Per Autostopp um die Welt
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Per Autostopp um die Welt, Woche 56

In jedem Land habe ich mindestens eine Banknote als Souvenir mitgenommen. 
Bild: Thomas Schlittler

Per Autostopp um die Welt

It's all about the money – ganz besonders beim Reisen

«Über Geld spricht man nicht.» Das sagt sich so leicht, doch nach sieben Monaten Zentral-, Südostasien und China kann ich nicht ignorieren, dass ich in Südkorea für Bett, Bier und Bauch-Vollschlagen wieder deutlich tiefer in die Tasche greifen muss.

Thomas Schlittler
Thomas Schlittler



Das liebe Geld ist auf einer Weltreise immer ein Thema – ob man will oder nicht. Es fing bereits vor meiner Abreise an: Da lege ich jahrelang, Monat für Monat, mühsam Geld auf die Seite, um mir meinen grossen Traum zu erfüllen – und dann, vier Monate vor dem Aufbruch, erhöht sich mein Reisebudget auf einen Schlag um 20 Prozent. Einfach so, ohne dass ich etwas dafür tun musste. Das ist doch irgendwie verrückt! Ich sollte Nationalbank-Präsident Thomas Jordan eine Dankeskarte schicken.

Die Nationalbank hat einfach ein paar zusätzliche Nullen auf die Scheine gedruckt.

Klar, ich weiss, dass die Aufhebung des Mindestkurses für viele in der Schweiz überhaupt nicht lustig war. Allerdings müssen auch die Relationen gewahrt werden: Mir wurde auf meiner Reise unzählige Male vor Augen geführt, dass der starke Franken im Vergleich zu den Währungssorgen anderer Länder ein Luxusproblem ist.

Ich denke zum Beispiel an Transnistrien, das kleine Land im Osten Moldawiens. Transnistrien und der transnistrische Rubel werden von keinem anderen Staat der Welt anerkannt – und trotzdem funktioniert das Leben irgendwie. Wenn auch teilweise mit unglaublichen Aktionen: Wegen einer Hyperinflation wurden 1994 aus Fünf-Rubel-Noten über Nacht 50'000-Rubel-Noten. Die Nationalbank hat einfach ein paar zusätzliche Nullen auf die Scheine gedruckt.

Per Autostopp um die Welt, Woche 56

Transnistrien: Aus Fünf-Rubel-Note wird 50'000-Rubel-Note.
Bild: Thomas Schlittler

Auch im Iran kämpfen die Menschen seit Jahren mit einer zu hohen Inflation: 2010 kostete ein US-Dollar rund 10'000 iranische Rial, heute mehr als 30'000. Importprodukte sind um ein Vielfaches teurer geworden, ohne dass die Löhne auch nur annähernd so stark gestiegen wären.

Auch im nächsten Land, dem abgeschotteten Turkmenistan, fand ich keinen Automaten, der Geld ausspuckte.

Für mich als Tourist war die Inflation im Iran kein Problem, dennoch hatte ich im Gottesstaat Geldsorgen: Weil das mit den Visa-Anträgen für Turkmenistan und Usbekistan länger dauerte als erwartet, ging mir das Bargeld aus. Und da der Iran vom internationalen Zahlungsverkehr ausgeschlossen ist, halfen mir auch meine Bankkarten nichts. Doch damit nicht genug: Auch im nächsten Land, dem abgeschotteten Turkmenistan, fand ich keinen Automaten, der Geld ausspuckte. Ohne die Unterstützung eines Iraners und Australiers wären die fünf Wochen in diesen beiden Ländern deshalb ziemlich ungemütlich geworden.

Auf einer Bank in Usbekistan schaffte ich es dann endlich, mit meiner Kreditkarte Geld abzuheben. Ich bezog bewusst US-Dollar und nicht usbekische Som. Denn wer auf einer usbekischen Bank die Landeswährung bezieht, macht ein Verlustgeschäft. Die usbekischen Banken verrechnen nämlich den offiziellen, von der Regierung festgesetzten Wechselkurs – und dieser entspricht nicht annähernd dem richtigen Marktwert des Som. Bei einem Schwarzhändler auf dem Basar bekommt man deshalb für einen US-Dollar fast doppelt so viele Som als auf einer Bank.

Per Autostopp um die Welt, Woche 56

China: Der «Grosse Vorsitzende» Mao Zedong ist omnipräsent. 
Bild: Thomas Schlittler

Währungen sind aber auch rein optisch spannend: In China prangt der «Grosse Vorsitzende» Mao Zedong auf jeder einzelnen Banknote. Genau das gleiche Privileg geniessen Ho Chi Minh in Vietnam, Kaysone Phomvihane in Laos sowie König Bhumibol Adulyadej in Thailand. Die Wahl dieser Sujets sagt viel aus über das jeweilige Land – beziehungsweise über dessen Regierung. Genau gleich, wie es viel aussagt über die Schweiz, dass auf den neuen Banknoten überhaupt keine Personen mehr zu sehen sein werden. Das passt doch perfekt zu einem Land, das kein Staatsoberhaupt hat und es auch sonst nicht gerne sieht, wenn jemand zu mächtig wird.

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Seoul ist eine Stadt, in der man sich gut unterhalten kann: ob beim Baseball ... Video: watson.ch/Thomas Schlittler

Die neuen Banknoten werden wohl eine der wenigen sichtbaren Veränderungen sein, wenn ich eines Tages in die Schweiz zurückkehre. Doch auch mit den neuen Scheinen wird man an einigen Orten kaum etwas herausbekommen, wenn man für ein grosses Bier eine Zehnernote auf den Tisch legt. Wenn ich daran denke, sind die Preise in Südkorea eigentlich doch ganz erträglich.

