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Bundesrat Moritz Leuenberger riecht an einem Autoauspuff, als Auftakt der Kampagne fuer die Energieetikette fuer effiziente Autos, am Montag, 24. Februar 2003 in Bern. Analog zu Elektrogeraeten muessen seit Anfang Jahr auch alle neuen Personenwagen mit einer energieEtikette gekennzeichnet werden. Die Etikette gibt Auskunft ueber den Treibstoffverbrauch und den CO2-Ausstoss. Neuwagen werden mit der energieEtikette in sieben Kategorien von A bis G eingeteilt. A steht fuer ein energie-effizientes, G fuer ein vergleichsweise ineffizientes Fahrzeug. (KEYSTONE/Edi Engeler)

Schnüffeln für saubere Luft: Der damalige Energieminister Bundesrat Moritz Leuenberger riecht 2003 medienwirksam an einem Autoauspuff, als Auftakt der Kampagne für die Energieetikette fuer effiziente Autos. Bild: KEYSTONE

Auf diese legale Trickserei setzt die Schweizer Autobranche

«Labortests» beschönigen den echten CO2-Ausstoss von Neuwagen, weshalb es nun ein neues Verfahren gibt. Die Autoimporteure wollen die Durchschnittswerte nach oben schrauben – und die Schweiz an die EU andocken.

antonio Fumagalli / Aargauer Zeitung



Der Aufschrei war gross, als 2015 der Abgas-Skandal aufgedeckt wurde. Damals ging es um den Ausstoss von Stickoxiden bei Dieselfahrzeugen. Der Autohersteller VW umging mit illegalen Systemen die Abgasnormen verschiedener Länder. Doch auch in Bezug aufs Treibhausgas CO2 wird getrickst – allerdings auf absolut legale Art und Weise.

Die Emissionsvorschriften in der Schweiz sind klar definiert: Neuwagen dürfen durchschnittlich 130 Gramm CO2 pro Kilometer ausstossen. Das gilt für die gesamte Flotte eines Importeurs (die Schweiz hat keine eigenen Autohersteller), der Ausstoss von «Benzinschluckern» kann also mit verbrauchsärmeren Fahrzeugen kompensiert werden. Oder mit anderen Worten: Wer einen Ferrari importiert, sollte auch noch ein Elektroauto im Angebot haben – sonst wird es teuer.

Gemäss Bundesamt für Energie (BFE) wurden die Autoimporteure 2016 mit Sanktionen in der Höhe von 2,4 Millionen Franken gebüsst. Denn der erforderliche Mittelwert von 130 Gramm CO2/km wurde um vier Gramm überschritten (ein Gramm weniger als 2015).

Tageszulassungen im Dezember

Um die Bussgelder möglichst tief zu halten, haben die Importeure natürlich ein Interesse, die Emissionsvorschriften einzuhalten oder zumindest so nahe wie möglich an sie heranzukommen. Ein beliebter, völlig legaler «Trick» sind sogenannte Tageszulassungen: Neuwagen werden dabei für einen oder wenige Tage ein- und sogleich wieder ausgelöst. Danach wird das Auto als Occasion verkauft.

Das macht zum Beispiel dann Sinn, wenn ein Importeur im Dezember feststellt, dass er fürs laufende Jahr über dem Soll ist. Also löst er noch schnell ein paar verbrauchsarme Fahrzeuge ein, senkt damit den Mittelwert und bezahlt keine oder nur eine geringe Strafgebühr. Im Gegenzug nehmen die Importeure eine kleinere Marge in Kauf und laufen Gefahr, auf den Occasionen «sitzenzubleiben». Beim BFE ist man sich der Thematik der Tageszulassungen bewusst, hält das Ausmass aber nicht für problematisch. «Es gab bis jetzt keinen Anlass, dagegen vorzugehen», sagt Sprecherin Marianne Zünd.

Dieselfahrzeuge schneiden im ADAC-Eco-Test schlecht ab

Video: reuters

In einem Communiqué, das heute veröffentlicht wird, geht der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) weiter und greift das CO2-Testverfahren selbst an: Die auf dem Prüfstand ermittelten Werte würden stark vom realen Treibstoffverbrauch abweichen.

Das bestätigt auch Christian Bach von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa. «Wenn man das Gewicht und die Fahrwiderstände der Autos aufs Minimum reduziert und alle Nebenverbraucher wie Klimaanlage und Licht ausschaltet, kann man 30 bis 40 Prozent der CO2-Emissionen einsparen», so der Abteilungsleiter für Fahrzeugantriebssysteme.

