DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Vater mit Kind (Symbolbild)
Vater mit Kind (Symbolbild)Bild: KEYSTONE

Väter sind bei Trennungen oft die Verlierer – jetzt hoffen sie auf ein wegweisendes Urteil

Das Bundesgericht fällt demnächst einen Entscheid, der das Leben von Trennungskindern noch lange prägen wird. Und das Unterhaltsrecht für Väter.
24.03.2018, 07:2124.03.2018, 09:14
Yannick Nock / Schweiz am Wochenende

Wenn die Verzweiflung am grössten ist, wenden sich Väter an ihn: Oliver Hunziker, Präsident des Dachverbands für gemeinsame Elternschaft, begleitet Männer durch ihre vielleicht schwerste Zeit. An ihn gelangen Fälle, die aussichtslos scheinen. Männer, die nach einer Trennung am Leben ihrer Kinder teilhaben wollen, aber nicht dürfen. Sie möchten Väter sein, kein Wochenend-Besuch.

Wie werden Kinder betreut?
Trennen sich Mutter und Vater, gibt es unterschiedliche Modelle der Kinderbetreuung: Das Residenzmodell ist am weitesten verbreitet. Kinder leben mehrheitlich bei einem Elternteil. Hierzulande ist das in der Regel die Mutter. Beim Wechselmodell hat jeder Elternteil eine genügend grosse Wohnung, um das Kind an mehreren Tagen pro Woche betreuen zu können. Selten ist das Nestmodell: Die Kinder bleiben im vertrauten Daheim, die Eltern wechseln die Wohnung. Der Elternteil, der nicht betreut, wohnt woanders. Das Problem: Es braucht drei Wohnungen.
Jetzt auf

Eigentlich hätte vieles einfacher werden sollen. Am 1. Januar 2017 trat das neue Unterhaltsrecht in Kraft. Und damit ein neues Modell: die alternierende Obhut. Kinder können zu gleichen Teilen bei ihren Eltern wohnen, beispielsweise zwei Wochen bei der Mutter, dann zwei beim Vater. Das Interesse ist riesig. «80 Prozent der Anfragen an uns betreffen mittlerweile die alternierende Obhut», sagt Hunziker. «Viele Väter wünschen sich dieses Modell.»

Doch die Realität ist eine andere. Trotz Reform sind Männer bei einer Trennung oft die Verlierer und werden zu machtlosen Zahlvätern degradiert. Vielen gelinge es nicht, die geteilte Obhut zu erhalten, obwohl dies am besten für das Kind sei, schreibt die «NZZ am Sonntag». Im Zweifel wird der Mutter die Betreuung und dem Vater die Arbeit zugeteilt. Es gab Fälle, in denen der Mann vor der Trennung die Kinder zu 50 oder mehr Prozent betreut hat. Trotzdem erhielt die Mutter die Obhut – und der Mann musste ein 100-Prozent-Arbeitspensum beginnen, um den Unterhalt zahlen zu können.

Der Dachverband der Männer- und Väterorganisationen, Männer.ch, wird deshalb am Samstag eine Resolution verabschieden. Der Verband fordert, die geteilte Obhut mehrheitlich umzusetzen. Und die Väter dürfen hoffen. Wie das Bundesgericht bestätigt, wird demnächst ein Urteil gefällt, welches das Leben von Tausenden Trennungskindern prägen wird: «Am Bundesgericht sind mehrere Verfahren zum neuen Unterhaltsrecht hängig», heisst es auf Anfrage.

Die Entscheidungen würden verschiedene Fragen des neuen Unterhaltsrechts behandeln. Zu den wichtigsten Punkten zählen:

Wie hoch ist das Betreuungsgeld? Der Betreuungsunterhalt wird je nach Kanton unterschiedlich berechnet. Einige gehen von Pauschalen aus, andere berechnen die Lebenskosten und in seltenen Fällen wird ein fixer Anteil des Einkommens als Unterhalt festgelegt. Bei gleichem Betreuungs- und Arbeitspensum müsste gemäss Väterorganisationen das Betreuungsgeld beiden Elternteilen zugutekommen. Heute sollen Männer oft den gesamten Unterhalt finanzieren. Der Verband Männer.ch spricht von «absurd hohen Ausgleichszahlungen». Hinzu kommt: Seit 2017 müssen auch unverheiratete Väter nicht nur für ihre Kinder, sondern auch für die Mutter zahlen. Das Modell ist weitgehend unbestritten, wie hoch die Beiträge ausfallen sollen, allerdings nicht.  