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... oder beim Bummeln durch die Strassen. Es gibt immer was Verrücktes zu entdecken. Gangnam Style lässt grüssen.  Video: watson.ch/Thomas Schlittler

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    Alle Leser-Kommentare
  • sheshe 27.06.2016 12:35
    Highlight Highlight Als weltgereister kann ich nur folgende Tipps geben: Immer mind. 300 USD in Bar (kleine Scheine) irgendwo verstecken. Immer mind. zwei Kredit- und zwei Debit-Karten dabei haben (Visa + MC sind pflicht, Maestro + Plus ideal). Das Geld und die Karten niemals alles an einem Ort haben. Bargeld immer im Hosensack und nicht im Portmonnee, von allem Kopien machen (oder Scans in die Cloud) und IMMER DEN ATM KONTROLLIEREN! War schon oft an ge"scamed"en ATMs und da darf man dann einfach nichts abheben. Ein Paypal Konto ist auch gut, falls man mal Geld ausleihen muss und es dann zurückzahlt.
    • Thomas Schlittler 02.07.2016 03:54
      Highlight Highlight Merci für die Tipps. ;-)
  • saugoof 26.06.2016 01:20
    Highlight Highlight Ich habe mir auch in jedem Land eine Banknote als souvenir mitgenommen. Da hat sich über die Jahre so ziemlich etwas angesammelt. Das ist aber auch ein gutes Indiz dafür wie die Welt sich ändert. Viele der Währungen in meiner Sammlung gibt es nicht mehr.

    In China habe ich auch mal eine gefälschte Banknote bekommen und hab das nicht mal gemerkt bis ich damit auch zahlen wollte. Immerhin ergab das noch ein ganz besonderes Souvenir.
  • Luca Brasi 25.06.2016 18:50
    Highlight Highlight Nicht überall ist "Der grosse Vorsitzende" drauf in der VR China. Nur auf den Yuan. Auf der Untereinheit Jiao sind die ethnischen Minderheiten drauf, was aber auch irgendwie ein Statement ist (zudem gibt es diese Einheit sowohl als Noten als auch Münzen (ohne Minderheiten drauf)).
    Benutzer Bild
    • dä dingsbums 26.06.2016 00:34
      Highlight Highlight Wie viele Jiao machen einen Yuan?
    • saugoof 26.06.2016 01:23
      Highlight Highlight Als ich zum ersten mal in China war gab es zusätzlich noch FMC. Eine Währung ausschliesslich für Touristen mit der man nur in "Friendship Stores" kaufen konnte. Die hatte auch nicht Mao drauf, sah aber aus wie Monopoly Geld.
    • Luca Brasi 26.06.2016 07:37
      Highlight Highlight @dä dingsbums: 10 Jiao sind ein Yuan. Es gibt 1, 2 und 5 Jiao-Noten resp. -Münzen. Es gibt noch eine weitere Untereinheit namens Fen. 10 Fen sind 1 Jiao. Aber Fen ist so wenig wert, dass man es im Alltag praktisch nie sieht.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Wanawake 25.06.2016 13:54
    Highlight Highlight Vieles wird dir auffallen, was anders ist, wenn du zurück kommst. Glaub nicht, dass sich das auf die Banknoten beschränkt. Schon nur ein Einkauf in Migros oder Coop können einen ganz schön zum Staunen bringen...ging mir jedenfalls so. Überall neue Produkte und Marken. Wirst du darüber schreiben, wie es ist, nach langer Zeit unterwegs wieder "zuhause" zu sein?
    • Warumdennnicht? 25.06.2016 18:26
      Highlight Highlight Wirst du darüber schreiben, wie es ist, nach langer Zeit unterwegs wieder "zuhause" zu sein?

      Das würde ich sehr Begrüssen.

      Allgemein, lese ich die Reiseberichte von Schlittere sehr sehr gerne.
    • Thomas Schlittler 02.07.2016 04:00
      Highlight Highlight Bin gespannt, ob mir tatsächlich soviel auffallen wird. Geht aber noch ein Weilchen, bis ich wieder zurück bin. Ob ich nach meiner Rückkehr noch eine Kolumne schreibe, weiss ich nicht. Wenn ich die Kolumne bis am Schluss durchziehen darf, kann ich mir das aber sehr gut vorstellen. Es drängt sich ja eigentlich auf. LG aus Korea
  • DEW 25.06.2016 11:26
    Highlight Highlight Das ist immer etwas das ich mich recht oft frage, wenn ich Weltreise-Geschichten von anderen Leuten höre: "Wie haben die das nur mit dem Geld gemacht?" Es gibt ja viele Lösungen aber keine ist 100% perfekt.
    Hast du dir eine 'Reise-Kreditkarte' besorgt?
    • Thomas Schlittler 02.07.2016 04:03
      Highlight Highlight Ich habe eine Debit-Karte (Maestro), eine Kreditkarte (Mastercard) und eine Travel-Cash-Karte (Mastercard). Dazu kommen 500 US Dollar in bar in meinem Gürtel ... ;-) Normalerweise bin ich also safe, wenn ich nicht gerade 5 Wochen ohne ATM auskommen muss ... LG aus Korea

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