In diesem Ausmass ist das allerdings nicht mehr lange möglich: Noch diesen Herbst will die EU ein neues Testverfahren namens WLTP einführen. Auch damit wird das CO2-Prüfergebnis noch nicht «echten» Werten entsprechen, gemäss Bach dürfte die Abweichung dannzumal aber nur noch ungefähr der Hälfte von heute entsprechen – weil zum Beispiel Fahrzeuggewicht oder Roll- und Luftwiderstand realistischer einbezogen werden.

Wie viel Klimaschutz soll's sein?

«Auto-Schweiz», die Vereinigung der Schweizer Automobil-Generalimporteure, stellt sich nicht grundsätzlich gegen das neue Verfahren. Aber sie fordert, dass entsprechend auch die Emissionsvorschriften nach oben gesetzt werden – weil die neuen, realistischeren CO2-Werte höher ausfallen werden. «Man kann nicht mitten im Spiel die Regeln ändern», sagt Präsident François Launaz. Ziel müsse sein, die realen Emissionen zu senken und nicht einfach mehr Bussgeld einzutreiben.

Wie es die Bevölkerung mit dem Energiegesetz soeben abgesegnet hat, dürfen Neuwagen ab 2021 (mit einer Übergangsphase) gar nur noch 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstossen.

«Auto-Schweiz» hält dies für die Schweiz alleine nicht für realistisch – und fordert, dass der Schweizer Mittelwert bei demjenigen der EU mitgerechnet wird. Denn auf europäischer Ebene kompensieren verbrauchsarme Länder wie Italien «Dreckschleudern» wie Deutschland. Gegen eine solche Andockung an die EU wehrt sich der VCS, der heute seine «Umweltliste» mit den verbrauchseffizientesten Neuwagen aufdatieren wird, mit Händen und Füssen.

Evi Allemann, SP Nationalraetin Bern, spricht an der Medienkonferenz von Volksabstimmung vom 12. Februar 2017 NEIN zum NAF, am Dienstag, 10. Januar 2017, im Medienzentrum Bundeshaus in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

SP-Nationalrätin Evi Allemann: «Auch wir müssen unseren Beitrag an den Klimaschutz leisten.» Bild: KEYSTONE

Präsidentin und SP-Nationalrätin Evi Allemann: «Eine EU-weite Anrechnung würde die Schweiz von allen CO2-Zielen befreien. Das geht nicht an – auch wir müssen unseren Beitrag an den Klimaschutz leisten.»

Die schlechtesten Autos im Jahre 2015/2016 (nach Jeremy Clarkson)