Es gibt Dinge, die man nur in der Familie tut – und das ist auch gut so

Video: watson

Ab wann sollen Eltern wieder arbeiten? Besonders umstritten ist die sogenannte 10/16-Regel, die in vielen Kantonen angewandt wird. Sie besagt, dass der betreuende Elternteil erst ab dem 10. Geburtstag des Kindes wieder arbeiten muss – und Vollzeit erst ab dem 16. Altersjahr. Oliver Hunziker vom Dachverband für gemeinsame Elternschaft sieht darin Nachteile. Es sei niemandem geholfen, wenn man sich zehn Jahre aus dem Arbeitsmarkt verabschiede. Für Hunziker ist es am sinnvollsten, wenn der betreuende Elternteil spätestens mit der Einschulung des Kindes wieder einer Arbeit nachgeht.  

Ist das Wechselmodell das beste fürs Kind? Bisher gibt es keine Zahlen dazu, wie oft sich Paare nach der Trennung für die alternierende Obhut entscheiden oder wie häufig Gerichte sie festlegen. Andere Länder wie Frankreich oder Belgien haben das Modell zum Standard erklärt. Der Bundesrat möchte das nicht, wie er in einem im Dezember verfassten Bericht schreibt. Die Regierung pocht aber darauf, dass die alternierende Obhut jeweils geprüft wird, mit der Frage: Was ist das Beste fürs Kind?

Wie viele verzweifelte Väter sich künftig an Oliver Hunziker wenden, hängt nun vom Bundesgericht ab. Das Urteil wird in den kommenden Monaten erwartet.

(aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

28 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Lord_Mort
24.03.2018 09:25registriert Oktober 2015
Ich verstehe nach wie vor nicht, wieso bei Trennungen solch veraltete Familienmodelle (Vater =Ernährer, Frau= zu Hause) als Grundlage für die gerichtlichen Urteile dienen. Ich habe noch keine Kinder, aber wenn ich als Mann daran denke wie es wohl sein wird Vater zu sein, dann will ich nicht nur derjenige sein, der das Leben finanziert und wenns hoch kommt, die Kinder am Abend zudeckt. Mir ists genauso wichtig, die Kinder im Alltag zu erleben, mit ihnen zu lernen und für sie da zu sein. Keine Ahnung, warum die Politik den Männern in dieser Beziehung nur eine oberflächliche Rolle zugesteht.
1663
Melden
Zum Kommentar
avatar
Toerpe Zwerg
24.03.2018 08:18registriert Februar 2014
Bei dieser Frage werde ich zum Maskulinisten und fordere, dass die systematische gesetzliche und gesellschaftliche Diskriminierung von Vätern endlich aufhört.
15011
Melden
Zum Kommentar
avatar
Turi
24.03.2018 09:49registriert März 2016
"Es gab Fälle, in denen der Mann vor der Trennung die Kinder zu 50 oder mehr Prozent betreut hat. Trotzdem erhielt die Mutter die Obhut – und der Mann musste ein 100-Prozent-Arbeitspensum beginnen, um den Unterhalt zahlen zu können."

Die Schweiz ist eines der rückständigsten Länder, wenns um Diskriminierung der Männer geht. Familienrecht, Rentenalter, Dienstzwang. Das haben wir einer seit Jahrzehnten latent männerfeindlichen linken und rechten Politik zu verdanken. Gewisse Medien tragen mit eine Schuld mit ihrer Hatz gegen Männer und Väter.
16231
Melden
Zum Kommentar
28
Legale Eizellenspende nimmt die nächste Hürde

Die Legalisierung der Eizellenspende nimmt die nächste Hürde: Nach dem Ja des Nationalrats befürwortet nun auch die zuständige Ständeratskommission eine entsprechende Motion. Bis zu einer gesetzlichen Regelung ist es aber noch ein langer Weg.

Zur Story