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Rangers-Torhüter Henrik Lundqvist lässt die Fanghand zuschnappen.
Rangers-Torhüter Henrik Lundqvist lässt die Fanghand zuschnappen.
Bild: Ap

Torflut in der NHL – aber die Goalies beschweren sich über die neue Ausrüstung

In der NHL fallen zum Saisonstart auffallend viele Tore. Gleichzeitig beschweren sich einige Torhüter über neue, kleinere Brustpanzer. Besteht ein Zusammenhang?
10.10.2018, 16:1111.10.2018, 07:06

In der NHL gibt es gefühlt so viele Tore wie seit der Ära von Wayne Gretzky nicht mehr. Die jüngsten Beispiele: Ein 8:2-Sieg der San Jose Sharks gegen die Philadelphia Flyers. Oder ein 7:4-Erfolg der Toronto Maple Leafs über die Dallas Stars.

Tatsächlich gab es in den 41 bisherigen Spielen 260 Tore – also 6,34 Treffer pro Spiel. Das ist über dem Durchschnitt der letzten Saison, als es pro Partie 5,56 Treffer gab. Und glaubt man gewissen frustrierten Torhütern, ist die Liga «Schuld» am Anstieg.

Denn seit dieser Spielzeit müssen die Goalies andere Brustpanzer tragen. Die grösste Veränderung betrifft die Schoner bei den Schultern. Sie sind neu 3,8 Zentimeter dünner und so entworfen, dass sie auf den Schultern anliegen und nicht mehr hochstehen. Auch an Bizeps, Ellbogen und Unterarm wurden die Schoner verkleinert. 

Links der alte Brustpanzer, rechts der neue.
Links der alte Brustpanzer, rechts der neue.
Bild: ingoalmag.com

Das Ziel der Liga war es, die Torhüter weniger «eckig» aussehen zu lassen, die Gesamtfläche zu verkleinern und so für mehr Tore im Spiel zu sorgen. Ein Resultat der Veränderung ist aber auch, dass die Keeper die Pucks wieder vermehrt spüren. Schon während der Vorbereitung kritisierte James Reimer die neue Ausrüstung: «Sobald die Schüsse härter werden, schmerzt jeder Puck.» Das habe zur Folge, dass man als Torhüter zögere oder zusammenzucke, insbesondere wenn der Schuss aus einem schlechten Winkel komme, erklärt der 30-jährige von den Florida Panthers.

Noch deutlicher wurde Brian Elliott. Der Keeper der Philadelphia Flyers kritisierte die Entscheidung der Liga – noch vor der 2:8-Pleite gegen San Jose – scharf: «Meine Arme sind voller blauer Flecken, es ist verrückt!» 

Brian Elliott erlebte gegen San Jose einen schwierigen Abend.
Brian Elliott erlebte gegen San Jose einen schwierigen Abend.
Bild: AP

Laut dem 33-Jährigen ist das grösste Problem, dass die Schoner nun enger anliegen. «Es hat keine Luft mehr zwischen dir und deinem Schoner. Wenn ein Puck deinen Schoner trifft, trifft er gleichzeitig auch dein Fleisch und deine Knochen», erklärt Elliott. Er habe diesbezüglich auch schon mehrere Mails an NHL-Vizepräsident Kay Whitmore geschrieben.

Whitmore war bei der Einführung der neuen Brustpanzer federführend und nahm entsprechend Stellung: «Ein Torhüter sollte nicht von jeder Aktion blaue Flecken davontragen. Wir wollen nicht sehen, dass die Keeper auf dem Eis plötzlich ängstlich agieren.»

Derzeit scheint also gut möglich, dass die NHL an den Brustpanzern wieder gewisse Anpassungen vornimmt. Das wäre wichtig, denn die Sicherheit der Torhüter geht vor.

Dabei muss man aber auch erwähnen, dass die aktuelle Torflut wohl wenig mit der Ausrüstung der Keeper zu tun hat. Es ist normal, dass Anfang Oktober in der NHL mehr Tore fallen. Die Teams sind oft noch nicht wirklich eingespielt, die Abstimmung in den Special Teams und zwischen den Feldspielern und Goalies passt noch nicht perfekt. Im Laufe der Saison wird sich der Wert wohl wieder normalisieren.

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