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27Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • John Smith (2) 04.07.2017 11:43
    Highlight Highlight Sind die Auto-Importeure nicht die gleichen Leute, für die sonst die EU der Inbegriff alles Bösen ist?
  • peeti 04.07.2017 11:27
    Highlight Highlight Ja schau an, plötzlich ist es für Auto Schweiz, die ziemlich sicher mit vielen SVP-Leuten verbandelt ist, wichtig, mögl. schnell EU-Standards zu übernehmen
  • Matthias Studer 04.07.2017 10:04
    Highlight Highlight Was heisst hier Bußgeld? Am Schluss zählt das der Konsument.
    Mal zusammenrechnen, wir zahlen das Bußgeld, dann die CO2 Steuer, Mehrwertsteuer...
    Für ein und das selbe Produkt. Irgendwie bekommt man das Gefühl, unsere Politiker haben den Überblick schon lange verloren.
    Ich frage mich, wie viel könnte man sparen, wenn mal alle Steuern von einem Büro kommen.
    • phreko 04.07.2017 12:07
      Highlight Highlight Wie gross darf denn das Büro sein?
  • Reto32 04.07.2017 09:58
    Highlight Highlight Eine Andockung am EU-System ist vor allem politisch unmachbar. Wenn schon beim Elektrizitätmarkt und beim Emissionshandelsystem seit Jahren nichts kommt, weiss ich nicht, wie sich die Herren bei Auto-Suisse vorstellen, wie wir auf diesem Dossiers irgendetwas hinkriegen sollen
    • atomschlaf 04.07.2017 14:28
      Highlight Highlight @Reto32: Wäre schon machbar.
      Die CO2-Steuer auf importierten Autos hat die Schweiz schliesslich im Alleingang beschlossen, somit kann die Schweiz auch eigenständig die Berechnungsgrundlagen festlegen und wenn sie will, die Zulassungszahlen in der EU in die Berechnung mit einbeziehen.
    • Reto32 04.07.2017 15:53
      Highlight Highlight Aha, so hatte ich es mir nicht vorgestellt...
      Wäre selbstverständlich machbar, gäbe aber wenig Sinn, den die Schweizer Werte hätten dann keinen Einfluss auf dem EU-Durchschnitt, d.h. müssten nicht durch emissionsarmen Verkäufe in anderen EU-Ländern kompensiert werden
  • ujay 04.07.2017 09:45
    Highlight Highlight Die erste Trickserei der Autoindustrie ist immer die falsche Angabe ueber den Kraftstoffverbrauch. Der ist weit weg von der Realitaet. In Europa wird das toleriert, in den USA kann der Konsument bei solchen Machenschaften den Hersteller/Haendler verklagen.
  • Yippie 04.07.2017 09:41
    Highlight Highlight Die Sanktion ist sowieso lächerlich. In der Schweiz werden jährlich etwas mehr als 300'000 Fahrzeuge verkauft. Pro verkauftes Auto müssen die Autoverkäufer also 8 Fr. Strafgebühr zahlen.
  • Walter Sahli 04.07.2017 09:21
    Highlight Highlight Ja, blöd, wenn man in der Werbung Dinge verspricht und dann plötzlich beim Wort genommen wird.
  • gnp286 04.07.2017 09:20
    Highlight Highlight Jaja hauptsache jammern! Ist schon gut, dann müssen auch nicht alle mit dem Porsche Cayenne/BMW X5/Audi Q7 in der City rumgurken. Aber das drückt natürlich auf die Absatzzahlen.
  • My Senf 04.07.2017 09:02
    Highlight Highlight Wir belügen uns doch alle ständig selber! Wer weiss eigentlich wo und von wem (Kinder) das Hemd das er gerade Angst hergestellt wurde? Und wie viel Kraftstoff (Schiffsdiesel ist was vom grusigste) für den Transport bis in die Schweiz auf der ganzen Welt verbrannt wurde? Ja der Verkehr gehört anscheinend zu unserem Leben, nur sauber soll er sein. Wir dürfen weiter träumen... nur denken die wenigsten an die Ursache, aber die abzuschaffen würde unser Weltmodell in frage stellen also belügen wir uns alles schön
  • Str ant (Darkling) 04.07.2017 09:00
    Highlight Highlight Der SP ist aber schon bewusst das so etwas nur möglich ist solange die Schweiz das frei bestimmen kann?
    Sonst is die SP auch nicht so Scheu vieles bereits automatisch aus der geliebten EU zu übernehmen.

    Das der Tierschutz, Verbraucherschutz und Umweltschutz auf dem EU Altar geopfert werden müsste fällt der SP das reichlich spät auf
    • atomschlaf 04.07.2017 09:40
      Highlight Highlight Wäre mir neu, dass die Schweiz punkto Konsumentenschutz besser ist als die EU.
    • Töfflifahrer 04.07.2017 11:18
      Highlight Highlight In Sachen Konsumentenschutz sind die in der EU jedenfalls einiges besser gestellt.
  • kEINKOmmEnTAR 04.07.2017 08:45
    Highlight Highlight Wir sollten unseren CO2-Verbrauch selber senken und nicht mittels statistischen Tricksereien (andocken an die EU) dies versuchen zu erreichen.
    • atomschlaf 04.07.2017 09:18
      Highlight Highlight Wenn man schon die Grenzwerte der EU übernimmt, dann sollte man auch dasselbe Berechnungsmodell anwenden.
  • RacKu 04.07.2017 08:44
    Highlight Highlight «Man kann nicht mitten im Spiel die Regeln ändern» 😂✌️

    Wer lange genug betrügt, fühlt sich irgendwann im Recht.

  • Donald 04.07.2017 08:39
    Highlight Highlight Warum sollen wird kein Vorreiter sein? Es geht schliesslich um die Luft, die wir atmen. Auto Schweiz, Lobbyisten...
    • atomschlaf 04.07.2017 08:51
      Highlight Highlight @Donald: Nein, es geht beim CO2 eben gerade nicht um die Qualität der Atemluft.
      Im Gegenteil: Die CO2-Hysterie hat uns massiv mehr Feinstaub- und Stickoxid-Schleudern beschert!
    • peeti 04.07.2017 11:24
      Highlight Highlight @atomschlaf: da gebe ich dir recht. Aber nur deshalb müssen die CO2-Vorschriften nicht schlecht sein. Es braucht einfach weitere, zb ein Verbot von Diesel-PWs in den Innenstädten (wird zb in Oslo in ein paar Jahren wohl der Fall sein)
    • @BlackStar 04.07.2017 13:23
      Highlight Highlight Wenn wir Vorreiter sein wollen, dann müssten wir sofort den Import von PW mit Dieselmotoren verbieten sowie die Laufzeit der immatrikulierten PW mit Dieselmotoren auf 10 Jahre beschränken.
      Dass wäre effektiver Umweltschutz.

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