte sich im August 2017 gegenüber watson kritisch: «Hinter einer Krankheit wie Magersucht stecken tiefgründigere Ursachen als Photoshop-Retouchen.» Markwalder appellierte damals an die Eigenverantwortung der Unternehmen. 

Ob es hierzulande tatsächlich bald Gesetze gegen den Magerwahntrend geben wird, wird sich zeigen. Der Bundesrat hat die Anfragen von Yvonne Feri noch nicht beantwortet. 

Models brauchen in Frankreich eine ärztliche Bescheinigung

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Video: srf

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    Alle Leser-Kommentare
  • atomschlaf 19.02.2018 01:09
    Highlight Highlight Ich sehe da schlicht keinerlei Regulierungsbedarf. Der Staat soll sich da gefälligst raushalten!
  • Zeit_Genosse 18.02.2018 20:14
    Highlight Highlight Die Modeindustrie funktioniert über Extreme. Es geht nicht darum Mode für dünne Menschen zu machen, sondern durch ultraschlanke Modells aufzufallen weil die wenigsten so sein können und damit ein Begeheren (eigentlich für die Mode) geschaffen wird. Die digitale Bildbearbeitung hat Models entlastet. Mit einem Gesetz geraten sie wieder unter Druck. Next Step werden Avatare aus gerenderten Stars sein. Eigene Cyberpersönlichkeiten werden geschaffen und als Kunstwesen die Populärkultur anreichern als AR. Models braucht es keine. Die Mode wird dann Transpersonen statt dünne zeigen und voraus sein.
  • Ril 18.02.2018 19:49
    Highlight Highlight Selten soviel Whataboutism gesehen... Es dürfte doch nicht so schwierig sein, die Sache differenzierter zu sehen, oder? Ja, Übergewicht ist durchaus auch ein Problem, das jedoch anders bekämpft werden soll (z.B. mit erschwinglichen gesunden Lebensmitteln und Bildung). Der Magerwahn betrifft aber grösstenteils Jugendliche, ist krankhaft und gesundheitsgefährdend, und kann ein Leben lang bestehen. Plus-size Models hingegen sind meist eher im unteren Bereich des Übergewichts und daher nicht krankhaft.
  • Andrea94 18.02.2018 19:41
    Highlight Highlight Müssten wir uns nicht eher überlegen, wie wir unsere Kinder darin stärken können, mutig zu sein und selbstbewusst mit den eigenen Stärken und Schwächen umgehen zu können? 🤔
    • Saraina 18.02.2018 23:37
      Highlight Highlight Und das grösste Problem an Heidi Klums Sendung ist nicht, dass die Mädchen zu dünn sind, sondern dass sie Dinge über sich ergehen lassen müssen, die ihnen gegen den Strich gehen: Haare schneiden, ausziehen, Posen und Situationen die ihnen unangenehm sind. Nix mit mutig und selbstbewusst.
    • Baba 19.02.2018 06:21
      Highlight Highlight Auch! Das eine tun, das andere nicht lassen.
    • Saraina 19.02.2018 17:32
      Highlight Highlight Nicht, wenn du ein Mädchen zwischen 9 und 16 bist, R. Peter. Der Grund, dass Staffel um Staffel der Sendung produziert wird ist, dass sie viele jugendliche Zuschauer findet, die den Mist als neues Evangelium reinsaugen.
  • DonDude 18.02.2018 19:22
    Highlight Highlight Dann sollte man McDonalds, Burger King und dergleichen per Gesetz verbieten. Und bei allen Sendungen mit Dicken sollte eine Warnung zu Beginn eingeblendet werden.
  • Trouble 18.02.2018 19:10
    Highlight Highlight Dorothee Bär spricht ja wie Yoda 😏
  • Staatsgebeutelter 18.02.2018 18:31
    Highlight Highlight Neue Gesetze wären dem Staat absolut zu zu trauen, er hat seine Unfähigkeit Ursache und Wirkung zu erkennen und aqäquat zu handeln schon mehrmals demonstriert, wieso sollte es in diesen Fragen mehr Kompetenz an den Tag legen?
  • Alnothur 18.02.2018 18:24
    Highlight Highlight Ja, gute Idee! Dazu noch ein neues Amt mit ein paar tausend Bundesangestellten! Go go go Nannystate!
  • Redly 18.02.2018 17:38
    Highlight Highlight O-ja, unbedingt...🤦‍♂️
    Alles, unbedingt alles muss gesetzlich geregelt werden... 🤦‍♀️
    Nicht!
    Jeder ist erwachsen genug, solche Bilder/Sendungen zu ignorieren. Oder hat Eltern, die dafür sorgen können. Und wer als Erwachsener das nicht kann, soll sich einen Vormund besorgen.
    • who cares? 18.02.2018 18:10
      Highlight Highlight Und Kinder, deren Erwachsene als Eltern versagen, haben einfach Pech gehabt! Oder so...
    • Redly 18.02.2018 18:31
      Highlight Highlight Nein, deren Eltern gehören unter Aufsicht/Kesb. Aber deswegen schlanke/dünne Menschen diskriminieren ist keine Option.
    • who cares? 18.02.2018 18:38
      Highlight Highlight Es gab in unserer Familie auch Magersucht. Dieses falsche Schönheitsideal war einer der Faktoren. Da unsere Eltern keine Helikoptereltern waren, haben sie nicht alles von uns Kindern überwacht. GNTM haben wir z.B. bei Freundinnen geschaut. Deswegen hätte gleich die Kesb vor der Tür stehen sollen?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Tilman Fliegel 18.02.2018 17:30
    Highlight Highlight Ich verstehe gar nicht, dass man Models für Schönheitsideale hält. Der Job ist doch eher Kleiderständer, als attraktiv zu sein.
  • Bolly 18.02.2018 17:28
    Highlight Highlight Ob zu dick, dick, normal, schlank, dünn oder Untergewicht.
    Alles wird durch die Mode definiert. Sie ist doch der Auslöser.
    Früher als die Menschen sich die Kleider noch Massschneidern konnte, war kein Konkurrenzkampf da. Erst als man die Kleider an der Stange verkaufte. Fingen die Unterschiede erst an. Nicht jede Frau passte in den Standart. Und wenn dann eben die Mächtigen die das fördern dazu kommen. Der Rest ist Geschichte. Und jedem sein Schicksal spielt dann halt auch eine Rolle dazu. Alles was halt krankhaft ist egal in welche Richtung ist nicht gut. Medien machen es nicht leichter.
  • Magnum44 18.02.2018 16:28
    Highlight Highlight Im Umkehrschluss müsste man dann aber auch gegen dicke Models vorgehen...
    • Heilandsack 18.02.2018 16:44
      Highlight Highlight Sollten wir eine entsprechende Meldestelle kriegen, darfst du dich dann beschweren, dass zu viel Haut gezeigt wird.
    • Alnothur 18.02.2018 18:28
      Highlight Highlight Aber aber, Magnum44, wir wollen hier doch nicht "Fatshamen"...
    • BigE 18.02.2018 18:45
      Highlight Highlight Nicht gegen dicke (was ist dick?) sondern gegen adipöse Models. Beide Extreme sollten verhindert werden.
    Weitere Antworten anzeigen
  • derEchteElch 18.02.2018 16:22
    Highlight Highlight „..fordert Feri eine Meldestelle, bei der man Werbung mit zu dünnen Models, ZU VIEL NACKTER Haut (..) melden kann..“

