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Das sagt der ehemalige Post-Finanzchef zur Postauto-Affäre

Pascal Koradi war von 2012 bis 2016 Finanzchef der Post, bevor er zur Aargauischen Kantonalbank (AKB) als CEO wechselte. Koradi erklärt im Interview, wie er die Postauto-Affäre sieht, was er als Finanzchef der Post unternahm und warum er rückblickend nicht zufrieden ist.
09.02.2018, 07:3115.02.2018, 08:17
Rolf Cavalli / az

«CEO der Aargauischen KB im Postauto-Sturm», titelte die in der Finanzbranche bekannte Plattform «Inside Paradeplatz» am Donnerstagmorgen. Gemeint ist Pascal Koradi: Der heutige AKB-Chef war von 2012 bis 2016 Finanzchef der Post. Im Zusammenhang mit den publik gewordenen Buchhaltungs-Tricks der Postauto AG taucht der Name Koradi in einer Aktennotiz auf, welche der «Blick» veröffentlicht hat.

Pascal Koradi war von 2012 bis 2016 Finanzchef der Post
Pascal Koradi war von 2012 bis 2016 Finanzchef der Post
Bild: PHOTOPRESS

Gemäss dieser hatte die interne Revision in einem E-Mail vom Sommer 2013 die damalige Post-Spitze gewarnt betreffend Finanzgebahren bei der Postauto AG, einer Tochtergesellschaft der Post. Empfänger war neben Post-Chefin Susanne Ruoff unter anderen auch der damalige Post-Finanzchef Koradi.

Die «Aargauer Zeitung» erreichte Koradi in seinen Winterferien und konnte schriftlich Fragen stellen sowie telefonisch vertiefen.

Herr Koradi, was war Ihre erste Reaktion, als Sie Anfang Woche von der Postauto-Affäre gelesen haben?
Als ich Anfang dieser Woche von den Ergebnissen der Revision des BAV gehört habe, war ich überrascht. Die Zielkonflikte zwischen den Eignerzielen und dem regionalen Personenverkehr waren mir bekannt. Die im Bericht erwähnten fiktiven und fehlerhaften Buchungen in der Kosten- und Leistungsrechnung zu Lasten der Sparte regionaler Personenverkehr waren für mich Neuland.

Susanne Ruoff wusste angeblich schon seit Jahren vom Betrug ihrer Kollegen.

Video: © TeleM1

In der Berichterstattung wird nun auch Ihr Name genannt. Der «Blick» hat ein E-Mail der internen Revision veröffentlicht, mit dem die damalige Post-Spitze bereits im Sommer 2013 gewarnt worden sei betreffend Vorgängen bei der Postauto AG. Wie beurteilen Sie den Inhalt dieses Mails aus heutiger Sicht?
Ich habe mich als Leiter Finanzen Post und Mitglied der Konzernleitung mit meinen Kolleginnen und Kollegen stets dafür eingesetzt, innerhalb der gesetzlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen für alle Anspruchsgruppen das bestmögliche Resultat zu erzielen. Wir haben hierzu regelmässig einen Dialog mit den verschiedenen Aufsichtsstellen geführt. Dazu stehe ich.

Haben Sie als Finanzchef der Post nie Verdacht geschöpft betreffend möglicher Unregelmässigkeiten bei der Postauto AG?
Als Leiter Finanzen Konzern wusste ich um die bereits erwähnten Zielkonflikte. Aus diesem Grund war es uns ein Anliegen, mehr Transparenz für die Besteller von Leistungen im regionalen Personenverkehr und dem Regulator zu schaffen. Dies wurde in den Jahren 2014/15 erarbeitet und per 2016 umgesetzt.

Postchefin Ruoff spricht mittlerweile von «illegalen, fiktiven Buchungen» bei Postauto. Wie ist Ihre Einschätzung?
Ich habe im Revisionsbericht des BAV erstmals von fiktiven Buchungen innerhalb der Kosten-/Leistungsrechnung in hoher Anzahl zu Lasten der Sparte öffentlicher Personenverkehr gelesen. Dies war mir nicht bekannt. Bitte haben Sie Verständnis, dass ich hierzu keine weitere Aussage machen kann. Ich bin nun seit rund 2 Jahren nicht mehr als Leiter Finanzen des Konzerns Schweizerische Post tätig. Es steht mir als Person nicht zu, hierzu Wertungen vorzunehmen.

Sind Sie sich irgendwelche Fehler bewusst im Rückblick?Schlussendlich ist das Ergebnis entscheidend. Es wurden gemäss Revisionsbericht fehlerhafte Verbuchungen innerhalb der Kosten- und Leistungsrechnung der Tochtergesellschaft PostAuto bis 2015 getätigt. Damit kann ich im Rückblick nicht zufrieden sein.

Hat der Fall irgendwelche Bedeutung für Sie als AKB-Chef?Die AKB ist von diesen Vorkommnissen nicht betroffen. Mit meinen Kolleginnen und Kollegen darf ich dieses erfolgreiche Unternehmen weiterentwickeln. Wir haben schon viel erreicht und noch sehr viel vor. Darüber werden wir an unserer Bilanzmedienkonferenz vom 20. Februar orientieren. (aargauerzeitung.ch)

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