    ehm wie bitte? Habe ich etwas verpasst? Leben wir jetzt in einem Kalifat? Ist jetzt Nacktheit auch ein Problem? Werden wir prüde und bewegen wir uns Rückwärts ins Mittelalter?

    Die SP politisiert völlig am Volk vorbei und meint, stellvertretend für alle (besonders Frauen) sprechen zu können, äh.. müssen.
  • Turi 18.02.2018 16:05
    Highlight Highlight "Zudem fordert Feri eine Meldestelle, bei der man stossende Werbung mit zu dünnen Models, zu viel nackter Haut oder stereotypisierende Darstellungen melden kann."

    Jaja, die SP. Und dann noch eine Meldestelle, wo man verquere politische Gesinnungen anzeigen kann...
  • Knety 18.02.2018 15:59
    Highlight Highlight Ich denke Übergewicht ist wohl das grössere Problem. Und Onlinetrends wie die Bikinibridge oder das Tightgap lässt sich ja auch nicht einfach verbieten. Aber Hauptsache ein paar Politiker können sich mal wieder profilieren.
  • pedrinho 18.02.2018 15:56
    Highlight Highlight meninas, merkt euch eins - eine schoene frau ist wie ein gutes fruehstueck, so ganz ohne speck fehlt einfach was.
    • shoerli 18.02.2018 16:06
      Highlight Highlight pedrinho, merk dir eins - eine frau braucht keinen mann, der ihr sagt wie sie aussehen sollte, damit sie schön ist.
    • Knety 18.02.2018 16:13
      Highlight Highlight Ohne Eier und Würstchen fehlt dir auch etwas?
      😂🤣
      Sorry der musste sein.
    • pedrinho 18.02.2018 16:46
      Highlight Highlight @shoerli
      einverstanden, darum sind es ja auch frauen und frauenzeitschriften (nicht zu vergessen frauenverachtende "modeschoepfer") welche die meninas in den magerwahn treiben.

    Weitere Antworten anzeigen
  • w'ever 18.02.2018 15:56
    Highlight Highlight wenn es ein gesetz gegen magere models geben sollte, dann doch auch eins gegen dicke, oder?
    • who cares? 18.02.2018 16:10
      Highlight Highlight Dick sein ist meistens ein Nebeneffekt von etwas. Depressionen, Medikamente, zu wenig Bewegung, Stress, Übergewicht in der Kindheit, Schwangerschaft. Wer aber nimmt aktiv zu um übergewichtig zu sein? So gut wie niemand.
      Hingegen gilt schlank sein als erstrebenswerter Zustand. Blöderweise ist es jedoch nicht mehr einfach nur schlank, sondern untergewichtig. Untergewicht ist genau wie Übergewicht ungesund. Untergewicht ist ein Schönheitsideal, Übergewicht nur sehr vereinzelt. Das ist der Unterschied
    • Slavoj Žižek 18.02.2018 16:18
      Highlight Highlight Ich sehe weit häufiger übergewichtige als untergewichtige Menschen.
    • Boadicea 18.02.2018 16:18
      Highlight Highlight Differenzieren!
      Obwohl die Gesundheitsgefahren deutlich bekannt sind, gehört der Magerwahn in der Modeindustrie zum Berufsanforderungsprofil.
      Zum Dicksein hat who cares schon viel gesagt. Dicksein ist nichts, was jemand freiwillig anstrebt. Es ist ein Nebeneffekt verschiedener Fehlverhalten oder gesundheitlicher Störungen. Jeder Dicke, egal, was auch immer erzählt, wär gerne schlank. Es gibt auch keine Werbung, die Dick als Must-Have propagiert
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